Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 477 (5.7.1935)
- Date
- 1935-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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fe&e er DIB NEUE WELT Nr. m Der Bücher markt in Palästina Tel-Awiw (Palnew): Der palästinensische Büchermarkt, der im letzten Jahre durch die starke Einwanderung intellektueller Schichten, eine starke Erweiterung erfahren hat, setzt sich aus den beiden Zweigen der hebräischen und fremdsprachigen Literatur zusammen. Zu einer arabischen modernen Literatur bestehen Ansätze in Aegypten und im Irak, sie spielt aber nur eine geringe Rolle. Ein wie großer Teil des palästinensischen Buchabsatzes auf die hebräische und ausländische Literatur entfällt, ist mit Sicherheit nicht festzustellen. Schätzungsweise läßt sich annehmen, daß die größere Hälfte auf fremdsprachige, die kleinere Hälfte — wenn man von Schulbüchern absieht — auf hebräische Literatur entfällt. Der Buchimport, der sich aus der Importstatistik genau feststellen läßt, hat im Jahre 1934 einen sehr starken Aufschwung genommen, er entwickelte sich in den letzten Jahren wie folgt (in Pfund): 1931 1S.427 1932 21.372 1933 24.602 1934 37.405 Eine länderweise Gliederung liegt für den Import des Jahres 1934 noch nicht vor. Etwa die Hälfte des Imports dürfte auf deutschsprachige Bücher entfallen, die allerdings zu einem •wesentlichen Teil nicht mehr in Deutschland, sondern in Holland, Frankreich, der Schweiz u. a. Ländern verlegt werden. Den Anteil der englischen Literatur kann man auf etwa ein Drittel veranschlagen, der Rest verteilt sich auf die übrigen Sprachen. An ausländischer Literatur werden vor allem fachwissenschaftliche Bücher (Bau- und Ingenieurwesen, Technik) wie auch moderne Romane und historische bezw. kulturhistorische Werke dem palästinensischen Büchermarkt zugeführt. Auf dem Gebiet der hebräischsprachigen Literatur erscheinen neben der originalen hebräischen Dichtung Uebersetzungen von Standardwerken der ausländischen Literatur. Die hebräische Literatur wird meist im S u bskriptionsverfahren abgesetzt, ihre Entwicklung hat in letzter Zeit dazu geführt, daß neben den bestehenden großen Verlagen eine Reihe neuer Verlage entstanden ist. Der Absatz ausländischer Bücher leidet zum Teil unter der Pfundentwertung, durch die sich die Preise der Bücher goldvalutarischer Länder erheblich verteuert haben. Eine Reihe von Verlagen ist allerdings dazu übergegangen, das Pfund zum Goldwert anzurechnen. Das palästinensische Verlagswesen steht angesichts der Entwicklung des Buchabsatzes im Lande auf gesunder Basis und bietet auch günstige Entwicklungschancen. Die palästinensisch ' syrische Handelsbilanz Tel-Aviv (Palnews). Nach den handelspolitischen Besprechungen mit Aegypten ist die Palästina- Regierung auch mit Syrien in Verhandlungen über die handelspolitische Situation zwischen beiden Ländern eingetreten. Der palästinensisch-syrische Handel hat sich seit dem Jahre 1929, in dem der jetzt geltende palästinensischsyrische Handelsvertrag abgeschlossen wurde, wie folgt entwickelt (in L. p. 1000): 1932 Import aus Syrien.....813 Export nach Syrien.....344 1933 1934 943 1083 284 286 Importüberschuß ...... 469 659 797 Palästina bezieht aus Syrien vor allem landwirtschaftliche Produkte (Weizen, Weizenmehl, Gerste, Durra, Hülsenfrüchte, Früchte, Gemüse, Hühner, Eier u. a.), daneben in sehr starkem Umfang Textilwaren und Bekleidungsgegenstände . Die Palästina-Regierung steht auf dem Standpunkt, daß sich der Handelsvertrag vom Mai 1929 für Palästina nicht vorteilhaft ausgewirkt hat. Durch den zollfreien Import syrischer Erzeugnisse hat sich das Preisniveau in Palästina nicht erniedrigt, syrische Produkte stellen sich in Palästina trotz zollfreier Einfuhr nicht niedriger als die verzollten Produkte anderer Länder. Durch die Zollfreiheit aber entgehen der Palastina- Regierung erhebliche Zolleinnahmen. Auch hat sich der Export palästinensischer Erzeugnisse nach Syrien nicht erhöht. Nach der Bildung eines Komitees, in das Vertreter der palästinensischen Industrie aufgenommen werden sollen, werden die Verhandlungen mit der syrischen Industrie fortgesetzt. Ueber 4000 Einwanderer im Mai Auls Jerusalem: Wie „Official Gazette" in ihrer letzten Nummer mitteilt, kamen im Mai 1935 4008 jüdische Einwanderer nach Palästina. Davon gehören 351 der Kapitalistenkategorie an; sie haben eine Summe von weit über 500.000 Pfund ins Land gebracht. Der Verein lür unentgeltlichen Arbeitsnachwels, I., Kohlmessergaase 4, Telephon U-27-0-65, Bucht dringend Stellen für: a) Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfaarbeiter, Geachäftadiener, Packer. Inkassanten. Verkäufer, Aualagenarrangeure. Kellner, Innenarchitekten, Krankenpflegerinnen, NachrüVelehrer und -lebrerinnen für MitteJachulfächer; b) Arbeit für gewerblich« Hilfskräfte aller Art — darunter auch Chemiker, Elektrotechniker, Installateure, Bauingenieure, Chauffeure — sowie ungelernte Arbeiter; c) handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen für Knaben und Mädchen. In demselben Verein sind der- Mlt offene Stellen für geschultes HauBpersonal jeder Art. Ktaderfrinlela mit Spraehkenntnlwien, gut eingearbeitete. Kon« fSßÖOBJsaJS^rümea (auch Bebn&rfceitfe Von Ing. Emil Fried (Mähr.-Ostrau) Der Konferenz der „Allgemeinen Zionisten" in Krakau (16. bis 18. Juni 1935) brachte, wie die Prager „Selbstwehr" feststellt, keine Einheit, aber Klarheit, also jedenfalls, wenn auch nicht das erhoffte, so doch ein sehr wertvolles Ergebnis. Im wesentlichen ging es dort um die Stellung zur Frage: marxistische oder nichtmarxistische Arbeiterorganisation. Der Zionismus verlangt die E i n h e i t aller Klassen des jüdischen Volkes, der Marxismus den Klassenkampf. Es war daher schon lange vor dieser Konferenz klar, daß das Eindringen des Marxismus in den zionistischen Organismus niemals zu einer Einigung führen kann und stets neueSpaltungen erzeugen muß. Die ursprüngliche Taktik der „Allgemeinen", die .durch die Marxisten aufgeworfenen Probleme im Zionismus dadurch lösen zu wollen, daß man zu ihnen keine Stellung nimmt, ist nicht neu. Eine ruhige, abgeklärte, jedem Radikalismus abholde, objektiv abwägende „Mitte" versuchte sich in den jüdischen Gemeinden schon zu jener Zeit zu etablieren, als die jungen Zionisten ihre Ideen aus den studentischen in die bürgerlichen Kreise trugen und deren Frieden störten. Es scheint das Schicksal solcher „Mitten" zu sein, daß sie sich zu gegebener Zeit spalten. „Die Bemühungen, die Ehe zwischen den progressiven und reaktionären Allgemeinen Zionisten, die vom Beginn an keine harmonische war, zusammenzuhalten, sind gescheitert", schreibt die „Seitostwehr". Progressiv-reaktionär, Fortschritt und Rückschritt. Alte Zeiten, kommt ihr wieder? Die abgeklärte „Mitte" war natürlich immer für den Fortschritt, damals für den Liberalismus, heute für den Marxismus. Wer nicht mittun wollte, war der Reaktionär. Die Fortschrittler in Krakau, bis dahin Gegner jeder Spaltung und fanatische Anhänger des Majoritätsprinzips, traten aus dem Weltverbande aus und konstituierten sich sofort zu einer „Weltvereinigung allgemeiner Zionisten". Gaststätte für Jedermann I, KäVntneratraBe 61 WIENER RATHAUSKELLER I, Neues Rathaus „WIEN VOR 400 JAHREN'1 «Habendi. Wiener Musik ' Gesang« Hans Blasohek Die Hauptursache, welche die Progressiven zum Bruche mit ihren bisherigen Grundsätzen veranlaßte, war die Absicht der Reaktionäre, eine allgemeinzionistische Arbeitergewerkschaft, den Irgun, eine Konkurrenz der marxistischen Histadruth, zu schaffen. Die Progressiven sind „zwar nicht marxistisch, sind auch gegen die alleinseligmachende Theorie des Klassenkampfes", finden aber die bloße Absicht, dem nichtmarxistischen und nichtklassenkämpferischen Arbeiter die Möglichkeit zu bieten, seine Standesinteressen in einer nichtmarxistischen und nichtklassenkämpferischen Gewerkschaft zu wahren, derart empörend, daß sie mit Genossen, welche derartige Absichten hegen, nicht länger in einem Verbände verweilen können. Die in der nunmehrigen „Weltvereinigung" organisierten Bourgeois, Unternehmer und Kapitalisten, liefern mit dieser ihrer Haltung zwar einen rührenden Beweis von Selbstlosigkeit, vesündigen sich aber gleichzeitig schwer gegen die materialistische Geschichtsauffassung, die wohl bürgerlichen Idealismus in vereinzelten Ausnahmsfällen, aber nicht als Massenerscheinung einer ganzen „Weltvereinigung" zulassen kann. Will man nun, abseits von aller Theorie, volle Klarheit schaffen, läßt sich die Frage nicht unterdrücken: Um was geht es den Progressiven wirklich? Ist ihre Sorge um das Wohl des Arbeiters so groß, daß sie, von derselben erfüllt, ihr eigenes Klasseninteresse und das Interesse der zionistischen Einheit vollständig außer acht lassen? Das wäre zu schön, um wahr zu ssin. Unmöglich zu glauben ist es aber dem, der sich des seinerzeitigen Kampfes des „fortschrittlichen" jüdischen Bürgers gegen den „reaktionären" Zionismus erinnert, des braven Bürgera, der für das Wohl und Wehe der ganzen Menschheit, ohne Biifiksidit gy f die eigene Eexson, seine l&nsm brach» H.JABOR.STR Die alte Komödie scheint sich im Unterbewußtsein vererbt zu haben. Gott schütze den ehrlichen Arbeiter vor allem Bösen und vor solcher Freundschaft! An seinem Schicksal kann der Streit, in welchem sein ehrlicher Name mißbraucht wird, nichts ändern. Sein Lohn, seine Lebenshaltung sind von anderen Umständen abhängig. Der Kampf, der unter ständigem, mißbräuchlichem Hinweis auf seine Leistungen geführt wird, ist kein Klassenkampf im marxistischen Sinne. Die Klasse, die für den Arbeiter zu kämpfen vorgibt, besteht nicht aus Arbeitern. Es ist einträglicher, die Arbeit zu rühmen, als sie zu verrichten, den Arbeiter zu preisen, als Arbeiter zusein. Es läßt sich so behaglich im kapitalistischen Sumpf plätschern und dabei von der reinen Quelle des Sozialismus schwärmen. In dem Streben nach Klarheit drängt sich die weitere Frage auf: Wie konnte im Gebiete des Zionismus all dieser Firlefanz feste Wurzeln schlagen und sogar führend werden? Sumpf gewächse gedeihen nur in sumpfigem Boden. Die Weizmannsche Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten, also die Gleichberechtigung von Zionisten und Nichtzionisten, mußte selbstverständlich die Werbekraft des Zionismus lähmen. Der nichtzionistische Teil der Agency blieb vom Anfang an leer, der zionistische drohte einzuschrumpfen. Da kam der Marxismus mit großem Getöse und seiner anderwärts "vielfach erprobten demagogischen Propaganda. Die Anhänger der Erweiterung sahen sich durch die Linken vor vollständiger Niederlage bewahrt und nahmen das marxistische Getöse für neues Leben. Dankbar und treu dienten sie ihren Errettern und verhalfen ihnen unter der objektiven Maske des „Allgemeinen Zionismus" zur Herrschaft. Nun ist die Maske gefallen und Klarheit geschaffen. In der „Weltvereinigung allgemeiner Zionisten" besitzt die marxistische Exekutive eine unbedingt verläßliche Garde, einen bürgerlichen Anhang, der an Gehorsam den proletarischen sicherlich übertreffen wird. Es ist kaum anzunehmen, daß dort Meutereien ausbrechen werden, wie sie sich z. B. anläßlich des Burgfriedens mit den Revisionisten ereignet haben. Es ist auch anzunehmen, daß die heutige proletarische Exekutive, gerührt von so viel Treue, bei ihrer künftigen Zusammensetzung im Gnadenwege die fortschrittliche, wenn auch bürgerliche „Welt« Vereinigung" berücksichtigen wird. Konzentrationslager für Pogromhelier Aua Warschau: Als Hauptschuldige an den judenfeindlichen Ausschreitungen, die vor kurzem in S o k o 1 y bei Lomza stattgefunden haben, wurden zwei Führer der Nationaldemokraten in das Konzentrationslager Breza Kartuska gebracht. Ferner wurden zwei Nationaldemokraten aus Suwalko, wo ebenfalls vor einiger Zeit pogromartige Ausschreitungen stattgefunden haben, ins Konzentrationslager eingeliefert, Kitualmordlegende Aus Kaunas: In dem Städtchen Ponemunje in der Nähe von Kowno. war in den letzten Tagen ein christliches Kind verschwunden. Die Mutter des Kindes alarmierte die Einwohner des Städtchens, indem *»ie ihnen erzählte, daß ein Jude, N., das Kind verschleppt habe, gewiß, um es zu Schächten. Zum Glück ist das Kind nach wenigen Stunden gefunden worden. Oege! die Mutter wurde von dem ycrdächtigtwa Klage eing*» reicht*