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Die neue Welt · 1935-07-26 · Heft 483 (26.7.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 483 (26.7.1935)
Date
1935-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 483 DIE NEUE WELT Seit* 5 öBjtt nxrw* nac rraop Jüdische Volktiiedlungibank m.b.H. Palästina Nachlath-Binjamin straße 63, Tel-Aviv wünscht Aktien von At*$la-?M&e$twe-Btoik PMesüne £tod Devdqment Ca. (ftolok Ca. sowie andsce palästinensische Wertpapiere zu kaufen. Offerten erbeten. Wieder Parlaments* gerächte Aus Jerusalem meldet die I. T. A. unter dem 23. Juli: Dlo Pressestelle des Jerusalcmer Großmufti teilt mit, daß die Errichtung; eines Legislativen Rates in Palästina bereits eine beschlossene Sache sei und daß die Verhandlungen beendet seien, welche in der Angelegenheit des Legislativen Rates zwischen der Palästina-Regierung und dem britischen Kolonialamt gefürht worden seien. Das Organ des Mufti beruft sich hiebei auf Informationen autoritativer englischer Quellen. Nach diesen Informationen soll das Gesetz betreffs Errichtung des Legislativen Rats in kurzer Zeit erscheinen, die Bildung dieser Körperschaft bereits im heurigen Herbst Zustandekommen. Zum Schluß bemerkt das Organ des Großmufti, daß die Opposition und der Boykott der palästinensischen Judcnhcit gegen diese Körperschaft nicht imstande sein werde, das weitere Hinausschieben des Parlarnentsprojektcs durchzusetzen. Petach Tikwah und Talpiolh Wie die J. T. A. erfährt, hat die von der Palästina- Regierung zum Studium der Frage, ob Petach Tlkwah ,zum Range einer Stadt erhoben werden soll, geschaffene Kommission beschlossen, der Regierung vorzuschlagen, die größte jüdische Siedlung in Palästina, die Petach Tikwah heute ist, zur Stadtgemeinde zu erheben. Im Jerusalemer Stadtrat kam ein Vorschlag der Regierung zur Sprache, die Vorstadt von Jerusalem, T a I p i o t h, entsprechend dem Wunsche der Einwohner, aus der Jerusalemer Stadtverwaltung auszugliedern und zu einer eigenen Stadtgemeinde zu machen. Es wurde beschlossen, eine Kommission zur Festsetzung der Grenzen zwischen Jerusalem und Talpioth zu bilden. Palästmaberidit der Darclays Bank Aus London! Der Monatsbericht der Barclays Bank In London verzeichnet für Juli eine allgemein ruhige Geschäftslage In Palästina. In den meisten Wirt- - ü*# _ # Zur Eröffnung der Volkshochschulkurse der Jerusalemer Universität in Tel'Aviv Allem Banalen abhold, Phrase und Geschwätz hassend wie jeder Große, sagte Bialik immer nur das, was die Weihe der Stunde gebot. Offenen und freien Herzens sprach er bei vielen Gelegenheiten: Bei der Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem (1. April 1925), bei der Grundungsversammlung der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Univerität (2. April 1933), bei der Eröffnung der Volkshochschule der Jerusalemer Universität in Tel-Aviv (19. Dezember 1933), die wir anläßlich des abgelaufenen ersten Jahres nach seinem Tode nachstehend veröffentlichen. Die Redaktion. Die Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität hatte mit den Tel-Aviver Universität.skursen zwei Ziele im Auge. Die erste Absicht war, von der nicht nur räumlichen Höhe der Universität auf dem Skopusberge Kanäle zu ziehen in die Niederung. Wir glauben nicht, daß unsere neue Welt erbaut werden kann, wenn Lehre und Wissenschaft in die vier Ellen und hinter die Mauern eines hermetisch geschlossenen wissenschaftlichen Instituts gebannt sind, einer Hochschule, die nur wenigen Schülern Einlaß gibt und nur diesen von ihrer Weisheit spendet. Das darf nicht die einzige Stätte schöpferischer jüdischer Kulturarbeit in unserem Lande sein. Das Judentum hat stets die Thora als ein herrenloses Gut angesehen, „ein Geschenk der Wüste". Mit der Wüste, die keinen Eigentümer hat, wurde sie verglichen, die auch keinen Herrn kennt. Jeder, der von ihr nehmen wollte, sollte kommen und nehmen. Das Judentum kennt keine Geburtsvorrechte und keine Gelehrtenkaste, auf die die Thora beschränkt wäre, um sie vor dem gemeinen Volke zu verbergen. In der Vorzeit der Völker war das Wissen als ein Ge- Jbeixoüis in der Hand xoa ffieisej^ &ux A^eryväiilfce schaftszwelgen sei wenig Aktivität zu bemerken. Dagegen würden bereits jetzt Vorbereitungen für dlö I^vante-Messe des Jahre« 1f)Sfl getroffen. Hiezu hätten mehrere JLändor, die bisher noch nicht auf der Messe vertreten gewesen sind, ihre Beteiligung zugesagt. Die Wirtschaftsaussichten sind gut. Der Markt für Wolle, Baumwolle und Seide ist ruhig, obgleich eine starke Nachfrage nach billigen, fertigen Kleidern aus der Tschechoslowakei besteht. Am Baumarkt hat sich die Aktivität vermindert, was eine verringerte Nachfrage nach Baumaterialien zur Folge hatte. Trotz der Hitzewelle, die kürzlich über Palästina hinwegging, wird die Citruscrntc in dieser Saison auf 8 bis 9 Millionen Kisten geschätzt. Erweiterung des Hafens von Haifa. Aus Jerusalem (23. Juli): Die Palästina- Regierung hat veranlaßt, daß mit Bauarbeiten für die Erweiterung des Hafens von Haifa sofort begonnen wird. Im Hafen sollen gleichzeitig 10 Schiffe, anstatt wie bisher vier, landen können. (J. T. A.) Wieder ein Araber wegen Ermordung eines Juden zum Tode verurteilt Aus Jerusalem: Das Gericht verurteilte den Araber Abdullah Ismain wegen Ermordung des Juden Israel Lachman in Ramat Gan bei Tel-Aviv zum Tode. Der Mord geschah im Jänner d. J. Die Einwohner von Ramat Gan wurden um Mitternacht durch das Schreien der alten Mutter Lachmans aus dem Schlaf geweckt. Diejenigen, die in Lachmans Haus eilten, fanden ihn in einer Blutlache auf dem Boden liegend tot auf. Seine Frau lag schwer verletzt neben ihm, die drei Kinder des Ehepaares saßen nehen ihren Eltern und jammerten. Als Frau Lachman wieder zum Bewußtsein gebracht wurde, sagte sie aus, daß Abdullah Ismain, der eine Zeitlang bei ihnen beschäftigt war, dann aber entlassen wurde, mit einem Komplicen ins Haus drang und auf ihren Mann mit einem Dolch einstach. Als die Frau ihrem Mann zu Hilfe eilte,, wurde sie ebenfalls niedergestochen. Die Polizei verfolgte die Fußspuren der Mörder und stieß auf Abdullah Ismain und Abu Assad. Beide wurden verhaftet. Abu Assad gestand seine Teilnahme am Morde und sagte aus, Ismain habe ihm gesagt, er wisse, daß Lachman eine große Summe Geldes im Hause aufbewahre, ein Raub würde sich lohnen. (J. T. A.) Neue hebräische Tageszeitungen in Palästina Aus Jerusalem: Anfang August beginnt unter der Leitung von A. Drujanow eine neue hebräische Tageszeitung als Organ des Welt Verbandes der Allgemeinen Zionisten zu erscheinen. Vor kommendem Rosch-haschanah beginnt in Tel- Aviv eine orthodoxe Tageszeitung unter der Redaktionj von Gedalja Bublik zu erscheinen. Die vor kurzem unterbrochene revisionistische Gcneralvcrtrieb: C. H. Slglc, Wien VIII, Jotertfädterstrafla 89 waren seiner teilhaftig; die übrigen, die Masse, blieb im Dunkel und verehrte andächtig jene Besitzer der Weistümer. Erst das Judentum machte die Wissenschaft, oder richtiger die Thora (Thora ist ja der Oberbegriff, der die Wissenschaft unter sich faßt), zur Sache der Allgemeinheit. Wer sie erwerben will, darf sie erwerben. Die Worte der Thora wurden mit Wasser verglichen, die von der Höhe ins Tal fließen. Wasser kennt keine Höhen und ist stets eine glatte Fläche, und wahres Wissen sollte das ganze Land erfüllen wie Wasser, wie Meer. Dies ist die wahre jüdische Absicht in der Welt des Geistes; die Geisteskultur zum gemeinsamen Besitztum des Volkes zu machen, damit es in diesem Bezirk nicht mehr groß und gering gebe. Esra begann damit sofort, nachdem er ins Land gekommen war, indem er eine Einrichtung zur Verbreitung der Thora traf: die dreimal wöchentliche Thora-Vorlesung. Bekannt ist ein Satz der Weisen zu dem Schriftwort: „Sie wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser." — „Wie es unmöglich ist, drei Tage ohne Wasser zu bestehen, so kann Israel nicht drei Tage ohne Thora bestehen." Deshalb setzte Esra die Thora-Vorlesung ein. Bis zu seinen Tagen war die Thora Besitz der, Priester und verborgen in den Tempelhallen gewesen; Esra, der Schreiber, machte sie zum Besitz der Nation. Und am Montag, Donnerstag und Sabbat, den Versammlungstagen, fand sich das Landvolk in der Stadt ein, um von seinen Lehrern Thora zu lernen. Die Weisen lasen sie vor, übersetzten, erklärten und deuteten sie, nicht nur die geschriebene Lehre, sondern auch die mündliche — das, was von solcher mündlichen Tradition zur Thora bis zu Esras Zeit schon bestand. Nun die zweite Absicht: Sie ist keine andere, als für Israel die uns so teure Einrichtung von festen Zeiten für das Studium zu erneuern. Bei uns hört ja Studium nicht mit dem Nachhausekommen aus dem Lehrhaus auf. Kein anderes Volk kennt ein Gebot wie dies: „Du sollst über sie sinnen Tag und Nacht". £s aolltfi stieb ääx wutera« pa M feffud äum Tageszeitung "Hajarden" soll demnächst unter der Redaktion von Gedalja Bublik zu erscheinen. Ende Juli erscheint in Tel-Aviv die erste Nummer des illustrierten Zweiwochenblattes „Sularaith" unter der Redaktion von D. Kimchi. (J. T. A.) Wedgwood — der vornehme Imperialist f. Der Judenfreund und Zionist Von Meir Großmann Wir Juden haben keinen größeren Freund als Wedgwood. Er ist aufrichtig und konsequent. Seine ganze politische Tätigkeit ist seit Jahren auf die jüdische Sache eingestellt. Neunzig Prozent von Wedgwoods berühmt gewordenen Interpellationen im englischen Parlament sind dem jüdischen Problem und der Lage in Palästina gewidmet. Ein hervorragender Kämpfer fürs jüdische Recht! Einer der wenigen Ehrlichen und Gerechten, die noch auf Gottes „christlicher Erde" geblieben sind. Offiziell gehört Wedgwood der sozialistischen Partei an. In Wirklichkeit ist er bis heute der alte unabhängige Liberale geblieben, getreu den Traditionen der englischen konstitutionellen Demokratie. Die Fraktionsdisziplin der Labour Party zwängt ihn nicht sehr ein. Der Klassenkampf gilt ihm nichts. Es sind ihm auch die Zweideutigkeiten der heutigen englischen Parlamentsführer, wie Passfield und Henderson, fremd. Bis heute verläßt sich Wedgwood mehr auf seinen gesunden Menschenverstand, und Instinkt als auf Formeln, die geschaffen wurden, um die wahren Hintergründe der Dinge zu verdecken. Oft klingen seine Worte über Recht und Gerechtigkeit wie Anachronismen. Wenn er wegen der heiligen Pflicht des großen englischen Volkes spricht, die Verfolgten und Schwachen zu schützen, lächelt man ironisch in allen Winkeln des Westminster-Palais. Nicht umsonst herrscht heute in England — wie in ganz Europa — eine „realistische" Mentalität: „Mensch, denk' zuerst an dich!" Und man hat oft auf die Appelle Wedgwoods die Antwort gehört: „Es ist nicht Englands Sache, sich, in die „souveränen Rechte" anderer Staaten einzumischen, um die Juden zu verteidigen. Es ist wirklich komisch: Großbritannien soll ausgerechnet Juden schützen ... * Es wäre sehr gut für den Zionismus, wenn Wedgwoods Einfluß proportioneil wäre zu seiner Popularität in den politischen Kreisen. Leider ist dies nicht der Fall. Etwas anderes ist es, einen Menschen gern zu haben, und wieder etwas anderes, seinen Worten Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist eben das Schicksal der „Freunde des Zionismus". Man läßt „mit Sympathie" seinen ritterlichen Kampf für jüdisches Recht und einfach für Gerechtigkeit zu. Es gelingt ihm oft, im Parlament Aufregung hervorzurufen. Ernste Blätter drucken seine „Briefe an die Redaktion", seine Artikel, sogar seine Appelle ab. Aber nur bis hieher und nicht weiter! Zu einem wirklichen Einfluß auf den Gang des politischen Geschehens kommt es nicht. * umammmmmammmmmmmmamBmmnmmmmammamaammmmmmmm anderen Volke ein solchermaßen in seiner Grundlehre selbst verwurzeltes Gebot bestände. Natürlich gilt das Gebot nicht für jeden Menschen in wörtlichem Sinne, aber je nach Können ist jeder Jude verpflichtet, täglich einen Teil seiner Zeit der Thora zu widmen. Wer auch' dies nicht ermöglichen konnte, hatte wenigstens ein Minimum zu leisten, das Schmah-Gebet. Die drei Abschnitte des Schmah-Gebets enthalten drei wichtigste Grundlehren, die größten Glaubenssätze des Volkes. Erstens: Die Anerkennung und Unterordnung unter die himmlische Herrschaft, einer leitenden Macht, einer sittlichen Lebensordnung, die durch den ethischen Zielgedanken, den Gottesgedanken, dem Leben einen Sinn gibt. Zweitens: die Anerkennung und Unterordnung unter Thora und Gesetz, das Gebot zu Studium und guten Werken. Drittens: der Gedanke der Freiheit, des Auszugs aus Aegypten. An diesen drei großen Gedanken erzog sich das Volk. Und täglich sollte jeder Jude ihrer gedenken und durch jene minimale tägliche Verbindung mit der Thora an sie erinnert werden. Wer aber mehr vermochte, dem war die Pflicht auferlegt, sich täglich festgesetzte Zeiten für die Thora zu bestimmen. Ja, vor dem himmlischen Gerichtshof, vor dem Richterstuhl der Geschichte ist die erste Frage: Hast du in Redlichkeit gehandelt und gewandelt?; die zweite Frage aber: Hast du dir Zeiten für die Thora festgesetzt? — Unsere Stadt Tel-Aviv ist noch sehr jung. Ihre Sünden und Fehler sind vielleicht nur geringe. Sie wissen: „Zoar", die Geringe, entging dem Schicksal von Sodom und Gomorrha, weil es eine junge Stadt, mit geringen Sünden, war. Andererseits sind auch die Verdienste unserer Stadt noch gering. Sie hat noch kaum gute Werke aufzuweisen. Auch in geographischer Beziehung ist Tel-Aviv eine „gefährdete" Stadt, eine Küstenstadt, Nachbarin und Fortsetzung Jaffas, das ebenfalls keinen guten Namen in der Geschichte hat. Vielleicht erinnern Sie sich der ersten Erwähnung d«T Stadt Jaffa bei dem ägyptischen Reisenden. 15? «Qfcikkrt. sio als SUdt xoil Gewalttat umi Betrug, de*

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