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Die neue Welt · 1935-08-09 · Heft 487 (9.8.1935) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 487 (9.8.1935)
Date
1935-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ttr. 487 DIB NEUE WELT SeiUu1N<* Letzte Nachrichten aus Deutschland Aus Prajr wird gemeldet:: Die letzten aus Berlin oinKetroffcnrn Meldungen besagen, daß in der Reichshauptstadt wiederum eine Pogrom-Atmosphäre herrscht. Das Signal hierzu gab die Rede von Dr. Goebbels in Essen, die viel aufreizender war, als wie sie dureh das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro wiedergetfeben wurde. Gleichzeitig mit der Bekanntgabe der Goebbels-Rede erschienen in den Berliner Straßen neue Itiesenplakate des „S türm e r", in denen eine aufhetzerische und drohende Sprache gegen die Juden gesprochen wird. Am Abend des 3. August demonstrierten uniformierte SA. - Leute am Kurfürstend a in m gegen die Juden. Es machte den Eindruck, daß diese Demonstration von oben anbefohlen wurde. Gleichreitig fuhren organisierte Einheiten in Lastautos herum und stießen im Spreehchor Beschimpfungen, Drohungen und Flüche an die Adresse der Juden aus. Die Kaffeeluvusgäste flüchteten in Panik, innerhalb weniger Minuten sah man keinen Juden in den Straßen. Auch aus Dresden wird berichtet, daß dort der antisemitische Terror in den letzten Tagen verstärkt worden ist. Die Fronten aller jüdischen Geschäfte wurden über und über mit Boykottaiifruf cn beldebt, vor den Geschäften stehen Boykottposten. Die Bänke auf den Straßen und in den Parks tragen Zettel mit der Aufschrift: „Juden ist es verboten, sich hier hinzusetzen. (J. T. A.) Die „Frankfurter Zeitung" berichtet, daß in Gladbeck, nach Mitteilung der Stadtverwaltung, eine Reihe von Maßnahmen gegen die Juden durchgeführt wird. Unter anderem ist ihnen die Benützung der städtischen Bäder, Sport- und Tennisplätze untersagt, außerdem dürfen Juden keine Grundstücke und Häuser erwerben und jüdische Kinder nicht gemeinsam mit deutschen die Schule besuchen; auch sollen die Gladbecker Wochenmärkte nicht mehr von jüdischen Händlern beshickt werden. * In Guhrau (Schlesien) beschloß der Gemeinderat, daß Juden keine Häuser oder Grundstücke erwerben dürfen, und daß man den Handwerkern, Geschäftsleuten und Volksgenossen überhaupt, die weiter mit Juden verkehren, keine Gemeindearbeiten mehr zukommen lassen werde. Das Kaufen bei Juden werde als Verrat an Volk und Nation angesehen. * Der Reichssender München teilte den Entschluß des Büngermeisters der Stadt Bergzabern (Pfalz) mit, wonach in Zukunft Juden nicht mehr nach Bergzabern ziehen dürfen. An Judenfreunde werden von der Stadt keine Aufträge' mehr vergeben; der. Verkehr mit Juden, insbesondere der geschäftliche, wird gebrandmarkt. aus Die „Preußische Zeitung" in Königsberg berichtet Kaukclimen: ,,In allen Schaufenstern deutscher Geschäfte, und Lokale sieht man Plakate hängen mit der Aufschrift „Juden haben hier keinen Zutritt". In einem Aufruf, den die Gemeinderäte von Kaukchmen an die Bevölkerung erlassen haben, wird gesagt, es sei unbedingte Pflicht eines jeden Deutschen, sich von dem Verkehr mit Juden, insbsoridere auch von dem Handel mit ihnen, sei es Einkauf oder Verkauf, fernzuhalten. (J. T. A.) Aus Kopenhagen meldet die J. T. A.: Auf dem kürzlich stattgefundenen Bauernmarsch zum König, wobei Zehntausende Bauern sich vor dem Königspalast in Kopenhagen versammelten, um ihre Forderungen dem König vorzutragen, sprach einer der ,,Bauern"führer, Hofjägermeister Schested, über die Ursachen der Verarmung der dänischen Bauernschaft und nannte in diesem Zusammenhang die „Allmacht des jüdischen Kapitals" und die „unnatürliche Verbindung zwischen dem Bauern und dem Juden". Die Bauernbewegung in Dänemark ist nicht nazistisch, nur ein kleiner Teil steht unter dem nazistischen Einfluß, zu dessen Wortführern eben der genannte Schested gehört. Nun ist in einer Sitzung des Reichstages der Führer der konservativen Partei, Christmas Möller, von den Aeußerungen Schesteds in entschiedenster Weise abgerückt. „In Dänemark ist kein Platz für Judenha ß", rief er aus; „solche Art wird hier nicht geduldet!" Dann kam er auf die Persönlichkeit von Schested zu sprechen; unter allgemeiner Heiterkeit enthüllte er, daß der judenhetzerische Hof-, Jägermeister im Jahre 1916 eine Aktiengesellschaft gründete, deren Aktien von der jüdischen Bankfirma J. M. Lcvin emittiert wurden, wobei sie ihr ganzes Kapital von 14 Millionen Kronen einbüßte. „Das ist der richtige Mann, um über Judenhaß zu sprechen", schloß der konservative Führer. Die Lage der Juden in Dan/ig Aus Warschau: Eine Abordnung der Judenheit Polens besuchte das polnische Außenministerium und bat um Intervention der polnischen Regierung zugunsten der Danziger Juden, deren Lage sich in der letzten Zeit infolge verstärkter nationalsozialistischer Angriffe außerordentlich ernst gestaltet hat. Die Abordnung wurde freundlich empfangen; es wurde ihr versprochen, daß die polnische Regierung sich mit der Situation der Juden in Danzig sorgfältig beschäftigen werde. (J. T. A.) 9tor nodj fttm Seit: Sctifotions-fBetrouf! Hausod. 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Bekanntlich hat „Hagibor" erst vor kurzem die Wasserballmeisterschaft der Tschechoslowakei errungen. Die tschechoslowakischen Zeitungen widmen den Leistungen des jüdischen Sportklubs hohe Anerkennung. „Abschied vom Golus" Eine neue Künstlermappc von Wilhelm Wachtel Demnächst bringt der bekannte jüdische Maler Wilhelm Wachtel eine großzügig ausgestattete Bildermappe heraus, die etwa 15 Reproduktionen der bekanntesten Werke Wachtels aus der früheren Aera des Künstlers enthalten wird. Diese Arbeiten bringen einerseits die Romantik der kleinen Judengassen des Ostens, anderseits Reflexionen über miterlebte Schicksale Pogromgehetzter. Die neue Künstlermappe Wachtels, die den Titel „Abschied vom Golus" führt, soll eine Art retrospektiver Schau über das frühere Schaffen dieses Malers abgeben und ist überdies als ein Abschiedsgeschenk des Künstlers vor seiner Uebersiedlung nach Palästina an seine zahlreichen Anhänger gedacht. Die jüdische Einwanderung nach Biro-Bidschan Aus Moskau: In der letzten Plenarsitzung des Rayonexekutivkomitees von Biro-Bidschan teilte der Vorsitzende mit, daß infolge fehlerhafter Durchführung der Pläne betreffend Häuserbau im jüdischen autonomen Lande Biro-Bidschan in diesem Jahre nicht, wie geplant, 12.000, sondern nur etwa 6500 Seelen werden angesiedeelt werden können. Eine Rückwanderung könne wieder Platz greifen, falls die zuständigen Organisationen nicht energische Maßnahmen zur Seßhaftmachung der Einwanderer durchführen. BILLIGER URLAUB IN GOLLING (SALZ U G) Hin- und Rückfahrt Schnellzug III. Klasse, 10 volle Tage Unterkunft und Verpflegung einschließlich Trinkgeldablöse S 102. Auskünfte und Anmeldungen: ABTEILUNG FÜR FREMDENVERKEHR DES PHÖNIX, I, Wallnerstr. 6a, Tel. U-25-3-32 u. U-25-5-80 OSTERR. VERKEHRSBUREAU, I, Friedrichstr. 7, Tel. A-36-5-40, I, Graben 20, Tel. U-29-0-35 REISEBÜRO „IRUT", I, Karlsplatz 1, Tel. U-44-5-79 Der Jüdische AnKcstelltcnverbanä „Emunali" gibt be« kannt, daß die Hebräischkurse für Wenig- und Mehr-t vorgeschrittene jeden Montag halb 8 und Mittwoch 7 Uhr abends stattfinden. Neuanmeldungen an Wochentagen von 3 bis 9 Uhr abends in der Verbandskanzlei, L. Biberstraße 17, Tel. R-24-9-45; — Bibliotheksstiinden Dienstag und Donnerstag von halb 8 bia 9 Uhr. — Jeden Dienstag Schachabend. — Jeden Donnerstag Besprechung der Sonntagsausflüge. — Wir machen auf unsere kostenlose Stellenvermittlung für Chefs und Angestellte aufmerksam, und bitten, sich im Bedarfsfalle an uns zu wenden. Geschultes und tüchtiges Personal für Büro, Lager und Verkauf stets in Vormerkung. Konimcrfest des Bund Jüdischer Frontsoldaten Oester-* reichs. Das Sommerfest des Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs findet am 14 August um halb 9 Uhr in der Liliputstadt im Prater (Eingang am Praterstern hinter dem Planetarium) statt. Der Jüdische Hochschulausschuß veranstaltet auch heuer Ferienreisen nach Varna. Preis für 4 Wochen S 175.—. Auskünfte und Anmeldungen täglich von 9 bis 1 Uhr, IX., Alserstraße 26, Tel. A-25-2-28. Odol-Mundwasser enthält neben dem wirksamen Odol- Antiseptikum noch den aus der Myrthe gewonnenen Extrakt, der sich gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches als ganz besonders wirksam erwiesen hat. Die Myrrhe wird für diesen Zweck schon seit tausend Jahren verwendet. Israelitische Kulfu§genteinde Wien Jüdische Volksschule der Israelitischen Kultusgemcmde Wien. — Zweistündiger Religionsunterricht und zweistündiger Unterricht in hebräischer Sprache in dec I. Klasse Das Bundesministerium für Unterricht hat mit dem. Erlaß vom 2. Juli 1935, Z. 22110-II/9, die Erhöhung der wöchentlichen Stundenzahl in Religion auf zwei und die Einführung des Unterrichtes in hebräischer Sprache mit zwei Wochenstunden in der ersten Klasso der Jüdischen Volksschule der Israel. Kultusgemcindc Wien, II., Castellezgasse 35, ausnahmsweise bewilligt. Aufnahme von Chorknaben für den Stadttempel Stimmbegabte Knaben unter elf Jahren werden gegen Bezahlung in den Chor des Stadttempels aufgenommen. — Anmeldung täglich von 9 bis 12 Uhr vorm. im Schulamte der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitcnstettengasse 2, I. Stock. Wochen-Kalender August 1935 zu* rvmn Ab 5695 b'reltag 9 10 Sabbateinsang 7.20 Sabbatausgang 8.20 Samstag 10 11 Sonntag 11 12 Montag 12 13 Dienstag 13 14 Mittwoch 14 15 Donnerstag 15 16

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