Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 481 (19.7.1935)
- Date
- 1935-07-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE W1XT Nr. 4SI sie erst nach mehreren Stunden wieder freikamen, da sie ihre „Legalität" beweisen konnten. So mancher „Inhaftierte" hat sogar schon die ganze Nacht auf dem Polizeirevier verbringen müssen, weil die anwesenden Polizisten, als Analphabeten, seinen ordnungsmäßigen Paß nicht lesen konnten, und der Herr Polizeioffizier um einer solchen Lappalie" willen nicht aus dem Schlaf geweckt werden durfte. Es ist ein Wunder, daß selbst unseren geduldUgen, langmütigen Juden da nicht einmal die Ckduld reißt! Vor ein paar Tagen fand in Tel-Aviv, vor dem Häuse der ..Kehillah". an der Ecke des Rothschild- Boulevards und der JabnefoSlraßc eine Protestversammlung der ..Illegalen" statt, um unsere jüdischen Immigrations-Institutionen aufzufordern, endlich etwas für die Legalisierung dieser in ewiger Sorge und Nervosität lebenden Menschen zu tun, die — obwohl schwer arbeitende, nützliche Mitglieder der palästinensischen Gesellschaft — vor dem britischen Gesetz vogelfrei sind. Die Versammlung unterschied sich vorteilhaft von der Zusammenrottung der streikenden Haifaer Hauraner: sie wahrte Ordnung und Anstand musterhaft. Wird sie aber Erfolg haben? Billige Sonderfahrten nach Polen und Czernowltz Abfahrt: Sonnlag, 21. Juli, und die folgenden Sonntage Rückfahrten am 4. August. 1. und 15. >ep ember. Nach Zakopane zu den Bergfeste Feiern vom 4. bis II. August 70 Prozent Eisenfahnermäßiqung. Po nisches Visum gratis. Reiseoüro „FRAHCOPOl", IM., Kennweg J, Telephon U-U-4-90 In Palästina westlich des Jordans wohnen auf 26.000 Quadratkilometer 1,250.000 Menschen und immer noch gibt es gewaltigen Pwaum für neue Siedler bei intensiver Kolonisation. Wie nun gar erst in Trans Jordanien, dessen 42.000 Quadratkilometer größtenteils sehr fruchtbaren Bodens nur 300.000 Bewohner aufweisen? Trotzdem soll uns Transjordanien nach dem Willen gewisser Leute auch weiterhin versperrt bleiben, weil dort — wie eben jetzt ein englischer Beamter aus Amman in einer palästinensischen Zeitung schrieb — „Gentleman" und ,,Fellah" in höchstem Grade ,,anti-jewish" fühlen. Der Biedere ist ein Minister P u r n e 11, und er unterläßt es auch nicht, dem famosen Mister Cust recht zu geben, der vor kurzem in einem Londoner Blatt auf Lord Melchetts Anregungen hinsichtlich Transjordaniens in unverhüllt judenfeindlicher Manier geantwortet hat. Daß Gesinnungsgenossen eines Cust, eines Purneil — und eines Mosley auch auf der von uns bewohnten Seite des Jordans in verschiedensten Positionen und Punktionen anzutreffen sind, beweist uns an jedem Tag, den Gott werden läßt, die neueste Serie der Nadelstiche. . . . Heuchelei um Transpordanfen Die Londoner „Times" veröffentlicht einen Autsatz ihres Korrespondenten aus Transjordanien, in dem die Entwicklung des Landes im Vergleich zu Palästina geschildert wird und insbesondere die wirtschaftlichen Verhältnisse Transjordaniens erörtert werden. In dem Aufsatz heißt es, daß die Regierung bisher bemüht gewesen ist, die öffentliche Ordnung in Transjordanien zu sichern und die Boden. Verteilung zu regeln und zu Uberwachen. Das Hauptproblem, vor dem die Regierung jetzt stehe, sei wirtschaftlicher Natur. Seitdem die Motorisierung das Land erfaßt und das Kamel als Transportmittel verdrängt habe, seien Schwierigkeiten schon im Hinblick auf die Verminderung des Vermögenswertes der Kamele entstanden. Die Zahl der Kamele sei in der Zeit zwischen 1930 und 1932 von 30.000 auf 13.000 zurückgegangen. In vielen Teilen des Landes reiche der Ertrags- / wert des Bodens nicht, um die Steuern zu bezah- 1 c n. Die Regierung habe es schwer, das Budget zu balancieren. Als verführerische Lösung locke hier die Zulassung fremden Kapitals, um die Entwicklung des Landes zu fördern. Insbesondere jüdisches Kapital warte darauf, ins Land zu kommen, aber die Regierung zögere, Erlaubnis für den Ankauf von Land zu geben, aus Furcht davor, daß die neu ins Land Kommenden den gegenwärtig schrittweise, sich vollziehenden Entwicklungsprozeß stören würden. In diesen Ausführungen steckt schrecklich viel Heuchelei. In diesem von Palästina willkürlich abgetrennten Transjordanien verhungern die wenigen dort Zteft aller Strohwitwer im bekannten Restaurant WCnvitvAV früher im Hotel National, jprilSI»! dann Hotel Stefanie, jetzt II, Hammer-Purgsta Ig. Nr. 7 (nähe Dianabad) bringt vorzügliche, abwechslunusrelche Mittag und Abend-Menüs, schon ab S 1.60 und alle orientalischen Spezialitäten am Rost und Spiels — ZIONISTEN DIR TSCHECHOSLOWAKEI! /!Z? Jahre Herrschaft der „Allgemeinen"und „Linken" Zionisten. Resultat: Zertrümmerung der Organisation — Gefahr eines jüdischen Ghettos in Asien Wer für Wiederaufrichtung der Herzischen Einheitsorganisation und für den Judenstaat ist, wählt Liste Nr. 3 „Judenstaatspartei und Gemeinschaft politischer Zionisten" Ustenfilhrer: Dr. EMIL MARCULIES lebenden Menschen, weil es an Kapital und Intelligenz fehlt, welche aus diesem an sich höchst fruchtbaren Lande eine blühende Siedlung mit glücklichen Einwohnern machen könnten. Das hat die transjordanische Regierung erkannt und im Jahre 1931 einen Verkaufsvertrag mit zionistischen Unternehmern abgeschlossen, welcher den Anfang der Erschließung des Landes für jüdisches Kapital und jüdische Arbeit bilden sollte. Unter Drohungen hat damals die englische Palästina-Regierung den Emir, d. h. die transjordanische Regierung, gezwungen, den Vertrag mit den .luden zu brechen und diese nicht ins Land zu lassen. Jetzt aber schreibt die ..Times", daß die transjordanische Regierung fürchtet, die Juden könnten die Entwicklung stören! Welche zu störende Entwicklung gibt es denn in einem Lande, dessen Bewohner sich nach Palästina zu den Juden einschleichen müssen, wenn sie nicht zu Hause verhungern wollen? pAtiosUm eeum dt. S. totltet Wien IX, Liechtensteins!!-. 2, Tel. A-14-504 Nidit ja — nicht nein Aus Jerusalem: Auf eine Anfrage der .T. T. A., ob die Meldung der „N e vv York Time s", daß der High Commissioner eine vom früheren Jerusalemer Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi geführte Abordnung der „Arabischen Partei für Nationale Verteidigung" im Zusammenhang mit der Bildung eines Legislative Council (Parlament) empfangen hat, den Tatsachen entspricht, erwiderte das Presse-Depart ement, der Regierung, es könne diese Nachricht weder leugnen noch bestätigen. * Die „Orient-Agentur" meldet aus London, daß in der Haltung der englischen Regierung zur Frage des Legislative Council letzthin eine Aenderurig eingetreten sei; die Regierung wolle an die weitere Behandlung der Frage erst herantreten, wenn die internationale politische Lage geklärt, sein wird. Inzwischen wolle sie sich mit einer Verbreiterung der Kompetenzen der Stadtverwaltungen in Palästina begnügen. In diesem Sinne werde die Londoner Regierung den High, Commissioner während seines Ferienaufenthaltes in London instruieren. Einige arabische Zeitungen Palästinas erklären dazu, daß die positive Haltung der Londoner Regierung in der Frage des Legislative Council sich nicht geändert hat. U&sdm Btkstem - Setwuemf Von der Internationalen Advokateii-Union Aus Brüssel (J. T.-A.): Auf der in Brüssel stattgefundenen Tagung der Internationalen Advokaten-Union, welcher rliq Barreau,s fast aller europäischen Länder, einer großen Zahl von südamerikanischen, nordafrikanischen und asiatischen Staaten als Mitglieder und Großbritannien sowie die Vereinigten Staaten von Nordamerika als Beobachter angehören, wurde daa Hauptreferat vom Präsidenten der Wiener Advokatenkammer, Dr. Siegfried Kantor, erstattet. In seinem vom Kongreßbüro in Druck gelegten Bericht behandelte er in rechtsvergleichender Darstellung die Entwicklung der persönlichen und sachlichen Immunität der Verteidigung in der europäischen Gesetzgebung. Er hob im mündlichen Referat besonders hervor, daß in Oesterreich die Freiheit der Verteidigung auch in kritischen Zeiten von den Gerichten voll gewahrt wurde. Das mit großem Beifall aufgenommene Referat gipfelte in dem vom Kongreß einstimmig zum Beschluß erhobenen Antrag, daß die persönliche und sachliche Immunität der Verteidigung gewahrt, Ordnungswidrigkeiten des Verteidigers nur der disziplinaren Ahndung durch den Stand unterworfen, daß der Verkehr des Verteidigers mit dem Klienten nicht beschränkt, da« Berufsgeheimnis gewahrt und daß der Verteidiger weder aus politischen noch aus religiösen oder rassenmäßigen Gründen an der Ausübung des Rechtes der Verteidigung behindert werden dürfe. Kongreß der NZO in Wien Wie der Wiener J.-T.-A.-Vertreter erfährt, sind die Verhandlungen zwischen denn Vertreter der revisionistischen Neuen Z 1 o n i s t i s v. h <• n O r g a n i s a t i o n (NZO) und der ö h t e r r e i c h i h <•, h e n Regierung wegen Abhaltung »Ich NZO-Kongionses in Wien in positivem Sinne beendet worden. Der Kongreß wird am Sonntag, dem 8. September, um K» Uhr abends voraussichtlich im Konzcrthaussaal, eröffnet werden« Zionisten in der Tschechoslowakei! Die Vereinigung der Judenstaatspartei und des „Klubs politischer Zionisten" in der Tschechoslowakei, welche für die Wahlen zum 19. Zionistenkongrcß eine gemeinsame Liste unter der Führung von Dr. Emil M a r g u 1 i c s aufgestellt hat, erläßt folgenden Aufruf: „Zionisten! Das in größte seelische und materielle Not geratene jüdische Volk drängt nach Palästina, der einzigen Zuflucht. Aber nur wenige dürfen ins Land und die Palästina- Regierung tut alles, um die Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes zu hemmen. Noch sind wir Juden Geduldete, nicht Herren im eigenen Lande. Man hindert uns an seinem Aufbau, und was wir unter schweren Mühen und Opfern errichtet haben, kann eine uns fremde Regierung morgen mit einem Federstrich zunichte machen. Nur ein Palästina, wo wir Herren Im eigenen Hause sind, also der Judenstaat, bedeutet Lösung der Judenfrage. Aber die Parteien im Zionismus, die „Allgemeinen** und die L inke n, sind vom Wege Theodor Herzls abgeirrt, haben seine Fahne kleinmütig gesenkt. Die Zionisten -Revisionisten, haben die Organisation verlassen. Die Zionistische Organisation ist nicht mehr der Willen sausdruck aller. Sie wird heute von der Partei der Linken beherrscht, welche ein mit Terror und Hungerpeitsche arbeitendes, einseitiges Parteiregime etabliert hat. Sie macht dem Juden, der sich ihr nicht fügen, will, die Arbeit in Palästina unmöglich. Sie erzieht die Jugend für fremde Ideale, nicht im Geiste Herzls, im Geiste d<?r nationalen Solidarität, sondern im Geiste des Klassenkampfes. Die „Allgemeinen Zionisten", einst die Führer der Organisation, sind gespalten, Sie haben die Zionistische Bewegung, vor allem aber die! Jugend der jetzt herrschenden Klassenkampfpartei ausgeliefert. Im Zeichen des Judenstaates hat Theodor Herzl die übermenschliche Aufgabe gelöst, die widerstrebendsten Elemente in einer starken Organisation zu einigen. Nun, da dieser Geist von der Organisation gewichen ist, droht der Zerfall. Zionisten! Wir kämpfen für die Wiederaufrichtung des Herzischen Zionismus und. damit für die Wiederherstellung einer einheitlichen zionistischen Weltorganisation. Zionisten! Wir lehnen den Klassenkampf ab, der das jüdische Palästina zu vernichten droht. Wir wollen soziale Gerechtigkeit für alle Menschen, nicht für. Klassen. Wir leimen die Ideen von Marx ab. Das Programm ven Popper-Lynkeus ist unser Programm. Das Programm einer Gesellschaft, in welcher kein einziger Mensch Hunger leiden darf, das Programm von der „Allgemeinen NährpfUeht" und vom nationalen Arbeitsdienst in Palästina, der Arbeit aller für alle! Zionisten! Helfet uns, die Zionistische Organisation wieder mit dem Geiste nationaler Solidarität und sozialer Gerechtigkeit zu erfüllen! Wählet die Liste Nr. 3. „Judenstaatspartei und Gemeinschaft politisch*»' Zionisten" Listen fuhrer: Dr. Emil Margulies. Angeschlossen an die Weltwahllistc der Judenstaatspartei. :!: Kandidatenliste Nr. 3: 1. Dr. Emil Margulies, Leitmoritz. 2. Dr. Martin Lichtner, Trautenau. 3. Prof. Dr. Alfred Engel, Brünn. 4. Fritz Sborowitz, Prostejov. 5. Dr. Miriam Scheuer-Goldes, Töplitz-Schöna11. 6. Dr. Ervin Fischöl, Mährisch-Ostrau. 7. Isaak Greidinger, Uzhorod. 8. Ernst Freud, Prag-Smichov. 9. Heinrich Barber, Mährlach-Ostrau. 10. I. Max Schwarz, Bratislava. 11. Jehuda Weiß, Mukacevo. 12. Egon Jokl, Brünn. 13. Ing. Josef Mandl, Prostejov. 14. Marek Schindolmann, Brünn. 15. Mag. pharm. Samuel Rokotnitz, Prag. 10. Philipp Münk, Bzenec. 17. Fritz Steckelmncher, Prostejov. 18. Dr. Ervin Hullcr, Brunn,