Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 491 (23.8.1935)
- Date
- 1935-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seit« 4 DIE NEUE WEI/ Nr. 491 KINO-PROGRAMME KREUZ-KINO m I, Wollzeile 17 f% Telephon R - 24 - 2- 16 Vorstellungen: s\6, V»8, V*10 N G S T Der sensationelle Flieger-Film Mariahilf e^t'raßY'o A4 1 SSI SSI PI Telephon B-33-0-68 berufen will. Diese Forderungen Weizmanns begegnen einer Opposition in weiteren Delegiertenkreisen, auch unter mehreren Arbeiterführern. Dr. Nahum Goldmann arbeitete ein Memorandum zur Unterbreitung an den Kongreß aus, in welchem eine Abänderung der bisherigen Organisation des Council und aes Administrative Commiitee der Jewish Agency nach der Richtung empfohlen wird, daß das fifty-fifty-System unterbrochen und der Z. O. eine größere proportioneile Vertretung in der Jewish Agency eingeräumt werde. Die deutsche Delegation zum Kongreß, 34 Mitglieder stark, weilt bereits in Luzern. Aber immer noch herrscht Zweifel darüber, ob die Deutschen am Kongreß teilnehmen werden. Dem Aktions-Komitee liegt ein Vorschlag vor, daß jedem Delegierten das Recht gegeben werden soll, öffentlich von der Kongreßtribüne herab das Judenverfolgungssystem in Deutschland zu verurteilen, auch wenn dadurch die Teilnahme der deutschen Delegierten unmöglich gemacht werden würde. Auch die Frage des Transferabkommens wird den Kongreß lebhaft beschäftigen. Eine Anzahl führender Delegierter will entschieden für die Aufhebung des Transferabkommens eintreten. Die Judenstaatspartei unterbreitete dem Kongreß ein Memorandum, in welchem die Gültigkeit der amerikanischen Wahlen zum Kongreß bestritten wird. Namentlich wird die Arbeiterpartei in Amerika beschuldigt, Schekalim an Zionisten und Die Begrüßungen Nach der Eröffnungsrede Nahum Sokolows begrüßte als erster den Kongreß im Namen der Schweizer Regierung das Mitglied der Bundesregierung Dr. Walte r. Er erinnerte daran, daß schon der erste Kongreß auf Schweizer Boden, in Basel, und im Zeichen der Sympathie des schweizerischen Volkes abgehalten wurde, daß seitdem wiederholt die Schweiz zum Lande der Zionistenkongresse gewählt worden war, und daß die Sympathie der Schweiz für die Bewegung stets wach geblieben ist. Es wurde sodann eine Botschaft des englischen Kolonienministers Malcolm MacDonald verlesen, in welcher der Kongreß im Namen der englischen Mandatarmacht begrüßt wird. In der Botschaft wird u. a. festgestellt: ,,Der britischen Regierung erwachsen aus dem Mandat zwei gleiche und miteinander vereinbare Verpflichtungen: einerseits obliegt es der Regierung, die Errichtung des jüdischen Nationalheims zu fördern, andererseits hat sie darauf zu sehen, daß die Position und die Rechte der anderen das Land bewohnenden Eevölkerungsteile gesichert bleiben. Ich wünsche, die Versicherung abzugeben, daß wir beiden Verpflichtungen nachkommen werden." Die Botschaft des britischen Kolonienministers wurde vom Kongreß kühl aufgenommen. Unter den weiteren Begrüßungsansprachen ist die des Hochkommissars des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, des Amerikaners James G. MacDonald, hervorzuheben: Ich wünsche, sagte James MacDonald, im Namen des Verwaltungsrates des Hochkommissariats für die Flüchtlinge aus Deutschland und in meinem eigenen Namen die tiefe Anerkennung für das zum Ausdruck zu bringen, was von der Zionistischen Organisation und den anderen in der Jewish Agency vereinigten Kreisen für die aus Deutschland nach Palästina gekommenen Juden getan worden ist und noch getan werden wird. Unser tägliches Dankgebet nach den Mahlzeiten müßte lauten: „Gott, wir danken Dir für Palästina!" Ohne dieses Heimatland der Juden würden die Ausblicke für die Juden in Deutschland in den letzten zweieinhalb Jahren wahrlich düster gewesen sein. Es ist in der Tat etwas sehr Großes, daß in einer Zeit, wo die Tore fast aller Länder, von den größten bis zu den kleinsten, fast gänzlich der Einwanderung verschlossen sind, Palästina etwa 30.000 Juden aus Deutschland eine Heimat werden konnte. Eine noch, größere Sache ist es, daß Palästina zehntausenden, ja, hunderttausenden Juden in Deutschland, Polen und anderswo eine Hoffnung gibt, eine Hoffnung, die das jüdische Volk inspiriert und ihm Kraft zu wahrer Solidarität gibt. Das Kongrcßprässdium Das Präsidium des Kongresses setzt sich laut Beschluß des Präsidiums des Aktionskomitees, dem die Plenarsitzung des A. C hierin die Entscheidung überlassen hat, wie folgt zusammen: Präsident: Dr. Chaim Weizmann; Vizepräsidenten: Joseph Sprinzak, Ing. Schlomo K a p l'ansky und Ing. Reiß von der Arbeiterpartei, Dr. Nahum G o 1 d m a n n von der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten und Mossinson vom Weltverband der Allgemeinen Zionisten. Der Misrachi ist im Präsidium nicht vertreten. In der Sitzung des A. C. wurde beschlossen, daß das vom Kongreß neu zu wählende Aktionskomitee sofort nach Beendigung des Kongresses die Pläne zur Ueberführung der Herzl-Gebeine nach Palästina In Angriff nehmen soll. * Nach längeren Verhandlungen hat das Kongreßgericht die gesamte amerikanische Delegation in ihrer Zusammensetzung von 57 Mitgliedern als ordnungsmäßig gewählt anerkannt. Ebenso hat das Gericht die Wahl aller Delegierten bis auf wenige Ausnahmen bestätigt. TrauersMzung des Kongresses Die am 21. August abends abgehaltene Sitzung des &IX. Zionistenkongresses war einem ftierUchea Gedenken Nicht-Zionisten gegen das Versprechen, für die Arbciterliste zu stimmen, verkauft zu haben. Dem Memorandum liegen Briefe vom Sekretär der amerikanischen Z. O., Morris Margulies, vom Präsidenten der Chicagoer Z. O., Max Shulmann, und der Zionistischen Organisation in Los Angeles bei. Das Kongreßgericht hat bereits mehrere Zeugen hierüber vernommen. Das Kongreßgericht wurde auch ersucht, die Mandate der elf amerikanischen Misrachi-Delegierten für ungültig zu erklären, weil der Misrachi in Amerika die Verfassung der Z. Ö. dadurch verletzt habe, daß er nicht zum Keren Hajessod beitrug. Die Arbeiterfraktion, der bekanntlich die Mehrheit der Kongrcßdelegierten angehört, berät auch über die Möglichkeit einer K o a 1 i t i o n s e x e k u t iv e. Die Arbeiterfraktion ist bereit, dem Misrachi-Verband zwei Sitze in der Exekutive einzuräumen. * Die Vorkongrcßverhandlungen, welche zu einem Uebereinkommen in Beziehung auf eine Koalitionsexekutive auf breiter Basis geführt wurden, haben bisher kein positives Resultat ergeben. Seitens der Misrachi - V e r t r e t p r wird mitgeteilt, daß die Misrachi- Vorstände auf einer Beratung mit der Arbeiterfraktion als Bedingung die Erfüllung ihrer religiösen Forderungen gestellt haben. In diesem Punkte, kam es zu keiner Verständigung, so daß die Misrachisten schließlich erklärten, sie würden sich unter den gegebenen Umständen weder an der Exekutive beteiligen noch einen Vertreter ins Kongreßpräsidium entsenden. * Der Versuch einer Verständigung zwischen den beiden allgemeinen Gruppen A und B ist bisher mißglückt. Die Verhandlungen wurden abgebrochen. Es dürfte voraussichtlich zu keiner Einigung kommen. * Aus Luzern meldet die J. T. A.: Nach den bisherigen Informationen hat die Arbeiterfraktion beschlossen, keine Vertreter des Weltverbandes (Gruppe B) in die künftige Exekutive aufzunehmen. der großen Toten der Bewegung und des jüdischen Volkes gewidmet. Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, zeichnete in eindrucksvoller Rede, die vom Kongreß mit tiefer Ergriffenheit angehört wurde, ein Bild der Persönlichkeiten Leo M o t z k i n s, Chaim Nachman B i a 1 i k s, Dr. Schmarja L e w i n s, Dr. Victor Jacobsons, Johann Kremenetzkys und Baron Edmond de Rothschilds. Praktische Neuheit! Sporthemd mit Reserve-Kragen aus feinstem Seiden - Poplin in allen Modefarben sowie alle Artikel in Wäsche u. Wirkwaren billigst bei V ■■• Rabensteig 3, Tel. U-20-709 Himmelpfortg. 5, Tel. R-25-8-84 / Köllnerhofg. 1, Tel. R-26-8-99 Dem verstorbenen Präsidenten des Kongresses und des Aktionskomitees, Dr. Leo Motzkin, widmete Sokolow u. a. folgende Gedenkworte: „Er war einer, der eine Sendung hatte; er glaubte an sie und trug ihre Botschaft hiaus. Der Stempel der Unsterblichkeit ist seinem Leben aufgedrückt." Von B i a 1 i k sagte Sokolow, er sei „unsergrö fiter nationaler Dichter" gewesen, der noch zu Lebzeiten ein Klassiker geworden sei. „Er hatte die Inspiration eines jüdischen Propheten. Seine Dichtungen sind gekennzeichnet durch Reichtum an kühnen und ursprünglich empfundenen Bildern. Bialik hat sein großes, gottbegnadetes Talent in den Dienst unseres Volkes gestellt, Kein Gedanke war in ihm, der nicht jüdischem Fühlen, jüdischen Vorstellungen entsprungen war und der nicht zur Arbeit für die jüdische Sache anspornte und aufrief." Sokolow erinnerte an die „alle Herzen gewinnende Genialität" Dr. Schmarja Lewins. „Ueberall", sagte er, „gewann er Liebe und Vertrauen." Nach Pole billig und bequem I Nächste Reise am 25. August. / Rückfahrten am t. und 15. September. D-Zü"e, Pullman-Wa^en und reservierte Platze. / Reisebüro „IN DIE WEI T". (Dr. S. Tocker) IX, Llechronsreinstratie 2, Telephon A-M-5Ö4 In einem kurzen Nachruf auf Dr. Victor Jacobson schilderte Sokolow die Arbeit des Verstorbenen im Dienste der zionistischen Bewegung. „Johann Kremenetzk y", erklärte Sokolow, „war in dem wahrsten Sinne des Wortes ein feuriger Fürsprecher und ein opferbereiter, großherziger, b egeisterter Pionier des jüdischen Paläs t i n a." Zum Schluß hielt Sokolow einen tiefempfundenen Nachruf auf Baron Edmond de Rothschild. + Auf der Sitzung der Arbeiterfraktion vor Eröffnung des Kongresses machte das Mitglied der Palästina-Exekutive. David Ben Gurion den Vorschlag, eine Koalitionsexekutive zu bilden. Es heißt, daß die Arbelterfraktion, die bekanntlich die Mehrheit der Kongreßdelegierten umfaßt, bereit sei, jeder der großen Fraktionen, einschließlich der Misrachi, zwei Sitze in der kommende« Exekutive einzuräumen. Ben Gurion hat der Arbeiter* fraktion zwecks Wciterlcitung an den Kongreß den Vorschlag unterbreitet, daß in jedem Lande die Z i o n i s t isehe Organisation alle zionistischen Richtungen und Gruppen umfassen solle und daß in Leitung und Verwaltung alle zionistischen Parteien im Verhältnisse ihrer Stärke in der kommenden W e 1 t e x ek u t i v c vertreten sein sollten. * In einer Konferenz der Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, bezeichnete Dr. Szmorak als notwendig, allgemein -zionistische Forderungen zu den Kongreßproblemen aufzustellen. So müsse z. B. die Bildung des Legislative Council verhindert werden. Die Auswahl des Menschenmaterials zur Landwirtschaft, so sagte Dr. Szrnorak weiter, dürfe nicht nur dem der Histadruth unterstehenden Mcrkas Chaklai vorbehalten bleiben. Die Konferenz müsse minimale Forderungen stellen, die sie an die Bildung einer Koalition knüpft. Diese Koalition ist durch die Situation In der Gallith, durch die dringende Einordnung von 60.000 Menschen in Erez, durch die drohende Gefahr der Schaffung einer revisionistischen Neuen Zionistischen Organisation bedingt. An den Besprechungen zwischen Weltverband der Allgemeinen Zionisten und Arbeiterpartei nahmen .seitens des Weltverbandcs Dr. Szrnorak und Dr. Schwarzbart, seitens der Arbeiterfraktion Ben Gurion, Locker, Sprinzak, Remes, Kaplan und Reiß teil. Die Gespräche werden fortgeführt. Forderungen der ludenstfaafsparfei Die Judenstuatspartei hat dem Kongreß Vorschläge im Zusammenhang mit der weltpolitische n Lage, wie sie gegenwärtig in dem Konflikt zwischen Abessinien und Italien zum Ausdruck komme, gemacht. Die. Judenstaatspartei ersucht den Kongreß, von der britischen Regierung die R e o r g a n i s a t i o n der militärischen Streitkräfte in Palästina zu fordern; und zwar soll palästinensischen Juden Gelegenheit gegeben werden, in die Wehrmacht einzutreten. Es wird weiter die Modernisierung des Gerichtswesens, des Post- und Telegraphensystems in Palästina gefordert. Ferner wird der Vorschlag gemacht, eine zentrale Liquidationsbank mit Filialen in allen Ländern, in denen Juden wohnen, zu schaffen. Die Wanderung von Juden nach Palästina soll auf diese Weise erleichtert werden. Dio Aufhebung einer früheren Kongreßresolution, wonach nur eine Geworkschaftsvereinigung in. Palästina von der zionistischen Bewegung anerkannt wird, wird weiterhin gefordert. Auch soll das gegenwärtige Hachscharah - System abgeschafft und statt dessen ein Arbeitsdienst in Palästina für die gesamte chaluzische Jugend eingeführt werden. Die ABojaliffForderiingen der Arbeiterpartei Die Arbeiterfraktion beschloß auf Antrag des Vorsitzenden des Welt-Hechaluz, D o b k i n, dem Kongreß vorzuschlagen, jeden, der ein Arbeiterzertifikat bekommt, zu verpflichten, mindestens drei Jahre auf dem Lande zu arbeiten. Dobkin erklärte, daß, obwohl seit dem Prager Kongreß etwa 100.000 Juden legal nach Palästina gekommen sind, noch immer ein Mangel an Arbeiterhänden besteht. Dobkin berichtete, daß von den 350.000 Juden Palästinas ganze 283.000 in den Städten und nur 67.000 in den Kolonien leben. Er forderte eine Erhöhung der chaluzischen und fach» männischen Alijah. Veramdite Nachrichten „Morning Post" bringt ein Interview ihrea australischen Korrespondenten mit dem Ministerpräsidenten Australiens, Lyons, der erklärte, die wirtschaftliche Lage .Australiens bessere sich immer mehr, so daß die Regierung ernstlich erwäge, schon in kurzer Zeit neue Bürger ins Land aufzunehmen. Genaue Pläne werden schon in nächster Zeit ausgearbeitet werden. Der jetzige Gouverneur Australiens ist bekanntlich der Jude Sir Isaac Isaacs. (J. T. A.) * Professor Umberto Cassuto, der Inhaber der Lehrkanzel für hebräische Sprache an der Universität Rom, hat ein aus dem 15. Jahrhundert stammendes, bisher unbekanntes Bildnis des Maimonides entdeckt. Das bisherige bekannteste Maimonides-Bild wurde in dem 1774 erschienenen „Thesaurus Ajnüquitatum Sacrarum" reproduziert. Das jetzt aufgefundene Porträt ist künstlerisch von sehr hohem Wert. Es ist farbig und stellt Maimonides in orientalischer Tracht dar. * In Prag hat sich ein Komitee Hiccm gebildet, welches als Zweig der auf Weitbasis mit dem Hauptsitz in Paris arbeitenden Hicem (Hias-Ica-Immigration Trust) die Betreuung der jüdischen Emigranten auf dem Gebiete der Tschechoslowakei, ihre Umschichtung und Weiterleitung zur Aufgabe haben wird. Das Prager Hicem-Komitee wird diejenigen Aufgaben übernehmen, die jetzt das Hilfskomitee für die d e u tsch - j U d ischen Flüchtlinge erfüllt. Dieses Komitee hat in den mehr als zwei Jahren seines Bestehens eine außerordentliche Arbelt geleistet und war im Sinne von Hicem darauf bedacht, die FlUchtlingsfürsorge konstruktiv zu gestalten, insbesondere die Emigranten in Länder zu bringen, in denen eine Existenzbasis für sie vorhanden ist. Hierzu wurde eine umfangreiche Umschichtungsarbeit geleistet. Dadurch ist eine Stauung der Flüchtlinge vermieden und eine den Umständen entsprechende Verteilung erreicht worden. Der Erfolg des Prager Jüdischen Flüchtlingskomitees, dessen Arbeit jetzt vom Hicem- Komitee geleistet werden wird, ist in einem großen Maß dem Entgegenkommen der tschechoslowakischen Behörden zu danken, die, im Vertrauen auf die zielstrebige Arbelt des Hilfskomitees, diesem die Arbeit in jeder Weise erleichterten und auch in heiklen Fällen eine Zurückhaltung übten, die es dem Komitee ermöglichte, auch solche Fälle zufriedenstellend zu liquidleren. Unsere Leser werden auf die Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen tätlich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon Nr, R-41-4-20. *