Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 481 (19.7.1935)
- Date
- 1935-07-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 481 2) Itleaat tuuk Pudäsüua W ^rlFwr^r^WIr rrfFFfr m wl^IFWWUwwW^^tW \)oh öskat UtdUtfyu (Jemsatan) n. Als am Dach alles vorbereitet war, gingen wir alle hinaus, setzten und legten uns auf die Teppiche, auf denen die Tischchen standen, die Schüsseln mit allerlei Obst und Bäckereien trugen. Freund Chazan begann auf dem lautenähnlichen Instrument zu spielen, zwei seiner Gäste hatten auf ihren Beinen die Zithern liegen und begleiteten Chazan, der halblaut zu singen begonnen hatte. GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, III Samstag XL, Zentralfriedhof, neb. d. 1. Tor. ||| geschlossen Wir hatten schon vorher oft Gelegenheit gehabt, arabisch singen zu hören. Auf der Straße gab es Musikanten, die die Passanten anbettelten, durch offene Fenster hört man oft, wenn man durch die Straßen einer arabischen Stadt wandert, Radio und in den Kaffeehäusern gibt es fast überall ein Grammophon, auf dem man arabische Platten spielt. Der Gesang, den wir nun hörten, und die Begleitmusik dazu klang ähnlich. Wir verstanden natürlich den Text des Gesanges nicht, trotzdem wirkte er auf uns aufwühlend und ergreifend. Wurde der Gesang lauter und rascher, was hie und da geschah, dann ergriff mich ein eigenartiges Gefühl, als ob mich etwas zusammendrücken würde. Ich sah zu meinen Genossen hinüber. Es schien ihnen genau so zu ergehen, denn ich sah, wie ihr Atem ging und wie sie mit aufgerissenen Augen dasaßen. Es war spät am Abend, als wir weggingen und Freund Chazan uns in ein Hotel brachte. Wir schliefen nur einige Stunden und wurden dann von Chazan geweckt, der mit einer zweiten Person ins Zimmer getreten war. Ich war mit wütenden Magenkrämpfen erwacht. Schon in Griechenland litt ich unter Magenbeschwerden, doch die Süßigkeiten des vorhergegangenen Abends hatte mir anscheinend den Rest gegeben. Chazan sagte uns, daß sein Begleiter, ein christlicher Araber, uns über die Grenze bringen würde. Wir zogen unsere Karten hervor und Chazan zeigte uns den Weg. In der Nähe von Darra sollten wir die Grenze überschreiten. Wir besprachen einen Treffpunkt und hatten bis dahin noch einige Stunden Zeit, um uns die Stadt, die als die älteste im Nahen Osten gilt, anzusehen. Trotzdem mich meine Schmerzen plagten, gingen wir spazieren und sahen uns die Stadt an. Wir nahmen einen Führer, der ein furchtbarer Franzosenfeind gewesen sein muß. Er erzählte uns von den Drusenkriegen, die den Franzosen so furchtbare Verluste an Menschen brachten, von der Beschießung der Stadt durch die Franzosen, die vielen zehntausenden Menschen, Zivilpersonen, darunter tausenden Frauen und Kindern, das Leben kostete, führte uns in die zerschossenen Stadtviertel, wo wir die furchtbaren Zerstörungen sehen konnten, obwohl Jahre seither vergangen waren. Wir besuchten die weltberühmte Moschee, den Serail und waren dann derart zerschlagen, daß wir uns wieder in unsere Betten legten, um bis 6 Uhr zu schläfert, Als wir erwachten, packten wir unser Gepäck, das sehr bescheiden war, versorgten uns mit Zigaretten und Erfrischungen und begaben uns zu unserem Treffpunkt. Dort wartete der Araber bereits, mit ihm war unser Freund Chazan gekommen, der uns ein jüdisches Taxi besorgte, das uns bis zur Grenze "bringen sollte. Der Abschied war sehr herzlich. Chazan lud uns ein, wieder einmal zu ihm zu kommen, auf längere Zeit sein Gast zu sein, wünschte uns viel Glück und Segen und dann fuhren wir los, Auf dem Wege zur paläsli'nensisdien Grenze Wir sahen etwas zerstreut durch die Fenster und waren alle aufgeregt. Wir wußten, daß uns eine aufregende Nacht bevorstand. Es war ja ein Abenteuer, in das wir uns begeben hatten, und wir wußten nicht, wie es ausfallen werde. Wir hatten den festen Willen, nach Palästina zu gelangen, und hatten alle Vorbereitungen getroffen, um unter allen Umständen, selbst wenn wir in die Hände der Engländer fallen sollten, in Palästina zu bleiben. Ueber Rat unseres Freundes Chazan hatten wir alle Papiere, aus denen man Irgendwie hätte auf unsere Personen schließen können, nach Palästina vorgeschickt. Nur die Bestätigung der Hafenpolizei, daß dort die Pässe liegen, hatten wir mit, und auch diese zerrissen wir, als wir das Auto verließen. Aus unseren Kleidern und aus unserer Wäsche hatten wir die Monogramme und Firmenbezeichnungen entfernt. Unser Plan ging dahin, zu erklären, daß wir staatenlos wären, falls uns die Grenzwache erwischen sollte, keinesfalls Namen und Herkunftsland zu verraten. Man hatte uns nämlich erklärt, daß so die Aussicht bestünde, nach Abbüßung einer Strafe eine Aufenthaltsbewilligung in Palästina zu erreichen. Ich vergaß zu bemerken, daß wir uns um eine Person vermehrt hatten. Ein junger Jude aus Kalkutta, der irgendwie erfahren hatte, daß wir auf dem Wege nach Palästina seien, bat uns, sich anschließen zu dürfen. Wir waren natürlich einverstanden und so fuhr er mit. Sechs Personen saßen wir im Auto und es wurde immer unangenehmer. Der Schweiß brach uns ai's allen Poren, obwohl wir alle Fenster geöffnet hatten. Wir fuhren auf einem staubigen Wege voller Löcher, durch eine sehr gebirgige Gegend. Mit unheimlicher Sicherheit fuhr unser Chauffeur. Oft war der Weg knapp so breit wie das Auto und einige Male fürchtete ich, daß der Wagen nicht durchkäme. Nachdem wir ungefähr vier Stunden unterwegs waren, fuhr der Chauffeur mit der einen Wagenseite hart an eine Felswand an, der Wagen stellte sich sofort quer, die Hinterräder hingen über die Böschung und einen Augenblick sah es aus, als ob das Auto nach rückwärts abstürzen würde. Geistesgegenwärtig hatte jedoch der Chauffeur sofort abgebremst, nur wenige Zentimeter rutschte der Wagen tiefer, dann fand er einen Halt und stand. Wir stiegen vorsichtig aus und besahen die Schäden. Ein Rad war gebrochen, eine Bremstrommel verbogen, ebenso eine Achse. Es war eine größere Reparatur, die sofort an Ort und Stelle gemacht werden mußte, da auf Stunden Entfernung sich kein Haus und wahrscheinlich auch kein Mensch befand. Der Zufall brachte es an den Tag; daß wir alle Chauffeure waren. Wir machten uns an die Arbeit, hoben den Wagen und brachten ihn wieder in die Fahrrichtung, unterlegten ihn mit Steinen und der Chauffeur des Wagens und unser indischer Freund begannen nun, mit großen Steinen die Achse geradezuhämmern und die Bremstrommel in ihre natürliche Lage zu bringen. M., der Jugoslawe und ich, wir saßen auf einem großen Felsblock und unterhielten *uns flüsternd. Ich erfuhr, daß M. und auch der Jugoslawe Revolver mithatten, und beide fest entschlossen waren, diese auch zu benützen, falls wir auf Schwierigkeiten stoßen sollten. Beide waren Frontsoldaten gewesen und konnten nicht mehr zurück. M. hatte sich in Deutschland zu stark politisch betätigt, war auf seiner Flucht mit Hakenkreuzlern zusammengestoßen, hatte ihnen, zusammen mit seinen Freunden, ein Gefecht an der tschechoslowakischen Grenze geliefert und fürchtete nun in Europa die Rache der Nazis. Auch der Jugoslawe erklärte, nicht mehr zurückkehren zu können, ohne uns jedoch den Grund zu erzählen. Es waren verzweifelte Menschen, die unbedingt Palästina erreichen wollten und bereit waren, jedes Hindernis, das sich ihnen in den Weg stellen sollte, wegzuräumen. Endlich konnten wir weiterfahren. Noch eine Stunde ungefähr und wir waren am Ziele. Wir stiegen aus, bezahlten den Chauffeur, gaben ihm noch ein Bakschisch und baten ihn, nochmals Grüße unserem Freunde Chazan zu bestellen. Unser Führer gab uns Instruktionen. Wir sollten uns genau nach ihm richten. Lasse er sich zu Boden fallen, hätten wir es ihm nachzutun und geräuschlos liegen zu bleiben, bis er weiterginge. Wir hatten nun die französische Postenkette zu passieren, die für uns gefährlicher war als die englische, da die Franzosen sehr leicht unsere Personen identifizieren konnten. Es ging bergauf und bergab. Zuerst rasch, allmählich langsamer. Wir näherten uns anscheinend der Gefahr, denn immer vorsichtiger bewegte sich unser Führer. Endlich blieb er stehen, blickte um sich, lief rasch zu einem Graben und, sprang hinein. Wir folgten ihm. Es iwar ein Graben für eine Wasserleitung und der Führer wies uns an, ruhig liegen zu bleiben, bis er zurückkäme, Stunden und Stunden glaubten wir zu liegen. Wir waren alle sehr nervös. Das kleinste Geräusch bewirkte, daß das Herz stockte und wir uns tiefer in den Schatten des Grabens drückten. Ich sah auf die Uhr. Es war halb 3 Uhr nachts. Endlich kam uns jemand durch den Graben entgegengeschlichen. Es war unser Führer und von ihm erfuhren wir, daß er uns nicht nach Palästina bringt, sondern ein anderer Mann, ebenfalls ein Araber, uns weiterführen würde. Der Araber, ein Maronite (Christ), sprach etwas französisch, doch nur mühsam konnte ich mich mit ihm verständigen. Mittlerweile war mir sehr übel geworden und das Aufstehen wurde mir schwer. Unser neuer Führer ging sehr rasch einen kleinen, uns nicht sichtbaren Pfad und wir folgten ihm. Endlich in Palästina — und wieder zurück! Zwei Stunden ungefähr gingen wir. Es war eigentlich kein Gehen, sondern ein Laufen, Wir ermüdeten immer mehr. Es begann langsam heller zu werden, als wir uns der palästinensischen Grenze näherten. Wir gingen über Berge und Hügel. Wir fielen und standen wieder auf, unsere Kleider zerrissen und durch die Hosen rissen uns Disteln und Dornen und Steine die Haut blutig. Immer schwerer und schwerer wurde uns das Gehen. Neben mir befand sich M. Ich sah, er näherte sich dem Ende seiner Kräfte. Seine Lungen arbeiteten wie eine Dampfmaschine. Plötzlich fiel er hin und konnte nicht mehr aufstehen. Ich versuchte ihm aufzuhelfen, doch war er mir zu schwer. Ich rief die anderen, und wir standen nun um ihn herum und versuchten ihn zum Weitergehen zu überreden. Der Führer fluchte auf arabisch, gestikulierte mit den Händen und erklärte mir, daß wir einfach weiter müßten! Er schluj vor, den Mann zurückzulassen. Am Rückweg würde er ihn wieder mitnehmen und ihn einige Tage später, mit einem anderen Transport, nach Palästina bringen. Wir berieten halblaut. Der indische Jude war dafür, M. zurückzulassen und weiterzugehen, da jeden Augenblick der französische Grenzposten auftauchen konnte. Wir überredeten ihn, mit uns zu warten, bis M. sich erholt hätte. Nach kurzem Zögern erklärte: er sich mit uns solidarisch und ich verdolmetschte dem Führer unseren Beschluß. Dieser begann wieder zu fluchen, erregte sich immer mehr, bis er voller Wut seinen Tarbusch auf den Boden warf und auf diesem hcrumsprang. Als er pah, daß es unser fester Wille war, mit unserem Genossen zu warten, schlich er sich auf den nächsten Hügel und hielt dort Wache. Wir saßen und warteten. Hie und da beugte sich einer zu M. und versuchte, ihn zu beruhigen. Es war mittlerweile ganz hell geworden und am Horizont zeigte sich bereits das erste Morgenrot. (Fortsetzung in der Freitagnummer.)' jUtfmfcakt Biltel H15>3 Bestrenommierte Küche "Kt>3 REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.60 SCHWECHATER BRÄU ll,Hammer-Purgstall-Gasse 3 (nadist Salzlorbrödte) Tel. Ml-0-25 Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Caf6s etc. A. Barschaft, II., Große Schiffgasso 3. Streng 1»3. Vori zügliche Küche. Billige Preise. Cafc-ltcstiuirnnt Espresso, i., Kotenturmstraße 1. Inters nationale kalto und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Cafö-Konditorci rtfeumnan, Ii., Uredierstraße z (Telephon A-42-3-81). III.. 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Schwedenplatz. Josef Teller, Friseur, 11.. Alolkerolstrafle V. Zimmer- und Dekorationsmaler Samnel Klclnberg, Zimmer- und Dekorationsmaler, II., Taborstraße 69, Tel. A-48-6-60. Installationen und Elektrowaren Advokat & Fantl, Beleuchtung, Glühlampen, Elektrowaren, Gasgeräte, Badeeinrichtungen, Beheizung, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-47-1-51. Paul Heller, Installationen für elektrische Kraft- und moderne Beleuchtungsanlagen, elektrische Behelzungs- und Haushaltungsgeräte. Radio, Luster, I., Lichtensteg 1, Tel. U-21-9-12. Anfragen und W ü n a c n e, weiche diese Rubrik betreffen, sind an die Verwaltung des Blattes. IX., Unlversitäts* atraße 8, Telephon A-20-2-78, zu richten. 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