Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 479 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712103--5186-2718769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
wv. m ME NEUE WELT Seite 5 Jüdische Volkstiedlungtbank m.b.H. Palästina pna rmsy JTDttrnm oaa Nachlath Binjaminstraße 63, Tel-Aviv Kaufen Sie Aktien von: Anglo-Palestine-Bank Hachscharath Hajischuw Geulah _________ Bank Hapoalim____ und andere palästinensische Wertpapiere durch die Jüdische Volkssiedlungsbank m. b. H Winden zu einem positiven Ergebnis führen werden. Diese Verhandlungen gewinnen umso größere Bedeutung, als es von ihrem Ergebnis abhängt, ob die palestinensischen Landwirte und deren Kenntnisse Im Dienst der Gesellschaft stehen werden. Der Sitz der Bank wird in Jerusalem sein, und ihre Tätigkeit wird nach Ernennung des leitenden Direktors einsetzen. Die Bank wird sich mit Gewährung von langfristigen Krediten für die Landwirtschaft gegen erste Hypotheken befassen. Das Kapital für die Tätigkeit der Bank wird durch von der Bank ausgegebene Obligationen geschaffen werden. Der Gesamtbetrag der Obligationen und die Termine ihrer Ausgabe sind noch nicht beschlossen worden. Ein maßgebender Agrarwirtschafter, der vom „Palnews"-Vertreter um seine Meinung gefragt wurde, äußerste sich wie folgt: Zweifellos Ist die Gründung der Agrarbank durchaus zeitgemäß. Vor einigen Jahren war die Gründung einer solchen Bank in Palästina aus Mangel an geeigneten Bedingungen noch unmöglich. Aber infolge der energischen Tätigkeit der Juden im letzten Jahrzehnt und der von ihnen im Lande geschaffenen Positionen sind nunmehr die Bedingungen zrr Schaffung einer großen Agrarbank gegeben. Die Hauptfrage, die nunmehr alle an der Bank Interessierten beschäftigt, ist die Frage ihres Tätlgkcltssystcms. Es bestehen zwei Möglichkeiten wird die Bank sich mit allen Gesuchen um Darlehen befassen oder wird sie ein anderes System wählen? Wird die Bank den jüdischen und arabischen Kleinbauern ihre Aufmerksamkeit schenken, oder werden nur Großgrundbesitzer und Großeigentümer aus ihrer Tätigkeit Nutzen ziehen? Das sind nunmehr die wesentlichsten Fragen, von deren Entscheidung der Charakter und der Nützlichkeitsgrad der Bank abhängen. Sfefmlndustrie Jerusalem (Palnews): Hier wurde eine Gesellschaft mit dem, Namen: „Palestine-Levant Quarries Ltd." gegründet und registriert. Das Kapital der Gesellschaft in der Höhe von pal. Pf. 15.000 wurde fast zur Gänze gezeichnet. Das eingezahlte Kapital beträgt pal. Pf. 12.000. Die neue Gesellschaft wurde im Zusammenhang mit dem 9 Kilometer von Jerusalem auf dem Wege nach Tel-Aviv (in der Nähe des „Arza"-Sanatorlums) befindlichen Steinbruch gegründet. Vor etwa zwei Jahren interessierte sich für diesen Produktionszweig in Palästina ein jüdischer Tourist aus Amerika., der sich in Amerika auf demselben Gebiet kommerziell betätigte. Er erwarb damals obenerwähnten Steinbruch, der etwa 50 Dunam umfaßt. Der Steinbruch produziert den weißen Baustein, den jüdischen „Ha-Meyatzer". Zusammen mit. noch zwei amerikanischen Juden wurde das notwendige Kapital für die Einrichtung eines modernen großen Steinbruchs aufgebracht. Vor etwa sieben Monaten wurden moderne Maschinen aus Amerika gebracht, und vor etwa einem Monat, nach der Installierung der Maschinen, begann die Produktion. Die erste Bestellung erhielt der Steinbruch zum Bau des Schocke n- Hauses in Rehavia. Der Steinbruch erhielt auch die Bestellung eines 12-Ton-Grabsteins für das Grab Ch. N. B i a 1 i k s. Die anderen Steinbrüche des Landes konnten die Herstellung eines Grabsteines dieser Dimension nicht übernehmen. Zur Zeit werden im Steinbruch zehn jüdische Arbeiter beschäftigt. Nach Eintreffen der ausstehenden Maschinen aus Amerika wird sich ihre Zahl auf 20 steigern. Die Gesellschaft beabsichtigt, in anderen Teilen des Landes Steinbrüche zur Produktion von rötlichem Stein, Marmor und Granit einzurichten. Nach Aussagen der Fachleute ist die Qualität des palästinensischen Marmors nicht geringer als die des berühmten italienischen Marmors „Garara". Palästina besitzt weißen, grünen und rötlichen Marmor. Der Plan der Gesellschaft umfaßt: Belieferung Palastinas mit Bausteinen, Export von Bau- und Grabsteinen ins Ausland. Da, abgesehen von der Zitrussalson, die Schiffe ohne Fracht aus Palästina nach Europa heimkehren, wird die Fracht der exportierten Steine sehr billig sein. Die Gesellschaft verhandelt zur Zeit mit Tel-Aviver Bauunternehmen, über deren Belieferung mit Bausteinen aus dem Jerusalemer Steinbruch. Die Gesellschaft beabsichtigt, die Heimindustrie auf diesem Gebiet mit Hilfe zu importierender amerikanischen Maschinen zu entwickeln. Nadi der Spaltung im Die Krakauer Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten" hat bekanntlich mit einer Spaltung der Partei geendet. Mehrere Gruppen, welche dem „Weltverbande" angehörten, haben diesen verlassen und zusammen mit bisher außenstehenden Organisationen die „Weltvereinigung" gebildet. (Dem zionistischen Sprachgebrauche folgend, werden die ersteren B-Zionisten, die letzteren A-Zionisten genannt.) Auf der Konferenz und unmittelbar nach derselben war das Machtverhältnis beider Gruppen nicht recht ersichtlich. Jetzt ist bereits ersichtlich, wohin sich der Großteil der Allgemeinen Zionisten geschlagen hat. Die unter Führung von Dr. Schwarzbart im alten Verbände verbliebenen B-Zionisten sind in die Minderheit geraten. Sie repräsentieren lediglich in Ostgalizien, Westgalizien und Oesterreich die Majorität der Allgemeinen. In einigen anderen Ländern können sie nur auf unbedeutende Minderheiten zählen, in vielen sind sie überhaupt nicht vertreten. Der Führer ihrer Weltwahlliste zum Kongreß ist U s s i s c h k i n. Die A-Zionisten, welche unter der geistigen Führung der deutschen Zionisten stehen, zählen in einem Aufrufe folgende Landesverbände und Gruppen als ihrer ,.Weltvereinigung" zugehörig auf: England, Frankreich, Deutschland, Polen, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Lettland, Schweiz, Griechenland, Südafrika in ihrer Gesamtheit, ferner größere Gruppen in Oesterreich, Rumänien und Litauen, die „Radikalen" mit ihren Verbänden in verschiedenen Ländern, die Gruppen Kidmah (deutsche Einwanderer), Mitkadmim und Ikkarim in Palästina. Sie geben weiters an, daß die allgemein-zionistische Jugendorganisation Hanoar Hazioni und der „Hechaluz" der Allgemeinen sich ihnen angeschlossen habe. Der Listenführer ihrer Weltwahlliste zum Kongresse ist Weizmann. Einigermaßen überraschend wirkt der Umschwung in Amerika. Bisher waren die unter Führung von Rabbi Stephen Wise stehenden amerikanischen Zionisten immer zu den B-Zionisten gehalten. Noch auf dem letzten Kongresse und eine geraume Zeit nachher hat Stephen Wise die A-Zionisten und Weizmann heftig bekämpft. Jetzt ist er mit seinen Leuten auf die Seite der A-Zionisten getreten. Die Ursachen dieser Wandlung im amerikanischen Zionismus sollen bei anderer Gelegenheit erörtert werden. Die Gruppierung, wie sie hier aufgestellt wird, kann auf dem Kongresse eine kleine Aenderung erfahren. Es gibt noch eine Zahl kleinerer Länder, über deren parteimäßige Gestaltung noch keine Angaben vorüegen. Aber fest steht, daß der A-Zionismus auf dem Kongresse mehrfach stärker vertraten sein wird als der B-Zionismus. Eine andere Frage ist, ob nicht auf dem Kongresse selbst weitere Spaltungen der Allgemeinen entstehen werden. Der Mangel eines klaren Programmes und herrschende persönliche Differenzen geben genügenden Anlaß zu weiterer Zersetzung. Es wäre falsch, aus dieser ziffernmäßigen Darstellung den Schluß zu ziehen, daß im Allgemeinen Zionismus eine Klärung erfolgt sei und daß eine Richtung gesiegt hätte. Das Programm des Allge- Unentbehrlich ist zur rationellen Körperpflege ein v e r 1 ä ß-„ 1 i c h e s Mittel. Dieses finden Sie in dem seit Jahrzehnten bewährten DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Bestes Einreibemittel, hervorragend zur Mund-, Zahn- und Rachenpflege sowie zu mannig. fachen anderen Zwecken. In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana" und nehmen Sie nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Allgemeinen Zioni§mu§ meinen Zionismus ist in Krakau nicht um eine Nuance klarer geworden und gesiegt ha! nicht irgendein ,,allgemeiner Zionismus", sondern die Arbeiterpartei, welche als lachender und den Streit, schürender Dritter daneben stand. Der Streit ging nicht um irgendwelche ..allgemeine" Prinzipien, sondern nur um das Verhältnis zu der heute Palästina beherrschenden Arbeiterpartei. Die B-Zionisten traten für die Gründung einer Arbeiter -Gewerkschaft der Allgemeinen (Irgun) ein, um das Monopol der klassenkämpferischen Histadruth" zu beleben. Die A-Zionisten stellten sich bedingslo.s auf die Seite der „Histadruth". Ueber diese und keine andere Frage ist der Weltverband in Brüche gegangen. Das wird übrigens von Seiten der Allgemeinen Zionisten zugegeben. Auf einer Pressekonferenz der englischen Zionisten in London erklärte ihr Wortführer Rabbi Perlzwcig wörtlich: „Für die Sprengung der Krakauer Konferenz ist maßgebend gewesen, daß das auf der III. Krakauer Konferenz gegebene Versprechen, die Frage einer A rbeiterorganisation in Palästina 'werde von dem nächsten Kongreß nicht behandelt werden, nicht eingehalten wurde und mit Zustimmung des Weltverbandes in Palästina eine Allgemein- Zionistische Gewerkschaft gegründet wurde, die nicht bloß eine Anerkennung, sondern auch die Gründung eines speziellen Fonds für Allgemein- Zionistische Arbeiter, einer Allgemein-Zionistischen Bank zur Stützung der Allgemein-Zionistischen Kolonisation und eines Allgemein-Zionistischen Arbeitgeberverbandes forderte. Die English Zionist Federation wird sich niemals damit einverstanden erklären, Der Weltverband ist zerfallen, weil ein Versprechengebrochen wurde. Aber selbst wenn ein solches Versprechen niemals gegeben worden wäre, hätte sich ihm die English Zionist Federation auf solcher Basis nicht angeschlossen. Die Haltung der englischen Delegierten in KrakzC hat den Weg für den Eintritt der Allgemeinen Zic* nisten Amerikas und Südafrikas in die neue Weit Vereinigung freigemacht, und, was das Wichtigste isu; sie hat das Prinzip der politischen Moral betont. Durch die Ablehnung der Gründung des neuen Irgun ist ein entscheidender Schritt zur Herbeiführung der „sozialen Befriedung" Palästinas getan worden. Der Histadruth gehören 70.000 Arbeiter aiv die Mehrheit aller organisierten Arbeiter Palästinas. Die English Zionist Federation wollte mit einer Schwächung der organisierten Arbeiterschaft Palästinas nichts zu tun haben." Man sieht also: In Krakau hat die Gruppe der A-Zionisten restlos vor der Arbeiterpartei kapituliert und wird auf dem Kongreß nichts anderes als einen sehr gefügigen Flügel der Arbeiterpartei darstellen. Sie sprechen von „sozialer Befriedung" Palästinas und dienen der Klassenkampf-Hetze. Die schwache Gruppe der B-Zionisten wird nicht lange mehr die Fiktion eines „allgemeinen" Zionismus aufrechterhalten können. Sie wird sich für ein klares Programm entscheiden müssen oder sie wird zerrieben werden. Klub Politischer £sona§fera in Brünn Der „Klub Politischer Zionisten" in Brünn eröffnete am 3. d. M. seine Tätigkeit mit dem Vortrag dc3 Herrn Dr. Emil M a r g u 1 i e s. Der Vortragende sprach über die gegenwärtige Lage im Zionismus, wie sie sich infolge der Spaltung der Allgemeinen Zionisten, des nicht ganz freiwilligen Austritt es der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation und der beherrschenden Machtposition der sozialistischen Parteien entwickelt hat. Er kontrastierte den äußerlichen Aufschwung, welchen der Aufbau in Palästina genommen hat, mit der inneren ideologischen Schwäche in der Zionistischen Weltorganisation und den Gefahren, welche sich daraus ergeben, wenn die immer größer werdenden Schwierigkeiten von innen und von außen (Palästinensisches Parlament! beim Aufbau von einer Organisation gelöst werden sollen, in welcher der große, einigende Gedanke der endgültigen Lösung der Judenfrage durch den Judenstaat verlorengegangen ist und die durch betonte Klassengegensätze gespalten ist. Dieser große Gedanke ist nicht nur ein Exportartikel für Palästina, sondern er muß auch das jüdische Leben in der Galuth beherrschen. Die Forderung nach dem Judenstaat ist die Forderung nach der Gleichberechtigung des jüdischen Volkes und daher der leitende und herrschende Gedanke in der Arbeit für das jüdische Volk in der Galuth, also bereits auf dem Wege zum Judenstaat. Zionist im Sinne Theodor Herzls sein heißt, sich zum jüdischen Staate bekennen, ständig und laut und sichtbar bekennen. Die Ausführungen des Referenten fanden allseitige Zustimmung. Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten Die Leitung der Weltvereinigung in London ersucht um folgende Bekanntgabe: Die Exekutive der Weltvereinigung allgemeiner Zionisten teilt mit, daß die erste Konferenz der Weltvereinigung am Sonntag, den 18. August, vormittags, im Kongreßgebäude in Luzern beginnen wird. — Alle zionistischen Organisationen und Gruppen werden hiedurch gebeten, sich mit dem Hon. Secretary, Mr. L. Bakstansky, in Verbindung zu setzen. Sonderzug nach Polen und Czernowitz. Am Sonntag, den 14. Juli, 8 Uhr 10, Nordbahnhof. Letzter Anmeldetag heute, Freitag, bei Francopol, Wien, III., Rennweg 1, Tel. U-16-4-90.