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Die neue Welt · 1935-08-09 · Heft 487 (9.8.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 487 (9.8.1935)
Date
1935-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 487 Nur als Privß*»MUii!ssi ♦ . » Im Zusammenhangmit firm neuerlichen Diskrimiriorungen der Juden in Deutschland ist die Frage der Teilnahme an der Berliner Olympiade 1936 seitens einzelner Länder wieder aktuell geworden. Amerikanische und englische Stimmen erheben sich gegen Berlin, indem sie geltend machten, daß die freie Betätigung im Sport, br,w. die Vorbereitung' zur Olympiade den jüdischen Sportlern Deutschlands verwehrt sei. Gleich, als nach der Machtergreifung' durch die Nationalsozialisten das Olympia-Komitee von Berlin Aufklärungverlangte, unterschrieb der deutsche Sportführer Lewald in Athen bei einer Sitzung des Großen Olympischen Komitees mit ausdrücklicher Ermächtigung Hitlers folgende Erklärung: ,.T. Deutschland wird die in Wien 1033 eingegangene Verpflichtung, nicht arische deutsche Spr.rtsleutr bei entsprechender Leistungin die deutsche Olympia-.Mannschaft einzureihen, selbstverständlich sorgfältig beuchten und allen hierfür aussichtsreichen Sportfdeuieu Gelegenheit zur Vorbereitung geben. IT. Der Deutsehe Leichtathletik-Verband hat in Ausführung obiger Maßnahmen den Rvichsbund jüdischer Frontsoldat e n und den 31 a k k a b ikreis aufgefordert, Olympia-Talente z.ur Ausbildung namhaft zu machen, was der erstere durch Brief vom 15. März 1934 in Aussicht gestellt hat. III. Bei der Suche nach dern ..Tinbekannten Sportsmann" ist ausdrücklich nur deutsche Staatsangehörigkeit gefordert, so daß auch hier n i c h t a r i s c h e Talente ausgebildet werden. IV. Die Besorgnis, es könnten gegen ,j ii d ische Teilnehmer Demonstrationen erfolgen, ist bei dem sportlichen Geist und der Disziplin des deutschen Volkes als außerhalb .jeder Möglichkeit zu betrachten. Die deutschen Mitglieder übernehmen hiefür die volle Garantie." Was eine nazideutsche Garantie ist, hat man in der ganzen Welt erfahren.'Das Mißtrauen gegenüber Versprechungen des Dritten Reiches wuchs so weit, daß direkte Anfragen bezüglich der Olympiade von verschiedenen Seiten erwogen wurden und einige Länder, wie z. B. die Schweiz, eine Teilnahme ihrer Sportler prinzipiell ablehnten. Nun gab es eine Möglichkeit, über den Standpunkt des Großen Olympia-Komitees etwas Positives, bzw. Authentisches zu erfahren — unabhängig davon, daß jüdische Ehre gebot, auf jeden B"all eine Berührung mit Berlin zu meiden. Man war neugierig, zu erfahren, welche Schritte das Olympia-Komitee gegen Deutschland wegen der Nichteinhaltung seiner Verpflichtungen zu unternehmen gedenke. Die Sache war einfach. Graf Baillet-Latour, der Präsident der Internationalen Olympischen Spiele, hielt sich dieser Tage in Wien auf und wurde in der genannten Angelegenheit befragt. Der Graf antwortete, sein Wiener Eesuch habe privaten Charakter, weshalb er zu keiner Erklärung ermächtigt sei. So sieht es also mit der Geschichte aus. Die Deutschen machen, was sie wellen, und die Länder, welche in Berlin mittun sollen, erfahren vom Olympia-Präsidenten, daß er nur als Privatmann in Wien weile. Die jüdischen Sportler, soweit sie national bewußt sind, wissen was sie zu tun haben. Ihnen braucht man keine Direktiven zu geben. Und die Asslmilanten sollen sich die Blamage holen, die sie verdienen. Vom Olympia-Komitee selbst ist scheinbar nichts Charakterfestes zu erwarten. Hans ftfoser ,,güdels" nicht mehr Die österreichische Filmindustrie ging so lange um da^ Wohlwollen Hitler-Deutschlands betteln, bis sie sich den Kragen brach. Der Rücksicht auf den deutschen Absatz folgte das Unterwerfen unter den hakenkreuzlerischen Geschmack, Geschäft und Kultur gingen ein sauberes Verhältnis miteinander ein, bis schließlich sogar die Filmkräft" sich zu — Ariern machten und die Mitwirkung an Filmen, die Herrn Goebbels nicht genehm waren, ablehnten. Zu diesen arischen Bekennern gesellte sich, wie die Preise berichtet, auch Hans Moser, der Liebling der jüdivs-w pifro rpöai; iTcwnn? ü)2 Jüdische Vo9kt$iecilungsbank m.b.H. Palästina Nachlath-Binjaminstraße 63, Tel-Aviv wünscht Aktien von devtifofmetd Ca. sehen, will sagen: jüdclnden Bourgeoisie; der M ''in, dem es gelang, über das Seil de«* sogenannten Jargons tanzen und dem unzählige bravo Juden des Kai, der Mari ihilferstraße und sogar der Tahorstraße am Mundo hingen, welcher so reizend zu näseln verstand, und dorn sie zujubelten, wenn er in einer Pose, die man als ostjüdisch bezeichnete. Czernöwitz (Betonung auf der zweiton Siibe) sagte. Dieser Hans Moser, der den jüdischen Assimihmten seine Karriere verdankt, hat sich für den „rein arischen" Film erklärt. Fr wird mit Juden nicht in (dir filmen. Fs zu tun, verbieten ihm die arische Ehre und die reichsdeutschc Mark. W e i t g e b r a c h t - kann man diesmal nicht von ihm, dem rein arischen Wiener, sondern von seinen Verehrern sagen, die sich noch gestern die Kohle für ihn heisergeschrien haben und eher das Absurdeste angenommen hätten als die Möglichkeit, Hans Moser könne ihnen untreu werden und einen Buckel vor dem Hakenkreuz machen. Armes Assimilantcntum! Antisemitismus und ludenstaat Die zionistische These läuft in den Schlußpunkt hinaus, daß der physiologische, moralische und territoriale Zustand der Juden gründlich verändert werden müsse; der Jude, der heute überall in der Welt anormal lebt, müsse normalisiert werden; er müsse so leben wie die anderen Völker: auf eigenem Boden, im eigenen Staat. Viele einsichtige Menschen geben zu, daß das Verhältnis zwischen dem Juden und seiner Umgebung, daß das Verhalten der nichtjüdischen Welt zum Juden ein verschrobenes, ungesundes sei. Manchmal empfinden sie so etwas wie ein Ahnen von der Anormalität; machen Vorschläge; bringen ' Rezepte. So schreibt z. B. der Publizist Bruno Heilig im Wiener ,,Morgen" im Zusammenhang mit den jüngsten Pogromen in Deutschland: „Es ist. falsch und verkehrt, wie man sich den verfolgten Juden gegenüber verhält, und es liegt im Interesse der ganzen Kulturwelt, der Kultur überhaupt, daß die Aktionen, die von Amerika und von England aus und von den Völkerbundligen eingeleitet worden sind, wirklich zum Erfolg führen. Man muß sich nur über das wirkliche Wesen des Antisemitismus klar werden und sofort wird man sehen, daß er nicht nur eine Angelegenheit der Juden ist. Alle „Begründungen" des Antisemitismus sind ja zuletzt auf einen Umstand zurückzuführen. Die Juden sind schwach und sie sind in Splittern über die Erde zerstreut. Nur weii sie schwach und zersplittert sind, sind sie „schlecht". Sic können sich nicht dagegen wehren, daß man sie schlecht macht. Sie mögen ihre Eigenschaften und Eigenheiten haben, zugegeben. Aber die haben auch die Franzosen und die Italiener und die Engländer und die Amerikaner und die Japaner. Es wagt natürlich niemand, diese großen Völker darum gleich als Auswurf der Menschheit zu bezeichnen. Im Fall der Japaner haben wir es sogar erlebt, daß ihnen gerade von Hitler feierlich die Dispensation von den moralischen Folgen ihrer gelben Hautfarbe erteilt worden ist. Nein, der Antisemitismus ist keine geistige und keine moralische, er ist ausschließlich eine Machtfrage. Weil die Juden machtlos sind, müssen sie sich die Diskriminierung gefallen lassen, und nur weil sie sich sie gefallen lassen müssen, werden sie diskriminiert." 4 Diese Betrachtungsweise nähert sich der zionistischen. Sie läßt erkennen, daß der Verfasser sich der — Machtlosigkeit der Juden bewußt ist. Von hier zur Forderung einer Jüdischen Nationalen Heimstätte, eines Juden Staates, ist nur ein Schritt. Und er m u ß gemacht werden, wenn man nicht auf halbem We^ stehen bleiben will. Komitee zur Bekämpfung der Judenverfolgungen in Deutsehland Aus Paris: In Paris wurde ein gemeinschaftliches Komitee jüdischer Organisationen gebildet, das zum Ziele hat, eine Aktion auf breiter Ba.sis gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland durchzuführen. Dem Komilee haben sich bisher der V er b a n d jüdischer Vereine Frankreichs, die Int o. rnationale L i g a zur Bekämpfung des Antisemitismus, der Verband jüdischer Frontsoldaten Frankreichs und mehrere jüdische J u g e n d v e r e i n i g u n g e n angeschlossen. Das gemeinschaftliche Komitee veröffentlichte einen Appell an die französische und die Weltöffentlichkeit zur Stärkung des Antinaziboykotts. Am Montag, den 5. August, abends, fand eine M a s s e n p r o t e s tkundgebung gegen die erneuten Judenverfolgungen in Deutschland statt. Bequeme SOnderr@iS@n nach Polen und Czerncwitz 11., 18., 25. August bis 1., 15. September und 2. Oktober mit fahrplanmäßigen Schnellzügen, verkürzte Reisedauer. Platzbelegung. Anmeldung: Kcisebüro ,9IRUT<S Ref. S. Rosenkranz, I, Karlsplatz 1, Kärntnctstraße («.Tel. U-44-5-79 Die „Bikkura" (Erstling), das erste jüdischpalästinensische Fischerboot, das von der Palestine- Building Cie. Ltd. in der Werft von Rovigno gebaut wurde und mit allen modernen Errungenschaften ausgestattet ist, wird in diesen Tagen vom T r i e s t e r Hafen nach H aif a abfahren. Die ,.Bikkura" ist unter der Leitung des Direktors der Palestine Boat-Building Cie. Ltd., Heinrich V r ä n k e I, in Rovigno hergestellt worden. Es besitzt einen Motor von 80 PS. Das Boot wird bis zum palästinensischen Hafen von italienischen Seeleuten geführt werden, dort aber jüdischen Matrosen zur Weiterführung übergeben werden. * Die neue Verordnung des Handelsministers bezüglich der Vervollständigung der Sonntagsruhe in Ungarn hat die Interessen der gesetzestreuen Kaufmannschaft in den Klein- und Großgemeinden beeinträchtigt. Aus diesem Grunde begab sich eine Abordnung der ungarländischen Orthodoxie zum Handelsministcr, um ihm die Wünsche der orthodoxen Kauflcutc darzulegen. Der Minister erklärte, er könne für die. orthodoxen Juden keine Ausnahmegesetze machen. Dagegen zeigte sich der Minister geneigt, die Offenhaltung der Läden am S a m st a g Abend eventuell bis 10 Uhr zu verlängern, um den orthodoxen Kaufleuten für den Ausfall des Sonntagsgeschäfts einigermaßen eine Rekompensation zu bieten. * Leon Blum, der bekannte Führer der französischen Sozialdemokratie, wurde als Vertreter der französischen Juden in den nichtzionistischen Teil des Council der Jewish Agency wiedergewählt. Er war Kandidat der Liga für das Arbeitende Palästina. * Es werden jetzt neue Vereinbarungen für den Handelsverkehr zwischen Bulgarien und Palästina getroffen. Zu diesem Zweck weilt zurzeit der bulgarische Konsul in Palästina, M. Chelouche, in Sofia. Am 7. September tritt in London eine Konferenz polnischer Juden aus verschiedenen Ländern zusammen, um über Mittel zur materiellen und moralischer» Hilfe für die Juden in Polen zu beraten und eine dauernde Hilfsinstitution zu schaffen. Dio Initiative zu dieser Konferenz geht von dem Verband ,,0 1 c P o 1 o n i a" in Palästina und der Föderation polnischer Juden in Amerika aus. * In der Zeit vom 7. bis 11. August findet in Brüssel ein internationaler TierschutzkongrelA statt. Der Tierschutzverband Polens wird auf dem Kongreß durch sein Vorstandsmitglied Dr. Knappe und dessen Gattin, die Vorsitzende des Komitees zur Bekämpfung der Schechita in Polen, vertreten sein. Ea ist ein Referat über den Kampf gegen die rituelle Sehächtung in Polen vorgesehen. Der Kongreß will eine einheitliche Stellungnahme zur allgemeinen Einführung einer „humanen Schlachtmethode" herbeiführen* Tagung des Hilfskomitees für die Flüchtlinge Aus Paris: Unter dem Vorsitz von Baron Robert de Rothschild hielt das „Comite National de Secours aux refugies allemands" seine Generalversammlung ab. Dem. Bericht des Generalsekretärs Raymond-Raoul Lambert war u. a. zu entnehmen: Am 1. März hatte das Comite nur noch 1169 Schutzbefohlene. Es bestand nur noch ein Heim an der Porte d'I t a 1 i e. 227 Flüchtlingen konnten Stellen besorgt werden, davon 44 in der Landwirtschaft. Das Comite hat dann seine Arbeit einstellen und sich lediglich auf die Rechtsberatung und auf die Intervention bei Behörden beschränken müssen. Statistisch, sind noch folgende Ziffern interessant: In den beiden letzten Monaten des Jahres 1934 war keine neue Ankunft von Flüchtlingen zu verzeichnen. Beim Comite wurden 43 Flüchtlinge vorstellig, die in der Mehrzahl aus den Nord- und Ost-Departements kamen. Am 31. Dezember li934 hatte das Comite Insgesamt 15.063 Flüchtlinge aus Deutschland registriert, und zwar 6702 Deutsche, 4615 Polen, 3149 Staatenlose und 597 verschiedener Staatsangehörigkeit. (J. T. A.) Großes Sommerfest Samstag, den 10. August, halb 9 Uhr abends, findet das vom Hechaluz ha'leumi und der Judenstaatsjugend veranstaltete Gartenfest im Kasino Zögernitz statt. Zur Mitwirkung in der Akademie wurden verschiedene Kunstkräfte, u. a. Leo Valberg, Kurl Karsten, Segal Rosoribaeh, Paul Tiemann sowie Dr. Oskar Teller und Viktor Schlesinger gewonnen. Diverse Belustigungen. Gratis Lose. Eintritt S 1.50. Vorverkauf h<M der Judeu.staatspartei, I., Werdertorgas.se 14 und Sektionen, Adm. der „Neuen Welt", Warenhaus Bruder Schiffmann, Buchhandlung Rath, Taborstraße 20 a. Mariahilferstraße 120 i. Wollzeile 17 Tel. R-M-2-lö Vorstelltinucn : U, }A6, V»8, V*10 mit George O'Brien Der taolf von London t$-33-0-68 Der Film gewaltigster Spannung

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