Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 479 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Kr. m DIE NEUE WELT Seite 7 1 BILLIGER URLAUB IN GOLLING (S A L Z B U G) Hin- und Rückfahrt Söhnellzug III. Klasse, 10 volle Tage Unterkunft und Verpflegung einschließlich Trinkgeldablöse S 102. Auskünfte und Anmeldungen: ABTEILUNG FÜR FREMDENVERKEHR DES PHÖNIX, I, Wallnerstr. 6a, Tel. U-25-3-32 u. U-25-5-80 OSTERR. VERKEHRSBURO, I, Friedrichstr. 7, Tel. A-36-5-40, I, Graben 20, Tel. U-29-0-35 REISEBÜRO „IRUT", I, Karlsplatz 1, Tel. U-44-5-79 Touristik — ein Stiefkind der PaIä§tina*Regierung! Von Dr. J. Adler (Tel-Aviv) Im englischen Parlament hat neulich ein Vertreter des Kolouialamtes auf die Anfrage eines Abgeordneten zugegeben, daß die Frcmdenverkehrspropaganda der Palästina-Regierung sich im allgemeinen nur darauf beschränkt, Werbeplakatc für die Palästina-Bahnen in Aegypten auszuhängen. Etwas eigenartig immerhin, daß man von offizieller Seite den fremden Besuchern Palästinas so gar nichts anderes zu empfehlen weiß als die Benützung der Eisenbahnen und daß man auch mit dieser eng umgrenzten Einladung nur die Bewohner Aegyptens auszeichnet! Wer über die Bedeutung der Touristik für Palästina doch ein wenig anders urteilt als die dem „Department of Migration" des Herrn Mills angegliederte amtliche Fremdenverkehrskommission, würde gerade in diesen Tagen gern eine zuverlässige Bilanz der jetzt beendeten Frühjahrs-Frerndensaison erhalten. Wir meinen damit nicht nur die paar dürftigen Zahlen, die soeben von der Regierungsstatistik über die Touristenfrequenz veröffentlicht wurden und aus denen man noch nicht einmal die (für eine systematische Auslandspropaganda äußerst wichtigen) Herkunftsländer der Palästina-Besucher erfuhr. Sondern wir verlangen weit darüber hinaus eine ausführliche Darstellung dessen, wie sich in den letzten Monaten die Wirtschaftslage der palästinensischen Fremdenindustrie 'gestaltet hat. Man hat die Gewinne, die im letzten Jahr die Hoteliers und Pensionsinhaber, die Reisebüros, die Autobuslinien, die Taxichauffeure, die Fremdenführer, die Reiseandenkengeschäfte und die anderen von der Touristik abhängigen Erwerbszweige und Berufe dank des Ausländerbesuches erzielten, auf rund eine Million Pfund geschätzt. Stimmt diese Berechnung und ist sie in der diesjährigen Saison übertroffen oder nicht erreicht worden? Da es sich hier zweifellos um einen wertvollen Posten unseres Volkseinkommens handelt, muß man es recht bedauern, daß man auf diese Frage keine autoritative Antwort zu erhalten vermag. In Italien, in der Schweiz, in Frankreich oder in Oesterreich ist das ganz anders. Dort würden wir uns einfach an das Fremdenverkehrsdepartement der Regierung wenden und neben präzisen Statistiken über die Frequenz und über das volkswirtschaftliche Resultat der Touristik ganz bestimmt auch einen Spezialbericht erhalten, der davon Rechenschaft gibt, was die von uns befragte Behörde ihrerseits zur Förderung des Fremdenverkehrs getan hat. In den erwähnten Ländern betrachtet und behandelt man seit langem den Fremdenverkehr als eine der wichtigsten Industrien, als den „unsichtbaren Export", und ein ganzes System propagandistischer und organisatorischer Maßnahmen greift ineinander, um fremde Vergnügungs- und Studienreisende ins Land zu ziehen und sie durch ausgezeichnete Leistungen des Hotelwesens und der Verkehrsbetriebe zu befriedigen und zum Wiederkommen anzuregen. Tausende Lockmittel werden dabei benützt: Kolossale Eisenbahnrabatte, sensationelle Sportveranstaltungen, internationale Opernfestspiele und Musikfeste, großartige Ausstellungen — all dies von den Regierungen liebevoll gefördert und kräftig subventioniert! Und von da aus wenden wir den Blick auf unsere Heimat Palästina zurück und finden dort zur „Förderung", richtiger gesagt: Verhinderung des Fremdenverkehrs die wahrhaft geniale Maßregel, daß seit November 1B33 jeder nach Palästina reisende Tourist zunächst einmal 60 Pfund Kaution auf dem britischen Konsulat seines Wohnortes zu hinterlegen hat. Offenbar gilt die Abschreckung der Touristen hierzulande als besondere Staatsweisheit . . . Wohl 1,5 Millionen Pfund und mehr sind gegenwärtig in Palästinas Hotel-, Pensions- und Verkehrsgewerbe, soweit sie der Touristik dienen, investiert. Spricht man mit Fachleuten aus diesem Geschäftszweige, so erhält man ein klares Bild von der Schärfe des Konkurrenzkampfes, der sich heute in den „Reiseländern" rings um 4ajg Mittelmeer abspielt. An der Spitze steht Italien, dessen Fremdenindustrie bei der staatlichen „Enit" ihre Interessen in besten Händen weiß. Daneben erwähnen wir die außerordentlichen Bemühungen Frankreichs für den Besuch der Riviera und seiner nordafrikanischen Gebiete (Tunis, Algier, Marokko). Aber auch Spanien, Griechenland, Albanien, Jugoslawien, die Türkei, Syrien- Libanon und Aegypten entfalten augenblicklich in Europa und Amerika eine riesige Propaganda. Die Interesselosigkeit und offene Abneigung der Palästina-Regierung gegenüber der Touristik hat zur Folge gehabt, daß unserem Lande auch in dsx ab^eiaufss:!^ Saison wiederum wohl mehrere hunderttausend Pfund an sonst sicheren Einnahmemöglichkeiten verlorengegangen sind. Mindestens 30.000 jüdische Touristen vom Kontinent, die per Person während ihres Palästina-Aufenthalts durchschnittlich 20 Pfund im Lande ausgegeben, also unserer Volkswirtschaft mindestens 600.000 Pfund eingebracht hätten, sind in diesem Frühjahr nicht gekommen, weil die fatale 60-Pfund-Klausel sie fernhielt. Die Regierung kann jene Klausel keineswegs damit entschuldigen, daß sie ja nur eine „Formalität" sei, die denjenigen, der pünktlich wieder abreise, nicht belaste. Nein, wir wissen es, daß man in der 'ganzen Judenheit der Welt eine schwer beleidigende Zumutung darin erblickt, als Besucher des jüdischen Nationalheims eine Kaution erlegen zu müssen — zumal da vielfach vermutet wird, daß nichtjüdischen Touristen die Kautionsleistung stillschweigend erlassen bleibe. Bevor noch die „stille Saison" vorüber ist, werden unsere Hotels und Reisebüros ihre Vorbereitungen für die kommende Herbstsaison durchführen. Soll ihnen dann wiederum jedwede Fürsorge der Regierung versagt bleiben, im Gegenteil ihr Geschäft — das Tausende von Arbeitnehmern miternährt — wiederum durch all die Schwierigkeiten und Aergernisse verdorben werden, die der Palästina-Tourist von dem Augenblick an erwarten muß, da er irgend ein britisches Konsulat zwecks Erwerbs des Touristenvisums betritt? Unsere erste Frage ist bereits im englischen Parlament beantwortet worden. Eine aktive Regierungsfürsorge soll dem palästinensischen Fremdenverkehr, falls nicht der neue Kolonialminlster Malcolm Macdonald den Herren Wauchope und Mills andere Weisungen erteilt, auch diesmal nicht vergönnt sein. Abgesehen von ein paar Eisenbahnplakate in Aegypten, wird Herr Mills auch künftighin weder Prospekte versenden noch anderswie die öffentliche Meinung jener Länder bearbeiten lassen, in denen man sich für Palästina interessiert. Die Mühe der Ausarbeitung von Reklame-Artikeln und Reklame-Notizen zur Placierung in den Reisebeilagen der europäischen und amerikanischen Zeitungen ist dem Vorsitzenden unserer amtlichen Fremdenverkehrskommission auch heuer erspart geblieben, und seine Kollegen in den anderen Ländern, sei es der französische Unterstaatssekretär für den Fremdenverkehr, sei es der Direktor der italienischen „Enit" oder der Chef des russischen „Intourist", dürfen sich ins Fäustchen lachen, daß die palästinensische Konkurrenz nach wie vor ihre besten Chancen verschläft. Was wir fordern, ist in erster Linie die sofortige^ Aufhebung der 60-Pfund-Klauscl und die" Gratis-Gewährung des Touristenvisums. Weiterhin verlangen wir, daß in unseren Häfen und auf dem Bahnhof Kantara-Ost die Paß- und Zollabfertigung, die heute eine mehrstündige Belästigung der Reisenden darstellt, von Grund auf vereinfacht und beschleunigt wird. Auch das Bummeltempo und die Unpünktlichkeit unserer Eisenbahnen schreit nach Reform, desgleichen die Behandlung des Publikums in den Postämtern. Daneben gibt es nochl zahlreiche andere Aufgaben zur Förderung des Fremden-* Verkehrs, die von der Regierung gemeinsam mit den! Munizipalitäten, den Hotelierverbändcn und anderen interessierten Institutionen zu lösen sind. Palästina mit seinen Seebädern, seinen Höhenkurorten, seinen Thermalstationen, seinen historischen Stätten, seinen landschaftlichen Reizen und vor allem dem grandiosen Bild seines jüdischen Aufbauwerkes vermag bei geeigneter Propaganda, Fremdenverkehrsorganisation und Fremdenvcrkehrstechnlk über kurz oder lang das beliebteste Reiseziel am ganzen Mittelmeer zu werden. Da erfahrungsgemäß das Wohlergehen der Fremdenindustrie weniger von der Wirtschaftslage des eigenen Landes als vielmehr von der in den Heimatländern der1 Touristen abhängt, so könnten wir auf diesem Wege von der voraussichtlich doch kommenden Wiederbelebung der! europäischen und amerikanischen Wirtschaft profitieren und uns eine sichere Einnahmequelle ausbauen, die uns im Falle einer Inlandskrise sehr gute Dienste leisten würde. Kurz gesagt: Förderung des Fremdenverkehrs kann eine wesentliche Vorbeugung gegen Krisengefahren bedeuten. Das ist unsere Meinung von der Sache, die leider bisher von der Palästina-Regierung nicht geteilt wird. Dennoch hoffen wir, nicht tauben Ohren gepredigt zu haben. Konzert. Aus Linz wird geschrieben: Kürzlich fanc! hier ein Korizertabend des bekannten Sängers Hermann G w i 11« in a n n, gewesenen Oberkantors der Kischinewer Großen Synagoge, und des Margaretner Tempels (Wien) statt, der von großein Erfolg begleitet war. Die Schönheit der Stimme, die hohe Gesangskultur, der dramatische Ausdruck zeigten einen Sänger von hohem Nivea». H. Gwillmann brachte auch einige eigene Kompositionen zu Gehör, die durch ihre kühne Harmonik sowie er* greifende Stimmung auffielen. Frau Cäcilie Gwillmann besorgte in musterhafter Weise die Begleitung. An jedem Sonntag Sonderfahrten nach Polen und der Bukowina. Direkte, verkürzte Reisedauer, Sammelpaß. Rückfahrt: 4. August, 1. und 15. September. Anmeldeschluß Donnerstag. Reisebüro „Irut", Ref. S„ Rosenkranz, Telephon U-44-5-79, 1. Bez., Karlsplatz 1, Kärntnerstraße 63. Eau de Cologne „5 fleurs". Es unterliegt gewiß keinem Zweifel, daß die Pariserin als eine der verwöhntesten Damen in Hinsicht der Auswahl ihrer Parfüms angesprochen werden darf. 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S 1.98, 5t=Scibcu;Wrmurc*3mprime, 5t=S.^iboulbiuguc^nprimc unb Ä.sS.s(£repc* be=(£f)ine=3mprime, altes 90 breit, per atteter S 3.75. güc $crrcn: SBciftc ßeinch*$ofen, laug S 8.90, furj S 5.90, Sat3burger Öeincn^oppen S 7.90, aafl)as£ofcn S 10.90, Äafba=SarTo S 27.50. porüjc v4$Dios$cmben S 2.90 unb S 1.98, Ä.sSeibcusStefeljemben S 5.90, Sämi|'cr)=^eefenb;Sct)ur)e S 14.90. Stiles für bas ftinb! Stile Sparfamen faufen... bei Sdriffmann, Taborstraße 40