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Die neue Welt · 1935-07-19 · Heft 481 (19.7.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 481 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 481 Chu N* Bialiks Gedichte Zum 1. Todestag Der Tod hat Bialik auch in Kreisen populär gemacht, denen snn Werk bisher verschlossen war. Nimmt man noch den Umstand hinzu, daß die hebräische Dichtung und das hebräische Wort als Ausstrahlungen des neuen jüdischen Geistes überall in der jüdischen Welt mit Verehrung und gespanntester Aufmerksamkeit aufgenommen werden, dann wird der Wunsch. Bialiks Schriften kennenzulernen, um so begreiflicher. Bialiks Lyrik in deutscher Sprache hat bereits ihre Geschichte. Schon vor dem Weltkrieg, vor beinahe einem Vierteljahrhundert hat der Wiener Privatgelehrte und Bibliothekar Ernst AT ü 11 e r (Verdeutscher des „Sohar") die wichtigsten Gedichte Bialiks ins Deutsche übersetzt und der Verlag R. L ö w i t, Wien, herausgegeben. Diese Uebersetzung, wenn sie auch Mängel sprachlicher und gedanklicher Natur aufwies, war nichtsdestoweniger eine ganz außerordentliche Leistung. Eine ganze Generation deutschlesender Juden konnte durch sie den größten hebräischen Dichter seiner Zeit kennenlernen: sie konnte über den dichterischen Bezirk hinaus eine jüdische Gestalt schauen, die als repräsentativ gilt für die hebräische Kultur der zionistischen Epoche. Nun hat der Verlag R-. Lriwit eine Neuausgabe der Bialik-Gedichtc in der Uebersetzung Ernst Müllers erscheinen lassen, die sehr vornehm ausgestattet ist und schon in der äußeren Form die Bedeutung des Werkes ahnen läßt. Wir finden die alten, berühmt gewordenen Verse wieder, wie ..Seid starken Armes, ihr Brüder!", „Wahrlich! Gras ist das Volk", „W andere nun in die Stadt des Würgen s" (Schechita) und die grandiose Vision von den Toten der Wüste ... Daneben aber einiges Neue. Zunächst das Gedicht „Den Versagende n", das mit dem Vers „Wieder sah in eurer Schwachmut ich euch" beginnt (1931 nach dem Baseler Zionistenkongreß). ferner „Erscheinung der Kindhei t", eine Vision aus den Kindertagen, dann das Gedicht „M eine Mutte r." Die Uebersetzung Ernst Müllers stellt natürlich wie jede Arbeit, dieser Art. das Problem der Uebersetzung an sich zur Diskussion. Gerade bei einem Dichter wie Bialik, der in seinem Hebräisch unzählige Assoziationen an das althebräische Schrifttum anklingen läßt, ergeben sich kaum zu bewältigende Schwierigkeiten. Ernst Müller hat gewissenhaft gearbeitet, voll Respekt für den Dichter und — was vermerkt zu werden verdient — ohne Rücksicht auf einen Konzessionen fordernden Leser. Jahrelange Arbeit, sublime Intuition war erforderlich, um das hervorzubringen, was nun vorliegt. Allen, die heute Hebräisch lernen, um über das Praktisch-Aktuelle hinaus sich in den Geist jüdischer Dichtung versenken zu können, kann Müllers Bialik-Werk ein Führer werden. o. r. Wollzeile i7 Tel. R-24-2-lo KREUZ-KINO PoIizeiföQgen Hr. 17 Tim uVorstellungen Mae coy i,(:w,6,vie, voo STAFfi, VII. Mariahilferstraße 120 ■Hi B-33-0-68 n „Ein Heiz ist zu versdienhen" Clark Gable, Joan Crawford Ihme tfUitUt (Aus den QetpcätUcH (Us ioddik von K/UodMk) ..Meine Mutter gottselig war fromm ohnegleichen — Aber als W'ifioe in bitterer \ot. / or Sabbateingung. der im I erbleichen — Und im Hause gab's weiter Lichter nocli Hrot. Sie suchte und hat. o Wunder! zmxm droschen sief itnden: H' <•}.<? soll sie nun. Brot oder Lichter, kaufen? So ist sie. die heilige f.ast in der mageren Hand . I m /.ivci Kerzen gelaufen. Sieben Sterne am Himmel auch der Mutter Sabbat nacht Hat sieben Liehler-.innen der Weihe. Gab ('Oft Seines heiligen Sabbats Gesetz — \un denn — Sein .\anie segne auch zweie! So wird sie über ein. Linnen, von Festbroten leer, Den Segen sprechen. Legt an die Sabbathaube. Tin festliches Kleid. Ks wendet zu Gott sich, 'tum heiligen Sabbat ihr (Haube. Doch wie sie die Lichter hebt, läßt sich's nicht halten, Beginnt sie /.u weinen aus bitterem Herzen. Rollt siedend die Träne über der If ange Fallen — Und knisternd ocrlöschl eine der Kerzen. Der Sabbat geschändet — ein Auge geblendet — Da faßt sie Entsetzen, die solches erduldet: ..Ucrachtest, o Gott. Du der Witwe Gabe? H as haV ich, ivas hat Dein Sabbat oerschuldet?" ..Warum dies?" Sie stand geschlossenen Auges. In bebendem Krämpfe mit Händen sie flehte. Mit zitternden Schultern, sich loürgendem Weinen, In glüli'nclem Gebete. Die Tiefen selbst flehen, im Seufzen sich regen Urmiitter mit Cherubimchören. Und hürTs nicht der Höhen Ohr, sieh Ts nicht des Thrones Erhabene Macht, wie Seelen in Gram sich oerzehren? Und siehe! da strömt — wie ein Funke der Flamme — Aoc/t eine Träne über der Frommen Wangen. Sie sank, und plötzlich: ein doppeltes Leuchten — Hat das erloschene Lichl sich gefangen. Kaum ivagte die Mutter die blicke zu lieben — Mir leuchtet das Licht der sieben Tage entgegen. Die Gottesglorie hat hier geweitet — — Sei der Frommen Verdienst ganz Israel zum Segen!" Ch. N. Bialik. /jKongreßwahlen" in Amerika Ueber skandalöse Vorgänge bei den amerikanischen Wahlen zum 19. Zionistenkongreß erhalten wir aus New York ein Schreiben, welches lautet: Im Zusammenhang mit den Berichten über die „Wahlen" zum Zionistenkongreß in Amerika gebe ich hiemit folgende Erklärungen ab: 1. In Amerika haben keinerlei Wahlen stattgefunden. Es gab bloß Terror, Manipulation mit Wahlurnen, offene Verletzung des Wahlregulativs, Schwindel — also alles in der Welt, nur keine Wahlen. 2. Die Linken haben keine Schekalim verkauft, j sondern Schekelquittungen ohne Namen ausgeteilt. Diese Kunststücke hat der Misrachi den Linken abgeguckt und sie gezwungenermaßen kopiert. Auf diese Weise konnte jeder mit Schekelquittungen Ausgestattete mehreremal „wählen". Auch wurden in den Wahllokalen selbst Schekelblankette verteilt. Auf meinen Protest beim Zentralwahlkomitee gegen diese Manipulationen erhielt ich die Antwort, daß das Zentralwahlkomitee bloß an der Bezahlung der Blanke 11 e interessiert s.u. 3. Zahlreiche unbestrittene Mißbräuche kamen vor: a) Mehr Stimmabgaben als Schekalim; b) Kinder von 10 bis 14 Jahren beteiligten sich an der Wahl usw. 4. Nach Bekanntgabe dieser Mißbräuche versicherte mir Morris Rothenberg, Präsident der Allgemeinen Zionisten von U. S. A.( daß* er gegen die Wahlen Protest einlegen werde. Dann aber ließ er von sich nichts mehr hören. Im Interesse der Reinheit des amerikanischen Zio- EINZIG IH WIEN!!! sowie alles für den Urlaub billigst be BERGMANN, I., RABENSTEIG 3 TELEPHON U-20-7-09 HIMMELPFORTGASSE 5 TELEPHON R-25-8-84 KOLLNERHOFGASSE 1 TELEPHON R-26-8-99 Wir bitten, sich bei indem Einkauf auf unser Blatt zu berufen nismus protestiere ich gegen die oben angeführten „Wahlen" und fordere neue Wahlen zum Kongreß, die jedem Zionisten dafür bürgen, daß seine Stimme derjenigen Gruppe zufällt, der er sein Vertrauen geschenkt hat. Das Kongreßgericht wird sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen. J. B a r a t z, Mitglied der Zentral-Schekelkommisision und des Wahlkomitees in U. S. A., Vertrauensmann der Judenstaatspartei. New York, Juli 1935. Kongreßwahlen in der österveu dmdfien Provinz Von Dr. Felix Klug (Graz) Die zionistischen Partelen haben nie etwas für di» Provinzjuden getan. Man hat zur Zeit von Kongreßwahlen getrachtet, ihre Stimmen zu bekommen. Sonst hat man sich nicht um sie gekümmert. Wir Judenstaatler sind zur Ueberzeugung gelangt, daß Provinzarbeit Arbeit für die Provinz bedeutet. Wir sind, wie einst die Zionisten zur Zeit Theodor Herzls, in die Provinz hinausgezogen und haben den Juden die Lehre vom Judenstaat und von jüdischer nationaler Einheit in der Gallith gebracht. Wir haben ein eigenes Provinzreferat in Graz geschaffen Der Erfolg ist nach einer Arbeit von nur fünf Monaten eingetreten: Die. Juden in der Provinz haben gesehen, wo ihre wahren Freunde sind. Die Wahlen in der Provinz haben mit einem sensationellen Siege der Judenstaatspartei geendet. Während wir im Jahre 1933 unter 1577 abgegebenen Stimmen nur 171 (knapp 11 Prozent) erhalten konnten und den vierten Rang unter den wahlwerbenden Parteien einnahmen, haben diesmal in der Provinz von 1555 Wählern 418 (also 27 Prozent) uns ihre Stimme gegeben, so daß wir die zweitgrößte Provinzstimmenanzahl aufgebracht haben. Wir haben zweieinhalbmal so viel Stimmen erhalten als vor zwei Jahren. Nachstehend eine kurze Uebersicht; 1933 1935 Niederösterreich....... 34 62 Oberösterreich.......17 46 Burgenland........4 53 Steiermark.........92 ZOO Kärnten..........11 9 Salzburg......... —- 2 Tirol...........13 46 Das erfreulichste Zeichen für den Erfolg unserer Arbeit ist, daß eine Reihe von Städten, und zwar Leoben, Judenburg, Knittelfeld, Mitteregg und Korneuburg sich zur Gänze zu unserem Programm bekannt haben, daß es keiner anderen Gruppe gelungen ist, auch nur eine Stimme in diesen Orten zu erlangen. In einer weiteren Anzahl von Städten konnten wir die Majorität der abgegebenen Stimmen auf uns vereinigen. Es sind dies: Innsbruck (46 judenstaatlerische Stimmen — 8 andere), Oberwarth (32 -- 1), Güssing (9 — 1), Gmünd (7 — 1), Stockerau (8 — 7). In dem zionistisch am stärksten erfaßten Bundesland Steiermark sind wir mit 200 unter 516 abgegebenen Stimmen (39Prozent) als stärkste Partei aus dem Wahlkampf hervorgegangen. 1933 war das Ergebnis 92 von 444 Stimmen (15 Prozent), womit wir damals an dritter Stelle standen. Besonders verdienstvoll ist hier die Arbeit unserer Gesinnungsgenossen der Bezirksorganisationen Obersteiermark (Leoben) und Oberes Murtal (Judenburg, Knittelfeld) gewesen, die die Kongreß Wähler lOOprozentig erfaßt haben. Lediglich in Graz konnten andere Gruppen in Steiermark Stimmen erhalten. In Graz selbst konnte das vorige Wahlresultat gehalten werden, was als großer Erfolg zu bezeichnen ist, da gut 80 Prozent unserer damaligen Kongreßwähler vielfach aus persönlichen, lokalen Gründen ins revisionistische Lager abgeschwenkt sind. Wir konnten uns heuer nur auf die vor kurzem gegründete Ortsgruppe und durchaus neue Mitarbeiter stützen. Imponierend ist das Tiroler Wahlresultat. Während wir im Jahre 1933 unter 70 abgegebenen Stimmen nur 13, somit 19 Prozent erhalten konnten, haben wir heuer von 54 Stimmen 46, also 88 Prozent bekommen. Ein Beweis dafür, daß sich bei entschlossener Arbeit unser Programm durchsetzen muß. Lediglich in Kärnten haben wir eine kleine Einbuße von 2 Stimmen gegenüber 1933 zu verzeichnen. Dagegen haben wir zum ersten Male in Salzburg Stimmen (6 Prozent) erhalten. Sehr schön sind die Erfolge in Oberösterreich, in Linz und Gmunden. Wir konnten unsere Stimmenanzahl fast verdreifachen. In Niederösterreich und im Burgenland haben wir bei den Wahlen 1933 recht schlecht abgeschnitten. Heuer haben wir in diesen beiden Bundesländern bereits festen Fuß gefaßt und in einigen Orten die Majorität der Stimmen auf uns vereinigt. Zusammenfassend ist zu sagen, daß wir mit dem Ausgange der Provinzwahlen mehr als zufrieden sein dürfen. Dies muß aber für uns der Ansporn zu weiterer, intensiver Arbeit sein. Wir wollen nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Bereits jetzt ist unser Arbeitsplan erstellt: Schaffung neuer Ortsgruppen, Werbung von Mann zu Mann, Aufstellung von Jugendgruppen. Unsere Arbeit ist im Schwünge, es gilt, die Begeisterung weiterhin auszunützen. Mit dem Dank an unsere Wähler in der Provinz verbinden wir das Ersuchen an alle unsere Gesinnungsgenossen und Mitarbeiter, sich ungesäumt, soweit dies noch nicht geschehen ist, mit dem Provinzsekretariat (Anschrift: Dr. Felix Klug, Verteidiger in Strafsachen, Graz, Murgasse 14) zwecks Einleitung der weiteren Arbeit in Verbindung zu setzen. Der Herzl-Zionism u s muß die ganze österreichische Provinz erobern! Das verschobene Gartenfest unter d. Devise «Ein Sommerfest am Hadar Hakarmel" findet am 20. Juli, halb 9 Uhr abends, statt. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, Klub „EREZ ISRAEL", Wien II, Praferstraße Nr. 13 Smmetfeslmodern HadotHokomei im Cafe-Restaurant „KQNSTANTINHUGEL", Prater-Hauptallee 17 JAZZKAPELLE: ISY GEIGER. Reichhaltiges Programm, Tischposf und sonstige Ueberraschungen KARTEN zu S 1.50 erhältlich in der Bez.-Sektion Leopoldstadt, II, Pratersfr. 13; Zion. Landeskomitee, I, Marc Aurelstr. 5; Bücherstube Rath, II, Taborstr. 20a; Schuhreparaturwerkstätte, I, Dominikanerbastei 21; Schuhhaus .Daf*»". David Horowit* II, Tabor»tr. IIb MM bei sämtlichen VorstandsmrfglledtfH,

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