Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 493 (30.8.1935)
- Date
- 1935-08-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 493 DIE NEUE WELT SeitaS i thmwvvx SCirstM*1 importiert werden, als durch die Vereinbarungen über den Kapitalstransfer bedingt war. Es sprachen sodann der Redakteur des „Haarez", Glücksohn, der jemenitische Delegierte G 1 u s k a, der darüber Klage führte, daß der Kongreß keine Maßnahmen zugunsten der Juden im Jemen, die dort verfolgt werden, aber das Land nicht verlassen dürfen, ergreife, und der Arbeiterdelegierte B i a 1 o p o 1 s k i. Jakob Fish man (Weltvereinigung, Amerika) wies auf die Nordauschc Forderung nach sozialer Umschichtung des jüdischen Volkes hin, eine Forderung, die von den Oppositionsparteien nicht beachtet werde. In einer früheren Sitzung wies der amerikanische Delegierte Abraham Goldberg (Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten) auf die Einigung im amerikanischen Zionismus hin, die beweise, daß bei gutem Willen eine Verständigung erreicht werden kann. In den Sitzungen am Montag, den 26., wurde die Generaldebatte fortgeführt. Der "bekannte holländische Zionist Bernstein (Gruppe B der Allgemeinen Zionisten) erklärte, man könne der Exekutive die Anerkennung für ihre Erfolge nicht versagen, doch sei zu befürchten, daß das Einströmen von Menschen und Kapital in das Land den wirtschaftlichen Belangen eine übergroße Eedeutung auf Kosten der politischen Ziele des Zionismus verleihe. Die Einwanderungspolitik der Mandatarmacht, sagte Bernstein, stehe im Widerspruch zum Mandat, indem jüdische Einwanderung beschränkt und die Einwanderung von Arabern aus den benachbarten Ländern nicht gehindert wird. 2üuita Sdilssßwori der Exekutive Dienstag, den 27. August, fanden tagsüber Kommissionssitzungen statt. Am gleichen Tag schloß die Generaldebatte. Es sprachen zunächst die Mitglieder der Exekutive: J. Grünbaum, Berl Locker und M. Shertok. J. Grünbaum (Rad.) verteidigte die Tätigkeit seines Immigrationsressorts, bezeichnete den Vorwurf der Opposition, daß sein Departement das nichtchaluzische Element zurücksetze, als ungerechtfertigt und präzisierte mehrere Anträge für die künftige Leitung des Immigrationsdepartements. Es sollen von jeder Schedule 50 Prozent für Chaluzim und die weiteren 50 Prozent für arbeitende Handwerker bestimmt werden. Berl Locker (Arb.-Partei) lobte die Leistungen des Organisationsdepartements und bezeichnete das Anwachsen des Einflusses der Arbeiter in der Zionistischen Bewegung als eine natürliche Erscheinung. Die Basis der Organisation müsse — abgesehen von gewissen Reformmöglichkeiten — der S c h e k e 1 bleiben.. Zum Austritt der Revisionisten habe man sich nicht gleichgültig verhalten, es entspreche auch nicht der Wahrheit, daß die Exekutive den Beschluß gefaßt habe, den Austritt der Revisionisten zu ignorieren, vielmehr sei die Tür offen. Die Judenstaatsparteiler haben eine Aversion gegen die sozialistische Internationale, vergessen jedoch, daß sie die einzige Instanz sei, welche den Antisemiticmus bekämpfe. (!)' VERBILLIGTER EXPORT vUT'S PALÄSTINA, 'ÄGYPTEN und Griechenland mit Passaglerdampfem des Jugoslawischen Lloyd d, d. Bevorzugte Seeraten zu erfragen bei Alleinvertretung des Levantedienstes, Spediteure SPERBER & SCHUSTER Wien lf EMlngqasse 13, Tel. U-22-0-97, U-24-0-97 GIUIIO TAGLIAFERRO & CO., Trieste Nach der Rede Berl Lockers wurde die Plenarsitzung geschlossen. Am Abend des 27. August sprachen Rabbi Stephen Wise über das Galuth-Problem und Dr. Chaim Weizmann. Generaldebatte definitiv beendet In der Abendisitzumg vom Dienstag, den 27. August, ging die Generaldebatte zu Ende. Der Präsident des Kongresses, Dr. Weizmann, begrüßte den anwesenden Direktor der Mandatskommiseion des Völkerbundes, der seinerseits die Grüße des Generalsekretärs des Völkerbundes, Avenol, überbrachte. Es wurden sodann die Resolutionen über die mit dem Misrachi getroffene Vereinbarung verlesen. Der Resolution über die Sabbat ruhe spendete der Kongreß besonderen Beifall. Es erfolgte sodann die Zuwahl von Vertretern des Misrachi in alle Kommissionen und in das Präsidium. In der AbendBitzung des Kongresse« vom Montag jKOtestiexte der südatfrikanisdhe Delegierte Atoraharnt (Weltvereinigumg Allgemeiner Zionisten) gegen die barbarische Verfolgung der Judeniheit in Deutschland. Er überbrachte die Botschaft der südafrikanischen Zionisten an den Kongreß, Einigkeit zu halten. Was in Südafrika möglich sei — eine Zusammenarbeit der Linken, der Allgemeinen und der Revisionisten im zionistischen Direktorium —, müsse auch im großen Zionismus möglich sein. Meir Jarblum (Anbeiterfraktion) appelliert an die zukünftige Exekutive, mit der Sowjetregierung wegen Zulassung des russischen Judentums zum nächsten Kongreß zu verhandeln. Er protestierte gegen Transfer. Meir Großmann interpellierte wegen der Verwendung deutschen Zements beim Bau der Anglo-Palestine Bank und verlas zwei Telegramme, wonach Streikposten des Anti-Nazi-Boykottkomiteeis verhaftet wurden. (Siehe an anderer Stelle.) R e m e z erklärte, man dürfe den Kongreß nicht durch Telegramme beeinflussen. Der Antrag Großmanns wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Das Mitglied der Exekutive Louis L i p s k y unter, strich die Notwendigkeit einer festorganisierten Arbeiterschaft in Erez Israel. Dr. Pinn er (Weltvereinigumg) berichtete über die Arbeit des Departements zur Anisiedlunig deutscher Juden. In der Vormittagssitzung am Dienstag sprach Josef B a r a t z aus Degania sehr scharf gegen die oppositionellen Redner, die nur die negativen Seiten herausheben. Die Arbeiter in Palästina, welcher Gruppe immer sie angehören mögen, sind gleichberechtigt. Die Arbeiter Palästinas unterstützen notleidende Juden in Oesterreich, Rußland und überall in der Welt. Kleinbaum (Weltvereinigung) beklagt es, Kleine Tube S — .90 Große Tube S 1.40; daß die Oppositiontsredner die Generaldebatte in ein öffentliches Gericht über die Arbeiterpartei verwandelt haben. Man dürfe aber nicht die Exekutive mit dem Mapai (palästinensische politische Arbeiterpartei); identifizieren. Diese Exekutive habe nicht für eine Klasse, sondern für das ganze jüdische Volk gearbeitet. Die Histadruth müsse geschlossen bleiben, für soziale Reaktion sei in Palästina kein Platz. Gehalten in Luxem am 24» August In seinem politischen Referat hat der Führer der großen, diesen Kongreß beherrschenden Arbeiterpartei, Herr Ben Gurion, darauf hingewiesen, daß dem zionistischen Aufbauwerk in Palästina ungeheure Schwierigkeiten entgegenstehen. Er hat aber auch erklärt, daß — ich gebrauche hier seine Worte — der schöpferische Genius des jüdischen Volkes, daß die jüdische Arbeit alle Hindernisse überwinden werde. Herr Ben Gurion hat das Hohelied von der jüdischen Arbeit gesungen. Und mit Recht! Das jüdische Volk hat in Palästina den Beweis erbracht, daß jüdische Arbeit unter den härtesten, unter verzweifelten Bedingungen ganz Großes leisten kann. Daran anknüpfend hat Herr Ben Gurion dem Gedanken Ausdruck gegeben: Wir arbeiten in Palästina, also muß schließlich Palästina uns gehören. Er hat damit nichts Neues gesagt, sondern nur wiederholt, was sein Vorgänger in der politischen Führung der zionistischen Organisation, Herr Professor Weizmann, immer und immer wieder in etwas drastischerer Form Billige Minnen sind billig. Sanft, gründich, rassig und preiswert ist natürlich nur ^^^(^■VfiKf^^ erklärt hat: „ Kümmert euch nicht um Politik. Schicket Geld und Menschen ins Land. Arbeitet und arbeitet. Alles andere wird dann kommen. Wer einmal in Palästina arbeitet, den kann niemand von dort wegdrängen." Meine Damen und Herren! Es ist richtig, daß Arbeit die unerläßliche Grundbedingung für die Erhaltung und den Ausbau der jüdischen Position im jüdischen Lande ist. Aber falsch ist es, wenn man sagt, daß sie die einzig ausschlaggebende ist. Die auf den Zionistenkongressen der Nach-Herzlschen Zeit immer aufgestellte und immer bejubelte Behauptung, daß große jüdische Arbeit ausreichen muß und ausreichen wird, um unsere Position für immer zu sichern, ist eine gefährliche Täuschung. Und es muß jeden, der sich von dem wirklich schönen Hoheliede von der jüdischen Arbeit nicht ganz berauschen läßt, sonderbar berühren, daß gerade Zionisten, Angehörige des jüdischen Volkes, so leicht dieser Täuschung verfallen. Ist doch das jüdische Volk ein geradezu klassisches Beispiel dafür, daß jüdische Arbeit und beste jüdische Arbeit nichts nützt und gar keine Sicherung bietet, wenn die politische Sicherung fehlt. Ist denn Palästina das erste Land, in welchem wir Juden hart und schöpferisch — ja, schöpferisch — gearbeitet haben? Haben wir nicht in einer Unzahl verschwundener und bestehender Staaten Pionierarbeit geleistet und uns dem Irrglauben hingegeben, durch diese ersprießliche Arbeit unsere Stellung im Lande gesichert zu haben? Man hat uns arbeiten und schaffen lassen, und eines bösen Tages hat man erkannt, daß man uns nicht mehr braucht und daß wir Plätze einnehmen, die man selbst einnehmen kann, und man hat uns ausgeschaltet und verjagt. Man konnte uns verjagen und man verdrängt uns heute überall. Man kann uns verjagen und verdrängen, weil wir nicht als Herren im eigenen Hause gearbeitet haben und arbeiten, sondern als Mieter und Aftermieter, Ich sage Ihnenj Man wird uns auch in Palästina verdrängen und vertreiben, wenn wir dort nicht als Herren im eigenen Hause werden arbeiten können. Hausherren können wir aber nur dann sein, wenn Palästina ein Judenstaat ist. In einem Palästina, das kein Judenstaat ist, werden wir Mieter und Aftermieter sein, denen man den Platz aufkündigen kann, auch wenn sie die Wohnung noch so schön eingerichtet haben, denen man um so eher kündigt, je schöner sie ihre Wohnung ausgestaltet haben. Theodor Herzl hat — ich glaube, es war auf dem II. Zionistenkongreß in Basel — gesagt: „Wer Fremder in einem Lande ist, das bestimmt die Majorität!" Professor Weizmann hat auf dem XVII. Zionistenkongreß in Basel gesagt: „Wir brauchen keine jüdische Majorität". Wer hat recht? Herzl hat recht, nicht Weizmann. Wir müssen die Majorität werden. Man wird uns aber nie Majorität werden lassen, wenn wir uns nicht zuvor unser Anrecht auf den Judenstaat erkämpft haben werden. Zionismus ohne Judenstaat hat keinen Sinn. Zionistische Arbeit ohne Judenstaat ist Arbeit für andere. Bei allen Gelegenheiten preisen wir den Aufschwung, den dieses einst als arm und unfruchtbar verschriene Land Palästina dank unserer Arbeit genommen hat. Wir haben ein Recht, auf diesen Aufschwung stolz zu sein und uns seiner zu freuen. Aber haben wir hcut.e schon ein Recht, in diesem Aufblühen eine Sicherung zu erblicken? Je sichtbarer das jüdische Palästina blüht, desto mehr politische Sicherung erfordert es, desto größer ist die Gefahr, daß man es uns nimmt. Das wirtschaftlich arme und politisch bedeutungslose Palästina hat uns jeder gegönnt. Das wirtschaftlich aufblühende und politisch immer bedeutsamer werdende Palästina erweckt den Neid und die Begierde der anderen. Ein Gemisch von Steinen und Sand, dazwischen Schnorrer, welche fromme Reliquien aus Gablonz verkaufen — das war Palästina wirtschaftlich. Und was war es politisch? Auf dem Wiener Kongreß hat Herr Professor Weizmann der Opposition gesagt, sie möge sich mit der Behauptung, daß das kleine Palästina für das große England von politischer Bedeutung sei, nicht lächerlich machen. Der Suezkanal ist alles, Palästina eine ganz untergeordnete Angelegenheit. Heute blickt die ganze Welt auf den politischen Schlüsselpunkt Palästina, und England begnügt sich nicht, hinzuschauen, sondern schickt seine Kriegsschiffe, Soldaten und Flugzeuge hin. Auch die Araber dürften wissen, wie die Dinge liegen. Ist das danach angetan, uns in dem Glauben zu halten, daß man uns ungestört das Land durch Arbeit wird erobern lassen? ' Mehren sich nicht schon jetzt die Anzeichen, daß man uns an der Arbeit hindern will? Die Tür zum armen und politisch nichtssagenden Palästina stand uns Juden weit offen. Jetzt hat man sie his auf einen engen Spalt geschlossen. Unter dem Eindruck des entsetzlichen Geschehens in Hitler-Deutschland hatte man sie ein wenig weiter geöffnet. Da ging es ja nicht anders. Noblesse oblige! Vielleicht lacht .flieh jemand ins' Fäustchen, wenn er hört, wie der gewaltige Aufschwung der Einwanderung unter dieser zionistischen Exekutive so groß gepriesen wird. Ich glaube, daß einst in der Geschichte nicht verzeichnet sein wird, daß diese große Ein* Wanderung unter der Herrschaft unserer jetzigen Exskutive erfolgte, es wird wohl heißen, daß sie sich zu?