Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 489 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 4S9 DIE NEUE WELT Seit^S Judenreiner Film in Oesterreich! Fragen und Antworten technisch künstlerische Kräfte, Musiker, Atoliergohilfen u. dergl. haben die Möglichkeit, an der Produktion österreichischer Filme mitzuarbeiten. Die Tatsache allein, daß die österreichischen Filmproduzenten bis auf wenige Ausnahmen Juden sind, befürwortet diese unsere Ausführungen. Die österreichische Regierung, deren Standpunkt gegenüber der detitschen Regierung zur Genüge bekannt ist, würde keineswegs einen Boykott der Juden dulden, geschweige denn dazu beitragen. Ueberdies machen wir auf die Tatsache aufmerksam, daß allen österreichischen Filmen, die in den letzten zwei Jahren nach Palästina geschickt wurden, soweit wir wissen, außer den offiziellen Begleitdokumenten auch Bestätigungen des Zionistischen Landesverbandes beigelegt wurden, daß an der Produktion der betreffenden Filme jüdische Kräfte mitgearbeitet haben. Ein Kampf gegen die österreichische Filmindustrie erscheint uns demnach unbegründet und wir bitten, das Publikum hierüber aufzuklären. Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie, Filmalileilung (Unterschrift). 17. Juli 1935. * Der „Haarcz" schließt seine Betrachtung: „Wir möchten gerne glauben, daß der Zustand der Österreichischen Filmproduktion in bezug auf die luden in Wahrheit den obigen Ausführungen entspricht. Aber — es ist sehr merkwürdig: Warum erwähnt die Wiener Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie überhaupt nicht die Vereinbarung über den Arierpurag raphen, welche nach den Zeitungsnachrichten zwischen der österreichischen Filmindustrie und den Herren der deutschen Filmindustrie abgeschlossen wurde? Wir sind der Meinung, daß die Aufklärung seitens der Wiener Handelskammer, die hier gegeben wurde, noch einer Ergänzung bedarf. Sicher wird die palästinensisch-österreichische Handelskammer in dieser Richtung noch weitere Schritte unternehmen und, soweit es an ihr liegt, vollständige Klarheit schaffen. Die palästinensische Bevölkerung und die Judenschaft der ganzen Welt haben wahrlich kein Bedürfnis nach neuen Kämpfen oder gar an einer etwaigen Boykottkampagne an dieser Front. Aber wir haben das Recht und die Pflicht, die ganze Wahrheit zu wissen/' * Die ganze Wahrheit wird nicht durch Erklärungen, sondern durch die Tatsachen zum Vorschein kommen. T zeigt sich die Qualität. Elastisch, rasch und sicher gleitet die mmsasasam Ein freies Wort zur Judenfra! zu bestimmten Fehlern oder entsprechenden Vorzügen und in sich noch mit beiden Möglichkeiten geladen — die Entscheidung für die wesentliche Ausprägung fällt immer erst beim einzelnen — niemals hat jemand schon einfach auf Grund seiner Zugehörigkeit zu einer Rasse oder einem Volk Eigenschaften, die eindeutig als gut oder schlecht zu kennzeichnen sind. Sollte es bei den Juden — mögen sie nun eine Rasse oder ein Volk seh; — anders sein?" „Hinzu kommt, daß ein Blick in die Geschichte zeigt, daß die Eigenschuften, die man dem Juden im allgemeinen vorwirft, sich in anderen Stadien ihrer Existenz durchaus nicht finden. Zum Beispiel gelten sie heut« als eine unheldische Rasse — gibt es aber ein strahlenderes Heldenepos als die Bücher der Makkabäer? Weder die Rassenlehre — soweit sie sich mit der Frage der Abhängigkeit geistiger und charakterlicher Eigenschaften von Rassenzugehörigkeiten beschäftigt — noch auch die Geschichte sprechen, wie schon diese kurzen Andeutungen beweisen, für die These der Rassenideologen." „Vor allem aber schlägt die „Lösung" des Problems den metaphysischen und religiösen Grundanschauungen des Christentums ins Gesicht. Sollte Gott, der den Menschen nach seinem Bilde schuf, eine Menschengruppe geschaffen haben, die von vorneherein — sie mag nun tun, was immer sie will — einfach böse, schwarz, verderblich und zu nichts anderem da ist, als den lichten Recken mit dem nordischen Blute als Jagdbeute zu dienen. Man wende nicht ein, gerade die Christen müßten doch an die Verworfenheit der Juden glauben, denn diese hätten Christus getötet und sein Blut über sich und ihre Kinder gerufen. — Man kann unmöglich die rassische Auffassung mit der religiösen kombinieren. Nach der Auffassung des Christentums ist das jüdiBChe Volk besonders auserwählt und berufen, auch nach dem Kreuzestode Christi; sein Gebet: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" — ist bestimmt nicht unerhört geblieben und die Tatsache, daß das jüdische Volk der erste natürliche Mutterboden der werdenden Weltkirche war, spricht nicht für die Verworfenheit der Juden als Ganzes, wenn man überhaupt einmal den völlig grotesken Gedanken zulassen will, daß eine religiöse Schuld einiger Menschen biologische Folgen für eine bestimmte Rasse, bzw. ein bestimmtes Volk haben soll." In unserer Ausgabe vom 16. Juli d. J. berichteten wir van einer Denkschrift, welche die Oesterreichisch - Palästinensische H an d e 1 sk a m m c r in Tel-Aviv dem österreichischen Konsulat zur Weiterleitung an die Ocstcrreichische Handelskammer in Wien übergab. In dieser Denkschrift wurde zunächst die Stimmung festgehalten, in welcher sich die palästinensische Judenheit seit Bekanntwerden •des Boykotts der jüdischen Filmschauspieler innerhalb der österreichischen Produktion befinde und auf den unvermeidlichen Boykott der Oesterreich-Filme hingewiesen, falls der Arierparagraph im Film tatsächlich praktiziert wird. Die Tel-Aviver Handelskammer ersuchte in ihrem Memorandum um Ergreifung entsprechender Maßnahmen, damit der Boykott vermieden werde. Auch das palästinensische Boykottkomitee befaßte sich mit dieser Frag/-. Wir stehen nun vor einem neuen Stadium. Die österreichische Antwort auf die Anfrage der Tel-Aviver Handelskammer liegt vor. Die große palästinensische Tageszeitung „Haarez" (Tel-Aviv) bringt in ihrer soeben in Wien eingetroffenen Ausgabe vom 4. August unter dem Titel „Gibt es einen Arierparagraphen in der österreichischen Filmindustrie — ja oder ri'ejn?" folgende Mitteilung: Im Zusammenhang mit den Aufregungen in Palästina wegen der Nachrichten über den Boykott jüdi- «cher Künstler in der österreichischen Filmindustrie hat sich die palästinensisch-österreichische Ha.ndelkammer mit einer speziellen Anfrage über die wahre Sachlage in dieser Angelegenheit an die Wiener Handelskammer gewendet. Die nun eingelangte Antwort hat (in der hebräischen Rückübersetzung) folgenden Wortlaut: Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie in Wien. Wien, I., Stubenring 3-10. An die Oeaterreichisch-palästiiiiensische Handelskammer Tel-Aviv. Betrifft: Oestor reichische Filme. Wir bestätigen hiemit den Empfang Ihres geehrten Schreibens vom 1. Juli a. c. und sprechen unsere Ver~ wunderung über die in Palästina vorherrschende Meinung aus, daß die österreichische Filmindustrie angeblich die Juden boykottiere. » Die österreichische Filmindustrie — ebenso wie jede ändert} Österreichische Industrie — anerkennt keinerlei Arierparagraphen und die jüdischen Künstler, Die These des landläufigen Antisemitismus lautet: „Das Judentum ist eine Gefahr für die Welt und muß ausgerottet werden." Die nichtjüdischen Gegner des Antisemitismus kommen mit der Erklärung: „Es gibt überhaupt keine Judenfi-age." Dazwischen so gut wie nichts; kein Versuch, den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen. Dieses Nicht denken wollen verschärft die Sache und ist das größte Hindernis für jedes Streben nach Lösung der Frage. Es ist daher zu begrüßen, wenn auf nichtjüdischcr Seite — und sei es auch bei Menschen, die den Juden nicht gerade freundlich gesinnt sind — das Bedürfnis erwacht, die Judenfrage verstandesgemäß zu behandeln, das heißt, sowohl von der antisemitischen Knüppel-Theorie als auch von der Theorie der Ableug- VERBILLIGTER EXPORT v'aTrS PALÄSTINA, ÄGYPTEN und Griechenland mit Passagierdampfern des Jugoslawischen (Lloyd d. d. Bevorzugte Seeraten zu erfragen bei Alieinvertretung des Levantedienstes, Spediteure SPERBER & SCHUSTER Wien I, Eniinggasse 13, Tel. U-22-0-97, U-24-0-9X GIULIO TAGLIAFERRO & CO., Tricste nuug der Judenfrage abzurücken. Als ein solches Symptom ist der von Johannes 11 n c r in der Wochenschrift „Der christliche Ständestaat" veröffentlichte Artikel ,,Ein freies Wort zur Judenfrage" zu werten. Uner gebärdet sich nicht judenfreundlich, er spricht von einem „absolut nicht zu leugnenden unheilvollen Einfluß" und von einem „hemmungslosen Machtstreben" des Judentums auf gewissen gesellschaftlichen Gebieten. Aber er bemüht sich, Uber eingewurzelte Schlagworte hinweg zur Wahrheit des „geschichtlichen Werdens" der heutigen Judenfrage i.u gelangen. Er schreibt: „Gibt es Irgendeine Frage im heutigen, an Verwirrung wahrlich nicht armen Abendlande, die derart in V«rwirrung ist, wie die Judenfrage? Es ist schon kaum mehr möglich, ein ruhiges Wort darauf zu versuchen, denn wenn nur das Stichwort fällt, geraten die Geister ♦ichon in Erregung und die Atmosphäre, in der ruhiges Aussprechen und Anhören möglich Ist, kann kaum erzeugt werden. Hier gibt es fast nur Parteigänger Und das Schagwort beherrscht da» Feld, Jegliche )Bemühung aus der Verkrampfung der Schlagworte herauszukommen, wird sogleich verdächtigt, einem parteiischen Motiv zu entspringen. Es sind nicht die Schlechtesten, die die ganze Frage am liebsten umgehen, aber ihre Ignorierung wird sie nicht aus der Welt schaff e n, denn die Judenfrage ist brennend und verlangt nach einer Lösung, sie darf unmöglich einfach denen überlassen bleiben, die söe mit gewalttätiger Einseitigkeit „lösen" wollen — aber in Wahrheit unendlich verschärfen und die Lösung nur um ein Vielfaches schwieriger machen." „Ist die Judenfrage ein völkisches Problem? — Warum hat sie dann ein so völlig anderes Aussehen als irgend ein anderes, auf der Reibung zwischen verschiedenen Völkern beruhendes Problem? — Ist sie eine Kassen frage? Auch hier fällt die Judenfrage aus dem Rahmen der sonst in dieser Sphäre anzutreffenden Probleme, was schon daraus hervorgellt, daß die modische deutsche Rassenideologie praktisch nur bei der Judenfrage in Aktion tritt und die Juden in ihr tatsächlich nicht die Rolle einer Rasse unter anderen Rassen spielen. Faßt man die Judenfrage als religiöses Problem auf, so zeigt sich auch hier wieder die völlige Sonderstellung: Es gibt der religiösen Gegensätze viele, wie aber kommt es, daß das religiös so lau gewordene Abendland gerade hier noch kämpferisch ist, während es sonst das Zeitalter der Religionskriege längst hinter sich hat? Ist die Judenfrage ein Problem der Gesellschaftsstruklur. ein wirtschaftlich-soziologisches Problem? ... Wo liegt der eigentliche Kern der Judenfrage — sind die kulturellen Seiten des Judenproblems Auswirkungen der soziologischen? Die religiösen Auswirkungen der rassischen? — Wie liegt das alles zu einander?" „Nachdem durch Jahrhunderte, die Juden frage vor allem als religiöses Problem gesehen war, ist heute die am nachdrücklichsten vorgebrachte Auffassung die, daß das Kernproblem das rassische sei. Nach der im Dritten Reich zu einer Art Staatsreligion erhobenen Lehre sind die Juden eine v e r w o r f e n e Rasse — die finstere Gegonrasso zu der lichten, nordischen Idealrasse. Man muß die Juden möglichst unterdrücken und ausschalten, wenn anders man sie nicht überhaupt ausrotten kann, und vor allem muß man darauf schauen, daß ihr „Blut" nicht das Blut anderer, nicht verworfener Rassen, also vor allem der nordischen, verdirbt." „Instinktiv schon, aber noch mehr bei einigem Nachdenken, sträubt sieh der gesunde Sinn gegen eine solche Auffassung. Sind nicht überall dio Eigenschaften, die typisch sind für Rassen oder Völker, dadurch charakterisiert, daß jeder einzelne, der der betreffenden Rasse, dem betreffenden Volk angehört, dio Grundeigensehaft in verschiedener Ausprägung — in positiver und negativer — wirklich werden lassen kann. Die für Rassen und Völker charakteristischen Eigenschaften sind Tendenzen Bei Verdauungsstörungen, Magenverstimmungen, Sodbrennen, Uebelkeiten, Kopfschmerzen, Nervenreizungen schafft früh nüchtern 1 Glas natürliches „Franz-Josef"-Bitterwasser schnell offenen Leib, gute Verdauung und geregelten Blutkreislauf. „Auf der anderen Seite nun scheint auch die Aufrollung des jüdischen Gesamtproblems von der religiösen Seite her den Tatsachen zunächst kaum gerecht zu werden. Hängen denn die in der konkreten Wirklichkeit, am flagrantesten auftretenden Probleme des Judentums, sein nicht zu leugnender unheilvoller Einfluß (natürlich immer Ausnahmen abgerechnet) in der wirtschaftlichen, geistigen, kulturollen Sphäre, sein hemmungsloses Machtstreben, die zersetzende Tendenz bezüglich höchster Kulturgüter, die oft von ihm ausgeht, das häufige unerfreuliche Sichbreitmachen in allen möglichen Bereichen, an der Börse, im Theater, im Zeitungswesen usw., hängt das denn alles mi* religiösen Dingen zusammen? Ist nicht die jüdische Religion eine ganz besonders hochstehende unter den Religionen tler Erde? Und noch eins: Treffen wir nicht die jüdisrhon Eigenschaften und soziologischen Erscheinungen ebensosehr bei gläubige n wie bei u n g 1 ä u b i g e n Juden ( ja bei diesen noch viel ausgeprägter), also bei Menschen, die sich in religiöser Hinsieht von ihrer iiberalistisch-freigeistigen, unreligiös-relativistischen Umgebung in nichts unterscheiden? Z. B. typisch jüdische 3Iinderwertigkeitskomplexe und sogar ihr Umschlagen in eine gewiss« Arroganz findet man auh bei ehrlich g e taufte n Jude n gelegentlich. — Also auch vom Religiösen hör scheint eine Lösung nicht ohne weiteres sich einzustellen. „Die sich gegenwärtig darbietenden Tatsachen und Probleme darf man nicht mit einseitigen theoretischen Konstruktionen und daraus gefolgerten praktisch-drastischen Maßnahmen abtun, sondern man muß den Blick für Wahrheit und Wirklichkeit auch in dieser Frage offenhalten und erst handeln, wenn mau verstanden hat und so wie es dem Erkannten entspricht. Aussicht auf eine Entwirrung des verschlungenen Knotens bietet sich nur, wenn man einen Blick auf das geschichtliche Werden der heutigen Judenfrage wirft." ■■■■■■■■■■■■■■^■■HDBflMSHUMHBBMMMHflHMUHMBBHCHMnUEnSS^ Bequeme SOfflderVeiSen nach Polen und Czeraowitz 18., 25. August, retour 1., 15. September und 9. Oktober mit fahrplanmäßigen Schnellzügen, Hin- und Rückfahrt Czemowitz mit Visa S 1t©.— Anmeldung: Reisebüro „IRUT" Ref. Rosenkrani, 1, Karlsplatz 1, Kärntawstraße 63, Tel U*44«5-M