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Die neue Welt · 1935-07-19 · Heft 481 (19.7.1935) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 481 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Kr. 481 DIB NEUE WELT Seite 7 Leopold Si'txmanns 70« Geburtstag Zu den Menschen unseres Kreises, die auf ein reiches zionistisches Leben zurückblicken können, gehört Leopold Sitzmann, dessen 70. Geburtstag in diese Ta^e gefallen ist. Im Jahre 1898, zur Zeit, da Herzl seinen politischen Zionismus konzipierte, gründete Sitzmann mit Dr. Nathan Birnbaum (Matthias Acher) den unentgeltlichen Arbeitsnachweis, ein für den jüdischen Stellensuchenden wichtiges Institut. Rührig und voller Initiative nahm ßitamann an der Wehrhaftmachung der A. V. Kadim a h lebhaften Anteil, ebenso wie an der Gründung der Hasmonea fCzernowitz) und der Rede- und Lesehalle (Wien). Es ist Sitzmanns besonderes Verdienst, sich sofort an Herzls Seite gestellt und mit ihm gearbeitet zu haben. Als Sekretär des Wiener Büros in der Kongreßzeit, Kongreßdelegierter, Mitglied des österreichischen Landeskomitees und Distriktskomitees, wirkte Sitzmann propagandistisch und administrativ für die Bewegung, innerhalb welcher sieb, die Gründung der demokratischen Fraktion unter Weizmann vollzog. 1907 war Leopold Sitzmann Schriftführer des Nationalvereins für Oesterreich, während des Weltkrieges Mitglied des zum Schutz jüdischer Interessen gebildeten Jüdischen Nationalrats. Seit 14 Jahren ist Sitzmann Bezirkaobmann im 16. Bezirk. Frühzeitig nach Wien gekommen, wirkte Leopold Sitzmann, den die Judenstaatspartei Oesterreichs als einzigen zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hat, in unermüdlicher Frische, als Jünger Theodor Herzls, als Zionist der alten Garde, der in allen zionistischen Kreisen Freundschaft, Wertschätzung und Achtung genießt. Umgruppierung Von Meir Großmann (Tel-Aviv) Es ist falsch, zu behaupten, daß bei uns, in den zionistischen Reihen, nichts anderes herrscht als Zerstörungsgeist und Zwistigkeitsficber. Man muß die Sache historisch betrachten: Wir befinden uns in einem Prozeß der Kristallisierung und Konsolidierung. Wir sind Zeugen einer Umgruppierung, die erst begonnen hat. Diese ist nicht zuiällig, wie manche meinen. Sie widerspiegelt die neuen Stimmungen und Kräfteverhältnisse im Zionismus. Zionistische Parteien spalten sich, nicht weil die Führer untereinander in Fehde geraten sind, sondern weil eine gewisse Etappe ihres Zusammengehens und gemeinsamen Kampfes abgeschlossen ist. Der Zionismus selbst hat sich geändert. Er ist realer, dichter, verantwortungsvoller geworden — nach innen und außen. Diesem Umstand muß man Rechnung tragen. Wir haben keinen Grund, über Spaltungen Tränen zu vergießen. Es ist dies ein normaler Prozeß, der heißt: Umgruppierung der Kräfte, * Wenn man das betrachtet, was jetzt bei den zionistischen Parteien vorgeht, und besonders, wohin ihre weitere Entwicklung geht, so findet man hierin die Gesetze der Natur: das Fremdartige, Kranke und Lebensunfähige muß verschwinden, die Zukunft gehört dem Jüngeren und Gesünderen. Der separatistische Revisionismus mußte die Zionistische Organisation verlassen. Er mußte sich vom engen Rahmen der nationalen Disziplin befreien, um draußen in der großen Welt „unbegrenzte Möglichkeiten" zu suchen. Sein national gesinnter Teil allerdings ist nicht mitgegangen. Er ist im „Staat unterwegs" geblieben, und die Judenstaatspartei strebt dahin, das zu schaffen, was dem ungeduldigen Revisionismus nicht gelungen ist: ein mächtiges und entschlossenes Zentrum, das nicht ewig „auf der Wacht" steht, sondern versucht* in den Kern der Dinge einzudringen — mitzubauen, mitzuarbeiten; den eigenen Weg von innen durchzukämpfen. * Der allgemeine Zionismus hat sich in den letzten zehn Jahren als ein kranker Körper erwiesen, der von ewigen inneren Gegensätzen zerwühlt wird. Daß der eine Teil nach rechts, der andere nach links gerissen wurde, wäre noch kein Unglück gewesen. Es regten sich aber andere Kräfte und vor allem ökonomische Interessen, die ihre Auswirkung in der palästinensischen Wirklichkeit gefunden haben. Das Zusammenleben der beiden Antipoden sah grotesk und abnormal aus. Die Differenzierung mußte kommen. * Nicht viel klarer sieht es bei den linken Machthabern aus. Die großen wirtschaftlichen Interessen, die wunderbare Organisation und der starke Beamtenapparat halten die linke Gruppe im Zionismus noch fest zusammen. Aber der D i tf e r e n z i e r u n g s p r o z e ß hat auch bei dieser Gruppe schon zu wirken begonnen. Unter dem breiten Dach der „Histadruth" kämpfen bereits verschiedene ideologische Richtungen und Parteikräfte gegeneinander. Dio gegensätzlichen Tendonzen werden immer krasser; wer weiß, ob zwischen Ben Gurion und dem „Haschomer Hazair" (linksradikale Jugendorganisation) dio Ansehauuugsdifferenzen nicht tiefer sind als zwischen den A- und den B-Allgemeinen. Es wirken hiebei verschiedene Momente mit. Die ältere Generation der Arbeiterführer wie auch ein Teil der Geführten ist im Verlauf der Jahre ruhiger, gesetzter — ich möchte sagen — breit-behaglicher geworden. Sie haben die kämpferische Epoche ihres Lebens beendet und wollen das, Avas sie erreicht haben, genießen. Diese Behaglichkeit und Komfortabilität verlangt Ruhe im Land und in der Gesellschaft. Sie würden gerne Frieden und Beschaulichkeit sehen; im Alter auch ein bißchen Vergnügen haben vom Zionismus. Schließlich sind sie doch immer Zionisten - Sozialisten, d. h. vor allem Zionisten gewesen. Die Jungten hinwiederum lechzen gerade nach Kampf, noch Sturm und Drang. Sie sind in erster Linie S o z i a 1 i s t e n. Sie stehen unter starkem Einfluß von Kommunismus und Sozialismus. Wozu sollen wir — dahin geht ihre Uebe.-legung — unsere Zeit damit verbringen, den Kapitalisten ein nationales Heim zu schaffen und dann erst die niederreißende soziale Revolution schaffen? Vielleicht kann man gleich mit dieser beginnen! **>t <**?»*Pte,a °»c/>i «fl 98 •n\V>* Ä**\*\<ft , *f$n$*f& «*^U\«V* **»/., ^ß^^t4^>x - ^w^^ ^*?&&&JkS>i */, ^»v - V >\^$o' 'e«fl/ -^Ä» ~s*t* n »<£^> a"f ~ Pfett^atf ' S m *>. 2*> ' *<;.... * f»it 'Z***3* *.+ „ '"--ä,„, ... ß<°>:r^s>r * *'•* /•'» SenJ.. °9„ "ft-ir ,0«»«. » f »> ^^?C8/^ ^2 *. ^'fc'^cw, j*#rA~ «•* ,t ennj »*•*?«*. "* *•!^S* Z'^<>Z%^,e"°<^,, £-* *. V \»>s^.5 tn v* <^!pWlfi ..^"onSS?' ss^-^V* *M»h2iN»i. «, *^Ata***fi * */«rf,fl Vr^V **Uf '*«o>^ _ '-«V"»*,,.„; .' ••«.*, °*A *^A/re QsL'Qia * ^.iv ^v^f^. .;%>C;/; ^V^>//o^. **J,so -c/}e/, * ts&ss*' *4$&>^ "*•'«»■.„ S'nü.,: < >!>'•<• >f. ,"0«»» '""""tittf'ii'i?'* '"••<>«..! *«■ t, £ n - O». '""»-S»., T»M.l?>*tf'l>""'»« Ä> . °<*. »>•(, Xss3sfr^2£'5s?fr ^•SP"»*"^»»*' sc^'o^tei '«fe^Vi S^^>^ Se. er V^cv^w::^^ otfe; ^«-'^^^s u. «e«. •'»"«t. **'Hrl •fl-rit '»< Pe*-A /°eo*e.»r J5r-„ ^W.!» *°*e ^s*'*'»* Ä. *« •- ^t&*r''* * j*> ^r*" ' s /•% s 2" * .>cfe^a ' Mä»ä°'w / £.!t Äi<6Be*. ev> "Ir ^f^fla ^ag*. $3*s J-* fo;s «o>' s^l:r^:,„ e" " «>^^K§3'» <^<-8 «itM&t*\ s£&hifiro*c&**am * *efl, "'W'* Sm'«'oC as-?™ "Vreta >♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦»♦< s2jso AAAAAAAAAiAAAA ▼▼▼▼▼▼▼▼WWWVWW Der „Haschomer Hazair" und die linke „P o a l e Z i o n" sind vor allem Sozialisten, in zweiter Linie Zionisten. Ihre Führer wollen sich ausleben; wollen beweisen, was sie können. Die Alten verstellen ihnen den Weg und nehmen die entsprechenden Stellen ein. Darum kämpfen sie und verlangen vor allem Taten. Von daher rühren also nicht nur das theoretische Predigen des Klassenkampfes, sondern auch die ersten Schritte lüezu. Nicht geringer ist die Wirkung der Ökonomischen Bedingungen. Die einstigen Revolutionären, die „nichts außer Ketten zu verlieren" hatten, sind allmählich Besitzer von Häusern, Grundstücken usw. geworden. Solch eine Situation bringt es mit sich, daß man kälter und vorsichtiger wird. Die neuen Einwanderer aber leben noch in Baracken, leiden Ungemach, Not und Hunger, Indes Ihre Führer schon in Salons verkehren und ho bei den Jungen böses Blut machen ... Die „Bourgoisierung" eines Teils der Arbeiter und der wachsende Extremismus der andern tun das Ihrige; sie verschärfen die Anschauungen. Der Tag ist nicht weit, an welchem der Differenzicrungsprozeß im linken Lager wirksam werden wird. Wieder werden die. erfahrenen „Realpolitiker" eines Tages von den „Revolutionären" verlassen werden. Die Um g r u p p i e v ü n g ist die Forderung der neuen Epoche Im Aufbauprozeß. Wenn sie zu Ende ist, wird wahrscheinlich eine neue Kraft im Judentum entstehen, ein Bund aller, die auch im grauen Alltag die Möglichkeit für nationales Schaffen und Wirken finden. Wochen-Kalender Juli 1935 non n'snn Tamus 5695 Freitag 19 18 Sabbateingang 7.45 Samstag 20 19 Sabbatausgang 8.45 Sonntag 21 20 Montag 22 21 Dienstag 23 22 Mittwoch 24 23 Donnerstag 25 24 Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wann. — Erstklassiges Restaurant und Caf6. — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Eröffnung 15. Mai, Bis 15. Juni billige Vorsaisonpreise.

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