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Die neue Welt · 1935-07-12 · Heft 479 (12.7.1935) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 479 (12.7.1935)
Date
1935-07-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 479 meh MtMstUta foUac UecÜHfycc (feüsaletn) i) In f3eyr©H§h Im Hotel D=clv:iban. oinein kleinen Hafenhotel, eaßfn wir: lt.. ein grauhaariger Jude, früher Fabrikant in TVutt-ehland: H., ein jugoslawischer Baumeister; und ich. Am Ta~o verhör waten wir angekommen und man hatte, os ups nicht leicht gemacht, das Schiff verlassen zu dürfen. Zuerst ein Irriges Ausfragen über den Zweck der Reise, über die Länge des projektierten Aufenthaltes, über die Höhe des mitgebrachten Geldes usw. Als festgestellt wurde, daß wir alle Juden sind, wurden uns die Pässe abgenommen, wir mußten das Geld für eine Rückfahrkart? nach Europa deponieren und dann durften wir nach Libanon. Die Sfiretc General hatte sich gesichert. Sic vermutete, daß es sich um Leute handle, die illegal die Grenze nach Palästina passieren wollen. Wird man sie nicht erwischen, dann gut, dachten sie, dann verfällt nach einem halben Jahr der deponierte Geldbetrag und wir senden den Paß an die Polizeidireküon zurück, welche den Paß ausgestellt hat. Und erwischt man sie, dachten sie weiter, sind wir gedeckt. Die Engländer teilen uns das Signalement mit, wir sehen nach, übernehmen von den Engländern die Illegalen, kaufen die Fahrkarte von deren Geld und schicken sie zurück . . . Viel Geld hatten wir nach dieser Operation, auf die wir nicht vorbereitet waren, nicht mehr. Das war auch der Grund, weshalb wir in das kleine Hotel zogen, in dem man die Betten einzeln vermietet. Wir saßen nun beisammen und hielten Kriegsrat. III Kilometer waren wir von der palästinensischen Grenze entfernt. Wir sahen in die Karte und überlegten. Es war klar, daß wir genaue Informationen benötigten. Schon als wir mit dem Schiff ankamen, hatten sich verschiedene Menschen an uns gedrängt und uns in allen europäischen Sprachen ihre Hilfe angeboten. Wir hatten abgelehnt und nun bedauerten wir das. Wohl wußten wir, daß wir Gefahr liefen, verraten zu werden, wenn wir uns anderen anvertrauen, doch konnten wir andererseits nicht aufs Geratewohl losgehen. Wir 'beschlossen, daß ich, der ich als einziger mich mit den Leuten Französisch verständigen konnte, zum Hafen hinuntergehen sollte, wo wieder ein Schiff ankerte, dessen Passagiere bald aussteigen würden. Sicherlich waren die Menschen, die uns angesprochen hatten, ebenfalls bei diesem Schiff und ich sollte nun versuchen, mich mit ihnen ins Einvernehmen zu setzen. Ich ging zum Hafen, wo ich die Gesuchten sofort sah. Sie standen einträchtig beisammen und warteten, bis die Formalitäten für die Neuangekommenen erledigt •waren. Ich hatte Zeit, mir sie anzusehen. Sehr vertrauenerweckend sahen sie ja alle nicht aus. Es waren vier Menschen, drei Juden und ein Neger. Die Juden waren jung, so elegant gekleidet, wie es für halbe Hochstapler fast typisch ist. Der Neger wieder sah etwas heruntergekommen aus, trug jedoch fabelhaft geputzte, glänzend schwarze Schuhe und einen schneeweißen Tropenhelm, unter dem sein schwarzes Gesicht hervorsah. Ich näherte mich langsam der Gruppe und fragte in französischer Sprache nach dem Namen des neuangekommenen Schiffes. Der Neger antwortete in gutem Deutsch, gab Auskunft und fragte, ob ich nicht am Tage vorher angekommen sei. Ich bejahte, worauf er ganz nahe an mich herantrat und mich fragte, ob ich nach Palästina wolle. Ich wich aus. Nicht ich wolle nach Palästina, doch glaube ich, daß einer meiner Freunde nach Erledigung seiner Geschäfte die Absicht habe, nach Palästina zu reisen. Warum er frage? Er antwortete, daß er Freunde hätte, die vollkommen uneingennützig und nur gegen Ersatz der wirklichen Spesen ihren Glaubensgenossen beim Grenzübertritt behilflich wären und er mich gerne mit diesen bekanntmachen würde. Ich überlegte eine Weile, nahm dann sein Angebot an und wir besprachen für Abend eine Zusammenkunft. Ich hatte nun meinen Auftrag erfüllt und kehrte in das Hotel zurück, um meine Genossen zu informieren. Am Abend ging ich in das besprochene Kaffeehaus und traf dort die vier Menschen, die ich nun schon vom Sehen kannte. Sie erhoben sich, als ich kam, murmelten irgend welche Vornamen, ich tat das gleiche und wir setzten uns hin. Im Laufe des Gesprächs erfuhr ich, daß alle vier nur Schlepper seien und der Menschenschmuggel nach Palästina von einer einzigen Stelle aus geleitet würde. Wir sprachen über die möglichen Wege, über die Hindernisse, die zu bewältigen seien, und endlich über den Preis. Man erklärte mir, daß die Taxe 7 pal. Pfund pro Person betrage. Nun hatten wir aber keine 21 Pfund mehr in unserem Besitz. Ich lehnte daher ab, mit ihnen weiter zu verhandeln, und verlangte die Adresse des eigentlichen ,.Unternehmers". Sie weigerten sich, mir den Namen und die Adresse bekanntzugeben. Erst als ich meine Zeche zahlte und im Begriffe war wegzugehen und sie sahen, daß es mir ernst sei, besprachen sie sich kurz untereinander und erklärten sich bereit, mich zu begleiten. Sie führten mich in das Judenquartier, wo ich den „Kommandanten" persönlich kennenlernte. Es war ein unangenehmer Mensch. Er sprach wie ein Prediger, erklärte, daß er nichts verdiene und die ganze Sache nur aus Patriotismus betreibe. Ich wußte jedoch, was ich von ihm zu halten hatte, hörte mir sein Reden an, ohne mich in Debatten einzulassen, erklärte ihm dann, daß wir nur sehr wenig Geld besäßen und ihm unmöglich den geforderten Preis zahlen könnten. Ich stellte ihm ein Angebot, ließ ihm Zeit, sich das bis zum nächsten Mittag zu überlegen, und ging. Unterwegs traf ich einen gutgekleidcten sephardischen Juden, den ich kurzerhand ansprach und ihn fragte, oh er den Schmuggler kenne. Der Jude war etwas überrascht, bejahte jedoch die Frage und zuckte vielsagend mit der Schulter, als ich ihn um seine Meinung über diesen Menschen bat. Darauf erzählte ich ihm ganz ehrlich, was wir in Beyrouth suchten, und fragte ihn, ob wir uns dem Schmuggler anvertrauen könnten. Zuerst wollte der Herr nicht recht mit der Sprache hinaus, dann jedoch überlegte er es sich, lud mich zu einer Tasse Kaffee ein und erzählte mir, was er über den Schmuggler wisse. Es war viel Schlechtes. Man erzählte sich, daß einige Menschentransporte, die der Schmuggler organisierte, nie ihr Ziel erreicht hätten. Der Schmuggler soll das Geld von den Juden genommen und diese dann der palästinensischen Grenzwache ausgeliefert haben, von der er dann die Kopfprämie erhalten haben soll. Man erzählte auch, daß ein Transport, den er auf dem Wasserweg expediert hätte, unterwegs verunglückt sei und sieben Juden ertrunken wären. Er warnte mich davor, mich dem Schmuggler anzuvertrauen, und sagte mir auch, daß sich hier in Beyrouth eine Reihe von Menschen umhertreibe, die die aussteigenden Juden beobachteten und die englischen Behörden verständigten, wenn ein Transport aufbräche. Ich war von dem Gehörten nicht einmal sonderlich überrascht. Tch hatte sogleich einen sehr schlechten Eindruck von den Leuten gewonnen und war schon vorher entschlossen, mich ihnen nicht anzuvertrauen. Ich bat meinen neuen Freund um Rat. und Hilfe und er versprach mir auch, sich zu informieren und mir jemanden ins Hotel zu schicken. Am nächsten Tag, ganz früh am Morgen, kam ein Bote, der mir einen Brief dieses Herrn aushändigte. Unser Freund riet uns, raschest die Stadt zu verlassen, gab mir die Adresse eines Juden in Damaskus, der mir sicherlich behilflich sein würde, und einen Brief an diesen mit. Wir packten sofort unsere Koffer, gaben sie bei einer Schiffahrtsagentur nach Palästina auf, nahmen nur das Notwendigste für uns drei in einen Rucksack und fuhren mit einem Auto nach Damaskus. Unterwegs bekamen wir einen Geschmack davon, wie sorgfältig alles bewacht ist. Auf dieser kurzen Strecke wurden wir siebenmal von Gendarmerie und einmal von der Grenzwache (zwischen Syrien und Libanon läuft eine Zollgrenze) aufgehalten und jedesmal wurden die Ausweise, die wir von der Hafenpolizei statt der Pässe erhalten hatten, kontrolliert und das. Auto durchsucht. Unsere Stimmung war sehr flau. Wenn hier, mitten im Lande, derartige Sicherheitsmaßregeln bestanden, wie sollte es uns möglich sein, zwei Grenzwachen, die französische und englische, zu passieren? Es dauerte längere Zeit, bis wir in den tausend engen Gäßchen von Damaskus den Briefadressaten gefunden hatten. Er las den Brief, erklärte sich bereit, uns zu helfen und lud uns ein, seine Gäste zu sein. Er war orientalischer Jude und in seiner Wohaung sah es auch sehr orientalisch aus. Nur wenig Möbel, doch viele Teppiche, Metalltischchen, Polster, eine Nargileh und an den Wänden eigenartige Instrumente, wie ich sie vorher noch nie gesehen hatte. Da gab es geigenähnliche Instrumente, deren oberer Teil jedoch aus Eselshaut bestand und die nur eine einzige Saite besaßen, zitherähnliche Instrumente, eine Art von Laute usw. Wir sahen uns etwas verwundert um, trauten uns aber nicht, irgendwelche Fragen zu stellen, doch erfuhren wir dann, daß unser Gastgeber Instrumentenmacher war. Wir verbrachten einen eigenartigen und unvergeßlichen Abend bei Mosche Chazan, so hieß unser Gastgeber. Einige Freunde kamen ihn besuchen, begrüßten uns feierlich, indem sie sich verbeugten, mit der Hand zuerst den Boden, dann die fernst und dann den Tarbusch berührten, setzten sich mit übergekreuzten Beinen auf die Kissen, rauchten und unterhielten sich flüsternd mit unserem Gastgeber, der ihnen anscheinend berichtete, wie wir zu ihm gekommen waren. Nach einiger Zeit kamen Frauen und brachten auf silbernen Platten alle möglichen Gerichte. Ich war etwas unhöflich, fragte nach den Namen der Gerichte und schrieb mir die schmackhaftesten auf. Da gab es eine Art von Fleischpastete, in Brotteig gebacken, „Fattajir" genannt, dann einen Brei aus Weizenstärke, Milch und Zucker, der „Haitalije" hieß, und dann sehr wohlschmeckende Nudeln, gedämpft, in einer süßen Flüssigkeit, die „Sairije" hießen. Ich wiederholte die Namen der Gerichte einigemale, konnte sie nicht richtig aussprechen und unsere Freunde lachten darüber und sprachen mir dann die Namen solange vor, bis ich sie einigermaßen richtig wiederholte. Außer den genannten Speisen gab es noch eine Fleischspeise, geschnittenes Hammelfleisch, mit Reis und einer sauer-süßen Sauce, die mir absolut, nicht zusagte. Nachher gab es dann süße Kuchen und türkischen Kaffee. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine eingeborenen Juden gesehen. Ich war der festen Meinung, daß alle Menschen, die Tarhusch trugen, Mohammedaner wären und betrachtete daher unsere Freunde mit großer Aufmerksamkeit. Hätte ich nicht gewußt., daß ich mich unter Juden befände, so hätte ich nie daran gezweifelt, es mit Arabern zu tun zu haben. Die dunkelbraune Hautfarbe, der Gesichtsschnitt, die Kleidung glich ganz dem, was ich auf der Straße an den Arabern gesehen hatte. Als das Essen vorbei war, saßen wir eine Weile still da und rauchten, dann v.-andte sich unser Gastgeber an uns und fragte, ob wir Musik hören wollten. Natürlich sagten wir zu. Chazan klatschte in die Hände, seine Frau erschien und dieser gab er einige Aufträge. Sie ging, kam sofort mit zwei Mädchen zurück und die drei Frauen begannen nun, Teppiche und kleine Tischchen auf das flache Dach zu übersiedeln, auf daß man direkt aus dem Zimmer gelangen konnte. Sehr interessiert betrachtete ich die Mädchen, die wahrscheinlich die Töchter unseres Gastgebers waren. Sie waren wunderbar schlank, hatten ganz schmale, fast zu dünne Fußfesseln, wunderschöne, fremdartige Gesichter, in denen große und dunkle Augen leuchteten. Thr langes Haar hing ihnen in Zöpfen über den Rücken und in den Ohren hatten sie lange, goldene Ohrgehänge, die bei jeder Kopfbewegung leise klirrten. Auch um den Hals hatten sie Schmuck, drei oder vier Goldketten, eigenartig gearbeitet, mit großen Verschlüssen. Die Fingernägel waren ganz dunkelrot gefärbt, so daß man nicht einmal die Monde sah und an fast jedem Finger trugen sie einen Ring. Ihre Kleidung bestand aus sehr farbigen Gewändern, die reich bestickt waren und sehr dekorativ wirkten. (Fortsetzung in der nächsten Freitagnummer.) ßestrenoramierte Küche -\u?3 REICHHALTIGE MENÜS äS 1.90 UNO 2.60 SCHWEtHATEK BRÄU HfHammer-Pur9Stall-Gasse 3 (nächst $aizfofbrüd(ß)*TeU-41-ß-?5 Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser. — Erstklassiges Restaurant und Cafe. — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. —- Eröffnung 15. Mal. Bis 15. Juni billige Vorsaisonpreise. Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. A. BarHchak, IL, Große Schiffgasse 3. Streng UM. Vorzügliche Küche. Billige Preise. Cafe-Ilcstiuirnnt Espresso, i.. Rotenturmstraße l. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Cafe-Konditorei Neumann, II.. GredlerstrnUa 2 (Telephon A-42-3-81). III., LÖwengasae 47 (Tel. 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