Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 479 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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f3Äsfr><# DIE NEUE WELT Nr. 170 Neu renoviert! Olaf fers im=Restaurant Wien VI, Schmalihofgasie 12 MttHüäS1.-,1.50,1.80, 2.-, 2.50, a la carte billige Preise Altbekannte, gute Küche. Oute Bedienung. Kein Trinkzwang Meinung, daß ein Denkmal ihm zu Ehren einen anderen Platz als den Jüdischen Friedhof verdient; wenn auch nur um der Tatsache willen, daß Dr. Ludwig Frank der e i nzige Reich st agsabgeordnete war. der Pein Leben an der Front gelassen hat. Gez. Dr. Oppenheimer." Dr. Ludwig Frank, 1874 in Nonnenweiher ( Baden) goboren, war Rechtsanwalt in Mannheim und wurde 1906 von der Sozialdemokratischen Partei in den Reichstag gewählt. Dort befaßte er sich mit den großen Problemen der deutschen Politik. Er galt nach fast einstimmigem Urteil, auch seiner Gegner, als der weitaus glänzendste Sprecher im Deutschen Reichstag. Er war Vorkämpfer der Arbeiter Jugendbewegung. Kurz vor dem Kriege trat auf soinc Initiative eine Verstiindigungskonfercnz französischer und deutscher Parlamentarier zusammen (Berncr Kongreß), um über Mittel zur Verhinderung des Krieges zu beraten. Die Ereignisse gingen aber über diese Konferenz, in der Jaurös und Frank die markantesten Persönlichkeiten waren, hinweg. Nach Ausbruch des Krieges eilte Frank als einer der ersten Freiwilligen zu den Fahnen und fiel auch als einer der e r s t en auf dem Schlachtfelde, Wirtschaftliche Ausrottung Au3 Berlin wird uns berichtet: Es ist jetzt ganz klar geworden, daß der neue wirtschaftliche F e 1 d- ■/. u g gegen die Juden in Deutschland, der sich neuerdings auch in Berlin und in anderen Großstädten in schweren Krawallen vor jüdischen Geschäften äußert, einheitlich geleitet wird und das Ziel verfolgt, den Uebergang der heute noch in jüdischen Händen befindlichen Betriebe in die Hände von Nichtjuden vorzubereiten. Bereits nach dem Boykottsturm im Jahre 1933 haben sehr viele jüdische Kaufleute und Fabrikanten ihre Betriebe unter für sie sehr ungünstigen, zum Teil katastrophalen Bedingungen Nichtjuden übergeben. Die systematisch durchgeführten rücksichtslosen Kreditkündigungen gegen jüdische Warenhäuser seitens der staatlich kontrollierten Banken taten ein Uebriges. um den Zusammenbruch jüdisch geleiteter Unternehmungen und deren Uebergang in nichtjüdische Hände herbeizuführen. Durch von offizieller Seite unterstützten harten Druck wurden sodann gev/isse Berufszweige, wie z. B. das Apothekergewerbe, von Juden gereinigt. Nunmehr wird die Axt an die noch jüdisch geleiteten Kaufläden gelegt, um den Uebergang auch dieser mittleren und kleineren Handelsbetriebe in die Hände von Ariern herbeizuführen. Wie hiebei vorgegangen wird, zeigen folgende Beispiele: Die letzten zahlreichen Ueberfälle auf jüdische Läden in Berlin und in den Vororten spielten sich fast alle in der Weise ab, daß etwa dreißig bis vierzig nichtuniformierte Männer in den Laden stürzten, die Geschäftsinhaber, das Verkaufspersonal und die Käufer rüde beschimpften, mit Stöcken auf sie losschlugen, Waren zerstörten und die Geschäftseinrichtung demolierten. Es kam vor, daß in Textil- und Konfektionsgeschäften die in den Schaufenstern und in den Regalen sich befindenden Waren mit Teer beschmiert wurden. Besonders gelitten hat hierbei ein jüdisch geleitetes großes Konfektionsgeschäft in der Frankfurter Allee, wo viele Kleider durch TJ eher gießen mit Teer wertlos gemacht wurden. An dem auf diese „Tat" folgenden Tag erschien in der Regel ein gutgekleideter junger Mann bei dem betroffenen Ladeninhaber und erklärte ihm, er habe in betrunkenem Zustande den Ueberfall arrangiert, er bitte, ihm die leichtsinnige Tat zu verzeihen und gegen ihn nicht die Anzeige zu erstatten, weil er sonst seine Existenz verlieren würde. Damit soll zunächst erreicht werden, daß die Parteistelle, die die Ueberfälle organisiert hat, reingewaschen wird. Etwas später erscheinen andere „Herren", um sich darüber zu erkundigen, ob und unter welchen Bedingungen der Besitzer geneigt wäre, seinen Betrieb an Arier abzutreten. Dabei fehlt es nicht an drohenden Andeutungen. Aber auch durch andere Druckmittel wird das Uebergehcn jüdischer Geschäfte in arische Hände vorbereitet. So hatten drei sehr bekannte jüdische Geschäftsleute in Berlin vor kurzem Angebote erhalten, ihre Betriebe an Arier abzutreten. Sie lehnten die Angebote ab. Kurz darauf wurden sie auf Grund von Denunziationen unter Umständen verhaftet, die es klar machten, daß zwischen den „Angeboten" und den Denunziationen ein direkter Zusammenhang besteht. Der Berliner Korrespondent der Londoner führenden Zeitung „News Chroniclc" berichtet über ähnliche Fälle aus Berlin und führt dabei aus, es handle sich offenbar um eine neue Praxis in dem neuentfachten Krieg gegen die Juden. Die Lage der Juden in Deutschland werde von Tag zu Tag verzweifelter. So werde jetzt systematisch daran gearbeitet, die heute noch in jüdischen Händen befindlichen Buchhandlungen und Radiobetriebo in nichtjüdische Hände übergehen zu lassen. * Nationalsozialistische Zeitungen veröffentlichen eine Mitte'lung von amtlicher Reite, in der neuerdings eine im April 1933 von Gauleiter B ii r c k e 1 erlassene Bekanntmachung in Erinnerung gebracht wird. Darin wird festgestellt, daß es sich bei den einlaufenden Gesuchen um Freilassung von Schutzhäftlingen, um verhaftete Juden und besser gestellte Personen handelt. Es heißt dann in der Bekanntmachung: „Ich halte es daher für richtig, bekanntzugeben, daß ... jene politischen Gefangenen, für die die meisten Gesuche vorliegen, zuletzt entlassen werdenI Unter diesen wiederum endlich werden am Schlüsse diejenigen entlassen, für die sich selbst Kommcrzienräte eingesetzt haben." EINZIG IN WIENIII **SS Q nur beste paßform! sowie alles für den Urlaub billigst bei BERGMANN, I., RABENSTEIG 3 TELEPHON U-20-7-09 HIMMELPFORTGASSE 5 TELEPHON R-25-8-84 KÖLLNERHOFGASSE 1 TELEPHON R-26-8-99 Wir bitten, sich bei Jedem Einkauf auf unser Blatt zu berufen Die letzten nichtarischen Beamten Aus Genf: Wie Schweizer Blätter aus Berlin melden, wird von der deutschen Regierung ein neues Beamtengesetz ausgearbeitet, das den Zweck verfolgt, die letzten noch in der Staatsverwaltung tätigen ,.N ichtaricr" auszuschalten. Der im „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 enthaltene Arierparagraph hatte bekanntlich einige Ausnahmen zugelassen, und zwar zugunsten a) der schon vor dem Kriege angestellt gewesenen Beamten, b) der Weltkriegsteilnehmer, die an der Front gekämpft hatten, und c) der Beamten, deren Väter oder Söhne im Weltkrieg gefallen sind. Das neue Gesetz schafft diese Vergünstigungen ab und ordnet die Zwangspensionierung dieser Kategorien von nichtarischen Beamten an. In der Praxis wird das neue Gesetz wohl nur noch eine kleine Anzahl von Beamten im Außenamt und in den ausländischen Vertretungen sowie eine Anzahl von Hochschulprofessoren treffen. Was insbesondere die Hoch Schulprofessoren anbetrifft, so wird in diesem Zusammenhang von letztens bereits vorweggenommenen Abberufungen berichtet, so der Professoren Levi (Heidelberg, Rechtslehrcr), Walter Jellinck (Heidelberg, Staatsrecht), Leibholz (Göttingen), Lewald (Berlin). Gallen-, Nieren- und Blasensteinkrauke sowie Leute, die an übermäßiger Harnsäurebildung und Gichtanfällen leiden, regeln durch Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef "-Bitterwassers ihre träge Darmverrichtung. Auch der Diktatur der Börse Aus Prag (J. T. A.): Der frühere nationalsozialistische Vorsitzende des Deutschen Börsenmaklerverbandes und Mitglied des Berliner Börsenvorstandes, Reuter, dessen Einfluß im Börsenleben nach dem Machtantritt Hitlers ein übermächtiger war und der im Jahre 1933 die Vertreibung aller jüdischen Börsenmakler durch ungeheure Druck- und Terrormittcl durchgesetzt hat, ist —- wie uns aus zuverlässiger Quelle in Berlin mitgeteilt wird — nun selbst vom Schicksal des Nichtariers ereilt worden. Nachdem sich nun herausgestellt hat, daß er selbst eine nichtarische Großmutter hat, wurde Reuter aus dem Vorstand der Berliner Börse ausgeschlossen und mußte auch den Vorsitz im Börsenmaklerverband niederlegen. Das bisherige Wirken Reuters hat zu zahlreichen schweren Tragödien im Leben der deutschen Juden geführt. Hunderte jüdische Börsenmakler in Berlin und in der Provinz standen plötzlich vor dem Nicht*. Mehrere von ihnen begingen Selbstmord. Allein in Berlin haben im Jahre 1933 etwa zehn jüdische Börsenmakler durch Selbstmord geendet. KREUZ-KINO Die Hölle aus Stahl Wollzeile t7 Robert Montgomery Tel. R-24-2-16 Vorstellungen: V»6, V:8, 'Alf» AUS PALÄSTINA Touristenverkehr im Mai 1935 Jerusalem (Palnews): Im Mai 1935 trafen in Palästina 9181 vorübergehende Besucher ein, unter denen sich 3634 Juden befinden. Die Zahl der Durchreisenden belief sich auf 101". Gcsundheits/.usland des Rabbi Kook Aus Jerusalem (J. T. A.): Der Zustand des erkrankten aschkenasischen Oberrabbiners von Palästina, Rabbi Abraham Jizchak K o o k, wird von den Aerzten noch immer als ernst bezeichnet, wenn auch der Kranke sich jetzt etwas besser fühlt. In allen Synagogen Palästinas wurden Gebete für die Wicdergenesung Rabbi Kooks gesprochen. Aus Paris wurde Professor D e s a 11 i an das Krankenbett herufrn. der mit Professor Zondck, der den Kranken ständig behandelt, eine Konsultation abgehalten hat. Radiodienst in Palästina Aus Jerusalem: Offiziell wird mitgeteilt, daß der palästinensische Radiodienst bereits Ende November d. J. zu funktionieren beginnen wird. Die Regierung hatte im Mai d. J. eine Bekanntmachung in der Presse veröffentlicht, in der Personen, die fähig sind, das Programm des Radiodienstes durch Musik, Plaudereien, Hörspiele und andere Unterhaltungen zu bestreiten, aufgefordert wurden, ihre Bewerbungen einzureichen. Malaria in Palästina Aus Jerusalem (.1. T. A.): Die Hoffnung, daß die Zahl der Malariafällc im Jahre 1931 sich nicht erheblich gegenüber denen des Vorjahres vergrößern würde, hat sich nicht verwirklicht. Durch eine lange Regenzeit und die starke Einwanderung sind im Jahre 1934 zahlreiche Malariafälle zu verzeichnen gewesen. 1931 waren unter den Mitgliedern der Krankenkasse Kupath Cholim 1001 Malariafällc zu verzeichnen, im Jahre 1932 gingen sie auf 529 zurück, stiegen im Jahre 1933 aber auf 827. Im Jahre 1934 sind dagegen 3208 Malariafällc unter den Krankenkassenmitgliedcrn vorgekommen. Verkehrsunsicherheit in Tel-Aviv Aus Jerusalem: Nach einem Bericht des „Roten MagcnDavi d", der jüdischen Sanitätsorganisation, sind in Tel-Aviv im Jahre 1934 4046 Unglücksfälle vorgekommen, davon 1344 Unglücksfälle bei der Arbeit und 934 im Straßenverkehr. In den ersten drei Monaten des Jahres 3 935 sind 1563 Unglücksfälle in Tcl- Aviv registriert worden, davon 520 bei der Arbeit und 471 im Straßenverkehr. In der jüdischen Ocffcntlichkeit werden energische Maßnahmen zur Verhinderung von Unglücksfällen gefordert. Dreißig jüdische Jugendliche in deu* Palästina-Polizei Aus Tel-Aviv: In der letzten Zeit sind 30 jüdische Jugendliche in die Polizei-Schule in Jerusalem aufgenommen worden. Von ihnen wird einer bei der Jerusalemer Polizei verbleiben, die übrigen werden ihren Dienst in Tel-Aviv leisten. Nachdem in den letzten Jaliren verschiedentlich Juden aus der Palästina- Polizei ausgeschieden waren, ist dies nun seit längerer Zeit der erste Fall, daß wiederum Juden sich dem Polizeidienst in Palästina zuwenden. Neue große Agrarbank Jerusalem. (Palnews.) Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, sind in den Kreisen der Regierung und des Staatsschatzes die Vorbereitungen zur Eröffnung der großen Agrarbank in vollem Gange. Die Bank ist bereits in Palästina als ,,A g ricultural Mortgage Company of Palcstinc, Ltd." registriert, und zwar mit einem Kapital von L. P. 400.UUÜ, bestehend aus 400.000 Aktien von je L. P. 1.—. Davon sind bisher L. P. 200.000 bereits durch folgende acht Gründer mit je L. P. 25.000 eingezahlt worden: Regierung von Palästina, Barclays Bank (London), Anglo-Palestine Bank Ltd. (Tel-Aviv), Prudential Assurancc Company Ltd. (London), Guardian Eastern Insurance Company Ltd, (London), Palestine Economic Corporation (New York) und The Palestine Corporation Ltd. (London). Wie wir erfahren, werden mit arabischen Kreisen betreffs deren Beteiligung an der Bank Verhandlungen geführt. Auch mit dem jüdischen Pflanzerverband werden Verhandlungen geführt werden. In beiden Fällen ist es fraglich, ob die Verhandlungen zwischen den Gründern und den landwirtschaftlichen Ver- SAMSTAG, DEN 13. JULI 1935, V,9 UHR ABENDS Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, Klub „EREZ ISRAEL", Wien II, Praterstraße Nr. 13 K Smmtfest auf dem HodatJtokamä im Cafe-Restaurant JAZZKAPELLE: ISY M GEIGER. KONSTAHTIHHUGEL", Prater-Hauptallee 17 Reichhaltiges Programm, Tischpost und sonstige. Ueberraschungen A R T E N jtu S 1.50 erhältlich in der Bez.-Sektion Leppoldstadt, II, Praterstr. 13; Zion. Landeskomitee, I, Marc Aurelstr. 5; Bücherstube Rath, II, Taborstr. 20a; Schuhreparaturwerkstätte, I, Dominikanerbastei 21; Schuhhaus -Daho", David Horowitz, II, Taborstr. 11b und bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern.