Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 483 (26.7.1935)
- Date
- 1935-07-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 483 DIE NEUE WELT Seite 3 ttotkekstuefd Ein Fehlgriff „Das Mandat war eine ideale Methode für die Behandlung eines neuen menschlichen Froblcms, aber in seinem eigentlichen Sinn hat man ihm nie eine Verwirklichung schance gegeben. Das in ihm aufgestellte Ziel wurde niemals, weder in bezug auf die Einwanderer, noch auf das Territorium, ehrlich ins Auge gefaßt. Die Trennung Transjordayiicns von seiner einzigen Küste war und bleibt ein wirtschaftlicher Fehlgriff erster Ordnung," Jacob de Haas in „Near East and India". Nacht erfüllter Wunsch „Ich gebrauche hier (Franzensbad) eine Herz-Kur. Meine Mutter weiß nichts davon, glaubt, ich sei zum Ausruhen hier. — Macht keine Dummheiten, während ich tot bin ..." Th. Herzl an D. Wolffsohn, 1904. Aus „Zionistische Schriften Theodor Herzls", letzter Band. Jüdischer Verlag, Berlin, 1935. Nafi'onalbewußties Volk „Das Alte Testament zeigt uns, daß nicht nur der Mensch, sondern daß ein Volk unter Gott zu stehen hat. Im Neuen Testament ist von „Volk" so gut wie gar nicht die Rede. Das lag an der Zeit, in der die Christenheit entstand. Es gab ein großes Reich, das römische, das viele „Völker*' umfaßte. Und die Christen gehörten nicht allein dem Reich der Römer, sondern recht verschiedenen Rassen und Völkern an. Anders i:n Alten Testament. Da ist ein uiirkliches, nationalbewußtcs Volk vorhanden. Und alle, Könige wie Propheten, Psalmsänger wie Priester, sind überzeugte Glieder ihres Volkes. Sie sind es auch dann} wenn sie dem eigenen Volk das Verderben verkündigen müssen —" Prof. H. W. Hertzberg (Marburg, Deutschland), 1935. Noch immer ungelöst „Es ist klar, daß das Flüchtlingsproblem durch eine private Organisation nicht gelöst werden kann. Nur unter dem Protektorat des Völkerbundes kann und soll das Problem sowohl der?'ussischcn, armenischen und assyrischen als auch der deutschen Flu ch tlintjc einer Lösung zugeführt werden." Völkerbundkommissär J. MacDonald in einer Sitzung des Verwaltungsrates für die deutschen Flüchtlinge, Juli 1935. Die linken Früchte „Die Linken bemühen sich, dem Land ihre Diktatur aufzuprägen. Zudem haben sie eine ihrer Jugendgruppen (den ,Haschomcr Hazair'J so erzogen, daß diese ihnen, den Erziehern, selbst eine harte Nuß aufzuknacken geben und ihnen zeigen wird, toas Opposition heißt." Der Misrachist H. Farbstein in einer Rede Juli 1935. Etwas für die Wiener Ravag „Auf Initiative des Brit Ivrit veranlaßt das Prager Radiojournal eine Relation, gewidmet dem jahrseitlichen Gedenken des größten hebräischen Dichters Ch. N. Bialik. Es findet ein tschechischer Vortrag der Frau Dr. Eva Schapizo statt und hebräische Rezitationen von M. Bronzaft aus den Werken des Dichters." Prager Meldung. Hebräische Feiern „Die hebräisclve Universität in Jerusalem wird Gedenkfeiern anläßlich der 50. Wiederkehr des Todestages des französischen Dichters Victor II u g o und zum Jahrestag der großen baktenologischen Entdeckungen von Professor Pasteur veranstalten. ' Palästinensische Presse. Folgen der Assimilation „Die jüdische Religion als soziale Institution verliert ständig ihren Einfluß auf die Fortdauer der jüdischen Gruppo in Amerika. Eine große Anzahl von jüdischen Siedlungen existiert ohne Gemeinden; die kleinstädtische und ländliclw Bevölkerung ist fast gänzlich religionslos, wenigstens in bezug auf die Ausübung des Kultus. Wenn sich diese assimilatorischen Bewegungen ungehindert weiter entwickeln, können sie den totalen Untergang der jüdischen Religion in den Vereinigten Staaten zur Folge iiaben." „American Journal of Sociology" (Juli, 1935). Das infolge schlechten Wetters verschobene Gartenfest des jüdischen Wehrsport- und Schützenvereins Haganab findet nunmehr Samstag, den 27. Juli 1935, um 8 Uhr abends in Ossigs Etablissement im Augarten, Eingang gegenüber Rembrandtstraße, statt. Jazz, Tanz im Freien. Gäste herzlich willkommen! Arbeitende Menschen wissen, daß zu erfolgreicher Arbeit bester Kräftczustand, ruhige Nerven, gute Stimmung notwendig sind. Zur Kräftigung des Körpers, zur Behebung von Mattigkeitsgefühl gibt es ein zuverlässiges Mittel: DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Bestes Einreibemittel, hervorragend zur Mund-, Zahn- und Rachenpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken. In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sio nur „DIANA". Minderwertige. Nachahmungen sind energisch ssurückasuweisen, Japanisches Dumping bedroht Palästina Jüdische Seidenfabrik muß schließen. — Die ungünstigen Zollsätze. — Japanisches Seidenhemd keväet 1 Schilling. — Radikale Aendcrung erforderlich. Wir hatten bereits einigemal Gelegenheit, auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die der jungen jüdischen Industrie Palästinas durch die Ueberschwemmung des Tandes mit japanischen Industrie-, insbesondere Textilwaren drohen. Entscheidend für diese schlimme Lage ist der Mangel eines den Verhältnissen des Landes angepaßten Zollsystems. Die Palästina-Regierung berücksichtigt nicht die Interessen der heimischen Industrie. Ja, mehr noch! Durch die niedrigen Zollsätze ermöglicht sie den industriell hoch entwickelten Ländern, ihre Artikel konkurrenzlos auf den palästinensischen Markt zu werfen. Die Folgen wirken sich natürlich katastrophal aus. „Palnews'* meldet hiezu u. d. 22. Juli folgendes: I In einigen Tagen wird die Seidenfabrik „Mesh i" Silk Mills von Saks & Söhnen in Ramat-Gan geschlossen. Den 120 dort beschäftigten Arbeitern wurde die Entlassung ab 21. Juli bereits mitgeteilt. Die Seidenfabrik „Meshi" ist der am besten ausgestattete und modernste Betrieb dieser Art nicht nur in Palästina, sondern im Nahen Osten. Saks & Söhne befaßten sich seit langem mit Seidenproduktion in den Vereinigten Staaten. Bei der vor zwei Jahren erfolgten Gründung ihrer Fabrik in Ramat-Gan statteten sie sie zu einem großen, modernen Betrieb mit qualitativ hochstehender Produktion aus. Sie investierten pal. Pf. 82.000, und im Gegensatz zu vielen Industrieunternehmen Palästinas verfügten sie über eine vieljährige Erfahrung auf diesem Gebiet und über ein beträchtliches Betriebskapital. Jedoch infolge des japanischen Dumping, von dem mehrere Wirtschaftszweige Palästinas betroffen wurden, insbesondere aber die Seidenproduktion, mußte der Betrieb eingestellt werden. Es ist von Interesse festzustellen, daß der japanische Gesamtexport nach Palästina von etwa pal. Pf. 5000 im Jahre 1926 auf über pal. Pf. 500.000 im Jahre 1934 gestiegen ist. Die Seideneinfuhr aus Japan nach Palästina, die im Jahre 1930 kaum pal. Pf. 1000 im Laufe eines J a h r e s erreichte, stieg in den letzten vier Jahren bis auf über pal. Pf. 10.000 im Monat — im Jahre 1934. Die Seidenfabrik „Meshi" setzte ihre Erzeugnisse in Palästina, Syrien und zu einem geringen Teil in Cypern ab. Nach Einsetzen des japanischen Dumpings ging der Absatz stark zurück, trotzdem die „Meshi"-Erzeugnisse qualitativ unvergleichlich höher stehen als die japanische Seide. Nach einem Verlust von etwa pal. Pf. 10.000 im ersten Tätigkeitsjahr, Juli 1934 bis Juli 1935, beschlossen die Unternehmer den Betrieb bis zur völligen Aenderung der Bedingungen einzustellen. Es ist bemerkenswert, daß die palästinensische Seidenproduktion vor der japanischen Konkurrenz weniger beschützt ist als alle anderen Länder. In den Nachbarländern z. B., wie Syrien und Aegypten, ist der Einfuhrzoll für Seide dreieinhalbmal größer als in Palästina. Die Zollverhältnisse für fertige Kleidung, Wäsche usw. sind noch ungünstiger. Der Zollsatz für diese Waren beträgt 20 Prozent vom Wert; so daß der palästinensische Markt von billigen Seidenhemden und Seidenwäsche aus Japan, fertigen Seidenkleidern aus Amerika, Tschechoslowakei und Deutschland überschwemmt ist. Vor einigen Tagen wurden z. B. im Schaufenster eines Tel-Aviver Ladens japanische Seidenhemden Um S 98.— zum Kongreß nach Luzern Fahrt Wien-Wien im Autocar, ab Wien: 18. August, an Wien 28. August Verpflegung u. Nächtigung während der Fahrt im Preise inbegriffen. Reisebüro MOND1AL, Wien I, Kärntnerring 12. Telephon U-40-301 Die Judenpolitik der ägyptischen Regierung Aus London wird berichtet: Vor einem Publikum von Gelehrten sprach in der Royal Asiatic Society in London bei einer Maimonides-Feier Professor A. S. Y ah u d a über „Maimonides, der Philosoph und Arzt, seine Zeit und seine Bedeutung". Den Vorsitz führte der ägyptische Gesandte in London, Hassan Sabrey Bey. In seiner Ansprache unterstrich er die Tatsache, daß die 800. Wiederkehr des Geburtstages von Maimonides in Aegypten unter Beteiligung der ägyptischen Regierung, der Universität und vieler literarischer und wissenschaftlicher Gesellschaften mit besonderer Feierlichkeit begangen worden sei. Aegypten sei das Land, in dem Maimonides den größten und fruchtbarsten Teil seines Lebens verbracht habe. Christen, Mohammedaner und Juden, die die verschiedensten Richtungen innerhalb ihrer Gemeinschaft vertreten, haben aich zusammengefunden, um Werk, und Verdienst eines Mannes zu feiern, der selbst seine Religion am strengsten beobachtet habe und doch zur gleichen Zeit ein großer Denker gewesen sei, der doch über allen religiösen Verschiedenheiten gestanden habe. Wenn Maimonides in der Lage gewesen ist, seine ungewöhnlichen Fähigkeiten auf so vielen Gebieten zu entfalten und beim Hofe des Sultans so sehr angesehen gewesen ist, so liegt das hauptsächlich an der großen religiösen Toleranz, die der Sultan Saladin gezeigt habe. Diese Tatsache und daß zu jener Xeit Mohammedaner, Juden und Christen zum Wohle ihres Heimatlandes und für den Fortschritt von Wissenschaft und Kultur zusammenwirken konnten, erfüllt mich und meine Landsleute mit Stolz und Befriedigung. Und das ist es auch, was den Feiern zur 800. Wiederkehr des Geburtstages von Maimonides in meinem Lande eine besondere Bedeutung verleiht. Ich bin glücklich, zu sagen, daß Billige Sonderfahrten nach Polen und (zernowitz Abfahrten: Sonntag, 28. Juli, 4., II., 18. und 25. August. Rücklahrten am 4. August, 1. und 15. September. Nach Zakopane v , zu den Bergfeste-Feiern vom 4. bis 11. August 70 Prozent EisentahncrmatSigung. Fo nisches Visum gratis. .„.„,. ReisuDÖro „FRANCOPOl", Hl., tfennweg I.Telephon U-IP-4-90 zum Preise von 40 Müs (1 österr. Schilling) das Stück ausgestellt. Jede3 neue Muster einer palästinensischen Fabrik wird von geschäftigen Importeuren nach Japan geschickt, so daß in zwei bis drei Monaten von dort dasselbe Muster zu einem geringeren Preise eintrifft, als der palästinensische Produzent für das Rohmaterial bezahlen mußte. Auch die Einfuhr von Kleidungsstücken stieg in erschreckendem Maße, von 386.980 Pfund im Jahre 1933 auf 583.870 Pfund im Jahre 1934. Die Schließung der „Meshi"-Fabrik, eines der wichtigsten und größten industriellen Betriebe des Landes, ist zweifellos ein ungünstiges Symptom für die Wirtschaftslage und wird in den Wirtschaftskreisen des Landes zu schwerer Besorgnis Anlaß geben. Dasselbe Schicksal bedroht eine ganze Reihe von industriellen Betrieben, die von der billigen Einfuhr und vom Mangel an geeigneten Schutzzöllen betroffen werden, wenn nicht rechtzeitig eine radikale Aenderung in dieser Hinsicht herbeigeführt werden sollte. Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.49 in Aegypten heute die gleichen Voraussetzungen des Zusammenlebens herrschen wie zur Zeit von Maimonides, (J. T. A.) UngarBsdi?paIästinensisdie Handelskammer Aus Budapest. (23. Juli.) Unter dem Vorsitz de3 Direktors der landwirtschaftlichen Landeskammer, Staatssekretär a. D. Dr. Michael Koos, fand in Budapest die konstituierende Versammlung der ungarischpalästin e'nsischen Handelskammer statt. In einem Expose wurde auf die steigende wirtschaftliche Bedeutung Palästinas für daa östliche Mittelmeergebiet hingewiesen. Ungarn habe bisher die Absatzmöglichkeiten in Palästina nicht entsprechend berücksichtigt. Jetzt könne der Transport von Gütern aus Ungarn nach Palästina zu vorteilhaften Bedingungen auf den neu in Verkehr gestellten Dampfern, die Budapest mit den Häfen des Mittelmeeres verbinden, auch ohne Umladung erfolgen. Das Präsidium der Kammer soll dem Handelsminister a. D. Johann B u d angeboten werden. Bei den vorgenommenen Wahlen wurde deshalb die Präsidcntcnstelle nicht besetzt. Zu Vizepräsidenten der Kammer wurden Staatssekretär a. D. Dr. Michael Koos, Ludwig E r d ö h'e g y i, Doktor Kornel K c 1 e t i und der Präsident der ungarisch-israelitischen Landeskanzlei, Hofrat Samuel Stern, gewählt. (J. T. A.) Cypern anslafö Palästina „Palnews" meldet aus L a r n a c h (Cypern): Ein neues Unternehme», und zwar für Export bestimmter Flachsanbau, ist hier?» Entwicklung begriffen. Ein Zionist aus Berlin, Herr B r n u d c, baut auS einer ziemlich ausgedehnten Boden fläche Fluchs au «iVii errichtet eine Fabrik für die Reinigung von Flachs. Wie wir erfahren, hatte Herr Brande vor «tw» eineinhalb Jahre», bevor er nach Cypern ging, als Zion i s t die Absicht, sein Unternehmen in Palästina einzurichten. Er wandte sich an die Zionistische Exekutive, fand aber dort kein Interesse für »eine Pläne. Infolgedessen verließ er das Land. Wir erfahren, daß die Palästina-Regierung neuerdings für das Unternehme» vn» Herrn Rr\ude Inlerc.ie hat. Ri ist nicht -iusgesehlossen, daß Herr F.raude im nächsten Jahr seine Tätigkeit nach Palästina verlegen wird.