Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 487 (9.8.1935)
- Date
- 1935-08-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seitens —pi" DOS NEUE WELT Nr. 487 5) Itteqül tuuk HatMikü I/oh Oskac HccUh^cc (fausalem) Nodimals nacfi Palästina (Schluß.) D:cic Nacht war noch dunkler, als die bei unserem ersten Versuch, nach Palästina einzufallen. Der Mond war rächt zu sehen und wir mußten uns sehr anstrengen, um zusammenzubleiben. Wieder richteten wir uns streng" nach dem Führer. Duckte er sich, duckten wir uns sofort eile auch. Warf er sich zu Boden, lagen wir im gleichen Augenblick ebenfalls. Lief er über eine Straße, so bemühter, wir uns. die Straße raschest zu überqueren. Nur cir.es ko;:rten wir ihm nicht nachmachen: anständig zu gehen. Ich weiß nicht, ob der Grund darin lag, daß der Araber eeo-ser sah oder ob er das Terrain so gut kannte, doch Tatsache ist, daß er allen Hindernissen auswich und gleichmäßig und ruhig ging, während wir ununterbrochen stolperten und hinfielen. Es war acht Uhr, als wir starteten und der kalte Abendwind hatte bereits eingesetzt, doch trotzdem brach uns der Schweiß aus allen Poren, nachdem wir zwei Stunden in starkem Tempo auf dem Wege waren. Auch diesmal gab es ein unvorhergesehenes Hindernis. War es das letztemal AI., der nicht weiterkam, so war es diesmal der Jugoslawe, der zusammenbrach. Sein Atem begann pfeifend zu gehen und er klagte darüber, keine- Luft zu bekommen. Wir machten kurze Rasten, klopften ihm den Rücken, doch H. erholte sich nie lichtig und immer öfter mußten wir haltmachen. Auch ich begann mich wieder schlechter zu fühlen, da meine Krämpfe sich einstellten. Ich sagte jedoch nichts, da ich nicht nochmals zurück wollte, biß die Zähne zus?-nmen und ging in furchtbarer Verbissenheit weiter. Mit IX. wurde es jedoch immer ärger. Sein Atem ging derart pfeifend, daß wir glaubten, dies müsse auf weite Entfernung zu hören sein. H. strengte sich furchtbar an, um weiterzukommen, doch es ging nicht. Er setzte sich auf einen Stein, preßte beide Hände auf seine Brust und u-ar vollkommen fertig. Ratlos standen wir umher. Wir hatten keine Ahnung, was wir machen sollten. Der Araber versuchte wiederum, uns weiterzutreiben. Es war vergeblich. Wieder schlug er vor, den Kameraden zurückzulassen. Diesmal waren wir jedoch darin einig, daß wir alle zusammenblieben. Die beiden Araber "berieten untereinander. Der eine verschwand, während der Führer uns dazu hewog, noch einige hundert Schritte weiter zu gehen., wo sich die Ruinen eines Hauses befanden und wo wir kurze Zeit rasten konnten. Wir gingen die kurze Strecke und trugen den Jugoslawen abwechselnd bis zu den Haustrümmern. Dort legten wir ihn nieder, zogen die Röcke aus und legten ihm diese unter den Rücken. Still saßen wir um ihn herum. Er, der um zehn Jahre älter war als ich, nahm meine Hand, streichelte sie wie ein kleines Kind und flüsterte: „Laßt mich nicht allein. Es wird, es muß doch gleich wieder gehen." Ich antwortete nicht. Zu sehr war ich mit mir selbst beschäftigt. Ich hatte große Schmerzen und saß ganz verkrampft, in Schweiß gebadet, während ich still weinte. Auch die anderen sprachen nicht. Ganz unglücklich saßen wir beisammen und warteten. Endlich kam der andere Araber und brachte einen Eseltreiber und dessen Esel mit. Auf dem Esel sollte H. aufgeladen werden, und während wir über die Berge gehen sollten, sollte H. auf dem normalen Weg zu einem Treffpunkt an der Grenze getragen werden. H. befand sich dadurch wohl in größerer Gefahr, doch gab es keinen anderen Ausweg, da H. sich nur sehr langsam erholte und viel zu schwach war, um mit uns nochmals zurückzugehen. Wir handelten, den Preis aus. H. wurde aufgeladen, wir verabschiedeten uns von ihm und brachen auf. Ueber Steine und Disteln, auf und nieder, führte uns der Weg. Bald schlichen wir, bald liefen wir, bald lagen wir ruhig am Boden, während unser Führer langsam vorging, um sich umzusehen. Wie ich später feststellte, gingen wir parallel zur Grenze, knapp an dieser entlang. Es wurde uns immer schwerer. Ich ging ganz mechanisch, fast mit geschlossenen Augen. Furchtbare Müdigkeit hatte uns überfallen. Ertappte ich mich bei meiner Schwäche, riß ich mich für wenige Augenblicke zusammen, ging wenige Schritte etwas elastischer, um dann wieder in den mechanischen Trott zu verfallen und weiterzustolpern. Jetzt war ich dankbar für jedesmal, das der Führer sich niederwarf. Dann lagen wir doch eine Weile ruhig und ruhten etwas aus. Wiederholt hatte ich den Wunsch, überhaupt liegen zu bleiben und nicht mehr aufzustehen und dasselbe mußte bei meinen Genossen der Fall sein, denn ich bemerkte jedsmal ein gewisses Zögern, wenn der Führer aufsprang und weiterging. Er mußte jetzt immer etwas v/arten, bis wir uns erhoben und ihn eingeholt hatten. Wie dressierte Hunde reagierten wir auf die Kommandorufe unseres Führers. Jedes „Jallah" trieb uns trotz der Müdigkeit weiter. Endlich kamen wir zu dem besprochenen Treffpunkt. Es war ein ziemlich gedeckter Ort, wo wir uns niederwarfen. Wir warteten, bis unser Atem wieder ruhiger ging, zogen unsere Röcke fester an, da es sehr kühl geworden war und mündeten uns vorsichtig Zigaretten an, die wir in der Handhöhle hielten, um nicht bemerkt zu werden. Ueber uns war ein herrlicher, voll ausgestirnter Himmel und die Ruhe die uns umgab, wurde nur selten vom Bellen und Heulen herumtreibender Schakale unterbrochen. Manchmal kamen diese Tiere ganz nahe heran und man sah ihre grünen Augen in ier Dunkelheit leuchten. Doch kaum machte man eine Bewegung, waren sie verschwunden und etwas später hörte man dann von weitem ihr Heulen, das durch Mark und Bein ging. Plötzlich näherte sich uns etwas, der Führer entfernte sich und kam nach einer Weile mit H. zurück. Er hatte sich erholt, setzte sich zu uns und wir wnrteten weiter. Wir hatten nicht einmal bemerkt, daß unser zweiter Führer nicht bei uns war. Doch als unser Führer gerade die zweite Zigarette rauchte, kehrte der andere Araber zurück, meldete anscheinend, daß die Luft rein sei, denn der Führer drückte seine Zigarette aus und gab uns das Zeichen zum Weitergehen. So ging es wieder weiter. Viel hatte uns die Rast nicht geholfen. Wir waren müde und nur schwer kamen wir vorwärts. M. und H. hatten bald wieder Atembeschwerden und wir mußten öfter Pausen einschalten. Doch auch der Inder und ich kamen nur sehr schwer mit. Wir waren wirklich am Ende unserer Kräfte. Der Führer trieb uns an und irgendwie kamen wir doch vowärts. In der Ferne blitzte ein Licht auf. Es verschwand und wurde wieder sichtbar. Anscheinend befand sich zwischen uns und dem Licht ein Baum, der vom Wind bewegt wurde. Der Führer blieb stehen, rief mich zu sich und fragte mich, wohin wir gebracht werden wollen. Rechts das Licht sei Kfar Geladi, weiter rückwärts Tel- , Chaj und links die Stadt Metullah. Ich entschied für die . jüdische Siedlung. — Wir waren also wieder in Erez Israel! Es ging weiter. Unser Weg ging durch ein Distelfeld, durch ein kleines Wasser und wieder Uber Steinblöcke. Wir gingen bergab und waren oft in Gefahr in Löcher zu fallen oder abzurutschen. Endlich gab es ebenen Boden und wir kamen etwas rascher vorwärts. Plötzlich blieb der Führer lauschend stehen. Er beugte sich nieder, legte sein Ohr an den ßoden, erhob sich, flüsterte kurz mit dem zweiten Araber und begann zu laufen. Zurückzulaufen. Einen Augenblick standen wir ratlos da. Wir hörten nun auch Pferdegetrappel, warfen uns auf den Boden und blieben hinter Steinblöcken liegen. M. und H. preßten Taschentücher vor den Mund, um sich durch ihr Atmen nicht zu verraten. Wir konnten den Arabern nicht mehr nach. Wir hatten keine Chance zu entkommen, denn wir waren unsäglich müde. Das Getrappel wurde lauter, immer lauter — und plötzlich, wir trauten unseren Ohren kaum, wurde es wieder leiser. Ich hob vorsichtig den Kopf und sah, schon ziemlich weit hinter uns, die Araber laufen und nicht weit hinter ihnen zwei berittene ' Grenzwächter, die sie verfolgten. Ich duckte mich wieder und berichtete meinen Genossen. Wir blieben liegen, lange Zeit. Wie lange, weiß ich nicht mehr. Das Herz schlug1 mir bis zum Hals. Es war jedoch nur ein allgemeines Angstgefühl, das mich beherrschte, denn eigentlich war es mir ziemlich egal, was folgen konnte. Dieses Gefühl beseelte uns alle, denn als wir dann weitergingen, taten wir dies, indem wir jede Vorsicht außer acht ließen. Wir gingen auf einer Chaussee, schön langsam und blieben ruhig sitzen, wenn einer sich ausruhen wollte, bis er wieder so weit war, mit uns weiterzukommen. Ich glaube, daß wir jede Hoffnung aufgegeben hatten, ungefährdet durchzukommen. Schließlich kamen wir zu einem kleinen arabischen Häuschen. Ganz ruhig und ohne Rücksicht auf die Gefahr, in die wir uns damit begaben, klopften wir an. Nach kurzer Zeit erschien ein Araber und der Inder sprach ihn englisch an. Er verstand. Der Inder bat um Nachtquartier. Der Araber sah uns mißtrauisch an. Er wollte nicht. Ich zog Geld und reichte es ihm. Er schnalzte mit der Zunge „Neinv und nahm das Geld nicht. Da zog M. seinen Revolver. Der Mann wich zurück, doch M. zeigte auf den Revolver und sagte: „Backschisch!" Der Mann kam wieder näher, betrachtete vorsichtig den Revolver. Dann dachte er nach. Sah uns nochmals sehr aufmerksam an. Dann führte er uns hinter sein Haus, durch einen kleinen Hof in einen Raum, der über dem Stall lag, voll mit Stroh war und fürchterlich stank. Wir legten uns nieder und wenige Minuten später schliefen wir. Endlich am Zielt Vier Tage mußten wir über dem Stall liegen bleiben. Am Tage war es mörderisch heiß und in der Nacht war es furchtbar kalt und es herrschte ein Luftzug, der uns fast die Seelen aus dem Körper zog. Dazu stank, es, daß mir noch heute übel wird, wenn ich mich daran erinnere. Vier Tage saßen wir im Dunkel, erhielten nur selten Essen und in den vier Tagen nur zweimal Wasser, das warm war und ganz verfault schmeckte. Wir hatten dem Araber begreiflich gemacht, daß er den Revolver erst bekäme, bis wir Rosch-Pinah, respektive die dort liegende Grenzwache passiert hätten. Am fünften Tage kamen wir weiter- Ein Lastauto war mit Orangen nach Tiberias auf dem Wege. Auf dem ersten Blick schien es jedem, daß es nur Kisten geladen hätte, doch wir waren auch darauf, da die Kisten so aufgestellt waren, daß innen ein freier Platz war. Wir passierten Rosch-Pinah, fuhren bis knapp vor Tiberias, wo wir ausstiegen, den arabischen Chauffeur bezahlten und ihm den Revolver übergaben. Allerdings hatte M. diesen vorher entladen und ihn durch Zerbrechen der Repetierfedcr unbrauchbar gemacht. Wir hatten nur noch sehr wenig Geld. Wir kamen in die Stadt, suchten den Autobus nach Tel-Aviv, bezahlten die Fahrkarten und hatten dann alle zusammen nur noch 2 Piaster. Wir sahen furchtbar aus und mehr als einer unserer Mitreisenden dürfte sich den Kopf über die Stromer zerbrochen haben, die halbverhungert, unrasiert und schmutzig im Wagen saßen und von denen einer eine völlig zerrissene alte Araberhose trug. Wir kamen nach Tel-Aviv, wo sich unsere P'reunde, die wir aufsuchten, unser sofort annahmen. Zuerst schliefen wir einen ganzen Tag, dann badeten, rasierten wir uns, zogen frische Wäsche an, aßen und — schliefen weiter. Es dauerte eine Weile, bis wir Freude darüber empfinden konnten, daß wir das Ziel erreicht hatten. Zu* schwer war der Weg gewesen und zu große Opfer hatten wir gebracht: Ich litt sieben Monate an Magenkrämpfen, H., der Jugoslawe, hatte sich eine Ohrenentzündung zugezogen und verlor das Gehör, M. wieder erkrankte an einer unangenehmen Infektionskrankheit, von der er bis heute noch nicht genesen ist. Nur unser indischer Genosse verließ uns bereits nach wenigen Tagen, vollkommen gesund und ging arbeiten ,.. yyj Best renommierte Küche -ieo REICHHALTIGE MENÜS äS 1.90 UND 2.60 S C H W H L H A I E K S R Ä V ll,Hammer'Purgstail-Gasse 3 (nächst SalzforbrödtO 9 Tel. A-41-C-25 Hotel-Restaurant S m eta n a-Lu h a co vi ce 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser- — Erstklassiges Restaurant und Cafe\ — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Eröffnung 15. Mai, Bis 15. Juni billige Vorsaisonpreise. Empfehlen§werte Firmen Restaurants, Cafes etc. A. Barschak, II., Große Schiff gasse 3. Streng Ttfvorzügliche Küche. Billige Preise. Cafe-Restaurant Espresso, i., Kotenturmstraße x. internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Nagels Sclchwarenrcstaurant, II, Praterstraße 33. orth. Menü S 2.-. Täglich Scholet, Selchl'lciach mit Ritschet, Pfefferkarpfen etc. Cafe-Konditorei Neu mann, II., Giedlerstratte 3 (Telephon A-42-3-81), IH., Löwengasse 47 (Tel. U-10-5-78). 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