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Die neue Welt · 1935-08-16 · Heft 489 (16.8.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 489 (16.8.1935)
Date
1935-08-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 489 DIB NEUE WEL1 Seite 5 Von der Hebräi'sdien Universität in Jerusalem Bericht an den Kongreß Die Hebräische Universität hat auch dieses Mal dem Zionistenkongreß einen ausführlichen schriftlichen Bericht über ihre. Tätigkeit in den letzten zwei Jahren erstattet, der jedem einzelnen Delegierten zugehen wird. Da sich in Luzern viele der Freunde und Helfer der Universität als Delegierte oder Gäste einfinden werden, bereitet die Universität eine Zusammenkunft vor, an der sich auch Vertreter der „Vereinigung der Freunde der Hebräischen Universität" in den verschiedenen Ländern beteiligen werden. Bei dieser Zusammenkunft wird ein Plan von Oberrichter Fru mkin (Jerusalem) auf der Tagesordnung stehen, der die Gründung eines „W eltverbandes der Freunde der Hebräischen Universität" mit insgesamt 100.000 Mitgliedern vorsieht. -j\m 8. September tritt in Luzern das Kuratorium der Universität zusammen. tieolognsdic Forschungen Die geologische Abteilung der Universität ist seit Jahren an den Versuchen beteiligt, neue Wasserquellen im Lande zu finden. Es ist ihr schon häufig gelungen, durch geologische Prüfung des Bodens die Bohrarbeiten anzuleiten und zu ermöglichen. In letzter Zeit konnte der Leiter der Abteilung, Dr. Picard, in der Nähe des Jugenddorfes Bcn-Shemen. Wasser finden, was die künftige Entwicklung des Dorfes außerordentlich günstig beeinflussen wird. In Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der zoologischen und botanischen Abteilungen der Hebräischen Universität Jerusalem wird eine wissenschaftliche Expedition der Universitäten Birmingham und Oxford eine gründliche Bestandsaufnahme der Tier- und Pflanzenwelt des Hule-Tals vornehmen. Diese Arbeit hat zunächst eine streng wissenschaftliche Zielsetzung, dürfte aber zugleich der Neuerschließung des Nordens Palästinas dienen, die mit der Ansiedlung jüdischer Landwirte im Hule-Tal begonnen hat. LannSwirgsdhaftlBcfae Institute In K i r j a t h Anawi m bei Jerusalem wurde der Grundstein für ein neues landwirtschaftliches Institut gelegt, das sich der Schädlingsbekämpfung widmen soll. Die. Anstalt steht im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Rcchow o t h. * Einen der wichtigsten Punkte in den Zukunftsplänen der Universität bildet die Errichtung eines Cdneralvertrieb: C. H. Sigle, Wien VIII, JoiafstädtantraRc 29 Landwirtschaftlichen Instituts, deren Durchführung jedoch auf zahlreiche Hindernisse stößt. Das bisherige Fehlen eines solchen Instituts wird in den Kreisen der Studenten besonders schmerzlich empfunden, die ihre theoretischen Studien dem realen Aufbau des Landes nutzbar zu machen wünschen. Kin Riesenwal fisch 12 Kilometer von Her zl iah entfernt wurde ein großer Walfisch an den Strand gespült. Etwas Derartiges hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht ereignet, denn in keiner der zahlreichen Reisebeschreibungen Palästinas, die in den letzten Jahrhunderten gedruckt wurden, findet sich irgendeine Erwähnung eines dieser riesigen Säugetiere, die im Norden des Atlantischen und des Stillen Ozeans zu Hause sind. Der jetzige Fund also ist der erstaunlichste und wichtigste in der Tierwelt Palästinas. Die Hebräische Universität hat das Skelett dieses Riesen ihrem zoologischen Museum einverleibt. (j. t. A.-Meldungen.) Die Einwanderung im Juni 1935 Insgesamt sind von Jänner bis Juni 1935 31.470 Einwanderer registriert worden. Im Juni 1935 sind 4830 Personen eingewandert, darunter 366 Touristen, denen gestattet wurde, im Lande zu verbleiben. Die J u n i - E i nwanderung war etwas größer als im Mai, jedoch geringer als in den ersten Monaten des Jahres 1935. Die Zahl der im Juni eingewanderten Kapitalisten (mit nicht weniger als L. P. 1000) betrug 506, die Zahl der Arbeiter 778. Das Verhältnis der Arbeiterzur Kapitalisten-Einwanderung ist 1,5:1. (Palnevvs.) Maturaschule „UNIVERSUM" IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 Beginn neuer Tages- und Abendkurse am 15. IX. 1935 II Palästina und Syrien Palästina war in den letzten Jahren der Hauptabnehmer des syrischen Exports, und zwar entfielen auf Palästina 15 Prozent der syrischen Gesamtausfuhr im Jahre 1931 und annähernd 40 Prozent im Jahre 1934. Dem Jahresbericht des Department of Customs, Excisc and Trade zufolge betrugdie Einfuhr syrischer Waren nach Palästina im Jahre 1934 L. P. 1,083.000 gegenüber L. P. 829.600 im Jahre 1933, die Steigerungbeträgt somit 30 Prozent. (Palnews.) Eine moderne Mühle in Haifa Eine englische Reis-Handelsfirma hat in Haifa eine neue Gesellschaft f unter der Firma „The Palestinc Milling and Trading Company Ltd." mit einem registrierten Kapital von L, P. 35.000 gegründet. Die neue Gesellschaft wird in Haifa eine moderne Mühle zur Herstellung aller Arten Reisprodukte errichten und damit den Bedarf Palästinas und des Nahen Ostens decken. Mit dem Bau der MUhlenanlagen wurde bereits begonnen und man hofft, schon zur nächsten Saison mit der Produktion beginnen zu können. (Palnews.) Vermischte Nachrichten Nach zweiwöchigem Fasten haben die im Jerusalemer Zentralgefängnis untergebrachten Kommunisten, 32 Männer und 11 Frauen, soeben den Hungerstreik abgebrochen. * Seit dem 1. August steht das neugegründete palästinensische Seepolizei korps im Dienst. Dieser Polizeiabteilung gehören 28 Polizisten, darunter zwei Juden, an. Ein hervorragendes Mittel zur Körperpflege, insbesondere für Frauen und Kinder an heißen Tagen zu Abreibungen (Massagen) vor oder nach dem Waschen (Baden), als Zusatz zum Wasch- (Bade-) Wasser, auch bei Fußbädern, ist der altbekannte. Franzbranntwein 1 mit Menthol. Wirkt kühlend, erfrischend, belebend, behebt Schwelftplage u. Schweißgeruch, verhütet den häßlichen Fettglanz des Gesichtes, leistet auch zur Mund- und Haarpflege die wertvollsten Dienste. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana" und nehmen Sic nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. In jedem besseren Geschäft erhältlich. DIANA Die Palästina-Regierung hat beschlossen, in Zukunft illegale Einwanderer einerlei, ob es sich um Orientale, Europäer oder Amerikaner handelt. — nicht mehr gegen eine Geldbürgschaft aus der Haft zu entlassen. Eine Ausnahme soll nur in Fällen gemacht werden, in denen die Jewish Agency sieh damit einverstanden erklärt, daß die illegal Eingewanderten in die kommende Arbeitcrschedule eingerechnet werden. * Die öffentlichen Ausgaben der Tel-Avivcr Stadtverwaltung steigen dauernd an. Während der Ausgabenetat 1933/34 Pf. 168.299 betrug, sind für das Finanzjahr 1934/35 Ausgaben im Betrage von Pf. 289.261 vorgesehen. Die Ausgaben für Unterrichtswesen machten 1933/34 18 Prozent, 1934/35 22,5 Prozent des Gesamtbudgets aus. Absolut haben sich die Ausgaben für Unterrichtszwecke verdoppelt, und zwar von Pf. 30.183 auf 66.357. Die Ausgaben für das Gesundheitswesen sind von Pf. 28.437 auf 42.473 gestiegen, prozentuell jedoch von 17 auf 14,5 Prozent gefallen, die Ausgaben für Krankenhauswesen stiegen von Pf. 23.743 auf 34.260, ihr prozentueller Anteil am Gesamtbudget fiel von 14 auf 12 Prozent. * Die Entwicklung von Haifa hat eine bedeutende Steigerung des Verkehrs in und zu der Stadt gebracht. Täglich treffen in Haifa 200 Autobusse aus anderen Städten des Landes ein. Der Stadtrat hat sich daher veranlaßt gesehen, die Errichtung von zwei Autobusstationen mit. einem Kostenaufwand von Pf. 8000 zu beschließen. Ferner wurde der Bau mehrerer Straßen auf dem Karmel und in Hadar Hakarmel beschlossen. Für diesen Zweck wurde ein Betrag von Pf. 3000 ausgeworfen. Einen Teil der Kosten trägt die Regierung. * In der Entwicklung des Gartenbaus in Palästina sind erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Die erst im August 1934 gegründete Gesellschaft ,,K idmath Kinereth" beliefert den Tel-Aviver Markt schon jetzt wöchentlich mit 940 Kisten Tomaten. Die Früchte sind von ausgezeichneter Qualität und wurden auch schon ins Ausland, hauptsächlich nach England, Holland, Norwegen und Deutschland, verschickt. Die Ländereien der Gesellschaft liegen an der syrischen Grenze und am Ufer des Kinereth-Sees. Auf ein 12.500 Dunam großes Gebiet am Ostufer des Kinereth-Sees ist der Gesellschaft ein Kuschan erteilt worden. Das Kapital wurde vor kurzem um Pf. 60.000 erhöht. Kostenlose Beratung in allen Relseanprelegenhelten, welche Palästina betreffen, mündlich und lelephonisch Im Reisebüro „IN DIE WEIT", IX. Llechtensteinstraßc 2, Telephon A-14-504 Osten bin im und mein Herz im Westen (üeber den Brief eines Freundes) Von Mcir Großmann (Tel-Aviv) Jedesmal, so oft ich von Dir einen Brief bekomme, wird mein Herz beklommen. Ich werde herausgerissen aus dem palästinensischen „heiligen Alltag". Meine Gedanken tragen mich fort zu den jüdischen Gassen in der Galuth. Es fällt die Scheidewand, die im Verlauf der Zeit — so unbarmherzig — zwischen dem alten und dem neuen Heim emporgewachsen ist. Sonderbar! Ihr alle seid im Traum von einem neuen Leben in Palästina begriffen. Eure Sehnsüchte, Pläne, Aufgaben drehen sich um den magischen Begriff „P a 1 ästina". Euch zieht es magnetisch nach dem Osten! Rascher! Rascher! Ihr seid ungeduldig. In jedem Brief die Frage: Wann werd' ich schon endlich aufbrechen? Und ich? Mich —- wundere Dich nicht — zieht es letztens just nach dem alten Heim, zu den Freunden von gestern, zu den krummen Gäßchen, zu dem begrenzten, seit Jahrhunderten gewohnten Lebensstil. Es zieht mich nach dem Westen! * Dein letzter Brief hat mich gerührt. Du beschreibst wieder den geistigen Zustand der Jugend, insbesondere ihren Drang nach Palästina. Ein Königreich für ein Zertifikat! Die Mitgift versetzen, um nur so rasch wie möglich nach Palästina zu kommen. Alt und jung, Kind und J Kegel scheinen nur einen Gedanken zu haben: Uebersiedlung nach Palästina. Man strebt nach dem Osten wie junge Pflanzen nach der Sonne. Wunderbare Bilder umgaukeln Euch vom wunderbaren Morgenland, wie orientalische Blumen auf einem orientalischen Teppich. Die starke Sehnsucht neide ich Euch! Du sagst: Steine klopfen, um das ewige Vegetieren in der Galuth loszuwerden! Man weint vor Freude, schreibst Du, wenn man im Kino einen Film von Palästina sieht. Es genügt, auf der Leinwand ein Bild jüdischer Kinder, Arbeiter, neuer Gebäude, Landschaften zu sehen, daß das Publikum von heiliger Erregung ergriffen wird. Alles, was von Palästina kommt, wird idealisiert, und natürlich mischt sich, wie immer, das Profane mit dem Heiligen. Ich habe Deine Zeilen mit gemischten Gefühlen gelesen. Soll ich bedauern oder beneiden? Ja, ich beneide Euch gewiß! Deswegen legte sich um meinen Mund ein ironisches Lächeln. Nach dem Osten! Nach dem Osten wollt Ihr alle, um Euch der Träume zu entledig e n. Unter die brennende, trockene Sonne, nach Asien, näher zu den Gräbern der alten Geschlechter! Und zur selben Zeit sitzt jemand von Euch, dessen Traum bereits verwirklicht worden ist, und sinnt gar über den — Westen! Was soll ich leugnen: es zieht mich in der letzten Zeit nach dem Westen, nach Europa, nach dem Leben von gestern, nach den Häusern, die nicht nach frischer Farbe duften, nach der Zeit der Hoffnungen und Erwartungen. Nicht etwa deshalb, w'eil ich enttäuscht oder unzufrieden bin oder die Hoffnung verloren habe. Bei Gott nicht. Im Gegenteil: Weil der Traum fast verwirklicht ist. * Als ich kürzlich zuhörte, wie meine Tochter Jehuda Halevys Verse las und zu dem berühmten Vers kam, in welchem die ewige Sehnsucht des Volkes Israel nach Erez Israel ausgedrückt ist, fiel mir automatisch, unbewußt, eine Variante ein: „Ich bin im Osten und mein Herz im Weste n. Ja, ich bin, endlich, im Osten, im Land meiner Träume und Hoffnungen. Ich tu das, was unsereins feierlich versprochen hat — sich und anderen. Wie weit ich es kann und verstehe. Palästina ist für mich kein abstrakter Begriff mehr. Das Leben ruft! Lebenssorgen, Kampf um Existenz, menschliche Strebungen tun das Ihrige. Ich versuche, in das Dickicht des täglichen Lebensganges einzudringen. Meine Zeitung am Morgen ist hebräisch, meine Zeitung am Abend auch. Im Kino, auf dem Marktplatz, im Theater — höre ich die gleichen Laute. Die Gemeinde von Tel-Aviv ist für mich kein rührendes -^holographisches Bild mehr der Selbstverwaltung -C«er nundertprozentigeu jüdischen Stadt. Es ist ein Appai*at, der Steuern einfordert — - und just große. Der jüdische Polizist ruft keine sentimentalen Tränen mehr hervor. Er ist das Symbol der Macht. Er ruft zum Gericht. Er legt Strafen auf. Er benimmt sich wie die Polizisten überall in der Welt. Der Chaluz in den kurzen Hosen, vornehmlich der klassenbewußte, hat schon lange aufgehört, ein Teil der horratanzenden Gesellschaft zu sein. Er steht vor meinen Augen als Kämpfer für sein Stück Brot. Kurzum: reales, normales, gesundes Leben. Einer nach dem andern fällt aus seinen Träumereien. Die nackte Wirklichkeit hat das Wort. Das Leben ruft. Augenscheinlich ist das gut. Aber eben deswegen fühlt mein Herz sich bedrückt. Also, sind wir schon so weit? Aus dieser Stimmung, welche wach wird, wach wer-

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