Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 494 (3.9.1935)
- Date
- 1935-09-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Äelte t DIE NEUE WELT Nr. 494 Nach Polen """und bequem! D-Zflge, Pullntan-Wtjjen und reservierte Plltse. / böro „in Oll WEIT" (Dr. S. Tocker), IX, LI ItelnstraQc 2, Telephon A-l4-504 Rel»« Ltcehten Deutschland geltend machen, werden von Welzmann, den Linken und den deutschen Vertretern unterdrückt, so daß zweifellos der Kongreß zu Ende gehen wird, ohne daß er an das jüdische Volk und die Weltöffentlichkeit die entsprechenden Worte bezüglich des schändlichen Hakenkreuzfeldzuges gegen das Judentum gesprochen haben wird. Erst In vier Jahren ... Wie wir bereits an der Spitze unserer heutigen Ausgabe ausgeführt haben, sind die Schwierigkeiten zur Bildung der neuen Exekutive und zur Wahl des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation noch immer nicht behoben. Weizmann als Kandidat der A-Gruppe und als Günstling der Arbeiterfraktion stellt harte Bedingungen. Er will nicht nur die Mitglieder der neuen Exekutive selbstherrlich bestimmen, sondern verlangt auch, daß der nächste Kongreß erst in vier Jahren zusammentreten soll. Auf diese Weise soll die Opposition für eine längere Dauer als bisher ausgeschaltet werden. * Während diese Zeilen in Druck gehen, liegt noch keine Nachricht bezüglich der neuen Exekutive und ihres Präsidenten vor. Nadi der Generaldebatte Die 13. Sitzung des Kogresses, die am Montag, den 26. August stattfand, stand zunächst im Zeichen der Interpellation, die Meir Großmann, der Vorstand der Judenstaatspartei, einbrachte. Es ging um die Frage, was die Exekutive bezüglich der beim Bau der Anglo Pale« stine Bank verhafteten jungen Leute zu tun gedenke. Es war dies eine prinzipielle Frage, bei der es von seiten der Exekutive nicht bloß um eine Intervention bei der Tel-Aviver Polizei gehen sollte, sondern auch — im Zusammenhang damit — um die Einstellung der Exekutive zum Transfer, das die Waggonladungen von Zement ,,Made in Germany" ermöglichte. Herr S h e r t o k antwortete. Seine Antwort war der Ausdruck unendlicher Verlegenheit. Obwohl Großmann nur das Prinzipielle der Frage beantwortet sehen wollte, blieb dem Vorsitzenden nichts anderes übrig, als das Präsidium zu befragen, welches beschloß, eine eigene Subkommission zu bilden, der der Fragenkomplex des Transfer-Abkommens überantwortet wurde. Bisher war diesbezüglich nichts zu hören. Vielleicht daß eine angenommene Resolution hier Klarheit schafft. Allerdings wird, um des Transfer-Abkommens Ungeheuerlichkeit zu erkennen, das genügen, was der Arbeiterparteiler S. Kaplansky in der 12. Sitzung, am Sonntag, den 25. August, gesagt hat: „Wir haben beim Prager Kongreß festgestellt, daß es nicht die Aufgabe der zionistischen Bewegung sei, die Boykottbewegung gegen Deutschland zu organisieren. Es kann sich jeder an ihr auf dem Wege der verschiedenen Boykottorganisationen oder durch die internationale Gewerkschafts-Föderation beteiligen. Aber es ist klar, daß es nicht die Aufgabe der zionistischen Bewegung oder des Jischuw sein kann, die ökonomische Kampffront gegen Deutschland zu brechen. Durch den Transfer wird ein großer Import von Deutschland nach Erez Israel ermutigt. Das ist nicht nur eine Schädigung der jüdischen Industrie in Erez Israel, die durch das deutsche Dumping bedroht wird, sondern auch eine politische Schädigung unserer Sache. Denn es wird schlechten Eindruck auf gewisse politische Faktoren ausüben, wenn der Import aus Deutschland dem aus Großbritannien gleich sein oder ihn sogar übertreffen wird. Wenn es eine moralische Rechtfertigung für den Transfer gibt, so nur gegenüber solchen Juden, die wirklich nach Erez Israel kommen. Ich sehe aber keine moralische Verpflichtung, Kapitalien solcher Juden nach Erez Israel zu bringen, die in Deutschland bleiben. Und mit großem Schmerz muß ich es verzeichnen, daß große zionistische und selbst A rbeitcrinstitutionen sich des Transfer bedienen." Auf der 14. Sitzung sprach für die Exekutive u. a. der Arbeiterparteiler Berl Locker. Wir wollen vorläufig nur festhalten, daß er von einer Krise der zionistischen Bewegung sprach, die Schuld der Linken am Exodus der Revisionisten bestritt, die Erklärung abgab, daß sich die stärkste Richtung des Kongresses mit der Sozialistischen Internationale solidarisch fühle (trotz des Sozialistenführer.s P a s s f i e 1 d, der als britischer Kolonialmininter den Aufbau Palästinas mit allen Mitteln — insbesondere gemeinen — zu inhibieren versuchte) und der überhaupt das Unschuldslamm spielte. Ueber die Rede Professor Weizmann s und Rabbi Stephen W i s c s wird gelegentlich einer Rückschau noch einiges zu sagen sein. Die Freunde der Hebräischen Universität Trn Kongreßhaua fand eine Versammlung der Freunde rW Hebräi.wheri UniverKiUU .statt, bei der Dr. Weizmann, Prof. B r o (J e t v. k y und M. M. Usulschkl n Ansprachen hielten. Sämtliche Redner wienen auf die besondere Bedeutung Der Universität für die CJe.sarntJud^nheit In einer Zelt hin, da der Jüdischen Jugend in vielen Landern keine Möglichkeiten des fckadcmiach.cn Studiums offenstehen. Der Plan einer großen Natfomalanlefhe In der Budgetkommlssion wurden die von Israel M. Sief f (London) und Israel B. Brodle (New York) vorgelegten großäugigen Wirtschaftepläne welter erörtert. Die Kommission hat eine aus 17 Mitgliedern bestehende Unterkommission eingesetzt, in die auch der Direktor der Anglo-Palestine-Bank, Hoofien, und andere Fachleute kooptiert wurden, um die Möglichkeiten für die A u fnahme einer großen N a 11 o n a 1 an 1 e 1 h e für Palästina sowie die Pläne zum Ausbau von Industrie und Landwirtschaft und einer Wirtschaftskoordinierung zu prüfen. (J. T. A.) Die Berichte der Kommissionen Nachdem der Kongreß am Mittwoch, den 28. Aug., bis 4 Uhr nachm. eine Pause gehabt hat, die der Trauer um das Schicksal der deutschen Juden gewidmet war, und der Mittwochabend und der Donnerstag den Arbeiten der Kommissionen reserviert waren, trat das Plenum des Kongresses am Donnertag abends zu einer Sitzung zusammen, um die Berichte und Vorschläge der Kommissionen entgegenzunehmen. Zu Beginn der Sitzung sprach der Vorsitzende, während Delegierte und Gäste sich von den Sitzen erhoben, Worte der Trauer für die belgische Königin Astrid, die bei einem Autounglück den Tod gefunden hat. Es wurde sodann der Bericht des Kulturausschusses ertattet, in welchem der Plan der Schaffung eines Netzes hebräischer Kulturanstalten in Palästina und In der ganzen jüdischen Welt entwickelt wird. In dem Bericht des Politischen Ausschusses ist ein Abschnitt dem ttallenischabessinlchen Konflikt gewidmet; es wird darin ausgeführt, daß für den Fall des Ausbruchs von Feindseligkeiten in Abesslnien eine Auswirkung des Konflikts auf Palästina nicht zu fürchten sei. Dem Bericht des Unterausschusses Uber das Transfer-Abkommen Deutschland-Palästina ist zu entnehmen, daß in Verfolg dieses Abkommens im Jahre 1934 Waren aus Deutschland nach Palästina im Werte von 1,400.000 Pfund exportiert wurden und daß für 1935 dieser Export auf 2 Millionen Pfund geschätzt wird. Da Palästina bereits mit deutschen Waren gesättigt ist, müssen Absatzgebiete in Syrien und In anderen Ländern des Nahen Orients gesucht werden, um eino weitero Einwanderung von deutschen Juden nach Palästina zu ermöglichen. In dem Bericht wird bemerkt, daß die englische Wareneinfuhr in Palästina im Jahre 1934 etwa 2 Millionen Pfund betrug. Durch das Transfer-Abkommen wurde die Ueberführung des Vermögens von etwa 10.000 bis 12.000 Juden nach Palästina ermöglicht; die Verluste bewegen sich dabei zwischen 10 und 15 Prozent. Außerhalb des Rahmens des Waren-Transfer haben etwa 600 deutschjüdische Familien bei ihrer Einwanderung in Palästina je 1000 Pfund in bar mitgebracht. Die neuen Kolonisalionspläne In der Politischen Kommission referierten S h e r t o k und Brodetsky über Fragen der Sicherheit in Palästina, der Beziehung zu den Arabern, des Legislative Council und Transjordaniens. Es wurde eine spezielle Unterkommission zur Behandlung der Frage des Legislative Council eingesetzt. Die Kolonisations-Kommission erörtert die Forderung des Landwirtschaftlichen Departements der Exekutive, Maßnahmen zur Beschaffung von 600.000 Pfund für neue Kolonisationsarbeit zu treffen. Sollte die Aufbringung dieser Summe gelingen, so werden 51.400 Dunam Boden neu kolonisiert werden können. Das allernächste Ziel ist die Kolonisierung von 2000 jüdischen Familien, wozu sofort 50.000 Pfund erforderlich sind. Die Einwanderungskommission erörterte verschiedene Pläne der Reorganisation der Hachscharah in den Diaspora-Ländern und Richtlinien, betreffend Regelung der Palästina-Einwanderung. Mosche Shertok über die palästinensische Situation Das Mitglied der Palästina-Exekutive Mosche Shertok antwortete den Rednern der Generaldebatte. Der Erfolg der A 1 i j a, sagte er, war ein Erfolg der Exekutive, die die palästinensische Wirklichkeit in ihrem Zusammenhang mit der Not der jüdischen Massen in den Galuth-Ländern richtig zu demonstrieren wußte. Gegen das Einströmen von billigen Arbeitskräften aus den Palästina benachbarten Ländern hat die Exekutive bei der Administration Vorstellungen erhoben, die an Schärfe die Kritik der Oppositionsredner an der Exekutive auf diesem Kongreß sogar übertrafen. Die Exekutive arbeitet intensiv an der Erhöhung der Zahl der Juden in der Polizei. Zum ersten Mal in der Geschichte des Jischuw werden wir bald auf eine Mehrheit Juden in der Jerusalemer Polizei hinweisen können. Eine ganze Anzahl von Juden wurde zurzeit für den Polizeidienst ausgebildet. Die Exekutive hat sich sehr viel mit der Lage in Osteuropa und insbesondere mit der Situation des Zionismus in der Sowjetunion befaßt. Die H i s t a d r u t h ist ein mächtiges politisches Instrument und darf nicht zersplittert werden. Sie hat es durchgesetzt, daß die großen Arbeiten bed der Wasserleitung in Jerusalem durch jüdische Arbeiter ausgeführt werden. In der Frage des Transfer Deutschland-Palästina warnte Shertok vor gewissen populären Losungen. Man könne nicht von der einen Seite den Transfer verurteilen und von der anderen Seite eine Lösung der Frage der Ueberführung der deutschen Juden nach Palästina fordern. Das zweite hängt von dem ersten ab. Zwischen dem Dilemma-Protest oder positive Lösung stehend, wählten wir die L ö a u n g. Shertok polemisierte gegen manche Ausführungen Us s i s c h k i n s auf der Weltkonferenz des Keren Kajemeth und sagte, man dürfe nicht vergessen, daß in Erez Israel noch ein zweites Volk lebt und leben wird, und daß wir uns hüten müssen, der Vorstellung Raum zu geben, als ob zwischen der Entwicklung des einen und der des anderen Volkes ein Gegensatz bestünde. Hebräische Sprache and Kultur In der Plenarsitzung vom Donnerstag, den 29. ▼„ M. hielt Berl Katznelson das Kulturreferat und stellte fest, daß die hebräische Sprache im Aufblühen ist. Das zeigt sich nicht allein in der Zahl der Hebräischsprechenden, sondern in der Qualität ihrer Sprache. Die Furcht, daß die Sprache im Lande ein Jargon-Hebräisch wird, besteht nicht mehr. Wir haben ein großes Buch- und Zeitungswesen, wir haben hebräische Kindergärten, Elementar- und Hochschulen, Hebräisch ist die Sprache der Büros und der Gerichte. Dennoch sind nicht alle Hoffnungen verwirklicht. Angesichts der Massen -AI ljah fehlen die Kräfte zur Verwurzelung der hebräischen Sprache. Die Hoffnung, daß die kompakten jüdischen Massen in Rußland, Rumänien, Polen und in anderen Galuth-Ländern von der Assimilation nicht erfaßt werden, hat sich als trügersich erwiesen. Der große, blühende Zweig des russischen Judentums ist vom Gesamtjudentum angeschnitten. In Polen und Karpathorußland besuchen tausende jüdische Kinder nlchtjüdische Schulen. Es droht nicht mehr Emanzipation, sondern Entnationalisierung. Die Zionistische Organisation muß das hebräische Kulturwerk in die Hände nehmen. Aus Rücksicht auf KH. und KKL. kann man heute noch keinen dritten Fonds für Kultur errichten. Es müssen daher KH. und KKL., zusammen mit der Z. O., der Hadassaft und der Wizo das Kulturbudget decken. Das Blalik- Instltut muß geschaffen werden, das Vermächtnis Bialiks muß erfüllt werden. Das ist unser aller Pflicht. Nach Katznelson sprach der Misrachiführer Rabbi Meir Berlin, der betonte, man solle nicht allein die Sprache lehren, sondern auch deren tausendjährigen traditionellen und literarischen Unterbau den jüdischen Menschen nahebringen. Auch bei anderen Völkern ist Kultur nicht nur Angelegenheit der Sprache. Unsere Kultur wird erst dann gefestigt sein, wenn wir die Brücke zwischen unserer großen Vergangenheit, unserer tragischen Gegenwart und unserer lichten Zukunft geschlagen haben. Jizchak Grünbaum betonte, daß die heutige Erziehung den Schülern alles gebe: von den alten Rabbinern bis Moses Heß und Theodor Herzl. Die Massen-Alijah des letzten Jahres setzte sich zu einem Drittel aus Hebräischsprechenden zusammen, in den kommenden Jahren sollen es zwei Drittel sein. Deshalb müsse die Galutharbeit verstärkt werden. Prof. S. Brodetzky berichtete, daß die Exekutive dem Kongreß die Schaffung eines Kultur-Departements mit eigenem Budget vorzuschlagen beabsichtige.. Eine Vertiefung der Galutharbeit werde dazu führen, daß jeder Zionist hebräisch lernt und seine Kinder lernen läßt. Es sprachen noch Rabbi Amiel (Misr.), Doktor Bogratschoff (Weltverb.), Dr. Mossinson, Dr. Löwensohn, worauf die Sitzung in später Nachtstunde geschlossen wurde. Vorher hatte der Kongreß Dr. S. Gronemann, zum Vorsitzenden des Kongreßgerichtes, Dr. Aron Barth zum Kongreßanwalt und Dr. Felix Rosenb 1 ü t h zum Vorsitzenden des Ehrengerichtes gewählt. Der Kongreß setzte auch eine Resolutionskommission — neben den bereits gewählten Kommissionen — ein. Der Budgetvoranschlag für das Jabr 5696 (1936) Die Exekutive hat dem Kongreß den folgenden Voranschlag für das jüdische Jahr 5696 unterbreitet: Einnahmen; Reguläres Einkommen: Keren-Hajessod-Eingängc . , - . Schuldenrückzahlung an Jewish Agency und Keren Hajessod . . Einnahmen des Einwanderungsdepartements ..,»„.,. Pal. Pfund 230.000 18.000 60.000 Irreguläres Einkommen aus Boden guthaben * » « . , * » Ausgaben: Schuldenrückzahlung: Auf Anleihekonto .»mm« Diverse Schulden . . t ■ ä 308.000 ." 50.000 358.000 * 45.600 2.700 48.300 Verwaltungsausgaben des Keren Hajessod......... Palästina-Budget: Landwirtschaftliche Kolonisation: Neue Kolonisation....... Darlehen an bestehende Kolonien . Zahlungen an Pica-Kolonien . ■ Arbeiterinnen-Siedlungen „ « , . Versuchsstation ..,.«.,. 21.000 55.000 6.000 2.500 2.000 9.000 Erziehung i . Waad-Leumi-Erzichungsdcpartemcnt Einwanderungsdepartement « . . Arbeltsdepartement . . . . , » Hachscharah auswärts..... Politisches Departement « « . Verwaltung 4 < Bialik-Instltution ..unk.« Wirtschaftsdepartement « . - « » Propagandaabteilung .*■««„ Religiöse Zwecke....... Haifaer Technikum und technische Zwecke.......... Pensionen und Reserve für Entschädigung ......... Generalrescrvc........ Speziaireserve für Reorganisation London .... ...... 74.500 20.000 t 2.500 55.000 1 13.500 10.000 12.000 1 11.000 4.000 1 4.000 1.000 1.000 1.200 5.000 20.000 4.000 238.700 Irreguläre Ausgaben in Verbindung mit Boden Verkäufen: Neue Kolonisation....... Kleinsiedlungen und Bauten in Kolonien......... 30.000 20.000 50.000 Gesamtsumme 358.000 Dr. Magnes bleibt L u z e r n, 29. August. Die vor einiger Zeit in clor Palästina-Presse erschienene Mitteilung, wonach Doktor Juda L. Magnes entschlossen sei, dem am 8. September in Luzern zusammentretenden Direktorium der Hebräischen Universität seine Resignation als Kanzler der Universität bekanntzugeben, wird vom Ehrenschatzmeister der Universität, Salmann Schocken, als jfrundlof bezeichnet. (J, T. A.;