Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-08-02 · Heft 485 (2.8.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 485 (2.8.1935)
Date
1935-08-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712109--5226-2718815
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 485 DIE NEUE WEIA Settel ° Schon Kinder sollen die Zähne mit ODOL-Zahnpasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schönrund gesund. Kleine Tube S — 30 Große Tube S 1.40 ttadeusfäefd Eine interessante Definition „Nach ungarischem Gesetz bilden alle Bewohner des Landes ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses und der Muttersprache die einheitliche politische Nation' auf der Grundlage der Gleichberechtigung." „Pester Lloyd", 28. Juli. Das Gesicht der Praxis „Der ehemalige Präsident der Budapester Advokatenkammer und Mitglied des OberJiauses, Dr. Josef Pap, nimmt zum Entwurf der neuen ungarisclien Advokatenordnung Stellung. Er lehnt die Bestimmung des Entwurfes, daß bei der Wahl der Organe und der Delegierten der Kammer auf die Zusammensetzung nach der N ationalität, der Rasse und dem Glaubensbekenntnis der Mitglieder Rücksicht genommen werden solle, ab. Es würden dadurch, so schreibt er, konfessionelle Fragen in zugespitzter Form in das Leben der Kammer hineingetragen werden, was nicht bloß unerwünscht ist, sonder» auch entschieden unterlassen werden muß." „Pest er Lloyd", Juli 1935. Die artfremde Zitrone }JLieb wohl, Zitrone! Wir brauchen dich nicht. Unser deutscher Rhabarber wird dich voll und ganz ersetzen. Am deutschen Rhabarber wollen wir gutmachen, was wir an der ausländischen Zitrone gesündigt haben. Darum heraus mit dir, undankbare Südländerin, aus unseren deutschen Gauen und Häusern..." „Fränkische Tageszeitung" (Nürnberg). Eine verständliche Forderung „Es heißt, daß es am Sonnabend in den UJa-Lichtspielen am Kurfürstendamm zu Demonstrationen jüdischer Theaterbesucher gegen den schwedischen Film ,J?etterson Bendel" gekommen sei. Wir wissen nicht, ob es sich in der Tat um „von jüdischer Seite hervorgerufene Störungsversuche", wie die „Nachtausgabe" schreibt, gehandelt hat, aber wir haben zu fragen, was Juden heute im Kino zu suchen haben. Nach der grundlegenden Ausschaltung alles Jüdischen aus der deutschen Filmproduktion war es eine selbstverständliche Pflicht der Juden, auch als Zuschauer aus den deutschen Lichtspielbühnen zu verschwinden." Direktor Georg Kareski (Berlin). Ein natürliches Recht „Es ist sehr zu bedauern, daß die Anfänge jüdischer Schiffahrt im Zeichen einer so scharfen Bekämpfung von italienisclier Seite stehen. Wir wollen hoffen, daß man sich auf der genannten Seite bei ruhigerer Ueberlegung der Dinge zu der Erkenntnis durchringen wird, daß das jüdische Volk in Palästina schließlich auch ein natürliches Recht auf die Ausnützung der durch die palästinensische Küstenlage gegebenen, natürlichen Möglichkeiten hat, ebenso wie alle anderen Küstenvölker der Welt." Aus der Zeitschrift „P alästina", Juli 1935. Nazi klagen über Diktatur 'Es dürfte... klargeworden sein, daß die Idealtypen des Preußentums und des Nationalsozialismus sich docken, und daß zum Wesen des Preußentums die Diktatur gehört. Wie kann man nun solche Diktatur, solches Preußentum dem Oesterreicher schmackhaft machen? Einfach, indem man die im tiefsten Wesen antipreußische Erhebung in Oesterreich selbst als Diktatur denunziert. „Berichte zur Kultur- und Zeitgeschichte", Wien, 1935. Ein zerronnener Traum „Der Pariser ,Figaro( brachte eine aus angeblich autoritativer Quelle stammende Meldung seines Londoner Korrespondenten, daß die englische Regierung beschlossen Jvabe, diplomatische Schritte in Berlin wegen der Judenverfolgungen in Deutschland zu unternehmen. Wie nun von autoritativster Stelle in London erklärt wird, stimmt die obige ,Figaro'-Meldung mit der Wirklichkeit nicht überein." Jüdische TelegrapMt^Agwtur,, »3,.,J*K I Mutige Worte gegen Englands PalästinavPolftflc Lord Rothschild über das Regime — Wedgwood gegen Transfer — Der enorme Budget Überschuß Am 28. Juli gab es im englischen Unterhaus in London eine Debatte Uber koloniale Fragen. Solche Debatten sind nichts Seltenes. Ein Abgeordneter fragt und der Kolonienminister oder sein Stellvertreter gibt eine mehr oder weniger nichtssagende Antwort. Auf diesem Gebiet haben wir schon manche Enttäuschung erlebt. Diesmal bekam die Debatte einen größeren Radius durch das Temperament und die unerbittliche Logik, die den Reden des Barons James de Rothschild und des Zionistenfreundes Colonel Wedgwood Gewicht verlieh. Es waren Reden staatsmännischer Fraktur, die schließlich in Forderungen mündeten. James de Rothschild, Sohn des Schöpfers der neueren jüdischen Kolonisation in Palästina Edmond de Rothschild und Präsident der Palestine Jewish Colonisation Association (Pica), lenkte die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Art der Interpretierung von Art. 18 des Palästina-Mandates, die sich zuuiv g u n s t e n Palästinas auswirkt. Dieser Artikel sieht vor, daß Palästina in der Frage der Einfuhrzölle keinen Staat, der Mitglied des Völkerbundes ist, einem anderen solchen Staate gegenüber begünstigen darf. Palästina ist sonach gezwungen, Waren aus sämtlichen Ländern ohne Einschränkung einführen zu lassen. Nie und nimmer lag es in der Absicht des Völkerbundes, eine solche Situation zuzulassen. Japan ruiniert das palästinensische Geschäft. Eben erst hat eine große Seidenfirma, die ein Kapital von 80.000 Pfund investiert hatte, die Produktion einstellen müssen, nachdem sie durch den japanischen Dumping ruiniert worden war. (Die Seidenfabrik „Meshi" mit 120 jüdischen Arbeitern.) Als England 1911 seinen Handelsvertrag mit Japan schloß, dachte niemand noch an ein Palästina-Mandat. Im Mandat war nicht beabsichtigt, daß der Mandatarmacht das Recht auf alleinige Exploitation des Mandatsgebietes überantwortet werden soll. James de Rothschild übte an der Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung scharfe Kritik. Er zollte der guten Administration und den persönlichen Qualitäten des High Commissioner Sir Arthur Wauchope volle Anerkennung, unterstrich aber dabei, daß durch die Beschränkung jüdischer Einwanderung die Prosperität des Landes direkt gehemmt wird. Palästina, biete jetzt Spielraum für eine erweiterte Einwanderung. Der bestehende scharfe Mangel Die scharf-schnrfe die den wildesten Bart in einem Schwung umlegt, ist an Arbeitskräften führe zu einer starken Erhöhung der Produktions- und Lebenskosten und habe ferner einen Zustrom minderwertiger arabischer Arbeitskräfte aus den Nachbarländern zur Folge. Warum, fragte James de Rothschild, läßt man Leute aus den Nachbarländern frei in Palästina ein, während die Einwanderung der Juden eingeschränkt bleibt. Der Fall Transjordanien sei in dieser Hinsicht vielleicht der markanteste. Er würde gern wissen, was mit der in dieser Sache der Mandatskommission übermittelten Petition geschehen sei. James de Rothschild kam sodann auf die Judenverfolgungen in Deutschland zu sprechen und sagte, für die junge jüdische Generation in Deutschland sei Palästina die einzige Hoffnung, andererseits bestehe in Palästina ein großer Bedarf nach solchen jungen Leuten. Sollen nun diese armen verfolgten jungen Menschen, die nicht in der Lage sind, ein Mindestkapital von 250 Pfd. St. aufzubringen, in Deutschland umkommen oder in andere Länder fliehen, wo man sie nicht arbeiten läßt? Sollen sie dem Untergang preisgegeben werden, weil sie nicht ein Kapital aufbringen können und obwohl die Palästina-Industrie ihre Arbeitskraft sehr braucht? Die jüngere Generation in Deutschland ist ohne Hoffnung. Ich appelliere an den Kolonienminister und den High Commlssioner, nicht so hartherzig gegenüber diesen Menschen zu sein und auch den lclidenden Juden in Syrien, Arabien und Aegypten mehr Verständnis entgegenzubringen." Nach James de Rothschild sprach Colonel Wedgwood. In Palästina, sagte er, besteht das wunderliche System, daß kein Mensch einwandern darf, wenn er nicht ein Kapital von 100O Pfd. St. oder, falls er Handwerker ist, von 250 Pfd. St. mit sich bringt. Im Falle der deutschen Juden wirkt sich diese Bestimmung so aus, daß jeder Einwanderer dieser Kategorie deutsche Maschinen oder andere Waren nach Palästina bringt, was Deutschland in die Lage versetzt, seinen Handel mit Palästina und dem Nahen Orient zu intensivieren. Das Transfer-Abkonunen war falsch, sowohl im Interesso Englands als auch im Interesse Palästinas. Die lOOOnPfd.-St.-Bestimmung sei an sich schon für Palästina schädlich, weil sie jüdische Einwanderung Billig« Sonderfahrten nach Polen und (zernowltz Abfahrten: Sonnta«, 4., 11., 18. und 25. August. D.Zug : Abfahrt 10.15 Uhr, Ostbahnhof. Rückfahrten am 4. August. I. und 15. tep'ember. Nach Zakopane , , zu den Bergfeste-Feiern vom 4. bis 11. August 70 Prozent Eisenbahn« ermäßigung. Po)irische» Visum gratis. ..... Rctecbüjo.M*RA*t-»l*4>|)M» ni.,.Ru.twt| l,T«lephon IMM-90 hemmt, das Transfer-Abkommen aber habe noch daau^ geführt, daß diejenigen, dfe nach Palästina gehen, zuT deutschen Importeuren werden. Die Taxe vpn 1000 Pfund für Kapitalisten-Einwanderer müßte auf 250 Pfd. St. herabgesetzt werden. Barnett Janner wies darauf hin. daß Palästina durch die Energie der Juden au« einer Wüste in ein blühendes Land verwandelt wurde. Diese Entwicklung kam den Arabern ebenso zugute wie den Juden. Möge die Regierung, die einen Ueberschuß von 5 Millionen Pfund hat, ebenfalls zur Entwicklung des Landes beitragen. Der Minister für die Kolonien, Malcolm Mac- Donald erwiderte, manche Mitglieder des Hauses könnten nach den Worten Wedgwoods den Eindruck ge- Winnen, daß es überhaupt keine Einwanderung m Palästina gebe. Er, MacDonald, sei der Ansicht, daß die Einwandererzahlen beachtenswert sind. Im weiteren Verlauf der Debatten Über die K<w lonialf rage erklärte Malcolm MacDonald, die Palästina-Regierung verwende einen großen Teil ihrer UeberschÜsse zur Erweiterung des Schulnetzes in den arabischen Dörfern. Auf eine Anfrage Barnett Janners erwiderte Malcolm MacDonald, nach den letzten Informationen habe der Ueberschuß der Regierung am 30. Juni 1935 5,587.837 Pfd. St. betragen. Nachrichten aus Deutschland Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Berlin veröffentlicht im Gemeindeblatt folgende Erklärung: „Heute, wie jederzeit, ist äußerste Zurück* h a 11 u n g die selbstverständliche Pflicht eines jeden verantwortungsbewußten Juden. Er meidet die großen Schankstätten und Cafes, er unterläßt überflüssige Promenaden, er zieht den Aufenthalt im eigenen Hause vor. Wer sich zur jüdischen Gemeinschaft bekennt, wer nicht als verantwortungsloser Außenseiter gelten wüL muß sein Verhalten in der Öffentlichkeit ebenso wie im eigenen Kreise so einzurichten wissen, wie es die Würde unserer Gemeinschaft und das Bewußtsein der Verantwortung ihr gegenüber erfordert." * Polizeipräsident Helldorf teilt mit: In den letzten Tagen ist die Feststellung gemacht worden, daß sich in einigen Fällen Angehörige der Bewegung von Provokateuren haben verleiten lassen, sich an judenfeindlichen Demonstrationen zu beteiligen. Staat und Bewegung haben immer wieder betont, daß Einzelaktionen verboten sind. Der Kampf gegen das Judentum wird von Staat und Bewegung auf andere Weise geführt. Jedermann, der sich an verbotenen Einzelaktionen beteiligt, stellt sich damit außerhalb von Staat und Bewegung und setzt sich der Bestrafung aus. ■ . * ,Auf dem ifcurfürstendamm in Berlin haben Zeitungshändler, die den .Angriff und den .Völkischen Beobachter' vertreiben, ziemlich große Originalphotos als eine Art Werbeplakat zur Besichtigung ausgehängt, die folgende Straßenszene aus Hamburg wiedergaben: Eine 28- bis 30jährige blonde Dame von sympathischem Aeußeren, deren dezente Kleidung auf eine Tochter aus gutbürgerlichem Hause schließen läßt, wird von einer SA- Gruppe durch die Straßen von Hamburg geführt. Sie trägt ein großes Schild umgehängt. Es enthält den Text: ,Icn bin vom Ort das größte Schwein und laß mich nur mit.Juden ein.' Neben der jungen Dame geht ein Jude, dessen Antlitz nicht minder als das der Dame die entsetzliche seelische Qual zum Ausdruck bringt. Auch er trägt ein Schild umgehängt. Hier heißt der Spruch: ,Als Juden junge nehm ich immer arische Mädchen mit aufs Zimmer.'" * Die über Deutschland gut informierte „Bohemia" (Prag) teilt mit, daß einflußreiche Persönlichkeiten weiterhin versuchen, bei höchster Stelle (d. h. bei Hitler) ein Erscheinungsverbot für die Dauer von drei Wochen gegen den „Stürmer" zu erreichen; die Bemühungen haben offenbar wenig Aussicht auf Erfolg. * Der Sonderbeauftragte für die nichtarischen Künstler, Hinkel, kündigt in einem Interview mit dem „Angriff" eine Aktion gegen die Nichtaricr an. „Wir wissen", so erklärt er, „daß hier und dort Juden getarnt arbeiten. Besonders scharf und hart werden wir die Nichtjuden anpacken, die sich nicht scheuen, sich ala Strohmänner für 30 Silberlinge an Juden zu verkaufen." Der schweizerische Gesandte in Berlin und das Auswärtige Amt des Deutschen Reiches haben die Schiedsordnung in der Angelegenheit des von deutschen Spitzeln von Basel über die deutsche Grenze entführten jüdischen Emigranten Berthold Jacob unterzeichnet. Das Schiedsgericht wird nach dieser Ordnung die Umstände festzustellen haben, unter denen Berthold Jacob von Ktraßburg" auf schweizerisches Gebiet und von dort am 9. Märj 1935 in die Hände der deutschen Behörden gelangt ist, und darüber entscheiden, oh dadurch die schweizerische Gebietshoheit in einer von der deutschen Regierung zu vertretenden Weise verletzt worden ist. oder nicht. Wenn das Gericht zum Schluß gelangt, daß durch diese Vorfälle die schweizerische Gebietshoheit verletzt worden ist, so hat es zu bestimmen, wie diese Hoheitsverletzung w i e d e ff gut zu machen Ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.