Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-08-16 · Heft 489 (16.8.1935) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 489 (16.8.1935)
Date
1935-08-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712113--5255-2718848
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Ssitc 4 DIE NEUE WELT Nr. «89 Jüdische Kultur ..Wir u-erden und wir wollen nicht auf die Großen der andere;) Volke)- vernichten, aber wir icerd-cn jederzeit if-is-Mdaß r.s nicht unsere Geister sind. Und wir werden "n.s ans keinen Anspruch erheben, zu den Menschen de,- anderen Nationen als ihresgleichen, als Franzosen, als Engländer, als Amerikaner zu reden. Die anderen werden unsere Bücher lesen und unsere Musik hören 'denn wir hoffen, da 1.1 wir Großes schaffen verden i; aber die Welt )drd wissen, daß es Juden sind, die das {/--leistet haben. Unsere jüdische Kultur wird's zu keiner Stunde notwendig haben, chauvinistisch zu *''in. S'e wird groß und frei sein: aber wir werden sie nur schaffen, wenn alle freudig mitarbeiten. Sie können noch hrute anfangen, zu einem wertvollen Faktor unserer Gern' inschuft;>/ n-eiden: her/innen Sie mit den Schriften unserer Ahn--» lesen Sic die herrlichen Aufrufe und Schildt-rungcn unserer Propheten, die Gesetze Maimondes' nn,l die Lieder Jehuda Hulevis bis zu d^n Werken Bialiks; dann werden Sie wieder bemißte, und stolze Jude)!, werde)). Niemals wird es dann einem Juden einfallen, zu saijen. daß man ..zuviel" Uber Jüdisches reden kann: denn das sind ja Dinge, die unsere tiefsten Empfindungen widerspiegeln."' H. Goldst'.in. Berlin.! Aus einem Vortrag, A)ig. 1935.) Judentaufen im HaSlerland ..Eine Aufstellung der Berliner Ortsgruppe Sparrplntz im Kreis VI über .Tu den taufen in der protestantischen Osterkiche in Berlin N. zeigt ein bemerkenswertes Ergebnis. Seit dem 25. März 1933 bis zum 25. Februar 193'/, also im Laufe nur eines J(Ihres, wurden allein in der protestantischen Osterkirche 9 Juden und r> Halbjuden, beziehungsweise Jüdinnen getauft.'' Der ..Völkische Beobachter", Berlin 1935, Was alles möglich isf ..Wie ist es möglich, die Gedankengänge des Allgemeinen Zionismus zu predigen, aber auf der anderen Seite den Chaluz. welcher nach Erez Israel geht, in die Arme der Histadruth zu treiben, die nur äußerlich u n p oli t i s c h ist, vxih rend sie in Wirklichkeit e i n W c r k z e u g der Linken bedeutet. Es ist eine Inkonsequenz-, der Histadruth ein Monopol über die Arbeiter einzuräumen und sich gleichzeitig auf nationales Gedankengut zu stutzen." Dr. Lazar im „Nowy Dziennik" (Krakau). Der Bluii Biro*Bi'dschan ,;Die Bolschewiken haben uns Biro-Bidschan (an der mandschurisch-japanischen Grenze gelegen) zur Verfügung gestellt. Und. ivir Juden sind so dumm und geben noch immer viel Geld für dieses Projekt her, statt klar folgende Forderungen an s-ie Z)i richten: 1. Zulassung der zionistischen Bewegung im ganzen Staatsgebiet; 2. Zulassung der hehr ä i s c h e n Sprach?, statt des Jiddischen; 3. alle Juden, welche nach Erez Israel wollen, dürfen auswandern und ihr Hab und Gut mitnehmen;!/. Zulassung der jüdischen Religion mit allen Gebräuchen, mit Rückgabe der Synagogen, Sabbatruhe, mit Mazzoth usv;..; 5. Gestattung der Teilnahme der Juden an den .zionistischen Kongressen usw.; Joseph Schur, „Palästina und dessen gegenwärtige Probleme"t Wien, 1935. Dreyffus und NaxifDeutschland „Haben sich doch beinahe sämtliche geistige Größen Frankreichs zusammengetan, um öffentlich Partei zu ergreifen gegen die Verletzung der Menschenrechte durch die brutale; Gewalt; und es ist eine seltene, prächtige Erscheinung, wie die Gelehrten vom Katheder, die Dichter vom Pegasus, Männer der Pinzette aus den Operiersälen, die Schauspieler von der Szene weg ins Volk hineintreten und mit der Macht ihrer Persönlichkeit und ihres zündoiden Wortes den Aufruhr predigen gegen die Gewalttaten schuldiger, hassender Menschen. Der brutale Akt gegen den wunderbaren Menschen Picquart hat es zuwege gebracht, daß Männer wie Duden x, Direktor des Institut Pasteur, Anatole France von der Akademie, Paul Reclus von der medizinischen Akademie, Paul Meyer vom Institut und viele andere hervorragende Männer, als „Citoyens" Volksversammlungen veranstalteten, daß ein Sully Prudh o m m e, e,in Jules C la retie, ein Rost and (Schauspieldiehlnr), C o q u e Ii n (einer der ersten Mimen) öffentlich Protest einlegen gegen den Gexoultakt, der gegen Picquart begangen Vierden soll. Die Kundgebungen de,- geistigen Nohlesse Frankreichs sind ein bedeutsames Zeichen für den schweren Konflikt, durch den das Land des „Esprit" in zwei Lager: „Intellektuelle", das heißt Freie, und gedankenlnsn Unfreie, Sklaven des Rassenhasses und der Militärdisziplin, geteilt wird. Diese Kundgebungen sind aber nicht nur bedeutsam als lAchtwerfer auf diese Kluft, sie sind noch wichtiger als Zeichen des Erwachens und der Kraft der Ideen der Revolution^ die Klark genug sein werden, den Anschlag der Dunkelmänner abzuwehren." Louis Wylers Brief« nur ßrqgfua-A4Jürc. Zur Berliner Olympiade Die Behandlung der „Niohtarier" Die letzton Erklärungen des Herrn von Tschammer-Osten vom deutschen Olympia-Komitee besagen, daß den ..nichtarischen" Sportlern, „soweit sie i m J a h r e 1936 deutsche Staatsbürger sein werde n", Gelegenheit gegeben wird, an der Olympiade Berlin .1936 teilzunehmen. Da man weiß, daß die devitsche Reichsregierung ein Gesetz vorbereitet, das die Juden zu Bürgern IT. Klasse macht, bzw. ihnen das Staatsbürgerrecht nimmt, erscheint die angeführte Wendung als ein Versuch, sich für 1936 ein Alibi zu schaffen. Selbstverständlich genügen schon die bisherigen Fälle, um klar zu sehen, daß Dcutschlnd, genau so wie in anderen Gebieten, auch im Sport den Juden bedrängt, bedroht, verfolgt, diffamiert. Es ist kein Geheimnis, daß die jüdischen Sportler in Deutschland keine Möglichkeit eines Trainings besitzen, in Kellern turnen; auf abgelegenen Aeckern Fußball betreiben. Die Schwimmhallen und Badeanstalten sind fast zur Gänze für den Schwimmsport der Juden gesperrt. Herr von Tschammer-Osten versprach auch die Zulassung von Spielen gegen arische Vereine. Unter Bruch dieser Zusage ist es den arischen Vereinen verboten, mit Juden in irgendwelchen Sportverkehr zu treten. Tn Fällen, in denen arische Vereine gegen jüdische Sportvereine gestartet sind, wurden die betreffenden Mitglieder der ersteren mit Ausschluß bestraft. Zugesagt wurde auch die Zulassung der jüdischen Sportler in Deutschland zu den Olympia-Kursen; in Wirklichkeit wurden die jüdischen Kandidaten von diesen Kursen ferngehalten. In den ganz wenigen Ausnahmsfällen, in denen sie zugezogen wurden, geschah dies unter so entehrenden Umständen, daß ihre Teilnahme aus begreiflichen Gründen unmöglich wurde. Das Ausland beginnt nunmehr der Teilnahme der Juden an der Berliner Olympiade 1936 erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. EINZIG IN WIEN!!! 8 e s t e paßlon nur sowie alles für den Urlaub billigst be BERGKANN, i., RABENSTEIG 3 TELEPHON U-20-7-09 HIMMELPFORTGASSE 5 TELEPHON R-25-8-84 KÖLLNERHOFGASSE 1 TELEPHON R-26-8-99 Wir bitten, sich bei jedem Einkaut au) unser Blatt zu berufen „Offizielle Lügen" „Paris S o i r" veröffentlicht eine Erklärung des Generalsekretärs des deutschen Olympia-Komitees, Doktor Diem, wonach die Juden an den Spielen in Deutschland teilnehmen können, wenn sie nur die erforderlichen sportlichen Qualitäten besäßen, aber das sei in Wirklichkeit nicht der Fall. So stände es der Fechtmeisterin Helene Meyer frei, bei der Olympiade in der deutschen Mannschaft mitzuwirken. Das „Pariser Tageblatt" nennt diese Aeußerungen Dr. Diems „offizielle Lügen" und bringt die folgende Liste jüdischer Sportler, die während der Hitler-Herrschaft von* den Ranglisten gestrichen wurden: Erich S e e 1 i g, deutscher Meister im Mittel- und. Halbschwergewicht, Professionalboxer (lebt jetzt in Paris); — Harry Stein, deutscher Meister im Fliegen- und Federgewicht, Professionalboxer (lebt jetzt in Prag); — Helene Meyer, früher Offenbach, deutsche Meisterin im Fechten, Olympia-Siegerin 1928 in Amsterdam, Olympia-Kämpferin in Los Angeles, jetzt amerikanische Meisterin; — Daniel P r e n n, deutscher Meister im Tennis, vielfacher Davis-Cup-Vertreter (lebt jetz in London); — Frau Friedleben, Tennismeisterin, zweite deutsche Rangliste (startet nur im Ausland); — L e u c h t-Nürnberg, Olympia-Sieger 1928 in Amsterdam im Ringen, Leichtgewicht; — Martha Jacob-Berlin, deutsche Meisterin im Speerwerfen. Die vielfache Tennismeisterin Frau N e p p a c h- Berlin, beging 1933 Selbstmord, um ihrem Mann, „Arier", Architekt bei der Ufa, keine Schwierigkeiten zu machen. London oder Rom Die Schweizer Regierung hat bekanntlich eine Subvention der Schweizer Olympia-Mannschaft abgelehnt und dürfte wahrscheinlich in Berlin nicht vertreten sein. Nach Schweizer Meldungen nimmt der Gedanke, die Olympiade 1936 von Berlin nach London oder Rom zu verlegen, festere Formen an. Wie denn immer sei, wäre es eine Schande, wenn jüdische Sportler in Berlin antreten würden. Hoffnung auf Brunn Mitte September wird in Brünn eine Konferenz des Makkabi unter Vorsitz Lord Melchetts über die Beteiligung an der Berliner Olympiade Beschluß fassen. Es kann sich nur um eine Formalität handeln, denn kein Makkabi-Sportler wird die Ehre, in Hitler-Deutschland su starten, anaehmea. KREUZ-KINO I, Wollzeilc 17 Telephon R-24-2-16 Vorslellunseii: *», %6, Vi8, 'MO STAFÄTvii Mariahilferstraße 120 Telephon B-33-0-68 Lawoi« uura in dem grandiosen Lustspiel Das Privatleben Oliver VIII. Ein <hrf§0lidter Rassenstandpuntatf Salzburg, ein Stück österreichischer Kultur und Ausdruck des österreichischen Lebenswillens das war der Eindruck, den die Welt von den S a I z h u r g c r F e s tspielen anläßlich deren 15jährigen Bestandes bekam. Bei der Fnstfeier sprachen der Salzburger Landeshauptmann Dr. R e h r 1 und der österreichische Bundespräsident M i k 1 a s. Dr. Rehrl sagte in seiner Rede piniges an die Adresse Hitler-Deutschlands, vor allem d;ts eine, daß die Gehässigkeit dr« Hakenkreuzes gegen Oesterreich keine Erschütterung der Festspiele zu bewirken vermochte, und ferner einige schöne Worte zum Festspiel „Jedermann": .,Ein gottbegnadeter österreichischer Dichter (Hugo von H ofmann sthal) hat es neugestaltet, und späterhin hat es Max Reinhardts Kunst ... in Szene gesetzt." Und Bundespräsident Mi k las gedachte der Anreger der Salzburgcr Festspiele, des „repräsentativen. Dichters Oesterreichs Hugo von Hofmannsthai und des genialen Max Reinhardt. Die Presse der ganzen Welt hat diese Anerkennung für zwei künstlerische Persönlichkeiten wiedergegeben — bis auf das ,,W iener Montag blat t", das gewesene christlichsozialc Organ. Dieses Blatt brachte es nicht über sich, die Namen von zwei Juden zu veröffentlichen, nicht einmal den Namen des Dichters Hugo von Hoffmannsthal, dessen Vater bereits getauft war und der daher selbst bei rigoroser Auslegung des Taufpunktes seitens eines katholischen Blattes als Christ zu gelten hat. Das „Wiener Montagblatt" hat sich also scheinbar die hakenkr.mzlerische Rassentheorie zu eigen gemacht: Jud bleibt Jud!, auch wenn er das Sakrament der Taufe empfangen hat — solange keine arische Groß- oder Urgroßmutter vorhanden ist. Der Präsident des Bundesstaates denkt über diesen Punkt anders als die betont-christlichen Herren rings um das Montagblatt. Er gibt der Wahrheit die Ehre. Das allerdings kann das Montagblatt nicht, seitdem es sich — wie schon öfters bewiesen — dem Nazismus genähert hat. Wahrheit und Nazismus vertragen sich eben nicht. Das könnte ein Organ, das angeblich die Interessen des katholischen Oesterreich vertritt, wohl wissen. Die Juden in Ungarn Aus Budapest wird gemeldet: Wie flas Nachrichtenblatt der Ofner Isr. Kultusgemeinde berichtet, hat Dr. Ernst Winkler eine sehr interessante Studie veröffentlicht, aus der die folgenden statistischen Daten über das ungarische Judentum beachtenswert erscheinen: Laut der Volkszählung im Jahre 1930 betrug die Gesamtbevölkerung Ungarns 8,688.319, die Seelenzahl der Juden 444.567. Seit dem Weltkriege ist ein starker Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen. Während 1920 bis 1930 die Gesamtbevölkerung des Landes um 8,7 Prozent anstieg, sank die Zahl der Juden um 6,1 Prozent (28.788 Seelen). Die Fruchtbarkeit der jüdischen Ehen hat seit dem Kriege wesentlich abgenommen* Die Zahl der ungarischen Juden, die den Kongreßgemeinden angehören, beziffert sich, auf 302.145, die der Orthodoxie auf 124.982, die der Status-quo- Gemeinden auf 17.440. In Ungarn gibt es heute 105 Kongreß-Muttergemeinden und 84 Filialgemeinden. In diesen wirken 74 Rabbiner, 6 Rabbinerstellvertreter und 132 Religionslehrer. Von sämtlichen Elementarschulen des Landes machten die der jüdischen Konfession im Jahre 1932 nur 2,3 Prozent aus. In der Gesamtlehrerschaft ist die jüdische Pädagogik nur mit 1,8 Prozent vertreten. (J. T. A.) Vom polnis dient Judentum Gemäß einem Appell des Vereinigten Komitees zur Bekämpfung der Judenverfolgungen in Deutschland, der Rabbiner und der jüdischen politischen und sozialen Führer in Polen beging das polnische Judentum den heurigen Tischa beab (Donnerstag, 8. August) auch als Trauertag wegen der Judenverfolgungen in Deutschland. In den Synagogen und Bethäusern wurden von den Rabbinern Ansprachen gehalten, in denen der Trauer über das Schicksal der deutschen Juden und der Empörung über die nazistische Barbarei Ausdruck gegeben wird. ♦ Auf der Konlerenz der Verbände der jüdiHchcn Kämpfer um Polens Unabhängigkeit, die in Krakau abgehalten wird, wurde eine Resolution angenommen, in der die. jüdischen Freiheitskämpfer geloben, nicht zu rasten und nicht zu ruhen, bis im Schicksal d e r deutschen .1 u d e n eine Wendung zum Besseren eingetreten ist. Im Hinblick auf das Uebergrejfen' der nazistischen Barbarei gegen die Juden auch auf den Freistaat Danzig wurde beschlossen, die Widerstandsenergie auch gegen D a u z 1 g anzuwenden und die jüdische Bevölkerung Polens aufzufordern, Danzigcr Waren und Dienste sowie die Danziger Bäder und Sommerfrischen zu boykottieren. Die Kongreßwahlen in Polen Die Wahlen zum XIX. Zionistenkongreß in Kongreß polen ergaben das folgende Endresultat: Abgestimmt haben 205.601 Schekelzahler, es entfielen auf die Wcltvcreinigung der Allgemeinen Zionisten 37.623, auf den Weltverband der Allgemeinen Zionlsten 5133, auf Misrachi 33.558, auf Judens t a a 11 e r 6738, auf das Arbeitende Palästina 117.542, auf Hanoar Hazioni 1087 Stimmen. Die 87 Mandate Kongreßpolens werden wie folgt verteilt: Weltvereinigung 16, Weltverband 2, Misrachi 16, Judenstaatler2, Arbeitende« Palästina 51 Mandat«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.