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Die neue Welt · 1935-08-30 · Heft 493 (30.8.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 493 (30.8.1935)
Date
1935-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr, 493 DBB NEUE WELT Seite 5 Das Kunstheus Iii Luzern, wo zurzeit t/«r 19. Zionistenkongreß (vom 20. 6/s 37. August 1935) tagt ZionfetenffSozialisfen kondolierten Deutschland In einer Pressekonferenz in Luzern erklärte der Führer der Arbeiterpartei, Ben Gurion, am 26. August folgendes: „Die zionistische Organisation hat Staatspflichten. Auch die Sowjetregierung hat ihre Beziehungen zu Deutschland nicht abgebrochen, obgleich dort die Kommunisten blutig verfolgt, eingesperrt und ermordet werden. Die zionistische Organisation repräsentiert das jüdische Volle. Sie ist international anerkannt. Sie muß deshalb zu Deutschland ebenso wie zu allen anderen Ländern in Beziehungen stehen. Nur so kann man Pässe für die deutschen Juden bekommen. Die J c w i s h Agency ist die politische Vertretung der Juden und spielt dieselbe Rolle wie die diplomatischen Vertretungen der anderen Staaten. Als Hindenburg gestorben ist, hat die zionistische Organisation infolgedessen auch ein Beileidstelegramm an Hitler geschickt. Dasselbe tat. sie zum Tode des österreichischen Bundeskanzlers Dollfuß. Der zionistische Kongreß ist das Parlament dieser politischen Vertretung. Es »st deshalb untragbar, daß weiterhSn dieser scharfe Ton gegen Deutschland auf dem Kongreß angeschlagen wird. Das kann man vielleicht auf dem jüdischen Weltkongreß in Genf tun, aber nicht in Luzcr n. Die jüdische ©Öffentlichkeit muß aufgeklärt und die Propaganda gegen Deutschland abgestellt werden, da man zu diesem Staat gute Beziehungen unterhalten wolle." Ein Wort der Kritik über die Erklärungen Ben Gurions, dessen Gruppe die Majorität des Kongresses vertritt, wäre nicht das richtige Verhalten. Denn die Einstellung der Arbeiterpartei zum deutschen Judenproblem, wie sie aus Ben Gurions Presseerklärung hervorgeht, läßt sich nicht durch sachliche Argumente widerlegen. Hier gibt sich eine Mentalität kund, die außerhalb des polemischen Bereiches liegt. Der Hinweis auf die Jewish Agency als die Vertreterin von Staatspflichten nimmt sich im Mund eines zionistischen Arbeiterführers absurd aus. Er bezeugt bloß die Ueberheblichkeit der Beherrscher der Zionistischen Organisation, die dort Mut und Selbstbewußtsein an den Tag legen, wo sie keine Gegenspieler haben. Es gehört schlechterdings Verachtung der jüdischen Massen dazu — auch jener, die Herrn Ben Gurion gewählt haben —, zu verlangen, daß ,,der scharfe Ton gegen Deutschland" abgestellt werde. Gerade hier besitzen Ben Gurion und seine Anhänger Staatsbewußtsein. Der englischen Mandatarmacht gegenüber sind sie bescheidener. Diese Konstatierung möge vorläufig den Fall Arbeiterpartei—Hitler-Deutschland beschließen. Nafuraschuie »»' UNIVERSUM" IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 9 Beginn neuer Tages- und Abendkurse am 15. IX. 1935 II „Unfreiwillig komisdi" Das ..rariscr Tageblatt" vom 27. August schreibt über die Presse-Erklärungen Ben Gurions: ..Es ist vorauszusehen, daß diese Ausführungen noch zu lebhaften Debatten auf dem Kongreß, aber wohl auch, wie wir hören, im Gremium der II. Internationale führen werden, in dem für einen solchen Typ von Arbeiterführer wohl kaum Länger Platz sein dürfte." Dieser Meinung fügt sie einen Bericht über Großm a n n s Interpellation bezüglich der Verhaftung der Jugendlichen in Tel-Aviv (im Zusammenhang mit der Anglo-Palestine-Bank) worüber wir an anderer Stelle berichten, und schließt ihre Darstellung: ,,Großmann fragte, was die Exekutive zur Befreiung der Inhaftierten tun wolle. Die Arbeiterpartei wendet sich gegen die Zulassung der Interpellation, gegen die sich sodann die Mehrheit des Kongresses ausspricht. Als dieses Abstimmungsergebnis bekanntgegeben wird, kommt es zu einem großen Tumult. Von der .ludenstaatspartei wird der Arbeiterpartei zugerufen: „Heil Hitler!" Dies empfinden die Arbeiterpartcilor als eine Beleidigung. Sie verlangen Ausschluß lies Zwischenrufers. Der Präsident der Versammlung erklärt diplomatisch, nichts gehört zu haben." In der Einleitung zu Ben Gurions Presse-Erklärungen sagt das „Pariser Tageblatt": ,.BCn Gurion, der Führer der Zionistischen Arbeiterpartei, die auf dem ziouistisehen Weltkongreß über die absolute Mehrheit der Mandate verfugt, gab heute in einer Pressekonferenz Erklärungen ab, die b«'i allen Menschen, die den Kampf gegen den NationalHOKlaliHmus führen und. sieh hiebet auch der verfolgten «luden annehmen, obgleich sie nicht die gleiche Religion besitzen, nur Verwunderung und Empörung hervorrufen werden. Teilweise wirkten die Worte Ben Gurions u n f r e i w i 11 i g k o ra 1 s o h." ,,&in beschämender Punkt'' In einem unter der Ueberschrift „Ein beschämender P u n k t" veröffentlichten Aufsatz führt die Ijcmbcrger „Chwil a" vom 28. August u. a. folgendes aus: „Derselbe Ben Gurion (der hochtrabende Worte für die nationalen Pflichten der zionistischen Organisation fand) und seine Gruppe haben — nicht auf dem Kongreß selbst, da dies unpopulär wäre und der erhabenen Rhetorik seiner Ausführungen Abbruch getan hätte, sondern in einer Pressekonferenz — sich für den Transfer eingesetzt. Auf dem Kongreß wurden seitens der Opposition Angriffe gegen den Transfer gerichtet. Dem Kampf der jüdischen Nation gegen den Hitlerismus wirft die sozialistische Jewish Agency Prügel zwischen die Füße. Irgend jemand betrachtet es als unzulässig, daß das Gebäude der nationalen Bank in Palästina (gemeint ist die Anglo-Palestine-Bank d. Red.) aus hitleristischem Zement errichtet werde. Ben Gurion erwidert darauf, daß das Transfer-Abkommen zwischen Palästina und Deutschland „vom Gesichtspunkt der Staatspolitik" betrachtet werden müsse. Einige Tage vorher hat derselbe Ben Gurion erklärt, daß das jüdische Palästina heimische Produkte zu kaufen habe. Und siehe da! In Wirklichkeit, im wirklichen Leben tragen die Gesinnungsgenossen des Herrn Ben Gurion mit den Parolen von „Avoda iwrith" (Jüdische Arbeit!), Strümpfe nicht aus der Tel-Aviver Textilfabrik „Lodzia", sondern aus den deutschen Strumpfwerken Bemborg, und bauen Paläste nicht aus Zement der „Nesher"-Fabrik1 sondern au« hitlerhschem Zement ..." Billice Reisen nach Palästina Kostenlose Beratung In allen Relseangelejjenhelten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch Im Reisebüro „IN DIES WBIT". (Dr. S. Tocker) IX, Llechtenstelnstraüe Telephon A-M-504 Erregte Szene um Stephen Wise Aus Lu'icrn wird uns berichtet: Bei der Abstimmung über die Interpellation GroÖmanns In Angelegenheit der Verhaftung Jugendlicher der Judenstaatspartel in Tel-Aviv stimmte Stephan Wlse, der Führer der Allgemeinen Zlonisten Amerikas und leitendes Mitglied der großen antideutschen Boykottbewegung von TT. S. A., gemeinsam mit den Linken gegen den erwähnten Antrag Melr Großmanns. Einige jugendliche Delegierte des Kongresses waren über diese Haltung Steohan Wlses erregt und stellten ihn zur Rede. Diese Stimmung der Jugend- Hohen hatte eine lebhafte Szene rings um Stephan Wlse lur Folge. Der Vorfall an sich wurde Im ganzen Kongreßsaal lebhaft besprochen, so daß der Vorsitzende d«r Tagung Mühe hatte, der herrschenden Unruhe Herr zu werden. Jüdische Eltern! 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Die Juden sind im Krieg Deutschlands gegen die Zivilisation im vordersten Schützengraben, deshalb können sie sich nicht selbst verteidigen. Wie zur Zeit der spanischen Judenaustreibung von 1492 sei heute die Auswanderung die einzige Lösung. Aber die heutige Lösung, Palästina, sei endgültig. Deutschland aber, welches die Juden verstoße, werde von der zivilisierten Welt verstoßen werden. Stephen Wise forderte den Kongreß auf, an den revisionistischen NZO.-Kongreß in Wien eine Kundgebung zu erlassen und zum Ausdruck zu bringen, daß der NZO.-Kongreß die jüdische Tradition verletze und die Reaktion in Europa stärke. Sehr scharf sprach Wise gegen den Legislative Council und verlangte von der britischen Regierung die Einlösung des Versprechens, da» in der Balfour-Deklaration gegeben wurde. Nach Wise sprach Präsident Dr. Weizmann, dem der Kongreß eine Ovation bereitete. „Wir haben,'* sagte er, „das menschliche Bedürfnis, dem schmerzlichen! Gefühl Ausdruck zu geben, welches das Herz eines jeden Juden "bewegt, wenn er liest, was man seinen Brüdern in Deutschland antut. Die einzige und würdige Antwort auf die furchtbaren Beschuldigungen deis Dritten Reiches gegen unser Volk, denen die Welt mit rj*rer solchen Indifferenz gegenübersteht — dieselbe Welt, die 1914 in Blut unterging-, um eine bessere Ordnung zu schaffen —, sei unsere ehrliche und unermüdliche Arbeit in Palästina. Die englische Regierung kann diese Arbeit erleichtern. Die Schaffung einer zivilisierten Gesellschaft in Palästina ist unser größter Beitrag zum Weltfrieden," (Näheres Seite 1.) Die Frage einer Am Montag, den 26. August, vormittags, wurde keine Plenarsitzung abgehalten. Es fanden Kommissionssitzungen und Besprechungen der Gruppen A und B der Allgemeinen Zionisten statt. Im Laufe der Sonntagnacht und am Vormittag des Montag wurden Verhandlungen über die Neubildung der Exekutive geführt, bei denen vor allem Doktor Weizmann sich bemühte, eine Verständigung mit dem Misrachi zu erzielen und ihn zur Beteiligung an der Exekutive zu veranlassen. Die Besprechungen sind jedoch vorläufig auf einem toten Punkt angelangt. Die Miarachi Vertreter haben den Vertretern der Linken erklärt, daß sie endgültig jede Mitarbeit ablehnen, falls nicht Garantien für die Einhaltung der religiösen Vorschriften in den aus nationalen Mitteln errichteten und erhaltenen Siedlungen gegeben und Sanktionen hiefür goiiiiiiiii!IIIIIiiiiiiiiiiihii9iiihiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Billige Bücher bei der Schwedenhrüdce Buchhandlung Schneider & Co., I., Franz-Josefs-Kai 7 Telephon R-22-0-15. SCHOLEM ALKCllKM: „Die Geschichte Tewjrs «los Miiciihiindlcrs." Lcincnbancl (S 7.—)...............S 1.70 „Stempenju", Roman. Leinenbaml (S 7.—).....S 1.70 NATHAN ASCH: „Der 'iZ. August", Roman. Kartoniert 7.—) . . . S 1.90 GUSTAV MKYltINK: „Der Golem." Leinenbund (S 11.—)......mir S :>.10 „Das grüne Gesicht", „'Walpurgisnacht", „Fledermäuse", jeder Bund Halbleinen......mir S 'i.'O „Des deutschen Spi»Ucrs Wundorhorn." 'J llulbleinenbände. zustimmen............nur S W.IJO KUItT STKCHKKT: „Palästina-Bericht eines Nieht jitden." Gaii/.leinenband (S 6.—)...............mir S 1.90 ARNOLD ZWKKi: „Herkunft und Zukunft", zwei K.^s-iys zum Schicksal eines Volkes. Leinen...........nur S - „Lessing, Kleist, Büchner." Leincnband .... nur S :i.7ß „Der Streit um deu Sergeanten Griticha", „De Vriendt kehrt heim". „Junge Frau von 1914", jeder Leinenband (S 14.80).............nur S 1.80 Jeder Band kart.............mir 8 3.M Besuchen Sie unsere Buchhandlung. Sie (Inden die reichste Aal* wähl an Büchern bester Autoren zu kleinsten rreiwü. Katalog erat Ii «ad »orttfrsl

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