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Die neue Welt · 1935-08-09 · Heft 487 (9.8.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 487 (9.8.1935)
Date
1935-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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ä\ 487 UodettSfuegd Palästina bewährt sich „Die Bedeutung des Zionismus für die Juden Deutschlands braucht in einer Zeit, in der sich die jüdische PalöMlnaivanderung aus dem "Reich von Monat zu Monat weiterhin verstärkt, nicht erst bewiesen werden." „Isr. Familienblatt" (Berlin). Ventile „Am schlimmsten ist die nicht mehr zu verdeckende Tatsache, daß die zunehmende innere Unruhe in Deutschland selbst die Regierung zwingr.. wo sie nur kann, Ventile zu öffnen — Judenhetze, Katholikenhetze, Korporationenhetse, Stahlhelmhetze, lauter Ventile zum Schutz eines Dampfkessels, der der Gefahr, daß er eines Tages platzen könnte, noch immer nicht cnUvoben ist.. „Basler Zeitung", August 1935. Mit gezückten Dolchen „Am 28. Juli sind auf dem Gebiet der Freistadt Dan zig wiederum höchst bedauernswerte Ausschreitungen vorgekommen. Im Rahmen der Sportfeier der SA. fuhren Autos mit judenhetzerischen Aufschriften durch die Stadt, aus den Autos wurden die Juden beleidigende Aufrufe geworfen. In Zoppot haben die deutschen SA.-Formationen mit gezückten Dolchen judenhetzerische Lieder gesungen und im Sprechchor judenhetzerische und die Juden beschimpfende Losungen ausgestoßen. Wir bitten die Mitglieder unserer Gemeinde, überzeugt sein, daß die Verwaltung alles tut, um von der Regierung rechtzeitig Schutz gegen Ausschreitungen dieser Art zu erlangen. Die Erfolglosigkeit dieser Eciij'i,- hungen stammt nicht daher, daß die Mitglieder det Verwaltung der Jüdischen Gemeinde ihre Pflicht nicht erfüllen, sondern aus dem inner politischen Kurs der Regierung. Wir wenden uns an unsere Mitglieder mit dem Appell, sich angesichts solcher Ausschreitungen zu beherrschen und kaltes Blut zu bewahren. Wir müssen immer im Auge behalten, daß jede unserer Handlungen als ,P ro v o katio n( hingestellt werden wird." Aufruf der Judengemeinde Danzig, August 1935. Ausrottung „Die Juden sind im Dritten Reich keine eigentliche Opposition, sie sind aber von der Volksgemeinschaft einfür allemal ausgeschlossen, sie sollen ausgerottet werde n. Wenn man von der deutschnational-jüdischen Naumann-Gruppe absieht, haben die deutschen Juden ihre verzweifelte Situation auch begriffen. Der Widerstand, den sie noch leisten, ist nicht mehr politischer oder 'weltanschaulicher Natur, sondern er beschränkt sich ausschließlich auf die Weiterexistenz. Die deutschen Juden waren früher leidenschaftliche Patrioten; sie haben Deutschland, wo sie seit Jahrhunderten ansässig sind, xoahrscheinlich nicht weniger geliebt als die Deutsclien selbst. Die Diffamierung durch das Dritte Reich, ihre schimpfliche Behandlung aber hat sin .so weit gebracht, daß sie insgesamt Deutschland verlassen möchten. Das war bisher etwa 60.000 bis 70.000 Juden möglich, aber mehr als eine halbe Million ist durch die praktischen Umstände im Lande gleichsam gef a n g c n." „Prager Presse", August 1935. Eine noble Erpressung „Wir sehen uns veranlaßt, Sie heute schon darauf aufmerksam zu machen, daß die Ausschaltung des ni c ht a r i s c he n Einflusses im Buchhandel und Leihbüchereigewerbe in naher Zukunft vorgenommen wird. Wir werden deshalb demnächst genötigt sein, dem Herrn Präsidenten der Rcichsschrifttumskammer auch Ihren Ausschluß aus dem Bund reichsdeutscher Buchhändler vorzuschlagen. Es wird Ihnen bekannt sein, daß der Ausschluß gleichbedeutend mit dem Verbot weiterer Betätigung auf dies em Gebiet ist. Wir möchten Ihnen jedoch durch diese Nachricht Gelegenheit geben, einen W echsel in den Eigentumsverhältnissen Ihrer Firma eintreten zu lassen, bevor der Axisschluß ausgesprochen wird. Der Verkauf darf nur an solche Personen stattfinden, die die Mitgliedschaft im Bund reichsdeutscher Buchhändler besitzen. Sollten Sie keinen Käufer finden, steht der Liquidation der Firma nichts im Wege." Brief der Fachschaft der Leihbibliotheken an die jüdischen Buchhändler, Berlin, 1935. Angesichts des deutschen Hakenkreuzes ,J7ur dieser fortgesetzten geistigen und seelischen Verwüstungsarbeit (seitens der Juden) ist es zuzuschreiben, daß katholische Nationen mit 90 und 98 Prozent katlwlischer Bevölkerung sich eine Katholiken — und Christen — verfolgerische „Regierung" gefallen lassen müssen, daß Christen gegen Christen und Katholiken gegen Katlwliken sich feindselig zeigen und daß die wirklichen Katholiken vielfach so wenig Mut und katholische Tatkraft im öffentlichen Leben und im JKampf um die Macht" an den Tag legen, sich wie willenlose Schafe von einer antikatholisclvcn und antikirchlichen Minderheit an die Wand drücken lassen." Dr. Ch. Baur „Im christlichen Orient". Erschienen 1835, DIE NEUE WELT Ein fetter Posten Aus Genf: Im Zusammenhang mit dem Vorschlag der norwegischen Regierung zur Schaffung eines zentralen Hilfswerks für Flüchtlinge unter den Auspizien des Völkerbundes erfahren wir aus gut unterrichteter Quelle, daß bereits Kandidaturen für die — als ehrenamtlich gedachte — Stellung des Völkerbundkommissars für Flüchtlingsschutz erörtert werden. Die aussichtsreichste Kandidatur scheint die des Norwegers Prof. Hansen zu sein. Prof. Hansen war bisher Präsident des internationalen Gerichtshofes in Kairo. (J. T. A.) Ztvan$sve»h«ind ludisdacr KwUmhimdc in i^eutschStsnd Aus Berlin: Der Geschäftsführer der Reichskulturkammer, Hans Kinkel, hat den künstlerisch und kulturell tätigen Vereinigungen jüdischer Staatsangehöriger zur Aufgabe gemacht, sich bis zum 31. August 1935 im R e i c h s v e r b a n d jüdischer Kulturbünde zusammenzuschließen. Von dieser Maßnahme ausgenommen sind die jüdischen Schulen und die Kulturgemeinden religiöser Art. (J. T. A.) nmvrnnunxaWJiammilXaiWi Den Juden wird in Deutschland kein Haar gekrümmt, erzählen die Machthaber den ausländischen Pressevertretern und wehren sich gegen die — „Greuclmeldungen". Hiezu folgende Nachricht: „Wie aus zuverlässiger Quelle aus Berlin gemeldet wird, ist Dr. Kleinfeld, ein Jude, der am 16. Juli bei den antijüdischen Ausschreitungen im Kurfürstendammviertel im Cafö Heßler überfallen und schwer verletzt wurde, jetzt im Krankenhaus gestorbe n." Es ist dies das zweite Pogromopfer vom Kurfürstendamm. Inzwischen geht der Verelendungsprozeß innerhalb der deutschen Judenheit weiter. Dies ersieht man einerseits an dem Rückgang der jüdischen Erwerbslosen, andererseits am Wachsen der Lasten für soziale Fürsorge. Nach authentischen Berichten ist die Zahl der Juden in Industrie und Handwerk in der letzten Zeit um fast ein Drittel zurückgegangen. Die jüdischen Erwerbstätigen der Wirtschaftsabteilung Handel und Verkehr nahmen um etwa 20 Prozent ab, während die entsprechende Zahl der Gesamtbevölkerung um über 11 Prozent stieg. Von 100 Erwerbstätigen in Industrie und Handwerk waren danach 1933 nur noch 0,43 Juden gegenüber 0,63 im Jahre 1925. In Handel und Verkehr sank die j ü d i s c he Quote von 3,45 Prozent auf 2,46 Prozent. 32 Hotel Beilege 2E1 Porfcdiach am Wörfhereee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Vor* und Nachsaison . . . . S 9. — Hauptsaison . . . .... S IS. - Seebad und Garage frei. Geöffnet von Mai bis Oktober — Verlangen Sie Prospekte! Wie es um die jüdische Fürsorge steht, ersieht man aus dem Voranschlag des Haushaltungsplanes der Frankfurter Jüdischen Gemeinde für das Rechnungsjahr 1935/36. Danach betrugen die Ausgaben für soziale Fürsorge im Jahre 1933 RM. 38.000, während sie im Voranschlag 1935/36 auf 296.000 anstiegen. Ein deutliches Zeichen dafür, daß das Hitler-Regime tausend Juden brotlos gemacht und zur Inanspruchnahme einer Unterstützung gezwungen hat. # In einem Runderlaß des Reichsinnenministers heißt es : Die Reichsregierung beabsichtigt, die Frage der Verehelichung zwischen Ariern und Nichta r i e r n binnen kurzem allgemeingesetzlich zu regeln. Vor dem Abschluß dieser Regelung haben die Standesbeamten in allen Eheschließungsfällen, in denen ihnen bekannt ist oder nachgewiesen wird, daß der eine Beteiligte V o 11 a r i e r, der andere V o 11 j u d e ist, das Aufgebot oder die Eheschließung bis auf weiteres zurückzustellen. Ist in einem solchen Falle einer der Beteiligten ein Ausländer, so ist mir unter Beifügung der Vorgänge alsbald unmittelbar zu berichten. Wegen unmittelbarer Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit in Verbindung mit Rassenschande und artvergessenem Verhalten wui"den in Liegnitz acht Juden und acht arische Mädchen, in Görlitz vier Juden und vier arische Mädchen in Schutzhaft genommen. Die Schutzhäftlinge sehen ihrer Ueberführung in ein Konzentrationslager entgegeen. * Fünf der angesehensten jüdischen Firmen Stettins hatten sich entschlossen, ein vorsichtig abgefaßtes Telegramm an das Reichswirtschaftsministerium zu senden, da sie hofften, daß Reichswirtschaftsminister Schacht, der gegen Diskriminierungen auf wirtschaftlichem Gebiet ist, auch in Stettin mildernd eingreifen werde. Das Telegramm hatte folgenden Wortlaut: „An das Reichswirt3chafLsministerium Berlin. Saisonschlußverkauf jüdischer Geschäfte durch judenfeindliche Maßnahmen sehr behindert. Postenstehen, Patrouillen, Flugzettelverteiler, Transparente, Straßenaufläufc, Beschimpfungen der Käufer hindern das Geschäft. Ohne sofortige durchgreifende Abhilfe ernste Gefahr für die Wirtschaft." Dieses Telegramm nahm der ..Völkische Beobachter" in seiner Berliner- und Reichsausgabe zum Anlaß einer scharfen antijüdischen Hetze. Er beschuldigte die Stettiner jüdische Kaufmannschaft, die Bevölkerung „frech" herausgefordert zu haben*, und forderte die Widerrufung des Telegramms an das Reichswirtschaftsministerium. Auf dieses Signal des „Völkischen Beobachter" hin veranstaltete die Kreisleitung der NSDAP. Stettin am 2. August abends eine Kundgebung, an der 30.000 Menschen teilnahmen. Die jüdischen Kaufleute wurden gezwungen, ihr Telegramm zu widerrufen. In der „Juristischen Wochenschrift" wird eine Entscheidung des Oberlandesgerich1.es München veröffentlicht, wonach infolge der völlig veränderten politischen Verhältnisse es einem Verleger aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugemutet werden könne, das Werk eines jüdischen Urhebers gemäß, der durch Verlagsvertrag vom Jahre 1929 übernommenen Verpflichtung weiterhin zu vervielfältigen und zu verbreiten. Dem Verleger sei die Erfüllung dieser Verpflichtung aus einem nach Entstehen des Schuldverhältnisses eingetretenen, von ihm nicht zu vertretenden Umstand unmöglich geworden, so daß er von der Verpflichtung zur Leistung freigeworden ist. ach Pole billig und bequem S Nächste Reisen am U.. 18. und 2>. Aupfust. / Rückfahrten am 1. und 15. September. O-Zü u. »»ullmar-Waifen un<1 reservierte Plätze. / Reisebüro „IN DBB WEIT", Wien IX, LlechUnSteinitraUc 2, Telephon A-14-5M Das wahre Gesicht Das Zentralkaufhaus Eckstein Li Freital- Potschappel bei Dresden ist das größte Kaufhaus im Ort mit 74 Angestellten. Dort provozierte man auf folgende Art einen Judenübergriff: Eine Angestellte, die Braut eines SA.-Sturmführers, übernahm die Rolle, den Chef herauszufordern, und sagte jeder Kundschaft, die bei ihr irgendeine Ware verlangte, sie sei nicht zu haben, bis der Chef sie am Arme packte und sagte: „Sie verdienen ein paar Schellen, es ist doch alles da!" Das Mädchen meldete dies ihrem Verlobten, dem Sturmführer. Dann kam die SA., drang in das Geschäft ein, verprügelte den Inhaber und plakatierte an den Auslagen: „Der Jude Eckstein schlug ein deutsches Mädchen." Die üblichen judenhetzerischen Parolen wurden ebenfalls plakatiert. Die Polizei schritt ein und nahm Eckstein in Schutzhaft. Die SA. hielt dann eine Stiaßenversammlung ab und versprach, dafür sorgen zu wollen, daß das Geschäft nicht wieder geöffnet werde. Die Bevölkerung verheilt sich entschieden ablehnend, von einer Sympathie mit der SA. war keine Spur zu merken. Die Arbeiter demonstrierten sogar sehr offen durch Zwischenrufe wie „Das ist das wahre Antlitz des Nationalsozialismus" oder „Das ist nationalsozialistische Arbeitsbeschaffung!" u. a. m. Die Zwischenrufer wurden nicht gefaßt. Die Arbeiter, besonders die Angestellten 'der Firma, sind sehr erbittert, weil jeder wußte, daß Eckstein das Mädchen nicht geschlagen hat. Außerdem ist bekannt, daß Eckstein die besten Löhne der ganzen Umgebung zahlt. Er ist auch Frontkämpfer. Das Geschäft wurde montags darauf trotz SA.-Demonstrationen wieder geöffnet und erfreut sich lebhaften Zuspruchs, woran auch das Photographieren der Besucher nichts ändert. Die Presse brachte im Gegensatz zu ähnlichen Fällen nur eine ganz kleine Notiz über nichtssagende Geschehnisse bei der Firma. Dr« Frsdc wiSÜ dae Juden /,iegaB" ausmcirzen Aus Berlin: Bei der Zehnjahrfeier der nationalsozialistischen Bewegung in Essen, bei der der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels neue antijüdische Gesetze ankündigte, sprach auch Reichsinnenminister Dr. F r i c k. Er wandte sich gegen die vom Ausland erhobenen Vorwürfe gegen Deutschland wegen der Judenverfolgungen und erklärte, die Judenfrage werde langsam, aber sicher so gelöst werden, wie es das Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vorsieht; sie werde vollkommen legal gelöst werden. Gleichzeitig warnte Dr. Frick vor „schäd* liehen, den Enderfolg gefährdenden Einselaktionen**, (J.»»A^

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