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Die neue Welt · 1935-07-12 · Heft 479 (12.7.1935) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 479 (12.7.1935)
Date
1935-07-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WEX1 Nr. 479 Pefadi Tikwah Kolonie wird Stadt Von Dr. Israel Zwi Kanner. Neben Tel-Awiw ist Petach Tikwah die zweite hundertprozentige jüdische Stadt im Saron. Beide aind durch eine herrliche Autostraße verbunden, die in zwanzig Minuten von Autobussen bewältigt wird. Diese Straße ist sehr beliebt. Eine Kolonie reiht sich an die andere: zur Rechten das deutsche Sarona, zur Linken die rasch aufblühenden jüdischen Siedlungen Montefiore, Ramath Gan und Bne Barak. Lange hat sich die Kolonie gegen die Stadternennung gewährt. Die hohen Steuern lohnten nicht diesen Ehrentitel. Die Kolonie wuchs aber in einem Ausmaß, daß sie nicht mehr den Namen einer Moschawah verdiente. Zwar sind erst nur einige Straßen asphaltiert, während man in den übrigen noch im Sand versinkt, aber die respektvolle Zahl von zwanzigtausend Einwohnern mußte 'berücksichtigt werden. Also entschloß sich die Regierung, Petach Tikwah — das Dorf mit den zwanzigtausend Einwohnern — zur Stadt zu ernennen. Petach Tikwah ist eine historische Stätte. In seiner Nähe liegt das Grab Judas, des Sohnes Jakobs. Das arabische Dorf ist nach ihm benannt (Jehudije). Die nationale Bewegung unter den Arabern brachte es mit sich, daß diese das Dorf nach einem arabischen Heiligen (Alebbes) benannten. Wie fast alle jüdischen Kolonien, ist auch Petach Tikwah — die Namengebung stammt von Hosea (2/17) — auf einem versumpften, übelriechenden Terrain entstanden. Eukalyptusbäume erzählen von der Jugendzeit der Siedlung, Im Jahre 1878 wurde die Kolonie von Jerusalemer und Jaffaer Juden begründet, wegen des ungesunden Klimas aber von ihnen verlassen. Erst nach acht Jahren kehrten russische Studenten dorthin zurück und bauten eine Stadt von Leben und Gesundheit, die sich heute über ein Gebiet von 5000 Dunam erstreckt und 20.000 Seelen zählt. Die großangelegten Orangengärten und die riesigen Zypressen rechtfertigen den ehrenvollen Beinamen: Mutter der Kolonien. Petach Tikwah — die Hochburg der Pardessanim! Der Markt, der Hauptplatz und die Zufahrtstraßen geben den Rahmen für ein Bild: Arbeiter, Pardessan, Makler, elegante Effendis und in Säcken gekleidete Beduinen. * Tor der Hoffnung? Tor der enttäuschten Hoffnung! Es gibt hier Juden, die monatlich einige hundert Pfund verdienen, aber keine Juden, sondern nur Araber beschäftigen. Die Angst, der jüdische Arbeiter werde einige Piaster mehr verlangen, treibt sie zu nationalem Verrat. Wenn die Araber irgendeine Demonstration veranstalten, schwören die Arbeitgeber hoch und heilig, keine Araber mehr einzustellen. Ist die Demonstration vorüber, nimmt wieder der Egoismus von ihnen Besitz. Auffallend ist der Mangel an jüdischen Lastträgern. Will man ein schweres Gepäckstück irgendwohin befördern, muß selbst der radikalste Verfechter jüdischer Arbeit sich eines Arabers aus dem Hauran oder aus Aegypten bedienen. Wie viele Juden befinden sich Chuz Laarez (außerhalb Palästinas), die gerne diese Arbeit verrichten würden, wenn man sie nur ins Land ließe. Erschreckend groß ist die Anzahl der Aerzte. Gibt es wirklich so viele Kranke? Nein. Das sehen nun die meisten ein, satteln allmählich um und werden Orangen- und Bienenzüchter. Petach Tikwah ist daher auch ein guter Honigmarkt. Man munkelt, daß sich in Petach Tikwah das Hebräisch noch nicht durchgesetzt habe und daß der alte Jischuw noch beharrlich Jiddisch spricht. Es soll sogar einen „petachtikwahischen Dialekt" geben. Großes Verdienst um das kulturelle Aufblühen der Stadt hat sich ein intimer Freund Bialiks, der Dichter Schalom Streit, erworben, der durch Begründung und persönliche Leitung des „Achad Haam"-Gymnasiums — des einzigen im Sarongebiet — eine auf ihre hebräischen und jüdischen Kenntnisse stolze Generation erzieht. — Petach Tikwah ist auch Sitz einer großen Jeschiwah. Die neue Stadtgemeinde ließ auch Straßentafeln, blau auf weißem Email, mit Namen anbringen, die seit Jahrzehnten beim Volk ungeschrieben in Umlauf waren: Rechow Herzl mit Gärten zu beiden Seiten, R. Wolfsohn, R. Pinsker, R. Montefiore, R. Moholiwer, R. Chowewe Zion und die nicht asphaltierte, noch tief im Sand steckende größte Straße der Kolonie R. Rothschild mit der Baumallee. Hier befindet sich auch das Gelände für den zu errichtenden Stadtpark. Die Montefiore-Straße scheint deshalb nach dem Millionär benannt Schreib-, Rechen- und Additions-Maschinen Vervielfältigungsapparate Neu und gebraucht! Auch leihweise! Langfristige Kredite! Verlangen Sie kostenlose, unverbindliche Angebote.! Hebräische Maschinen lagernd! Kontor-Einrichtungs-Gesellschaft Wien I, Ejchenbochg. 9-11. Tel.: B-26.0-61. B.26-0-71 worden zu sein, weil dort die meisten Banken untergebracht sind. Charakteristisch für die werdende Mittelstadt ist die Tatsache, daß Ecke Chowewe Zion-Moholiwcr ein ganzes Häuserviertel eingerissen wird und an seiner Stelle eine Passage mit einigen Dutzend Geschäften errichtet wird. Die Eisenbahnstation Petach Tikwah mußte einige Kilometer von der Siedlung entfernt angelegt werden, weil die Bürger am Samstag durch den Verkehr nicht arabischen Uebergriff gefallen sind. Ein beliebter Ausflugsort Petach Tikwahs ist die Ruine der Antipatrosburg, in deren Nähe der Jarkon entspx-ingt. Die Tochterstädte Petach-Tikwahs Rings um die „Mutter der Kolonien" (wegen der zahlreichen arabischen Arbeiter auch Stiefmutter genannt) erheben sich zahlreiche Siedlungen: „Machne Jehuda" (Lager Judas, analog Riehl 18/12) und „Ejn Ganim" (Gartenquelle, Jos. 15/34) im Osten, „Gat Rimon" (Granatenkelter, Jos. 19/45) im Süden, „Giwath Schloschah" (Hügel der drei, analog Jos. 18/28) und „Kfar Ganim" (Gartendorf, analog Jos. 18/24) im Westen. — „Machne Jehuda" ist durchwegs von Jemeniten bewohnt. In der Nähe von Petach-Tikwah liegt Moschaw Salmandi, benannt nach dem Spender des Bodens. Im Rambam-Monat wurde der Grundstein für eine Synagoge gelegt, der seinen Namen führen soll. Am 11. Schwat 5696 wurde der Grundstein für eine neue Siedlung gelegt: „Behadraga" (Allmählich). Bei der Einweihung prangte eine blau-weiße, aber auch eine rote Fahne. Diese Arbeitersiedlung wurde von den orthodoxen Arbeitern Petach-Tikwahs angelegt. Sie befindet sich in der Nähe von „Gat Rimon", auch „Tchijah" (Renaissance) genannt, fünf Kilometer von Petach-Tikwah entfernt. Vor einem Jahr legten Industrielle am Ostende von Petach-Tikwah den Grundstein für „Kirjath Arje". Sie ist nach dem Vorsitzenden der Industriellen Arje Scheinker benannt, der den „Baronwald" abgekauft hat, auf welchem nun eine Industriestadt und ein Fabrikszentrum errichtet werden sollen. Die teuren Bodenpreise in den Städten regten viele an, ihre Fabriken nach „Kirjath Arje" zu verlegen. So kam Petach-Tikwah um seinen Spielplatz für die Jungen und Ruheplatz für die Alten. „Roosch Haajin" (arab. Rass-el-ejn) ist der zentralste und wichtigste Punkt in der Verbindung der Orte im Sarongebiet, und schon jetzt ist er die Fortsetzung von Petach-Tikwah. In der Nähe von Petach-Tikwah liegt das arabische Dorf Paga. Petach-Tikwah und ihre Tochterstädte bekommen demnächst ein eigenes Friedensgericht. Auch andere Institutionen werden eingerichtet werden, so daß Petach- Tikwah und seine Umgebung nicht mehr von Jaffa abhängig sein werden. Dank an die Wähler der Liste „Misrachi". Wir erhalten vom Misrachi-Landesverband Oesterreich folgende Zuschrift: Der Wahlkampf zum Kongreß ist vorüber. Wir fühlen uns veranlaßt, allen Freunden, die uns mutvoll und unentwegt ihre Stimmen zuwandten, auf diesem Wege unseren innigsten Dank zu zollen. Der „Misrachi" hat seine Stimmenzahl fast verdoppelt und fast 100 Prozent seiner Schekelzalüer zur Urne gebracht, welcher Umstand den thoratreuen Zionisten das Mandat auf der Weltwahlliste sichert. Der Kampf ist vorüber und wollen wir hoffen, daß wir am Kongreß in Luzern mit Hilfe aller bürgerlich eingestellten Parteien unsere religiösen Postulate, ohne deren Erfüllung der Aufbau des Heiligen Landes unmöglich erscheint, auch zum Siege führen werden. F. d. Misrachi-Landesverband: Rabbiner Salomon F r 1 e d m a n n m. p. F. d. Wahlleitung „Religiöse Liste .Misrachi' ": Malkiel Grünwald m. p. Besuch beim B* L F. Eine Delegation der British Legion besuchte dieser Tage die Stadt Wien, aus welchem Anlaß eine Feier unter Teilnahme zahlreicher soldatischer Verbände stattfand. Die Delegierten der British Legion Oberst S. W. H. Ashwanden und Major I. B. Brumel Cohen statteten dem Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs einen Besuch ab, wobei sie vom Bundesführer Hauptmann v. Friedmann, Ehrenmitglied der Jewish Ex-Servicemen Legion, und den Mitgliedern der Bundesführung sowie Bezirksführungen begrüßt wurden. Auf eine englische Ansprache des Bundesführerstellvertretera Oberleutnant d. R. Diplomkaufmann Stiaßny erwiderte Oberst Ashwanden, daß es ihn freue, dem Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs die Grüße der englischen Kameraden übermitteln zu können. Die British Legion vereinige sämtlicher Frontsoldaten und kenne keine Unterschiede zwischen einzelnen Rassen und Religionen. Im gleichen Sinne sprach der zweite Delegierte der British Legion Major S. Brumel Cohen. Sommerfe&t des B. J. F. Das infolge ungünstiger Witterung verschobene Sommerfest des Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs findet am 13. d. um 20*4 Uhr In der Liliputstadt im Prater (Eingang gegenüber dem Planetarirankino, Wien, H, Prater^ statt, ll„TABORSTR( Filme der Woche (Nach den Herstellungsländern zusammengestellt.)] Amerika: Ein Herz zu verschenken. — Wir sen« den Sonne. — Sturm über Mexiko. — Auferstehung. — Bengali. — Viva Villa. — Die Geheimnisse von StambuL England: Der Mann, der zu viel wußte. — Mein Herz der Königin. Deutschland (Arierparagraph): Grüß mir die Lora noch einmal. — Die schöne Unbekannte. — Der alte und der junge König. — Fräulein Lisclott. — Der fedge Held, — Schloß Hubertus. Englische Filmgesellschaft dreht neuen Schmidt-Film, Richard Oswald, der Schöpfer der ersten beiden Josef-Schrnidti Filme, hat soeben mit den Aufnahmen zu seinem neuen Schmidt-f Film „Heut* ist der schönste Tag in meinem Leben!" begonnen, der im Sieveringer Tobis-Sascha-Atelier für die Londoner Globe-« Film-Gesellschaft in deutscher und englischer Fassung gedreht •wird. Josef Schmidt spielt diesmal eine Doppelrolle. Die übrigen Hauptrollen sind mit Felix Bressart und Otto Wallburg besetzt. Weitere Engagements prominenter Künstler stehen bevor. Die Musik schreibt Hans May, der Komponist sämtlicher bisheriger, Schmidt-Filme. Bauten: Architekt Artur Berger, Jüdische Künstlerspiele IL, Praterstraße 34. Tel. K-45-4-94 Ab Samstag, den 13. Juli 1935, täglich „Moisch'o Melanie d", Komödie mit Musik in drei Akten von Goldberg^ Mitwirkende: Simon F o s t e 1, Lora Glücksmann, Israeli. G a 11 i n a, Max Perlmann usw. Sonntag, den 14., nach-« mittag: „Moische Melamed". Haganah. Alle Zionisten sind zum Gartenfest des jüdischen Wehrsport- und Schützenvereins Haganah für Samstag, den 20. Juli 1935, 8 Uhr abends, eingeladen I Die Veranstaltung findet in Ossigs Etablissement im Augarten statt. Tanz im Freien, Jazz, Ueberraschungenl — Halten Sie sich diesen Abend frei! Konkursaussdireibung Bei der Israelitischen Kultusgemcinde IWien ist die, Stelle einer technischen Hilfskraft zu besetzen. Für diese Stelle kommen Ingenieure! für Hochbau mit zweiter Staatsprüfung und mindestens fünfjähriger allseitiger Praxis» hievon zwei Jahre als Bauleiter, sehr expeditive Arbeiter, mit gründlichen Kenntnissen und Erfahrungen im Kaikulations- und Arbeitsvergebungswcsen und in der Führung der Bauaufsicht, in Betracht. Die näheren Bedingungen sind der seinerzeitigeq, Vereinbarung vorbehalten. Reflektanten (österreichische Bundesbürger) wollen ihre gehörig belegten Bewerbungsgesuche bis längstens 15. Juli 1935 in der Amts« idirektion der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, 1. Bez., Seitenstettengas3e 4, 3. Stock, schriftlich ein* bringen. Kundmachung Der Vorstand der Israelitischen Kultusgcmeindc Wieoi hat verfügt, daß ab 9. Juli 1935 die Männcrmikwah auch an Nachmittagen in der Zeit von '/_.3 bis Uhr abends, und zwar zunächst für die Dauer von 14 Tagen geöffnet ist. Der Preis ist mit 30 Groschen per Bad festgesetzt. Der Zutritt zum Bade ist nur gegen Vorweis der gelöston Eintrittskarte gestattet^ Eltern/ Achtung! Nachhilfe und Hofmeister in allen Gegenständen det? Mittelschule (Math., Franz., Latein), für Wiederholungsprüfungen, vermittelt Ihnen über die Ferien die „Judäa" (Verb. jüd. Hoch* schüler Oesterr.). Auskunft: Täglich von 2 bis f> Uhr nachmittags im Sekretariat, IX., Alserstraße 2(>. Toi. A-25-2-28. Samstag und Sonntag keine Auskünfte. Die ,,Judäa" veranstaltet auch heuer S <> m in e r r c i a e n nach Dalmation (Oniia) und Bulgarien (Varna). Preis für dreiwöchigen Aufenthalt in Omis S 150.—, 4 Wochen S 180.—^ Abfahrt am 21. Juli. Auskünfte und Anmeldungen im Jüdischen Hochschulausschuß, IX., Alserstraße 26, täglich von 1 bis 3 Uhr und Montag und Donnerstag von ß bis 8 Uhr. Tel. A-25-2-28. Kine Verfärbung der Zähne kann niemals stattfinden, wenn die Zähne regelrecht unter Anwendung einer guten Zahnpaste und einer geeigneten Bürste behandelt werden — Niederschläge, welche sich aus dem Speichel und aus den Mundsäften bilden (Zahnstein, Zahnbeliige, T3aktcrienplaqucs, durch Tabak, Kaffee, Tee) und mehr noch solche, welche durch chemische Umsetzung der quecksilberhaltigen AnialgamfUlIungcu entstehen, verändern oft sehr rasch und intensiv das saubere Aussehen dar Zahnreihen. — Nur eine gründliche und regelmäßige Pflege mit O d o 1 - Zahnpaste schützt. Ihre Zähne vor lästigen Verfärbungen. Odol-Zahnpasto beseitigt durch ihre große Ab.sorptkmskraft Infolge ihres hohen Gehaltes an kolloidalen Bestandteilen allö Unreinigkeiten, unangenehmen Gerüche und Farbstoffe, <Jie att den Zähnen haften können.

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