Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-07-19 · Heft 481 (19.7.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 481 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712105--5201-2718786
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 DIB NEUE WEH ~~ Na ist Allgemeine Versicherung«- Gesellschaft Phönix Die Generalversammlung der Gesellschaft fand fim 11. Juli & J. statt. Die Prämieneinnahme pro 1934 erreichte 49,963.453.88 Schilling, die Schäden (bezahlte und reservierte') erforderten 26,269,014.73 Schilling. Der Reingewinn beträgt 582.440.09 Schilling und wird zur Dotierung von Rücklagen, und zwar Vortrag auf neue Rechnung verwendet. Die Herren Minister a. D. G. d. I. Carl Vaugoin und Generaldirektor Hofrat Ing. Otto Korwik wurden neu in den Venvaltungsrat gewählt. E Die HuIesKonzession Haifa. (Palnews.) Wir erfahren aus zuverlässiger Quelle folgende Einzelheiten über die bevorstehende Trockenlegung und Besiedlung des Hule-Gebietes: Die Palestine Land Development Company, die die Hule-Konzession erwarb, hatte bekanntlich Schwierigkeiten bei der Aufbringung der für die Trockenlegung und Besiedlung erforderlichen Mittel. Nach langwierigen Verhandlungen wurde der Vorschlag unterbreitet, daß der Keren Kayemet Leisrael (Jüdischer Nationalfonds) und die EMI CA (eine vom Emergency Fund, Jerusalem, und der ICA, Paris, gemeinsam gebildete Gesellschaft) als gleichberechtigte Partner das Hule-Gebiet übernehmen sollen, wobei die gesamte Investion, die auf etwa 500.000 pal. Pfund geschätzt wird, seitens der EMICA erfolgen soll. Wie wir erfahren, beschloß die EMICA, bevor durch eine genaue Untersuchung die Kosten der Trockenlegung festgestellt sind, keine endgültige Antwort auf diesen Vorschlag zu erteilen. Die EMICA beauftragte das Unternehmen von Rendel, Palmer und Tritton, London (welches den Haifaer Hafen gebaut hat), eine gründliche Untersuchung des Hule-Gebietes vorzunehmen und einen Trockenlegungsplan mit Kostenanschlag auszuarbeiten. Die Ingenieure des Londoner Unternehmens haben ihre Tätigkeit am Ort mit Hilfe von .palästinensischen Landmessern und Arbeitern bereits begonnen. Die Fertigstellung des Planes wird gegen Jahresende erwartet. Eine palästinensische Gesellschaft für Pefroleumhandel Tel-Aviv. (Palnews.) Auf Initiative von Herrn Javetz, Direktor der Agricultural & Building Bank, Ltd., ist hier die Gründung einer Gesellschaft für Petroleumhandel erfolgt. Die Gründer sind die Herren Javetz, Oredinger, Popp, Tuvim, Z. Jacobsohn und M. Chankin. Das registrierte Kapital beträgt 200.000 Pfund, davon wurden bisher 40.000 Pfund eingezahlt. Die Ursache dieser Gründung liegt in der Tatsache, daß Palästina, im Gegensatz zu anderen Ländern, keine eigene Petroleumgesellschaft besitzt und der gesamte Petroleumhandel sich in den Händen ausländischer Firmen konzentriert. Die neue Gesellschaft beabsichtigt, sich mit Import und Produktion von Petroleum zu befassen und einen verzweigten Handel im ganzen Lande zu betreiben. Wie wir erfahren, werden die Vorbereitungen zur Tätigkeit der Gesellschaft im Oktober dieses Jahres einsetzen. Die Gesellschaft wird mit ihrer Tätigkeit nach Einzahlung der ersten 100.000 Pfund beginnen. Protest gegen „OraenffExpreß" Aus Tel-Aviv wird uns berichtet: ' Seit einiger Zeit erscheint in Jerusalem die Tageszeitung „Orient-Expreß" in deutscher Sprache. Die leitenden Faktoren der deutschen Einwanderung in Palästina haben eine Protestaktion gegen die deutsch-jüdischen Herausgeber des Blattes unternommen. Dieser Protest hat auf den jüdischen Jischuw Palästinas einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Denn er erbrachte den Beweis, daß die verantwortlichen Führer der deutschen Einwanderung sich ernst um die kulturelle Verschmelzung der deutschen Emigranten mit den übrigen Bewohnern des Landes bemühen. In dem Protest bemüht sich die Hitachdut Ole Germania (Leitung der deutschen Auswanderung), die Gründe klarzulegen, welche die Unternehmer von der Herausgabe des „Orient-Expreß", bzw. zur Einstellung hätten veranlassen sollen. Es wird erklärt, daß auf jeden Fall in kurzer Zeit der Augenblick kommen müsse, wo eine deutschgeschriebene Zeitung für die deutschen Emigranten nicht mehr notwendig Bei, da die Hebraisierung dieses neuen Elements große Fortschritte mache und eB überhaupt Pflicht aller Palästinenser sei, die Sprache des Volkes zu erlernen, die auch die „Sprache unserer Väter" gewesen ist. HAFNERMEISTER SCHONWETTER Spezialist in Holzdauerbrandöfen, Ubernimmt alle einschlägigen Hafnerarbeiten. Lieferant der Israelitischen Kultusgemeinde mn V, drohgass* 19 ¥•!. AO5-9-10 Englischunterricht in Palästina. Aus London: Im Unterhaus fragte Colonel Josiah Wedgwood den Kolonienminister, ob Maßnahmen getroffen wurden, um den Kindern in den Elementarschulen Palästinas Englisch beizubringen. Kolonienminister Malcolm MacDonald erwiderte: Seit Beginn der englischen Okkupation wird in allen staatlichen Elementarschulen in den Städten Englisch gelehrt, In den arabischen Dorfschulen wird Englisch nur dann gelehrt, wenn der Umfang der Schulen oder andere Umstände es rechtfertigen. In den von der jüdischen Gemeinschaft kontrollierten städtischen Schulen wird Englisch unterrichtet, dagegen wird der Englisch-Unterricht in den Schulen der jüdischen Kolonien mit wenigen Ausnahmen nicht erteilt. Araber gegeneinander Aus Jerusalem: Die Zeitung „Meraat el Shark" kritisiert scharf das Programm der vom neuen Jerusalemer Bürgermeister gegründeten Arabischen Reform-Partei, welches fordert, daß die Regierung Beamte aus der Mitte der verschiedenen Gemeinschaften Proportionen zu ihrer Zahl im Lande ernenne. „Meraat el Shark" erklärt, diese Forderung stehe im Widerspruch zu den Beschlüssen des Arabischen Kongresses. Würde Dr. Khaldis Standpunkt durchdringen, so würden die Juden entsprechend der steigenden jüdischen Einwanderung mit der Zeit in der Beamtenschaft eine Mehrheit besitzen. Will — so schreibt die Zeitung weiter — Khaldl die jüdischen Rechte anerkennen, so müsse er das offen sagen, damit wir wissen, daß seine Partei gegen den Gedanken eines arabischen Staates ist. Palästinensische Agudah-Konferenz Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Konferenz def palästinensischen Agudas Jisroel (Trennungs-Orthodoxie) hat in ihrer soeben zu Ende gegangenen zweiten Session Beschlüsse gegen die Schaffung eines Legislative Council (Parlament) in Palästina und für Bereitstellung von Staatsböden zu Zwecken der jüdischen Kolonisation angenommen. Die Konferenz protestierte gegen die Beschränkung der Rabbiner- Einwanderung und forderte eine größere Einwanderung der Anhänger der Agudah. Die Konferenz beschloß Ausbau und Stärkung des Keren Hajischuw zwecks An« siedlung von Agudisten auf dem Lande. In Tel-Aviv wurde in Anwesenheit von Hunderten Delegiertinnen und Gästen die erste Konferenz der Bnoss Agudas Jisroel (weibliche Anhänger der Agudah) eröffnet, auf der die Gründung eines palästinensischen Landesverbandes agudistischer Erauen beschlos« sen wurde. Jüdische Volkttiedlungibank m.b.H. Palästina Ö"JD £KW* p»3 JVÖÖ0 fllWW? DJS Nachlath Binjaminstraße 63, Tel-Aviv Kaufen Sie ÄTttien von: Anglo-Palestine-Bank Hachscharath Hajischuw Geulah _ Bank Hapoalim__ und andere palästinensische Wertpapiere durch die Jüdische Volkssiedlungsbank m.b.H Doch Wahlbeteiligung Aus Warschau: Wie die J. T. A. gemeldet haf^, hatte der Zionistische Parteirat für Kongreß-Polen beschlossen, an den Wahlen zu Sejm und Senat nicht teilzunehmen, weil die neue Wahlordnung dl« Opposition und die Minderheiten, besonders die Juden, scharf benachteiligt. Demgegenüber hatte der: Misrachi alle bürgerlichen jüdischen Parteien und wirtschaftlichen Organisationen aufgefordert, keine Wahlenthaltung zu üben, vielmehr eine jüdische Einheitsliste zu büden. Es hat den Anschein, als ob nunmehr auch das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Polen seine negative Stellung zur Frage der Wahlbeteiligung ändern wird. Nach zuverlässigen Mitteilungen ist es zu einer Verständigung in dieser Hinsicht zwischen den drei zionistischen Zentralkomitees von Polen, dem in Warschau (Kongreßpolen), in Krakau (Westgalizien) und Lemberg (Ostgalizien), gekommen. Als zionistische Kandidaten für die Wahlen zum Sejm werden Adv. Hartglaß, Doktor Rosmarin und Rabbiner Rubinstein genannt, als Kandidaten für die Senatswahlen Dr. Thon und Oberrahbiner. Prof. Schorr. Jüdische Kunstlerspiele II., Praterstraße 34 (Tel. R-45-4-94)' Ab Samstag, den 20. Juli, täglich 3oel Kwatsch. Sonntag, den 21., halb 4 Uhr nachmittag«, ermäßigte Preise, Jüdische Kulturstelle Die Bürozeit der „Jüdischen Kulturstelle", deren Büros sich ab 1. August I., Franz-Josefs-Kai 3, befinden werden, wurde für die Sommermonate auf die Zeit von 249 bis 10 Uhr vormittags festgesetzt. — Karten für daa Theater in der. Josefstadt stehen den Mitgliedern zur Verfügung* _ Kluge Hausfrauen bevorzugen den delikaten, echten Schweizer käse Marke „Berna", AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER OK Stüberlpreise ^^^^O"^ Alt^WienimGrinzingerKeller. Tägl. Musik der Kapelle Auerbach' Konzert, Jazz. Stimmung Z Die schwarzen Juden von Abessynien Der bekannte Forscher Dr. Jakob Feitlo« witsch, der sich zur Aufgabe gestellt hat, die in Abessinien lebenden Fallaschas mit dem heutigen Judentum in Fühlung zu bringen, hat bereits mehrere Schriften über die schwarzen Juden von Abessinien veröffentlicht. Er weilt zurzeit in Rom, wo er folgende Erklärungen abgab: „Das Wort »Fallascha' bedeutet: emigriert, in Diaspora lebend. Es ist der Name eines abessinischen Stammes. Der Ursprung der Geschichte dieses Stammes ist in dunkle Legenden gehüllt. Danach wurde die Königin von Saba, als sie den König Salomon besuchte, von vielen jüdischen Familien zurückbegleitet, und die Nachkommen dieser sind die Fallascha. 1914 führte ich die erste Expedition nach Abessinien mit Unterstützung der Familie Rothschild. Seitdem wohne ich ständig zwischen ihnen und erreichte schon bisher nennenswerte Erfolge. Die Religionsverfolgungen und die Arbeit der christlichen Missionäre hatte die Zahl der Juden auf die Hälfte herabgesetzt. Heute leben etwa 50.000 Juden dort und genießen vollständige Gleichberechtigung. Sie leben in Frieden mit den anderen Einwohnern. Meistens wohnen sie in der Hauptstadt Addis Abeba und in den umliegenden Dörfern. Seit ich zwischen ihnen lebe, ist keine Taufe mehr vorgekommen; im Gegenteil, es sind viele zum Judentum zurückgekehrt. Sie kennen nur die schriftliche Bibel, aber nicht den Talmud und die Mldraschira. Sie halten die Gc« j setze der Bibel, besonders den Schabbath, wie die Karaiten, sehr streng. Chanulcka und Purim kennen sie nicht, beim Fleischessen bewahren sie sehr streng das Blutverbot! Pünktlich halten sie auch das Beschneiden am achten Tag. Zum. Gebet versammeln sie sich in ihren Synagogen. Während des Gebetes sind sie bloßköpfig. Ihre Thora hat nicht Rollenform, sondern Buchform, und liegt ständig auf einem speziell reservierten Tisch (also nicht in Oraun [Kasten]), wie bei uns. Belm Thoravorlesen folgen sie auch nicht unserem einjährigen System; Immer wird ein nach Belleben ausgesuchter Teil vorgelesen. Ihr Familienleben ist sehr innig. Die Heiratszeremonie ist sehr einfach, nur zwei Zeugen sind nötig. Die Fallascha haben biblische Namen. An der Spitze der Gemeinden stehen keine Rabbiner, sondern Priester, welche den Kindern Bibelunterricht geben und auch Opfer darbringen, von welchen sie hauptsächlich Ihr Gehalt haben. Die Frommen fasten jeden Montag und Donnerstag. Es Ist fast unglaublich, mit welcher Freude sie unserem Streben entgegenkommen, daß man sie dem traditionellen Judentum anschließen will. Auf diesem Gebiet steht uns auch sonst noch große Arbelt bevor, nicht nur in Abessinien, ich denke auch an die Juden in Japan und China. Ich hoffe, auch dort In kurzer Zeit nennenswerte Erfolge zu «Bolchen," ( Filme der Wodie INacH Üen Herstellungsländern zusammengestellt)] Amerika: Die Mörderspur Stimmen der» Nacht — Baboona Der Mann, der zuviel wußte, Deutschland (Arierparagraph): Die Kleina Unbekannte — Zwei Herzen und ein Walzer — Die heilige Dirne >—> Hohe Schul© t—< JTräulein Liselott Hier; ist mein Herz, Alexander Kord» nur bei United Artist«. Gegenüber anders« lautenden Gerüchten stellt die „United Artists" fest, daß samt-« liehe Filme von Alexander Korda, dem Schöpfer „Heinrichs VIII.", ausschließlich Im Rahmen der „London-Film-Productions" her« gestellt und ausschließlich durch die "Weltorganisation der „United Artists" herausgebracht werden. Die Interessengemeinschaft des gewesenen Präsidenten der ,.United Artists" Joseph Schenck mit der ,,Fox" erstreckt sich in keiner Weise auf die Person oder die Filme von Alexander Korda oder der „London-FUm-Productions'V Anläßlich der ersten Wiederkehr des Todestage^ des verstorbenen Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß findet am 24. Juli 1935 abends im Anschlüsse an den Abendgottesdienst im Stadttempel, I., Seitenstettengasse 4, ein feierlicher Trauergottesdienst statt, bei welchem Herr, Oberrabbiner Dr. Feuchtwang die Gedenkrede halten wird< Um die gleiche Zeit wird in den übrigen Tempeln dor, Gemeinde und in den sonstigen Bethäusern im Rahmfcn des Abendgottesdienstes des verewigten Bundeskanzlers Dr. D o 11 f u ß gedacht werden. Trauergottesdienst für weiland Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß. Am Mittwoch, den 24. Juli 1935» um 19 Uhr 45 Min. findet im Tempel, Wien, II., Tempel* gasse 3/5, ein vom „Bund jüdischer Frontsoldaten Oester«« reichs" für weiland Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß veranstalteter Trauergottesdienst statt. Gedenkgottesdienst im Stadttempel. Sonntag, den 21. Juli d. J., wird anläßlich des Jahrzeittages von Theodor Herzl und Chaim Nachman Bialik im Rahmen des Abendgottesdienstes eine Gedenkfeier abgehalten werden, bei welcher Herr Oberrabbiner Dr. David Feucht* wang die Gedenkrede halten wird. Die „Judäa" veranstaltet auch heuer Ferienreisen nach Bulgarien (Varna). Abfahrt am 28. Juli. Anmeldungen und Auskünfte im Jüdischen Hochschul« ausschuß, Wien, IX., Alserstraße 26, Tel. A-25-2-28, irt der Zeit von 1 bis 3 Uhr täglich, von Montag bis Donnerst tag von 6 "bis 8 Uhr abends. Ferienfahrt der „Czernowltzer Allgemeinen Zeitung" mit Sammelpaß nach Polen und Cemauti am 4. Augusti Rückfahrten am 1. und 15. September. Technische Durchführung, Anmeldung und Auskünfte: Oesterr. Verkehrs« büro, I., Friedrichstraße 7, B-27-500, und Graben 20, U-29-0-35, Polnisches Reisebüro „Orbis", X., Kärntner« Straße 41, R-26-1-43, und Reisebüro „MarienbrUcke", Wien, Li Rotenturmstraße* 26, R-24-2-88 und: R-24-2-87*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.