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Die neue Welt · 1935-07-19 · Heft 481 (19.7.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 481 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 9 ftekag, den HK M' «QJ5 I85 Nr« 481 V. b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp£diö par l-editeur'4 REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährl* Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lira 5.—, vierteljährig Lira 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen Bind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tei. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag ir. Freitag ., ■ , r P<gfilä§$igftaffRegieruncg gegen Judlesi§$aatf§paHei Von unserem Mitarbeiter in Tel-Aviv erhielten Wir folgenden Bericht: Mitten im Wahlkampfe zum Zionistenkongresse hat die Palästina-Regierung eine Aufsehen erregende Maßregel getroffen: Sie hat ein Verbot aller von der Judenstaatspartei angekündigten Versammlungen erlassen. Das Verbot wird damit begründet, daß die Judenstaatspartei bis jetzt im amtlichen Register nicht verzeichnet ist. Bereits vor einem halben Jahre hat die Leitung der palästinensischen Judenstaatspartei ihre Statuten der Regierung überreicht und um Eintragung ins amt1 liehe Vereinsregister ersucht. Das Gesuch blieb längere Zeit unerledigt. Nach mehrfacher Urgenz kam der Bescheid, daß die Eintragung nicht erfolgen könne, weil das vorgelegte Vereinsstatut nicht mit dem Wortlaut und Sinne des Palästina- Mandates in Einklang stehe. Es wurde hiebei auf die Stelle im Programme der Judenstaatspartei hingewiesen, in welcher zum Ausdrucke kommt, daß die Partei die Wiederaufrichtung eines selbstverwalteten jüdischen Nationalheimes mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit innerhalb der historischen Grenzen anstrebt. Es ist begreiflich, daß das gerade in diesem Augenblicke erlassene Versammlungsverbot der Judenstaatspartei den Wahlkampf sehr erschwert. Während alle anderen Parteien seit Wochen täglich viele Massenversammlungen im ganzen Lande abhalten, konnte die Judenstaatspartei lediglich zwei abhalten, eine im Theater Mongrabi in Tel-Aviv und ei(^e im „Eden" in Jerusalem. Dann kam das Verbot und die Partei ist auf die umständliche und kostspielige Agitation durch Plakate und Rundschreiben beschränkt. Die Regierung hat sich' bereit erklärt, die Registrierung vorzunehmen und das Versammlungsverbot aufzuheben, wenn die Judenstaatspartei die beanStändete Ste11 e aus ihrem Statut zu streichen gewillt ist. Die Leitung der Judenstaatspartei hat dieses Ansinnen abgelehnt und nimmt lieber den Verlust tausender Stimmen und eine geringere Zahl von Kongreßmandaten in den Kauf. { Sie steht auf dem Standpunkte, daß diese Angelegenheit nicht eine Parteisache, sondern von grundlegender Bedeutung für die ganze zionistische Bewegung ist. Es handelt sich hier um eine Auslegung des Palästina- Mandates durch die Regierung, welche nicht unwidersprochen bleiben darf. Weittragende, für den Zionismus verderbliche Folgen können entstehen, wenn man stillschweigend duldet, daß das Streben nach Wiederaufrichtung des jüdischen Nationalheimes mit jüdischer Majorität innerhalb der historischen Grenzen als mandatswidrig, also als illegal erklärt wird. Die Leitung der Judenstaatspartei ist entschlossen, vor Gericht und alle erreichbaren hohen Instanzen zu gehen. Sie will nicht nur die Mandatsmachit, sondern auch alle zionistischen Gruppen zur Stellungnahme in dieser Frage veranlassen. ie Strategie der Nadelstiche Von unserem Korrespondenten Dr. J, A d 1 e r {Tel-Aviv^ lieber den Sorgen unserer „großen Politik", die uns in den nächsten Wochen der Kongreß-Vorbereitung intensiv beschäftigen werden, sei der Alltag mit seinen kleinen Kümmernissen nicht vergessen — mit all jenen mannigfachen Verdrießlichkeiten, Schikanen» Schädigungen die der Jischuw in hohem Maße dem Uebelwollen einer gewissen mediokren Kolonialbeamtenschaft „verdankt". Die Strategie der Nadelstiche, mit denen man uns palästinensischen Juden das Leben und Schaffen im Lande zu verekeln und Neuankömmlinge abzuschrecken sucht, hat uns gerade in letzter Zeit wieder einige charakteristische Erfahrungen beschert. Da hat man vor zwei Jahren in Haifa beim Hafenbau durch Aufschüttung ein gewaltiges Terrain geschaffen, das vom palästinensischen Fiskus an Privatfirmen zwecks Errichtung von Lagerhäusern, Speditionsbüros, Großhandelsgeschäften, Assekuranz^ und Bankgebäuden verpachtet werden soll. Ursprünglich hatte die Regierung vor, die Grundstücke zu angemessenem Pachtzins an möglichst würdige Interessenten zu vergeben. Dann kam ihr plötzlich die Idee, dieVerpachtungandenMeistbietend e n zu bewirken. Vergebens haben die Jüdische Handelskammer für Haifa und Umgebung und andere zuständige Wirtschaftskörperschaften dagegen protestiert und warnend betont, daß solche Pachtauktion nur einen neuen Anreiz zur Bodenspekulation liefern werde. Die Regierung schlug die Warnung in den Wind und hielt soeben, in der letzten Juniwoche, die große Auktion ab. Selbst die ungünstigsten Voraus- NIZZA 7 Avenue Baquis ■WD Hotel Arras Aller Komtort. Elegant« Zimmer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthalt. Komplette Pension: IFrcs. 35.— sagen wurden übertroffen. Die soliden Bieter, die zu vernünftigem Pachtpreis für ihre eigenen Geschäftszwecko ein Stück Regierungsboden erlangen wollten, fanden sich wortwörtlich überschrien von einer Spekulationskorona, die den Pachtzins bis auf 23/i Pfd. (72 österr. Schilling) per Quadratmeter jährlich (!) hinauftrieb. Die Regierung hat zunächst ein „gutes Geschäft" gemacht, um das sie von jedem „Safsar", d. i. Wucherer, beneidet werden dürfte. Um so verheerender ist jedoch der Effekt für die Volkswirtschaft. Die seriösen Interessenten, die den Boden wirklich für ihre Geschäftszwecke brauchen, werden ihn in Unterpacht mit entsprechendem Preisaufschlag aus der Hand der rein spekulativen Paehterwerber übernehmen müssen, und ganz allgemein hat die Bodenspekulation, die in letzter Zeit an manchen Plätzen des Landes nach ihren bisherigen Exzessen schon etwas im Erlahmen war, neuen Auftrieb erhalten. So muß es denn kommen, daß eine Regierungsmaßnahme den Bodenspekulanten neue Waffen in die Hand drückt! Bei einer Verpachtung an ernsthafte Selbstinteressenten zu angemessenen Festpreisen hätte sich dies blamable Resultat bestimmt vermeiden lassen. Daß zur „Tragödie" auch das „Satyrspiel" nicht fehle: Ein Bauplatz von 900 Quadratmeter war ausdrücklich für ein Bankgebäude reserviert worden. Ihn ersteigerte als alleiniger Bieter „Barclay's Bank", die regierungsoffiziöse Palästina-Niederlassung der bekannten britischen Großbank, zu einer Gesamtjahrespacht von nur 710 Pfd. Wo waren denn aber die anderen Banken Haifas geblieben, insbeson- Die richtige Senkfußeinlage sorgfältigst angepaßt, hochelastisch, federleicht, für jeden Schuh, Marke „PEDIFR1T" Bonriaogn-rhiholnsch Alleinverkauf: Fachfirma Gegründet 1904 Wien II. laborstraße 22 ]lk$d nmk PMäsUaa l/6f» Gskaz UecUttyec Seite 8 dere die jüdischen Kreditinstitute, wie Kupath-An-Bank, Misrachi-Bank und Mercantile-Bank?, Für ihre Zwecke war jenes Spezial-Bank-Grundstück zu groß gewesen; deshalb mußten sie andere Plätze, zu relativ höheren Preisen, erpachten. Hätte man nicht statt des einen großen Spezial-Bank-Bauplatzes, der offensichtlich nur für „Barclai's Bank" zugeschnitten war, mehrere kleinere Plätze für Bank- Zwecke vorbehalten können? Diese Frage ist gegenwärtig allgemeiner Diskussionsstoff in unseren Finanzkreisen, und auch Leute verärgert, die sonst bis ins Mark der Knochen pro-britisch sind. Da nun schon einmal von Hafenproblemen die Rede ist, sei auch erwähnt, daß führende internationale Versicherung s konzer ne neuerdings beabsichtigen, die Seeversicherungsrate für Warensendungen nach Jaffa-Haifa zu verdoppeln. Grund dieser für Einfuhrhandel und Konsum schwerwiegender Drohung: Bei der Entladung der Dampfer in Jaffa werden die Güter durch nachlässige Behandlung oft stark ramponiert und der verursachte Schaden geht weit über das internationale Durchschnittsmaß hinnaus, was den Versicherungsfirmen ein begreifliches Unbehagen veranlaßt. Warum aber werden in Jaffa und Haifa die Waren so mißhandelt? Hauptsächlich deshalb, weil die staatlichen Hafenverwaltungen es noeü immer vorziehen, ungelernte Taglöhner aus dem syrischen Hauran, die in Palästina nichts zu suchen haben, zu Mindestlöhnen zu beschäftigen — während die ausgezeichnet geschulten jüdischen Hafenarbeiter aus Saloniki, die gern in ausreichender Anzahl nach Palästina kommen möchten, nur mit Mühe und Not ab und zu ein paar Zertifikate erhalten. Nun haben zwar kürzlich die Hauraner im Haifaer Hafenbetrieb zwecks Lohnerhöhung gestreikt und sich überhaupt recht ungebärdig aufgeführt. Das wird jedoch den „lieben Kindern" gewisser hochmögender Schutzpatrone freundlichst verziehen, denn jeder Arbeitsplatz für einen Hauraner mehr ist ein Platz für einen Juden weniger! Während die in Palästina in jeder Hinsicht illegalen Hauraner unter nachsichtigen Augen Spektakel machen, Schmutzkrankheiten in den Hafen- und Elendsquartieren verbreiten und hin und wieder auch mal Einbrüche in jüdische Wohnungen ver> üben, ist der Jude, der ohne vollgültige Dokumente in sein „Nationalheim" zu kommen sich erkühnte, heute wieder einer Welle von „illegalen" Drangsalie- „rungen ausgesetzt. Die vielberufene „Amnestie" ist für ihn ausgeblieben; vielmehr floriert eine neue Methode der Verfolgung. Es ist üblich geworden, daß in der Nähe der Meex'esküste verspätete Arbeiter oder Spaziergänger — selbstverständlich nur Juden! —• von arabischen Passanten aufgehalten und dem nächsten Polizeiposten zugeführt werden. Dieser Tage hat es einen solchen Fall sogar unmittelbar bei Tel- Aviv, am Jarkonfluß, gegeben. Jüdische Arbeiter wurden auf dem Heimweg von einer Sandgrube von arabischen Schafhirten festgenommen und zur Polizeiwache geschleppt, wo An jedem Sonntag SondertBÜfifl nach Polen und der Bukowina Direkte verkürzte Reisedauer, Sammelpaß. Rückfahrt: 4. August, 1. und 15 September. Anmeldeschluß Donnerstag Reisebüro I R U T11 Ref. S. Rosenkranz Tel.: U-44-5-79,1, Karlsplatz 1, Kärntnerstraße 63

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