Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 489 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 489 Wi'rtsdiaffsjahrbudh für \ma Die Nachfrage nach Informationen über Palästinas Wirtschaft ist so groß und das Gebiet dieser Wirtschaft so umfangreich, daß es erforderlich ist. diese Probleme ausführlich zu beleuchten. Was in Palästina auf ökonomischem Gebiet vorgeht, nicht zuletzt beeinflußt und reguliert von den politischen Kräften der nationalen Bewegung, vom zionistischen Idealismus und von dem Drang des Gallith.Juden, sich eine neue Existenz aufzubauen, das ist trotz des kleinen Landes zo kompliziert, daß hier ein Führer notwendig ist. Der Verlag ,.Palnews" (Palestine News Service), Tel-Aviv, hat sieh dieser Aufgabe unterzogen und ein „W irtschaftsj ahrbuch für Palästina" (1935) in drei Ausgaben (Hebräisch, Englisch. Deutsch) herausgebracht, das, obwohl das erste seiner Art, als Musterbeispiel eines wirtschaftspolitischen Führers bezeichnet werden kann. Wer sich über Palästina wirtschaftlich informieren will, wird nach dem Wirtschaftsjahrbuch des „Palnews" greifen. In einer Reihe von Aufsätzen aus der Feder erstklassiger Fachleute wird das gesamte Gebiet der Wirtschaft, Finanz, Industrie, Landwirtschaft, Produktion, des Konsums usw. dargestellt. Ein Studium dieses umfangreichen Buches (über 300 Seiten) gibt dem Interessenten auch einen Ueberblick über die Zukunftsmöglichkeiten, was für Neueinwanderer, Kapitalisten und Industrielle von besonderem Vorteil ist. Kurzum, eine empfehlenswerte, ja unentbehrliche Schrift. o. r. Generalversammlung des Jewish Colonial Trust Aus London wird berichtet: (Z. T. A.) Auf der hier abgehaltenen Generalversammlung des Je wish Colonial Trust gab der Direktor des Trust and der Anglo Palestine Bank L. Istorik der Erwartung Ausdruck, daß es dem Jewish Colonial Trust in den nächsten Jahren mit Hilfe der Dividendenüberschüsse der Anglo Palestine Bank gelingen werde, seine Schulden zu tilgen und seine Aktien zu revalorisieren. Dir. Istorik erklärte weiter, daß die vor kurzem bekanntgegebene finanzielle Beteiligung von Lloyds Bank an der Anglo Palestine Bank die Kontrolle des Jewish Colonial Trust über diese Bank nicht beeinträchtige. Der Trust verfüge auch weiterhin über 97 Prozent der stimmberechtigten Aktien. Der Redner brachte in diesem Zusammenhang sein Vertrauen auf die ständig fortschreitende Entwicklung Palästinas zum Ausdruck. Mit Bszug auf die in letzter Zeit in der City untergebrachten Emissionen beglückwünschte der Vorsitzende die Palestine Electric Corporation, zu deren Hauptaktionären die Bank von Anfang an gehört, zu dem Erfolg ihrer letzten Kapitalserhöhung, bei der die neuausgegebenen Aktien vierzehnfach überzeichnet wurden. Er würdigte ganz besonders die Verdienste des Präsidenten der Gesellschaft, Ing. Pinchas Rutenberg, dessen Name „sicherlich in die Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas eingehen werde". Zum Schluß betonte der Vorsitzende, daß Palästina, wenn es Anspruch auf Beachtung seitens der City von London erhebt, die entsprechende Qualifikation zeige. * Die neue 250.000-Pfund-Emission 4t/.jprozentiger rückkaufeurer Vorzugsaktien der Anglo Palestine 3 a :i k wurde am 9. August auf der Londoner Börse zum erstenmal gehandelt. Die Aktien, deren Nennwert 1 Pfund beträgt, notieren 20/— bis 21/6 sh. (J. T. A.) SPer^silie fyiavvanem an Pa!ä«tfana Aus Jerusalem: In letzter Zeit begegnet man ._i Jerusalem häufig Einwanderern eines neuen Typs: persischen Juden, die in ihrer Heimat Mesched, der Hauptstadt von Chorosan, jahrzehntelang als Scheinrnoharnmedaner leben mußten. Vor hundert Jahren waren die Vorfahren dieser Juden unter Todesandrohung zur Israel höre, wäre ich gern zusammen mit den Sehnsucht- Eangen nach der Feuchtigkeit, Morschheit und Patina des Westens — des Westens, den wir Juden uns traulich und heimisch gemacht haben, nach dem Westen meine3 Güster *>* ich geträumt habe. ~* ist gut und schön in Erez Israel! Aber mir bangt nach den Millionen Juden, die in der Galuth leben ■— leben, leiden, kämpfen. Wenn ich von ihren Leiden höre, ergreift mich ein Zittern. Man möchte so gern mit ihnen sein! Und wenn ich von der Sehnsucht der Jugend nach Erez Israel höre, v/äre ich gern zusammen mit den Sehnsuchtsficb?rnden drüben jenseits der palästinensischen Frenze. Man nehme es nicht als Paradoxon: Ich sehne mich nach aer sehnenden Galuth, nach dem heiligen Zittern unserer Massen, nach dem Enthusiasmus der Jugend. Es fehlen mir hier die Lechzenden, Sehnenden. Schmachtenden. * j.ch schrieb Dir schon einmal, mein Freund, daß Palärtina ein trockenes Land ist: es fehlen Feuchtigkeit und Milde, wenigstens vorläufig. Es gibt kein Wasser. Die Berge sind kahl. Der Sand — heiß. Die Juden Palästinas selbst sind wie die Natur, aber im Grunde egoistisch itful egozentrisch. Was kümmert sie die Galuth! Sie haben ja bereits des Messias Zeiten erlebt. Ihr Traum ist in Erfüllung gegangen. Jetzt gibt es ein Kriterium: Tachles! Wie oft erinnert mich die jüdische Gemeinschaft hier an die amerikanischen Juden: Emigranten, die sich ans Ufer durchgeschlagen haben und sinnen, wie man sich eine Existenz aufbaut! Dort — der Dollar; hier — der Piaster. Sowohl der Arbeiter als auch die besitzende Klasse sind dem amerikanischen Judentum in den Zeiten des „goldenen Amerika" ähnlich. Es gibt natürlich einen Unterschied: In New York hatte man durchaus Respekt Schreib-, Rechen- und Additions-Maschinen_ Vervielfältigungsapparate Neu und gebraucht! Auch leihweise! 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Derzeit leben in Jerusalem rund 8000 persische Juden, weitere 3000 in Tiberias, Safed, Haifa, Tel-Aviv und den Kolonien. ina vor einer Wi'rt§diaft§katastrophe Unter diesem gewiß ungewöhnlichen Titel veröffentlicht der palästinensische Korrespondent des Warschauer „Moment", J. L. Wahlmann einen Artikel, worin er ausführt, daß unverzüglich seitens der zionistischen Leitung Schritte unternommen werden müssen, um eine durch verschiedene Ursachen hervorgerufene Wirtschaftskatastrophe zu verhindern. Der Korrespondent führt u. a. aus: Palästina ist als ein Land mit einer eigenartigen Handelsbilanz bekannt. Einen Import, von mehr als 15 Millionen Pfund steht ein Export von 31l-2 Millionen Pfund gegenüber. Dieser Zustand wurde damit motiviert, daß wir uns vorläufig in einer Uebergangsperiode befinden. Wir haben Orangenpflanzungen und wir haben eine junge Industrie, die im Wachsen begriffen sei. Im großen und ganzen könne man hoffen, daß man zu einer Regulierung des ökonomischen Zustandes kommen werde. Wenn man die Differenz zwischen Import und Export als unhaltbaren Zustand bezeichnet, dann tritt das jüdische Sentiment für Palästina in Kraft, das besagt, daß die nationalen Fonds und das Privatkapital, das jetzt in Strömen einfließt, die Schäden dieser Uebergansperiode gutzumchen werden. ad Ciastein Kurhotel Bristol Thermalbäder im Hause Fließendes Wasser Mäßige Preise Restaurant Es ist aber ein offenes Geheimnis, daß in Sachen unserer Pardessim (Orangenpflanzungen) etwas nicht in Ordnung ist. Wenn in letzter 2eit die Anpflanzung neuer Pardessim zurückgegangen ist, so geschah dies au3 Furcht, daß kein Ertrag sein werde; aber nicht deswegen, weil es bereits zuviel Pardessim gibt. Die Palästina-Orange erfreut sich der höchsten Anerkennung und sie ist auch die beste der ganzen Welt. Wenn man keine neuen Orangenpflanzungen anlogt, so hat das andere Gründe. J. Wahlmann führt aus, daß es keine genügenden Transportmittel gibt, kein<j Spezialschiffe für Orangentransport, wozu noch kommt, daß der Hafen von Jaffa keinerlei Lageranlagen für Orangen besitzt, so daß, wenn in der Kiste auch nur eine Orange fault, die ganze Kiste als Ausschußware bezeichnet wird. Dazu kommen die Steuergesetze, welche den Orangenztichter belasten, der als „Fremder" im Land behandelt wird, obu wohl dieser Fremde die Kassen der Palästina-Verwaltung mit Millionen von Pfunden füllt. Noch schlimmer steht es um die Zollpolitik der Regierung gegen die Palästina-Industrie. Man hat aus Palästina ein offenes Haus für alle gemacht. S o wjetrußland zum Beispiel kauft gar nichts im Land und macht mit uns riesige Holzgeschäfte. Amerika schickt konfektionierte Damen- und Herrenkleider zu uns, Und — der größte Skandal — Japan macht der hiesigen Industrie den Garaus. Es kauft überhaupt nichts bei uns (im letzten Jahr Ware um 1 Pfund!) und setzt 91 Prozent des gesamten Seidenverbrauchs im Lande ab. Dasselbe Manöver führte Japan in den Nachbarländern Syrien und Aegypten auf, bis die Regierungen dieser beiden Länder einen Zoll einführten, der dreimal so groß ist, wie der in Palästina gültige, und außerdem Japan verpflichteten, entsprechend der Einfuhr Waren zu importieren. Die Stillegung der SeidenfabriK „Meshi" und die Einschränkung des Betriebes des Glasfabrik „Gawish" in Tel-Aviv sind die Folgen des japanischen, durch die englische Zollpolitik hervorgerufener. Dumpings. Und noch etwas ist geeigner., die junge jüdische Industrie im Keim zu ersticken: der „Transfer". Ich kann es mir hier versagen, eine Kritik über das Transferabkommen auszusprechen, über das schon soviel Zutreffendes gesagt worden ist. Wenn man schon daranging, jüdisches Vermögen aus Deutschland zu retten, so mußte es nicht gerade in Form von Waren sein, welche im. Lande selbst erzeugt werden oder erzeugt werden können. Man führte auf Basis des Transferabkommens aus Deutschland Drahtstifte, Draht, Tür- und Fensterbeschläge und ähnliche beim Häuserbau verwendbare Artikel ein, insbesondere solche, für die es in Palästina bereits Erzeugungsstätten gibt, so daß der Schaden, der hier der jungen aufstrebenden Palästina-Industrie entsteht, ungleich größer ist als das „gerettete" Vermögen« Ein Teil der Transferwaren wird nach Aegypten und] Syrien gebracht. Man kann also sagen, daß es Juden sind, welche deutsche Waren im Vorderen Orient verbreiten und sozusagen als Vertreter der deutschem Industrie rings um Palästina wirken. So stellt sich in seiner letzten Auswirkung das Transferabkon> men als ein antijüdischer Akt dar.,i Sdiönwetter kommt! Besorgen Sie sich daher eines der reizenden Imprime-Seiden-Kleider zu „Sensationspreisen" bei Schiffmann. Die Auswahl ist groß, die Preise sind unglaublich klein. Bis Samstag, den 17. August, haben Sie Zeit..„ Es wäre schade, die Gelegenheit zu verpassen, denn jetzt bietet Schiffrnann Ungewöhnliches in Preis und Qualität. Resten in Wasch- und Seidenstoffen jeder Art per Meter ab 50 Groschen. Für kühle Tage: Reizende Steirern Kostüme in aparter Fasson zu S 19.—. Sparsame eilen zu Schiffmann, II., Taborstraße 48. vor Europa; entschuldigte sich wegen der These „Geschäft über allem". Hier, in der neuen Heimat, hält man sehr viel von sich. Man baut einen Staat, man gehört doch zum auserwählten Teil des Volkes, blickt auf die Galuth von oben herab. Ich verurteile das nicht. Mache keine Vorwürfe. Ich verstehe sehr gut die Faktoren, die dazu führen. Mehr noch: es ist vielleicht natürlich. So lebt ein Volk normal. Egoistisch und egozentrisch. Es wäre nicht schwer, eine kräftige Verteidigungsrede zu halten. Und doch tut einem oft das Herz weh. Wie wenn man einen teuren Freund verliert. Mir wird oft in dem heißen Land — kalt ums Herz. * Du fragst, was die Freunde und Gefährten machen? Oft erkenne ich keinen meiner Freunde, mit denen wir jahrelang zusammen gekämpft haben. Du erinnerst Dich wohl noch gut an ihren Elan, ihre Opferbereitschaft, ihr Pflichtgefühl, wie sie geschworen haben, sich, sobald ihr Fuß das Land betritt, mit Leib und Leben für unsere Ideen einzusetzen. Aufs Dorf gehen? eine Kleinigkeit. In die Einöde werden sie gehen! Nichts wird für sie zu schwer sein. Und jetzt, da sie sich einige Monate im Land befinden, erkenne ich sie nicht. Vom Dorf laufen sie weg. Ueber das Unheilige des Tuns spricht man nicht, aber man verläßt die Plugah. Sie sind Realisten geworden. Es gibt nur einen Standpunkt: sich so rasch wie möglich einordnen. Es ist richtig; viele sind enttäuscht. Sie haben sich die Sache „Auswanderung" viel schöner und einfacher vorgestellt; geglaubt, man werde ihnen mit Fanfaren entgegenkommen: Gemach, neue Bauende kommen! Geglaubt, man werde sich um sie reißen, sobald sie nur das Land betreten, selbst wenn sie kein Fach und kein Hebräisch' kennen, um dann, wenn sie der Wirklichkeit Aug' in Aug" gegenüberstehen, den Mut von gestern zu verlieren. Und es wächst die Schar der „Realisten", * Man sagt, daß 15.000 Palästinenser heuer „zur Erholung" nach Europa gefahren sind. Meistens sind es natürlich reiche Leute. Man hat verdient und von den Gelüsten, die im Herzen schlummern, ist der Drang nach dem Westen das stärkste. Das ist charakteristisch für den Geisteszustand des ehemaligen Europäers. Es zieht ihn nach dem Westen. Aber wir können uns vorläufig ohne die europäischen Heilquellen behelfcn. Unser Lechzen nach Europa ist anderer Art. Es ist das Sehnen nach den tiefen Strömen des Gaiutu- Lebens, der westlichen Kultur, nach dem jüdischen Idealismus. Schließlich: 17 Millionen Juden gegen eine 400.000 Menschen starke jüdische Gemeinschaft. Wozu schreibe ich Dir all das, lieber Freund? Nicht, um das Feuer auszulöschen, das in den Herzen unserer Jugend brennt. Keine Spur. Gerade nach diesem, Feuer sehne ich mich. Am allerwenigsten will ich in ihre Herzen einen Funken von Zweifel setzen. Ich will Dir bloß meinen geistigen Zustand beschreiben. Ich träume von der verlorenen Sehnsucht! Während Du in der Dämmerung sitzest und mit Deinen Freunden Dich nach dem Osten sehnst, sollst Du wissen, daß auf einem Tel-Aviver Balkon, vom Mond beleuchtet, Dem Freund sitzt und sinnt. Sonderbar! Ich bin im Osten — und mein Herz im Westen. Bei den Juden der Galuth. Bei ihrem Träumen und Sehnen,