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Die neue Welt · 1935-09-03 · Heft 494 (3.9.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 494 (3.9.1935)
Date
1935-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m DDE NEÜE WELT Seite 8 Kongreß-Beiblatt für „Die Neue Welt" *^MMWW^WWW¥WW»W»¥¥W¥W¥^ Utme-PMuudeeieH Herr S. Kaplansky sagte in der Generaldebatte in bezug auf Robert Strickers Endzielformulierung: »Der binationale Staat ist sicher kein Ziel der zionistischen Bewegung, ein binationale« Palästina ist eine Tatsache. Sogar wenn wir noch In unsern Jahren — und das hoffen wir all© — Millionen Juden ins Land bringen werden, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß es schon heute eine Million Araber In Palästina gibt und daß es im Laufe der Zelt noch mehr geben wird. Das heißt, es werden in Ere» lötael immer »wei Völker leben." Und dann etwas deutlicher, aber noch immer nicht deutlich genug: „Dio Gegenüberstellung von Judenstaat und binationalem Staat erweckt die Vorstellung, als ob ein Judenstaat bedeute, daß es keine zwei Völker in Eroz Israel geben soll — eine absolut falsche und schadllcho Konzeption, die die politische Arbelt der Exekutive für dio Herstellung von normalen und freundlichen Verhältnissen zwischen uns und den Arabern ernstlich zu behindern vermag." Das veranlaßte die Berliner „Jüdische Rundschau", die ihre brithschalomietische Vergangenheit noch immer nicht vergessen hat, bei ihren Lesern den Eindruck zu erwecken, daß ein binationales Palästina etwas Naturgegebenes sei, daran nicht gerüttet werden könne, indem sie schrieb: „Kaplansky erklärte, der binationale Staat in Palästina (man beachte: in Palästina!) sei eine Tatsache, da Palästina immer von zwei Völkern bewohnt sein wird, und es sei daher nur gefährlich, die jüdischen Forderungen in einen Gegensatz zu diesen Tatsachen zu bringen." Welche Freude die „Jüdische Rundschau" hat, das zu konstatieren! Auch plaudert sie in ihrer Ausgabe vom 30. August folgendes aus: ..Vor dem (Kongreß-)Hause wurden Flugblätter eines Boykott-Komitees verteilt; die Verbreitung im Kongreßsaal wurde verboten." Das ist etwas Neues. Mit gleich großer Freude konstatiert sie, daß Stephen Wise „in seiner Rede vermieden habe, die Boykottparole auch nur zu erwähnen." Wir würdigen die schwere Lage, in der sich ein in Berlin erscheinendes jüdisches, bzw. zionistisches Blatt befindet, aber es gibt eben Fälle, bei denen man zu — schweigen hat. (Ueber die Schwierigkeiten des Kongresses durch Teilnahme der deutschen Delegierten wird noch zu sprechen sein.) Die Prager „Selbstwehr"-Korrespondenten, von keinerlei Rücksicht gehemmt und in ihrem Selbstbewußtsein durch die Hegemonie der Linken gestärkt, schreiben sich die Finger wund für Chaim Weizmann. Sie haben in Luzern einen Sonderberichterstatter tätig, der — Prag ist zu dergleichen Pikanterien verpflichtet — eine Psychologie des Beifalls ankündigt. Dieses ästhetisch-psychologische Vorhaben hindert die „Selbstwehr", wohl zu ihrer eigenen Selbstwehr, nicht, auf Kosten Melr Großmanns „geistreich" zu sein. Der Prager zionistische Schmierfink schreibt nämlich: „Großmann bringt seine erste Interpellation unter. Sie bezieht sich auf den Umstand, daß die blauweiße Fahne an der Rückwand des Saales hängt, und nicht vorne, wie Großmann es wünscht, der noch vor Jahresfrist einer Partei angehörte, die zur zionistischen Kongreßfahne besonders originelle Beziehungen fand. Das allein aber Ist es nichtt es stören Ihn auch die Blauhemden des „Hapoel" im Saal, mehr als das vielleicht noch die „roten Bändchen", von denen er spricht. Es gibt zwar auch andere „Uniformen4' bei den Ordnern (Makkabl Hazalr, Zireinu usw.) aber Großmann sieht diese nicht." Was jener in seinem Jargon sagen will, ist unverständlich. Mangel an Talent gestattete ihm bloß, zu stottern. Aber die Ohnmacht der Polemik bezeugt hier zugleich auch die Abwesenheit der Wahrheit. Auch der Strlftsteller Emil Ludwig, dem es die Männer des Geistes — die spirituellen und erobernden — angetan haben, ist dabei: Er wohnt in der Schweiz und hat einen Abstecher nach Luzern gemacht. Auch er will etwas sagen. In der „Selbstwehr" veröffentlicht er Impressionen von der Eröffnung des Kongresses. Das sieht so aus: „Mitternacht« schreibe ich diese Zellen, um einer bewegton Stimmung Ausdruck zu verleihen. Ich schreibe sie als Jude, als Schweizer, als Europäer." Unberufen — sehr viel ist er. Jude, Schweizer, Europäer... ein i'eiches ethnologisches Lexikon. Emil Ludwig, der Bismarck, Christus, Wagner, Wilhelm IL, Mussolini usw. entdeckt hat, boginnt sich jetzt auf jüdische Figuren zu besinnen. Es gibt zwar einen gewissen Moses, Maimonides, Spinoza, Herzl, aber ihm sind — von der ehrwürdigen Figur Sokolows abgesehen — die Herren Ruppin und Ben Gurion lieber. Das sieht wieder so aus: „Vor und unter mir sehe loh einen Kreis Interessanter Köpfe und vergleiche sie im Stillen mit den Bildern vom Nürnberger Parteitag. Der ehrwürdige Präsident Sokolow, der vier Sprachen wechselt, ohne zu stocken, sitzt hier zwischen zwei echten Humanistenköpfen: der Denker und der Kämpfer, der Gelehrte und der Volksmann sitzen ihm zur Rechten und zur Linkon, wie auf einem allegorischen Bilde. Jener ist mir wohlbekannt, denn es sind gerade 20 Jahre her, daß mir Ruppin in Stambul die Grundlagen des Zionismus erklärte; mit seinen ganz und gar schweigend gefaßten Zügen findet er den Antipoden In dem schönen dreieckigen Kopfe von Ben Gurion, der eher einem Bekenner zu gehören scheint." Zum Schluß noch eine Plkanterie Im Zusammenhang mit der Pressekonferenz der Arbeiterpartei. Ben Gurions Ausführungen brachten die Ueberraschung, daß die zionistische Exekutive dem deutschen Reichskanzler anläßlich des Todes Hlndenburgs kondoliert habe. Dieses „Staatspolitiken Aktes" (über dessen Aufnahme durch Hitler wir allerdings nicht« erfahren haben) wird in der Links- und Afterprease keine Erwähnung getan. Was liegt schon dran, wenn das jüdische Volk Herrn Hitler kondoliert! Eine Kleinigkeit! Das jüdische Volk hat andere Sorgen als sich um solche Lappalien fcu kümmern... Rings um den Kongreß Zur Organfeatioiisreform Die Arbeite rfraktion des Kongresses hat sich in einer Nachtsitzung mit dem von Ben Gurion vorgelegten Plan einer Organisationsreform durch Schaffung obligatorischer Landesverbände beschäftigt. Die Fraktion hat mit Überwiegender Mehrheit die Pläne Ben Gurions gebilligt und beschlossen, sie dem Kongreß vorzulegen. Nach den Vorschlägen Ben Gurions soll es die Aufgabe der obligatorischen Landesverbände , die in ihrer Zusammensetzung ein Spiegelbild des Kongresses und in ihrer Leitung ein solches der zionistischen Exekutive sein sollen, sein, die Keren Hajessod- und die Keren Kajcmeth-Arbeit in dem betreffenden Land zu leiten, die Kongreßwahlen zu organisieren, die Tätigkeit der Palästina-Aemter zu kontrollieren, die Hachscharah zu leiten, die hebräische Sprach- und Kulturarbeit zu führen und Privatkapital für den Palästina-Aufbau zu mobilisieren. Dagegen scheidet die lokale Landespolitik aus dem Aufgabenbereich der zentralen Landesverbände aus. Vom Misradn In den Vereinbarungen zwischen Misrachi und Arbeiterpart ei wurde bezüglich der Kaschruth in den öffentlichen Arbeiterküchen ein Einvernehmen dahingehend erzielt, daß die Küchen zu Kaschruth-Zwecken neu adaptiert werden. Wie es heißt, hat Sich der Keren Hajessod bereit erklärt, die Kosten dieser Adaptierung zu tragen. Ebenso wie das Sabbatabkommen wurde auch dieses Abkommen schriftlich fixiert, jedoch nicht von der Kongreßtribüne herab verlesen. Billige Bücher bei der Schwedenbrücke Buchhandlung Schneider & Co., I., Franz-Josefs-Kai 7 Telephon E-22-0-15. SCHOLKM ALECHEM: „Die Geschichte Tewjes des Milchhändlers." Leinenband (S 7.—)...............S 1.70 „Stempcnju", Romart. Leinenband (S 7.—) . . « » . S 1.70 NATHAN ASCH: „Der 23. August", Roman. Kartoniert (S 7.—) , « . S 1.90 GUSTAV MEYBINKj „Der Golem." Leinenband (S 11.—) nur S 3.10 „Das grüne Gesicht", „Walpurgisnacht", „FledermBase", jeder Band Halbleinen......nur S 2.70 „Des deutschen Spießers Wundorhorn." 2 Halbleinenbände, zusammen............ nur S 6.30 KURT STECHERT; „Palästina-Bericht eines Nichtjuden." Ganzleinenband (S 6.—).............. . nur S 1.90 ARNOLD ZWEIG: „Herkunft und Zukunft", zwei Essays zum Schicksal eines Volkes. Leinen.......... , nur S 3.— „Leasing, Kleist, Büchner." Leinenband .... nur S 3.75 „Der Streit um den Sergeanten Grischa", „De Vrlendt kehrt heim", „Junge Frau von 1914", jeder Leinenband (S 14.80).............nur S 4.80 Jeder Band kart. nur S 3.50 Besuchen Sie unsere Buchhandlung. Sie finden die reichste Auswahl an Büchern bester Autoren zu kleinsten Preisen. Katalog gratis und portofrei. Eine Provokation Ben Gurions B. Weinstein ruft Kongreßgericht an In der Plenarsitzung des Kongresses am Donnerstag, den 29. August, brachte B. Weinstein (Judenstaatspartei) eine Interpellation in folgender Sache ein: Laut Bericht des „Pariser Tageblatt" habe BenGurion in der Pressekonferenz der Arbeiterfraktion erklärt: „Die Jewish Agency ist die politische Vertretung der Juden und spielt dieselbe Rolle wie die diplomatischen Körperschaften anderer Völker. Als Hindenburg starb, hat die Jewish Agency ein Beileidstelegramm an Hitler geschickt, ebenso war es bei Dollfuß' Tod. Der Zionistenkongreß ist das Parlament dieser politischen Vertretung. Es ist daher untragbar, daß weiterhin dieser scharfe Ton gegen Deutschland angeschlagen wird. Die Propaganda gegen Deutschland muß abgestellt werden, da man zu diesem Staat gute Beziehungen unterhaten wolle." B. Weinstein fragte, was die Exekutive hierzu zu sagen habe. Ben Gurion erwiderte: Das „Pariser Tageblatt" hat meine Aeußerung entstellt wiedergegeben. Ich habe nichts weiter gesagt, als daß die zionistische Bewegung eine Staatsbewegung sei und als solche eine Staatsverantwortung trage; sie könne sich daher nicht solche Aeußerungen erlauben, wie irgendeine Bewegung, die eine solche Verantwortung nicht zu tragen habe. Er möchte fast glauben, daß zwischen dem Interpellanten und dem Verfasser der Mitteilung im „Pariser Tageblatt" gewisse Beziehungen (!) bestehen, wenn nicht der ganze Artikel aus dem Kreise des Interpellanten inspiriert ist. B. Weinstein erklärte, er müsse Ben Gurion in seinem und im Namen der Judenstaatsfraktion wegen dieser Unterstellung vor das Kongreßgericht zitieren. Habima und fftdfsdie Künstler Freunde des Hebräischen Theaters Habim a veranstalteten im Kongreßhaus einen Empfang, der von Frau Margot Klausner-B randstätter geleitet war. Frau Klausner gab einen Bericht über die Arbeit der Habima, deren Ensemble jetzt etwa 40 Mitglieder umfaßt. Säe erinnerte daran, daß B i a 1 i k vor einigen Jahren bei einer Besprechung, an der u. a. auch mehrere bekannte Schriftsteller teilnahmen, die Darstellung des palästinensischen Lebens als das Ziel der Habima bezeichnete. Das Theater habe sich aber außerdem zum Ziel gesetzt, dem Publikum die Gestalten der jüdischen Geschichte nahe zu bringen. Ein Preisausschreiben für Stücke aus dem jüdischen und palästinensischen Leben habe kein befriedigendes Ergebnis gehabt. Deshalb habe die Leitung der Habima jot2t beschlossen, die seit Jahren gehegte Absicht, den „Kaufmann von Venedig" aufzuführen, zu verwirklichen. Nach Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder In der Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke Taborstraüe 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch ■— zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung Uberallhin. Verzeichnisse kostenlos! / Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 vielen Bemühungen ist es gelungen, den früheren Inten-* danten der deutschen Staatstheater, Professor Jeßner, als Regisseur zu gewinnen. In den nächsten Monaten werde die Habima auf einer Europa-Tournee Aufführungen des „Kaufmann von Venedig" und dea „Golem, II. Teil" veranstalten. Schließlich wies Frau Klausner auf die insbesondere infolge des Neubaues eines eigenen Theaters sehr angespannte finanzielle Lage der Habima hin. Die Habima erwarte vom Kongreß und von der Judenheit materielle Förderung. Dr. S. Gronemann bezeichnete es als die Sendung Leopold Jeßners, das hebräische Theater in Palästina als Jude mit dem Geist der europäischen Theaterkultur zu erfüllen, gleichzeitig zu lernen und zu lehren. Hierauf sprach, von den Anwesenden lebhaft begrüßt, Leopold Jeßner. Der Entschluß, seine Arbeit der Habima zu widmen, sei ihm angesichts der damit verbundenen außerordentlichen Verantwortung nicht leicht gefallen. Je näher der Termin seiner Arbeit heranrücke, um so mehr steigere sich sein Lampenfieber davor. Da das Theater jeder Epoche seine besondere Aufgabe habe, wolle er auch in der Habima nicht Theater als l'art pour l'art machen, sondern die Habima als kämpferische Bühne führen. Dieser Auffassung werde auch die Inszenierung des „Kaufmann von Venedig" entsprechen. S h y 1 o c k werde nicht als Galuth-Jude, sondern als kämpferische Figur dargestellt werden. Zum Schluß schilderte der englische Abgeordnete Barnett Janner den unvergeßlichen Eindruck, den die Habima-Aufführungen immer auf ihn gemacht hätten. * Der Verband der Maler Palästinas hat sein Mitglied Professor Hermann Struck, der Kongreßdelegierter ist, beauftragt, dem Kongreß die Postulate der Künstler vorzulegen. Darin wird auf die Bedeutung der Kunstentwicklung für den Aufbau Palästinas hingewiesen, die hohen zionistischen Instanzen werden aufgefordert, Palästina zu einem Zentrum der hebräischen Weltkunst zu machen. Die Künstler fordern, daß im Rahmen der „Bialik-Institution" eine gewisse Summe für' Preise an Künstler reserviert wird. Die kommenden Kongresse in TelaAviv In der Organisationskommission des Kongresses wurde beantragt, daß der nächste Kongreß und die weiteren Kongresse in Erez Israel, u. zw. in Tol-Aviv, stattfinden sollen. Es soll ein großes Kongreßhaus errichtet werden, das den Kongreß zwecken angepaßt sein soll. Die Baukosten würden schon in drei Kongressen gedeckt sein. In der politischen Kommission referierte Shertok über die politische Lage und stellte fest, daß die Sicherheit im Lande noch niemals so groß gewesen sei wie jetzt. Er befaßte sich auch mit Fragen der Beziehung zur Mandatarmacht und Transjordaniens. Die Kommission begann bereits mit der Ausarbeitung der Resolutionen. Die G a 1 ix t h. - Ko mmiission befaßt sich mit der Frage, ob spezielle Resolutionen betreffend die Ereignisse in Deutschland gefaßt werden sollen, sowie mit der Transfer-Frage. Die Budget-Kommission befaßt sich besonders mit dem in das nächstjährige Budget von Seiten der Exekutive eingestellten Posten von 50.000 Pfund für Organisationszwecke. (J. T. A.) Die Frage des jüdischen Weifkongresses Die Sitzungen des Exekutive-Komitees und des Rates des Comlte" des D 6h§ g a t i o n s Julves und des Jüdischen Weltkongresses finden in Luzern am 2. und 3. September statt. Auf der Tagesordnung stehen die Fragen des Jüdischen Weltkongresses, der Bericht über die Tätigkeit des Exekutive-Komitees im abgelaufenen Jahr und die aktuellen Fragen der Diaspora-Politik, in erster Reihe das deutsch-jüdische Problem, ferner Fragen der ökonomischen Lage der jüdischen Massen in den Ländern Ost- und Mitteleuropas. Zahlreiche Delegierte aus allen Ländern Europas und Amerikas sowie Vertreter des Waad Leumi in Palästina werden an den Sitzungen teilnehmen. (J. T. A.) * i

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