Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 491 (23.8.1935)
- Date
- 1935-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Wr, $91 DIE NEUE WELT Seite 5 Woher die Antisemiten e§ wi§§en Tftrfditfe Beschuldigungen des' „Haares" Am 12. August meldete der Sonderkorrespondent der „liaarez" (Tcl-Aviv) telegraphisch aus Wien: „Die. antisemitische Presse bedient eich die ganze Zeit hindurch des in Kürzte hier zusammentretenden revisionistischen Kongresses, um die Zionistische Organisation anzugreifen, in der die. Kommunisten herrschen." Am nächsten Tage schreibt der „Haare z" Tel- Aw) in seinem Leitartikel folgendes: „Ein Telegramm aus Wien, das wir gestern (.12. August) veröffentlicht haben, besagt, die antisemitische Presse bediene sich die ganze Zeit hindurch des in Kürze in Wien stattfindenden Revisionisten-Kongresses, um die Zionistische Organisation anzugreifen, in der die Kommunisten herrschen... Kommunisten beherrschen die Zionistische Organisation? Das ist ein beliebtes, billiges Steckenpferd in Oesterreich, genau so wie in Sowjetrußland das Steckenpferd beliebt ist, wonach die Zionistische Organisation von Kapitalisten und Imperialisten beherrscht wird. Wenn wir uns mit den Worten der Wiener Antisemiten beschäftigen, so geschieht es nur darum, weil wir eine ungleich traurigere Tatsache als diese Angriffe der antisemitischen Presse festhalten wollen. Woher haben die Wiener Antisemiten diese „genaue" Information Uber die innere Lage unserer Bewegung geschöpft? Woher diese „Fachkenntnis"? Wer erzählte ihnen vom Regime der Kommunisten in der Zionistischen Weltorganisation? Die Antwort auf diese Frage ist sehr leicht zu finden. Es ist nicht notwendig, sie in der antisemitischen Presse selbst zu suchen, vielmehr kann man sie in jüdischen, in zionistischen Blättern finden. In unserer kleinen Welt existiert eine grolle „Partei", die sich den prunkvollen Namen „Judenstaatspartei" beigelegt hat. Diese Partei nun hat in Wien ein zweimal wöchentlich erscheinendes Organ „Die Neue Welt" — eine Fortsetzung von Herzls „Welt". In diesem Organ konnten die Antisemiten alle ihnen erforderlich scheinenden Nachrichten über die „Herrschaft der Kommunisten" in der zionistischen Bewegung finden. Jtor kurzem wurde in dieser Zeitung erzählt, wie die rote zionistische Exekutive eine Einladung Italiens, den Kongreß in Italien abzuhalten, abgelehnt hat, weil sie, die Exekutive freie Hand haben wollte, den Faschismus anzugreifen. Diesem Organ der Gruppe der Schreier, die sich mit der „Staatsfahne" zieren, ist zweifellos klar, daß die gegenwärtige Exekutve der Zionistischen Organisation nach Moskau schielt — was können wir da von der antisemitischen Presse Wiens verlangen? ..." * Die antisemitische Presse Wiens bedient sich keiner Sache außer ihrer antisemitischen Argumente. Niemals hat die österreichische antisemitische Presse behauptet, daß in der Zionistischen Organisation die Kommunisten herrschen; weder hat sie es früher noch jetzt vor dem revisionistischen Kongreß getan. Wenn man von einem Bericht des Wiener. „Nculgkeits-Weltblattes" über die NZO. abuleht, so hat kein einziges Wiener nichtjüdisches Blatt in der letzten Zelt auch nur eine Zeile über die zionistische Organisation geschrieben. Der Wiener Korrespondent also des „Hnao-ez" hat sich die Geschichte mit der antisemitischen Presse aus seinen unsauberen Fingern gesogen. Das wäre keine Grund für uns, von der Sache Notiz zu nehmen, würde nicht der „Haarez" aus dem törichten Wiener Telegramm eine nicht minder törichte Schlußfolgerung ziehen. Wir haben niemals behauptet, daß in der Zionistischen Organisation die Kommunisten herrschen. Solch eine Behauptung wäre absurd und zur Lächerlichkeit verurteilt. Vielmehr konnten wir an einer Reihe von Tatsachen beweisen, daß die Zionistische Organisation von den Linken, den marxistischen Klassenkämpfen!, beherrscht werde — zum Schaden des nationalen Judentums und des Autbaus der nationalen Heimstätte. Diese Behauptung — siehe 57 Prozent linke Delegierte auf dem Luzerner Kongreß - - stellten wir vor aller Welt dar (also auch vor di?r antisemitischen Presse) und machten nie ein Hehl daraus, daß wir die Unke Exekutive, die. Führerin der Histadruth, vor aller Welt (also auch vor der antisemitischen Presse) als schädlich bekämpfen. Das ist das Prinzipielle der Sache. Der „Haarez" will uns eine einseitige, unfaire Animosität gegen die Linke, gegen die „rote zionistische Exekutive" zum Vorwurf machen, indem er erwähnt, wir hätten erklärt, diese rote zionistische Exekutive hätte Italien (Abbazia) als Kongreßort abgelehnt, weil sie, die Exekutive, freie Hand haben wollte, den Faschismus anzugreifen. In Wirklichkeit schrieben wir in unserer Ausgabe Nr. 468 („Warum Kongreßort Luzern?"), die Linken hätten erklärt, „daß ihnen das faschistische Italien nicht pasi.se, daß der Zionistenkongreß sich nicht einseitig politisch orientieren dürfe". Die Darstellung des „Haarez" Ist also von der Wirklichkeit so weit entfernt, wie die Zweite Internationale von Moskau. Wobei natürlich die rote Nelke in den Knopflöchern der zionistischen Minister einem Schielen nach Moskau verdammt ähnlich sieht.,. Die Darstellung des „Haarez" über unsere „Kommunisten-Denunziation" wird natürlich in allen ernsten zionistischen Kreisen Heiterkeit erwecken. Alles andere, was der „Haarez" zu erzählen weiß, geht über die polemische Zone hinaus. Daran scheint die palästinensische Hitze schuld zu sein. Maturaschule „UNIVERSUM" II IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 II O Beginn neuer Tages- und Abendkurse am 15. IX. 1935 |R Zur deusfedien Juden? Politik Sdiadit pro und confra Aus Prag meldet die J. T. A.: Eine Reihe soeben aus Deutschland eingelangter Nachrichten lassen, wenn man sie gesamt betrachtet, den Schluß zu, daß in der Juden politik der deutschen Regierung wiederum eine Wendung sich ankündigt: Es scheint, daß die Wirkung, die der Verlauf der er&'ten Hälfte des proklamierten „Monats der Judenverfolgungen" auf die ganze Welt ausgeübt hat, Hitler bewogen habe, die Zügel wieder ein wenig umzuwerfen. Das erste Symptom hierfür war der wenig eindrucksvolle Rahmen, der der ersten Streicher-Veranstaltung in Berlin gegeben wurde. Man nahm davon Abstand, Streicher das Programm der künftigen Judenverfolgung und -entrechtung verkünden zu lassen, sondern ließ ihn eine seiner üblichen, mit Pornographie gespickten Hetzreden halten, ohne ihm sogar den Rundfunk zur Verfügung zu stellen, und ohne daß ein Minister der Veranstaltung beigewohnt hat. Wolters hört man, daß das angekündigte Gesetz übeir ein Verbot der Mischehen vorläufig zurückgestellt wurde. Ein drittes und hauptsächliches Symptom ist die Rede, die Schacht am letzten Sonntag in Königsberg gehalten hat. Laut dem Bericht des Deutschen Nachrichtenbüros führte Sehacht zur Judenfrage u. a. aus: „Wer in die Wirtschafts- und Finanzpolitik unbefugt und störend eingreift, ist ein Schädling. Die Juden aber müssen sich damit abfinden, daß ihr Einfluß in Deutschland einfür allemal vorbei ist... Aber niemand in Deutschland ist rechtlos." Schacht hielt seine Rede bei der Eröffnung der Deutschen Ostmesse in Königsberg, der auch viele Ausländer beiwohnten. Manche sind geneigt, Schachts Ausspruch „Niemand in Deutschland ist rechtlos" in dem Sinne zu deuten,, daß auch von der beabsichtigten Verbindung der bürgerlichen und menschlichen Entrechtung der deutschen Juden auf dem Nürnberger Parteitag im September vorläufig Abstund genommen werden wird. Laut privaten Meldungen hätte Schacht gegen die „Wirtschaftsschädlinge" eine weit schärfere Sprache geführt, als wie sie in dem DNB.-Bericht wiedergegeben ist. Schacht hätte ausgerufen: „Ein Schädling ist, wer zum Boykott jüdischer Geschäfte aufruft Ein Schädling ist, wer Einzelaktionen durchführt; die Lösung der Judenfrage muß unter staatlicher Führung geschehen. Ein Schädling ist, wer entgegen den Erklärungen der DAS LIED EINER. WIEDERGEBORENEN NATION SO JAHRE PALWXTINA REGIE :B-A6APATI ■ LIEDER: J-HAKUSSI OESANG : H-KIPNIS UR.-UND ALLEIN AUFFÜHRUNG: MUSIK: LEVANON A PEN UND ZEIRA UND J' öOLANI l>/ , IX-P0RIEu.ANG.19 'TEL- A13 0?b Reichsrogierung handelt, die den jüdischen Geschäften die Ausübung ihrer geschäftlichen Tätigkeit gestattet." Während dieser Ausführungen Schachts haben einige hohe Funktionäre der NSDAP, und mehrere SA.-Fühtrcr demonstrativ den Saal verlangen. Das unruhige Berlin m' Aus Berlin wird gemeldet, daß zur gleichen Stunde, da Schacht in Königsberg vor antisemitischen Einzelaktionen warnte, in Berlin über den Kurf ürstendamm mit SA .-Leuten besetzte Lastautos fuhren, auf denen Sprüche zu lesen waren, wie: „Erst wenn der letzte Jude fällt, ist Friede in der ganzen Welt!" „Jude, laß ab von deutschen Frauen, sonst wird der Hintere dir verhauen!" Dies« Aussprüche erschollen auch von Zeit zu Zeit im Sprechchor. Die Wagen blieben allemal vor jüdischen Cafes stehen und ein Sturmfiihrer hielt eine kurze judenhetzerische Ansprache, in der indirekt zu jenen ungeregelten Einzelaktionen aufgefordert wurde, vor denen Dr. Schacht gewarnt hatte. (J. T. A.) Bei Grippe, Bronchitis, Mandelentzündung, Lungenspitzenkatarrh sorge man dafür, daß Magen und Darm durch öfteren Gebrauch des natürlichen „Franz-JoSfef'-Bitterwassers gründlich gereinigt werden. E Gegen die Berliner Olympiade Aus New York wird gemeldet: Die Juden Amerikas führen einen intensiven Kampf gegen den Anteil der amerikanischen Sportler an der kommenden Berliner Olympiade 193 6. Kürzlich fand ein Meeting unter der Teilnahme von 20.000 Juden statt, welche gegen die Beschickung der Hitler-Olympiade durch amerikanische Sportler protestierten. Jeden Sonntag nach Polen und Czernowitz, billig und bequem, nur mit dem ältesten polnischen Verkehrabüro in Wien, „Francopol", Wien, III., Rennweg 1, Telephon U-16-4-90. E Gefäßerkrankungen. Geschätzte klinische Lehrer der inneren Medizin haben selbst bei halbseitig gelähmten Kranken mit dem natürlichen „Franz-Josef "-Bitterwasser noch die besten Erfolge für die Darmreinigung erzielt. E ScMbikl?®? in der Buchhandlung Wien IS, Ecke Taborstrsße 52 Lehrbücher für alle Lehransialten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos! / Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 das ist das Jtmd (SoiU Ui Ua'ac&z) Aga-Film, Tel-Aviv (Palästina). Seitdem in Palästina jüdische Hunde und jüdischer Geist am Werke sind, ist es — nach jahrhundertelanger Gleichgültigkeit — wieder ins Blickfeld der Kulturvölker getreten. Insbesondere die letzten Jahre großzügiger Arbeit haben überall in der Welt das Interesse für das kleine Land im vorderen Orient geweckt, das bisher nur Objekt mehr oder iveniger geheimer Politik mar. Das neue, jüdische Palästina hat sich die Achtung und Bei Minderung aller für Großes empfindlichen Menschen erworben* Ununterbrochen strömen Menschen ins Land. Neben Kolonisten Scharen von Touristen, die über ihre l\eise erzählen und schreiben. Die oielen Millionen, denen es nicht gegönnt ist, das Heilige Land mit eigenen Augen zu sehen und die Melodie des Landes mit eigenen Ohren zu hören, ersehnen nichts so sehr. n>ie ein ivirkliches Bild des Landes, in einer Form, die nur der Film zu gestallen her mag. Die Freude an Bild und Klang kann sich zu Frschüllerung steigern, denn für den Paläslinafreund klingt etwas Tieferes, Beseelteres an, sobald er die Menschen des alten jüdischen ]rolkes an der Arbeil in einem Lande sieht, das bisher nur eine Vergangenheit halte und jetzt eine Zukunft erhallen soll. Vielfache Versuche wurden gemacht, das heulige Palästina im Filmstreifen festzuhalten. Sie sind an zahlreichen Mängeln gescheitert. Die Schöpfer den Films ..I) a $ ist das Land" (Soth h; ha'arez) glauben, den Wunsch nach einem die palästinensische W irklichkeit wiedergebenden Film erfüllt zu haben. Fs verdient oerzeichnet zu werden, daß alles, was zur Herstellung dieses Tonfilms erforderlich ivar. aus dem Land selbst bezogen wurde. Von besonderem Reiz, der durch, seine Einmaligkeil erhöht wird, sind die Originalaufnahmen der Eröffnung der Jerusalemer Universität auf dem Skopus 1925: Lord B u l f o u r. der Initiator der sogenannten Bulfour-Deklurution, hält die Festrede; die Originalauf nähme der Jüdischen Legion aus dem Weltkrieg; der Bürgermeisier Mar Dizengoff als Gründer von Tcl-Aviv; die ersten und ältesten Siedler (Bilu) von Ii i schon le Z / o n, das heute wegen seiner Weinkullur Weltruf geniefit. Der administrative f .eil er (J. YJsling) und der künstlerische Leiter, Regisseur. Photograph (B. Agadali), haben die besten Kräfte des Landes (den Schriftsteller A. Humeiri. den Sänger J. Göll and und die Sängerin H. Kipnis) herangezogen. Die Musik stammt vom palästinensischen Koinponisleji 1evnnon. Die Mitwirkenden sind die Millionen Juden der Welt, die eine Auslese von Kräften für den /Infbau. des hebräischen Palästina bereitgestellt, haben. Solcherart konnte der erste heimische Film (Tozereth Haarez) in Palästina selbst einen beispiellosen Erfolg nufioeisen. Vier Wochen hindurch, wurde er im Operngebäude von Tel-Aviv gezeigt. Der Titel „Das ist das La.nd!" ist weder unbescheiden noch irreführend. Nach einem dramatisch gestalteten Rückblick über die Grundlagen der Kolonisation, gibt der Film mii filmischen, cl. lt. visuell-akustischen Mitteln, alle Probleme des Aufbaus wieder, macht das Symbolhafte lebendig, führt durch alle Stätten des Landes — der Landschaft, der Arbeit, des Sports, des Verkehrs, der Stadt und der Kolonie. Frucht und Blüte. Kind und Mann, Technik und Natur nehmen in gleich eindringlicher Weise Auge und Ohr gefangen. Und das Wesentliche: Hier erlebt der Zuschauer das Beglückende der Arbeit, deren Freude und Segen. IV a s der Film will, hat er im Titel gesagt: das w i r k l i c h e Palästina von heute zeigen. Wie er dies Ziel erreicht, das ist das Geheimnis der Kunst, der künstlerischen, ausschließlich filmischen Mittel. ..Das ist Palästina" isl zweifellos ein Meilenstein auf dem Weg der neuen hebräischen Filmkunst. Z. a^Mw.vr*^*^^^ ■