Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 487 (9.8.1935)
- Date
- 1935-08-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712111--5242-2718833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r-'r. im DIE NEUE WELl AUS PALAST Die Sdiädcn des Dumpings Immer mehr macht, sich das Dumping' seitens auswarf ige r Industrieländer gellend. Wir berichteten bereits über dir. .Seidenfabrik „Meshi", die Glasfabrik „Oavish" uiH? übe.- die Fabrik „Barzelilh ' (siebe weiter). Diese Lage, mit im Lande, tiefe Besorgnis hervor. Eine Abordnung des I i) d u s t. r i e I I e n v e r b a n d e s besuchte »Im Obn Kommissär und verlangte Schutzzölle, ein spezielles 5:ulustriedepartcment der Palästina-Regierung und greßere Aufmerksamkeit für die Lage, der Industrie. Die „Palnews" berichten über die vor drei Jahren gegründete. ,,B a r z e 1 i t. h" Mctal Works Ltd., die Eisendrähte, Nägel etc. erzeugt und infolge eines organisierten ausländischen Dumpings in eine schwere Situation geraten ist. Die Eisen drahterzeuger Italiens, Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und Luxemburgs sind im internationalen Syndikat „IWECO" vereinigt, das den gesamten Verkauf in allen Ländern in seinen Händen konzentriert. Bis vor kurzem befand sich Polen außerhalb des Syndikats, und ,,Barzelith" bezog das Rohmaterial aus tt Hafsiraschule „UNIVERSUM IX, GA UNISONG ASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 Q Brpiini neuer Tages- und Abr-ndkursc am 15. IX. 1935 II Polen. Nunmehr ist auch Polen dem Syndikat beigetreten, das bestrebt ist, den Bezug von Rohmaterial von seiten „Barzeülh." zu verhindern. Das Syndikat verkauft in Palästina fertige Waren — dünne Drähte — billiger als das Rohmaterial und etwa um die Hälfte des Preises, den IWECO. im A u s 1 a n d e erzielt. Dank der Exportprämien, die die Industrie in manchen Ländern erhält, ist es dem Syndikat möglich, seine Erzeugnisse billiger zu verkaufen. Der in Palästina geltende Zollsatz für Eisendrähtc beträgt nur 12 Prozent, für Nägel — Pfund 2 bis 4 per Tonne; die Einfuhr von Drahtnetzen zum Schutz vor Mücken und von Drähten zur Erzeugung dieser Netze ist zollfrei. Diese Zeitbestimmungen sir.d nicht geeignet, die palästinensische Produktion zu schützen. Die „Barzelith"-Werke, in die Pf. 18.000 investiert wurden, und die zirka 60 Arbeiter beschäftigen, kämpfen um ihre Existenz. Der einzige Ausweg ist die Einführung eines Schutzzolles für ihre Erzeugnisse. Die Jcrusalemer „Palestine Post" schreibt zur Lage in der Industrie: Zwei Beamte des Finanzdepartements wurden beauftragt, unverzüglich die Lage der Seidenindustrie zu untersuchen. Diese Tatsache beweist, daß die Regierung den Umständen, die zur Schließung der „M c s h i"-Fabrik geführt haben, nicht teilnahmslos gegenübersteht. Man darf annehmen, daß ohne drastische Mittel gegen das japanische Dumping die Aussichten der Seidenindustric und ähnlichen Industrien nicht vielversprechend sind. Die Unternehmer behaupten, daß ein Zollsatz von 20 Prozent vom Wert in keiner Weise der japanischen Konkurrenz, die sie Ii auf einen Lohn von 7 Schilling für eine Gü-Stunden-Woche stützt, gewachsen ist. Die Hcrstellungkosten eines Hemdes in Japan betragen 20 Müs. Das Rohmaterial kostet den japanischen Erzeuger 110 Mils. Bei einem Zollsatz von 20 Prozent stellt sich ein Seidenhemd auf weniger als 150 Mils. Zu diesem Preis werden die Hemden an mehreren Stellen verkauft. Sechzehn Hemdenerzerger in Tel-Aviv teilten dem Leiter des Finanzdepartements, Mr. Johnson, als dem Vorsitzenden des Standing Committee for Commerce and Induatry, mit, daß sie gezwungen seien, ihre Betriebe zu schließen, falls sie vor dem Dumping nicht geschützt werden sollten. Ihre Betriebe beschäftigen insgesamt 300 Personen. Auch auf anderen Gebieten wird der Druck verspürt. Die Glasfabrik in Rishon-le-Zion, in die Pf. 14.000 investiert wurden, ist an die Wand gedrückt. Eine Flasche, die in der Tschechoslowakei für 15 Mils verkauft wird, kostet hier 6 Mils. Der 12prozentigc Zollsatz ist kein ausreichender Schutz für eine derartige Konkurrenz. Strickwar e n e r z e u g e r beklagen sich in gleicher Weise, und illustrieren ihre Klagen durch die Tatsache, daß vor einer Woche ein einziger Tel-Aviver Kaufmann 800 Dutzend Badekostümc aus .Japan bestellt hat. Die G u m m i w a r e n e r z c u g e r Palästinas sind mit einem Zoll für die Einfuhr des Rohmaterials belastet, während manche. Gummireifen ausländischer Herkunft zollfrei eingeführt werden, andere, mit dem gewöhnlichen Zollsatz von 12 Prozant belastet sind. (Palncws. ) Vergrößerung von TelsAviv Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Der .Jaffaer Distriktsrat für Städtebau hat seine grundsätzliche Zustimmung zur Durchführung des sogenannten „Grünblatt- Planes" gegeben, durch den eine Erweiterung des Stadtgebietes von Tel-Aviv nach der Seeseite hin ermöglicht werden soll. In dem Plan Ist die Trockenlegung eines Meeresstreifens an der Küste bei Tel-Aviv in eineinhalb Kilometer Länge und 120 Meter Breite vorgesehen. Die Kosten für die Gewinnung dieses Landstreifens werden mit einer Million Pfund beziffert. Die „Grünblatt-Gruppe" ist für den Fall, daß ihr die wirtschaftliche Verwertung des neuen Terrains zugestanden wird, bereit, das für die Durchführung der Arbelt notwendige K a p i t a I zu investieren. Der Bodengewinnungsplan der „Grünblatt-Gruppe" war bereits wiederholt Gegenstand von Beratungen der Tel-Aviver Stadtverwaltung. Generalvertrieb: C. H. Sigle, Wien VIII, Joserstädterstrane 99 Eine höhere Musterschule in Jerusalem Aus Jerusalem: Die Erziehungsdepartements des Waad Leumi und der Hebräischen Universität haben gemeinsam eine höhere Musterschule für Knaben und Mädchen gegründet, die die sechs letzten Klassen einer höheren Schule umfassen und in Beth Hakerem, im Gebäude des dortigen Lehrerseminars untergebracht sein wird. Zu Beginn der kommenden .Schuljahres, am 20. Elul (18. September 1935) werden die ersten drei Klassen eröffnet werden. Die neue Schule soll den Studenten der Pädagogik an der Universität, sowie den Schülern des Lehrerseminars in Beth-Hakerem als Uebungs schule dienen, wo sie sich unter der Leitung erfahrener Lehrkräfte im praktischen Unterricht vervollkommnen können. Die Behandlung der politischen Häftlinge Aus Jerusalem: Im Zusammenhang mit dem Hungerstreik politischer Häftlinge im Jerusalemer Zentralgefängnis und in der Zitadelle von Akko und der Forderung der politischen Häftlinge, daß für sie andere Bedingungen als für die kriminellen statuiert werden sollen, wird in einer soeben erschienenen offiziellen Erklärung der Palästina-Regierung betont, Klagen oft über Ermüdungserscheinungen, hervorgerufen durch dio. einseitige Arbeit an der Schreibmaschine oder am Schreibtisch. Diese Erscheinungen führen oft zu Leistungsverminderungen im Berufe, und erregen auch das Gefühl von Aufgebrauchtsein und Altern. Sport und Natur sind der gebotene Ausgleich, aber auch der Gebrauch von DIANA- Franzbranntwein mit Menthol. Tägliche Massage mit DIANA erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mundil. Haarpflege. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA". Weisen Sic minderwertige, Nachahmungen zurück. daß die palästinensische Gesetzgebung ebensowenig wie die englische eine Sonder bchandlung politischer Häftlinge vorsieht; die eventuellen Maßnahmen in der Behandlung politischer Häftlinge werden in den gewöhnlichen Fällen dem Ermessen der Gefängnisbeamten überlassen. In dem offiziellen Kommunique wird weiter betont, daß im ganzen drei von den Verhafteten, unter ihnen eine, wegen Diebstahls abgeurteilte Frau, Gefängniskleidung tragen. Alle übrigen Teilnehmer am Hungerstreik dürfen ihre eigenen Kleider tragen. Die im Hungerstreik verharrenden Häftlinge stehen unter Aufsicht von R e g i e r u n g s ä r z t c n. (J. T. A.) Bei Kopf-, Lenden- und Schultcrrheumatismus, Nervenschmerzen, Hüftweh, Hexenschuß wird das natürliche „Franz-Josef-Bitterwasser mit großem Nutzen für die tägliche Reinwaschung und Entgiftung des Verdauungskanals angewendet. Syrien und Libanon für jüdssdae Kolonisation Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Auf Einladung der Regierung des Libanon begaben sich Palästina- Journalisten auf eine Exkursion in dieses Land. Hierüber läßt sich der Redakteur des „Falastin", Daud al-Issa, unter anderem wie folgt aus: Regierung und Volk des Libanon wünschen aus wirtschaftlichen Rücksichten eine Zusammenarbeit mit den Juden. In diesem Sommer weilen zahlreiche Juden zur Erholung im Libanon. Es tut mir leid, feststellen zu müssen, daß Volk, Presse und hohe Regierungsbeamte im Libanon und in Syrien, auch syrische Minister, die mit den jüdischen Presseleuten zusammengetroffen waren, auf gute Beziehungen zu den Juden Gewicht legen und die Juden eingeladen haben, nach Syrien und dem Libanon nicht nur als Kurgäste, sondern auch als ständige Einwohner zu kommen. Ich habe diesen Kreisen gesagt, daß ein solches Verlangen dem Nationalismus widerspricht und daß die Palästina-Bevölkerung mit Ausnahme der ihren Boden verkaufenden Grundbesitzer unter der jüdischen Kolonisationsarbeit zu leiden hat. Die hebräische Presse Palästinas berichtet über den Verlauf der letzten Sitzung des Kreisrates in Alexandrette (Syrien) unter anderem wie folgt: Als der Vertreter des französischen Oberkommissärs für Syrien, Durieux, erklärte, die Regierung habe sich entschlossen, dem Levi-Konzern die Konzession zur Austrocknung der Sümpfe in Antiochien zu verweigern, um politischen Konflikten aus dem Wege zu gehen, stieß er auf die scharfe Opposition der Mehrheit der Ratsmitglieder. Man rief ihm zu: Trotz des politischen Charakters der jüdischen Kolonisation widerspricht diese nicht unseren raTOraqgum, m«|uuwJMMMnmifli«HMmji laimonides in Berlin und Boston BSräef aus Boston Von Prof. S. Braslavsky B o s. t o n, im Juli 1935. In der vergangenen Spielzeit wehte mir der Zufall ein Programm eines Konzertes des Jüdischen Kulturbundes in Berlin in die Hand. Kein einziger jüdischer Komponist war dort vertreten! Dagegen fiel sofort ein recht grober Fehler auf! Nämlich, eine Sopranistin war mit der großen Arie „Höre, Israel!" aus dem „Elias" von — man lese und staune — Händel angekündigt! Nun weiß ja jedes Kind, daß der „Ellas" das größte Meisterwerk aller Oratorien von Mendelssohn und nicht von Händel ist. In Berlin, fast möchte man sagen ausgerechnet dort, wußte man nichts davon. Als ich vor einigen Wochen in der „Neuen Welt" den Bericht über die Maimonidesfeier der Ber- Ziner Gemeinde las, wußte ich nicht, ob ich mich darüber freuen oder ärgern soll. Bei dieser Feier spielte das dortige Orchester des Jüdischen Kulturbundes ein Concerto Grosso von Händel und die 5. Symphonie von Beethoven. Daß die Berliner Jüdische Gemeinde trotz ihrer der- «citig kritischen Lage einen Maimonides feiert, ist erfreulich und es soll auch ihr anerkanntes Verdienst bleiben, denn andere große Gemeinden haben sich gar mit ein paar „Festpredigten" in den Synagogen begnügt, als wäre das ganze Leben und Wirken des Maimonides bloß für ein paar Synagogenbesucher und ginge die übrige Welt nichts an. Dagegen soll das Programm des Berliner Festes einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Händel und Beethoven, die größten deutschen Klassiker aller Zeiten, sind gewiß würdige Repräsentanten der Musik bei jeder feierlichen Gelegenheit; es soll unerkannt werden, daß man in Berlin dem Ernst der fc'eier entsprechend eine ernste Musik und nicht ein paar billige jüdische Volkslieder verwendete, wenn... Ja es gibt hier ein „wenn!" nämlich, wenn wir uns nicht gerade in der Blützeeit und im großen Aufschwung der jüdischen Musik, an welche alle großen Geister und Meister, Jud und Christ, interessiert und teilweise auch beteiligt sind, befänden. Diesen wichtigen Faktor scheint man in Berlin übersehen zu haben. Denn die Berliner Jüdische Gemeinde verfügt über gute Solisten, einen ausgezeichneten Chor und ein erstklassiges Orchester, und es gibt große Werke für Chor und Orchester von einem der Meister auf den Gebiet der jüdischen Musik, wie Bloch (Heiliger Dienst), Achrom Miliner, Jacobi, oder zumindest Musik der großen Juden und Halbjuden, wie Mendelssohn, Rubinstein, Goldmark, Meyerbeer, Halevy usw. Oder gar Solomoni R o s s i? Letzterer wäre doch bei einer Maimonides-Feier mehr am Platze als Beethoven — schon des sephardischen Charakters seiner Musik wegen. Nicht daß ich hier der Berliner Gemeinde irgend welche Ratschläge für die Zukunft erteilen möchte — doch für eine jüdische Feier (dazu eine des Maimonides) muß schon unbedingt eine jüdische Musik, dazu noch eine angepaßte jüdische Musik verwendet werden. Daß es auch ohne Beethoven und Händel geht, beweist die Maimonides- Feier in Boston (wobei ich dem Laien das Urteil überlasse, welche dieser beiden Feiern zweckmäßiger und auch wirksamer war). Die bekannte und rührige Congregation Mishkan Te/ila, die größte und älteste konservative Gemeinde in Boston, unternahm es, den großen Philosophen gebührend zu feiern. Frau Mignon R u b c n o v i t z, eine bekannte Schriftstellerin und Kennerin der Geschichte des Judentums, die Frau des Rabbiners der obgenannten Congregation, Dr. Hermann Rubenovitz, verfaßte eigens für diesen Zweck ein Schauspiel in 16 Szenen, in welchen das ganze Leben und Wirken des großen Gelehrten auf das genaueste dargestellt wird. Die musikalische Leitung wurde mir übertragen, mit der Bedingung — Berlin, höre! —, daß in den nicht weniger als 26 Musiknummern auch nicht eine Note, die mit dem Charakter und das Zeitalter des Gefeierten im Widerspruch stünde, verwendet werde. Dasselbe galt für die Kostüme und das Ballett. Nicht weniger als 175 Personen wirkten auf der Bühne mit, darunter das Ballett unter der Leitung des bekannten Wiener Tanzmeisters Hans Wiener und ein großer Chor samt Symphonieorchester unter meiner Leitung. Für jede der 16 Szenen wurde die passende Musik gewählt und zusammengestellt. Nebst babylonischen, jemenitischen, ägyptischen und spanischen jüdischen Gesängen wurden auch alte und uralte Synag'ogenmelodien verwendet. Gesänge, die im Abendland und Melodien, die einem modernen Juden kaum bekannt sein dürften! Die Chöre und Tänze wurden den Opern „Königin von Saba" (Goldmark), „Samson und Dalilah" (Saint- Saens) und „Die Makkabäer" (Rubinstein) entnommen. Die Aufführung, welche am 19. März im vornehmsten und größten Saal Bostons, im Imperial Baalroom des Hotel Statler, stattfand, gestaltete sich zu einem seltenen Ereignis und besonders für die zahlreich erschienene Jugend zu einem wahren Fest. Der Saal war ausverkauft und auf Ersuchen erschienen alle Gäste, darunter viele Delegationen anderer Religionen, in Gala. Als New York am 14, April seine große Maimonides-Feier veranstaltete, wurde ich vom dortigen Octoccntennial Committee ersucht, ein paar Stücke des Bostoner Programms anzugeben, was ich mit Freude tat. Das ganze. Programmbuch der Bostoncr Feier ist in der großen Bibliothek der Stadt New York, der Zentralbibliothek, welche für dieses Jahr ein eigenes Maimonides-Zimmer einrichtete, ausgestellt. So feiert Amerika einen großen Juden! Mit Symphonien, und sei es auch von Beethoven, oder gar ein paar mageren „Festpredigten" in den Tempeln (armes Wien!) kann man nicht einen Maimonides feiern. Denn die Feier Ist vor allem an die Jugend gerichtet, die sonst kaum Gelegenheit hat, den Namen Maimonides zu vernehmen, und die Jugend will etwas Gewaltiges hören, um den großen Juden im Gedächtnis behalten feud ehren zu köunc*,