Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 494 (3.9.1935)
- Date
- 1935-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen lahrgang 9 Dienstag/ den J* September 1935 Nr« 494 V« b* b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedi6 par I'edlteur" DIE NEUL TM. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 3 4.—, ganzjährig S 16.—: Polen monatlich Zloty 1.6t vierteljährig Zloty 4.60: Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Bmnünlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3—; Bnlgarlen monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion U.Verwaltung: lKtUniversitätsstr*8t7eLA-20-2»78 — Erscheint Dienstag u, Freitag Neue Leitung in letzter Minute Weizmanns Präsidentensdiaft in Frage Oberrabbineir Kook x?< Aus Luzern wird gemeldet: Rabbi Hakohen Kook, der Oberrabbiner von Jerusalem, dessen Gesundheitszustand schon seit längerer Zeit zu Befürchtungen Anlaß gab, ist Sonntag, den 1. September, in Jerusalem entschlafen. Die Todesnachricht traf in Luzern am gleichen Tage um 6 Uhr abends ein. Auf Grund dessen trat in den Kongreßarbeiten eine zweistündige Pause bis 8 Uhr abends ein. Die Nachricht vom Hinscheiden des allseits verehrten Oberrabbiners hat in Luzern unter allen Delegierten und Gasten tiefste Teilnahme hervorgerufen. Die näheren Umstände des Hinscheidens sowie die Maßnahmen bezüglich der Bestattungsfeierlichkeiten sind bisher nicht bekannt. Welikonferenz der Juden§taatSff paräei In Luzern fand eine Weltkonferenz der Judenstaatspartei statt, an der Vertreter aus zehn Ländern teilnahmen. Es wurde eine neue Leitung gewählt, der folgende Personen angehören: Meir Großm an n, Robert Stricker, Jona Machowcr, Bichard L i c h t h e i m, Baruch Weinstein und Dr. Herz Itosenblum. Die Weltexekutivc wird ihren Sitz in Erez Israel haben. Dr. Soskin, der der neuen Exekutive nicht angehört, hat sich der neuen Leitung zur Verfügung gestellt. Die Konferenz nahm zur Kenntnis, daß der Heren Kajeraeth L e j Israel der Judenstaatspartei in der Gegend von Beisan ein Gebiet zur Schaffung einer Siedlung mit fünfzig Wirtschaften zu je 25 Dunam zur Verfügung gestellt hat. Es wurde beschlossen, die erste allweltlichc Delegicrtcntagung der Partei für Juni 1936 nach Lemberg einzuberufen. Ferner wurde die Einsetzung eines 15 bis 18 Personen umfassenden Weltrats neben der Exekutive beschlossen. Für die Propaganda wurde ein großzügiger-Plan-ausgearbeitet: u a. soll Meir Großniann im Dezember und Jänner die Vereinigten Staaten bereisen. Eine falsdie PaleorsMeüdung Aus Luzern wird uns berichtet: Der Warschauer „Hajnt" veröffentlicht eine Meldung des der linken Exekutive nahestehenden Nachrichtenbüros „Palcor", wonach der Vertreter der Judenstaatspartei in der Einwanderungskommission g'egen die Zuteilung von Zertifikaten an Revisionisten protestiert habe. Diese Meldung ist unrichtig. Kein Judenstaatler hat in dieser Sache einen Protest erhoben. Die Judenstaatspärtei hat unverzüglich die Richtigstellung dieser falschen und erlogenen Meldung veranlaßt. EMsengoff wieder schwer erkrankt In dem Befinden des Bürgermeisters von Tei-Aviv, Meir Dizengoff, der sich vor einiger Zelt zur Erholung in die Schweiz begeben hat und seit kurzem in Zürich weilt, ist eine erhebliche Verschlimmerung eingetreten. Professor Zondek wurde zu einem Konsilium an das Krankenlager Dizengoffs berufen. Zu den jüdischen Feiertagen .«(.Polen »Csernowitz Abfahrten: 8., 15., 25. und 26. September. Rückfahrten: 15. September, 21. Oktober und noch allen jüdischen Feiertagen „FRANCOPOL". III, Haimweg '• Telephon IM4-4-90 Notschrei der russisch-jüdischen Emigranten Der Verband russischer Juden in Polen (Verein „Achi Ezer", Lemberg) hat im Namen der jüdischen Emigranten aus Rußland einen Appelil an den XIX. Zionistenkongreß gerichtet, diesen Emigranten, den zahlreichen Opfern der .„russisch -jüdischen Tragödie", zur Absiedlung in Palästina zu verhelfen. Bs heißt in dem Appell: „Tausende unserer Brüder verkommen im Exil. Für viele von Ihnen ist und bleibt Palästina die einzige Hoffnung. Es sind Leute mit Muskelkraft und Berufsbildung, die Erez Israel nützen können. Wir fordern einen gerechten Anteil an der A 1 i j a h. Wir Bind unter den Unglücklichen die Unglücklichsten. Viele von uns besitzen kein Bürgerrecht. Sind wir nicht ein Teil jener großen russisch-jüdischen Familie, welche vor Jahrzehnten auf Palästina hoffte und für Palästina schuf? Wir verlangen vom Kongreß, uns einen gerechten Anteil an der Zertifikate-Quote zuzuerkennen, welche dem russischen Judentum gebühren würde,'4 Bis zum Blattschluß ist aus Luzern noch keine Nachricht bezüglich der Bildung der neuen Exekutive eingelangt. Die Bedingungen, die Weizmann an die Uebernahme der Präsidentschaft knüpfte, haben das Zustandekommen der in letzter Zeit mehrfach erwähnten großen Koalition verzögert, ebenso auch die Bildung der neuen Leitung. Ueber die Ereignisse der letzten Tage berichtet die J. T. A.: Freitag, den 30. August, über haben die Kommissionen ihre Beratungen fortgesetzt, Plenarsitzungen wurden an diesen Tagen nicht abgehalten. Ueber die Bildung der Exekutive sind endgültige Beschlüsse noch nicht gefaßt worden. Die hiermit befaßten Persönlichkeiten glauben, daß vor Bildung der Exekutive die Frage der Präsidentschaft der Organisation gelöst werden müsse, da dem zukünftigen Präsidenten eine gewisse Ingerenz auf die personelle Zusammensetzung der Exekutive eingeräumt werden müsse. Bekanntlich hat Luzern, 1. September. Unter den von der Judenstaatspartei aufgeworfenen Fragen rückte aus innen- und außenpolitischen Gründen das Transfer-Abkommen in den Vordergrund. Steht es doch im Zusammenhang mit der von der ganzen jüdischen Welt erwarteten Deklaration gegen Hitler-Deutschland, die bekanntlich ihren Ausgang in der Eröf f nungsrede des Präsidenten S o k o 1 o w genommen und später von Rabbi Stephen Wise (New York) schärfer formuliert wurde. Auffallenderweise gab es unter der Arbeiterfraktion einige Delegierte, welche mit dem schändlichen Transfer nicht einverstanden sind und auf die Gefahren dieses Vertrages für den moralischen Geist der Judenheit und für die jüdische Wirtschaft in Palästina im besonderen aufmerksam gemacht haben. Außer Jahrblum und Dr. Sokal (Wien) war es Ing. S. Kaplansky (siehe unsere heutige Ausgabe „Presse-Pikanterien"), der den ungeheuren Schaden des Transfer mit Ziffern belegte. Aber das vernünftige Vorgehen dieser Gruppe hat bisher zu keiner Entscheidung gegen das Transfer geführt. Die Transfer-Freunde unter den Linken und unter den anderen Gruppen versuchen, die Gegner mit allen Mitteln der Gewalt niederzuhalten. Ein Beispiel hiefür bilden die Vorgänge bei der vorletzten Sitzung der Transfer-Kommission, auf welcher drei Vertreter der Linken sich mit den Ausführungen des Vertreters der Judenstaatspartei einverstanden erklärten. Die Jüdenstaatspartei hat nämlich einen Antrag auf Abschaffung des Transfer eingebracht. Die Sympathie der drei linken Vertreter zu dem Antrag der Judenstaatspartei hatte für jene schlimme Folgen. Auf Veranlassung ihrer Führer wurden die linken Gegner dee Transfer-Abkommens abgesetzt. Und in der darauffolgenden Sitzung gab es eine Ueberraschung: Es erschienen drei neue Vertreter der Linken, Befürworter des Transfer. Wie die B-Gruppe versagt hat Die Opposition des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten (Gruppe B) hat, wie trotz Krakau nicht anders zu erwarten war, sich als lendenlahm erwiesen. Ja, mehr noch: in allen entscheidenden Fragen gab die B-Gruppe dem Druck der linken Mehrheit nach. Die so wichtige Frage der „Histadruth", welche in Krakau zur Scheidung führte, hat nun in Luzern eine Entscheidung im Sinne dieser klassenkämpferischen Gewerkschaft gebracht. Die seinerzeit von der B-Gruppe propagierte Errichtung einer allgemeinen, unpolitischen Gewerkschaft ist definitiv fallen gelassen worden. Die B-Gruppe tritt, wenn auch mit gewissen, zu nichts verpflichtenden Vorbehalten, in die klassenkämpferische Histadruth ein, Sokolow erklärt, daß für ihn nur ein Arbeitspostea keineswegs aber ein Ehrenposten, wie etwa der eines Ehrenpräsidenten der Organisation, in Betracht käme» Die Führer der Arbeiterfraktion und der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten bemühten sich nun daraufhin, ein Kompromiß in der Weise herbei« zuführen, daß Sokolow sein jetziges Amt als aktiver Präsident der Zionistischen Organisation behält und Weizmann die Leitung eines eigens für ihn zu schaffenden politischen Amtes übernimmt, dem ein besonderer Rang eingeräumt werden sollte. Weizmann erklärte aber, daß er die Leitung eines solchen Amtes definitiv ablehne« Späterhin wurde berichtet, Weizmann habe wissen lassen, daß er nunmehr entschlossen sei, weder das Präsidium der Zionistischen Organisation noch irgend ein Amt in der Exekutive zu übernehmen. Ebenso kraftlos erwies sich die B-Gruppe in der Frage des antideutschen Boykotts und des Transfer. 'Die Bemühungen einzelner Delegierten der B-Gruppe, die beiden Fragen nach ausschließlich nationalen Gesichtspunkten und im Sinne der jüdischen Ehre zu behandeln, sind zum Scheitern verurteilt, da die Männer, welche Posten haben wollen, jede Differenz mit der linken Mehrheit zu vermeiden versuchen. Der „kämpfende" Misrachi Der Misrachi, der mit großen und starken Parolen nach Luzern gekommen war, hat nach einem mehrtägigen Gefecht, das, wie viele behaupten, nur ein Scheingefecht war, höchst unsichere Kompromisse gutgeheißen und sich mit Formeln begnügt, die auf dem Boden der Wirklichkeit sehr bald die Unhaltbarkeit ihres Uebereinkommens mit der Linken erweisen werden. Die kämpferischen Männer Hersch Farbstein und Rabbi Fischmann wurden ausgeschaltet. Es hat sich eine Situation herauskristallisiert, in welcher der linksfreundliche deutsche Misrachi und der Poale Misrachi nicht nur das Wort führen, sondern auch die Fraktion beherrschen. Brodetzky und Weizmann Obwohl nach außen hin die Harmonie der politischen Tendenzen der alten Leitung und der kommenden Exekutive gewahrt erscheint, sind doch Symptome vorhanden, welche hier einen Wesensunterschied erkennen lassen. So hat Prof. Brodetzky, dessen politisches Referat in seinen Umrissen der Konzeption Weizmanns entspricht, sich in der Kommission für Galuthfragen entschieden gegen Weizmanns Methode im deutschen Judenproblem ausgesprochen. Wie erinnerlich, erklärte Weizmann in seiner Rede auf dem Kongreß: „Die einzige würdige und effektive Antwort auf all das, was den Juden in Deutschland geschieht, ist ein großer, schöner und gerechter Bau in Erez Israel, ein starker Bau." Mit dieser einseitigen Erklärung Weizmanns zeigte sich Brodetzky durchaus nicht einverstanden, ja er bezeichnete sie geradezu als ein U n g 1 ü c k. Dieser Antagonismus bringt es mit sich, daß Weizmann jetzt den Kopf Brodetzkys fordert, d. h. daß er Brodetzky nicht mehr in der neuen Exekutive sehen will — eine Angelegenheit, die zur Zeit der Absendung dieses Berichtes nicht erledigt ist. Antwort auf die deutsche Judentragödie Stephen W i 8 e selbst, gewiß kein Gegner Weizmanns, hat Weizmanns Ausführungen in bezug auf die deutsche Judentragödie als unfair, feig und katastrophal (wörtlich: „katastrophal") bezeichnet. Sogar die schwächeren Regungen, wt/Icbe sich für eine entsprechende Antwort au Hitler» l/oe dem A&scUied moh JUuzewv Von unserem Sonderberichterstatter