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Die neue Welt · 1935-07-05 · Heft 477 (5.7.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 477 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kt. 477 DDE NEUE WELT Seite 8 Die wi'rfsdiaftli'dien Möglichkeiten Palästinas Industrie — Basis der MasseneHnwanclerung Mit dem Beginn des neuen Studienjahres der Hebräischen Universität in Jerusalem wird eine neue Abteilung für das Studium der Landwirtschaft und Agrarpolitik eröffnet. Den Lehrstuhl nimmt Professor B- D. Brutzkus ein. der denselben Lehrstuhl fünfzehn Jahre lang am Landwirtschaftlichen Institut in Petrograd innehatte. Professor Brutzkus äußerte sich einem Mitglied der Palnews- Redaktion gegenüber über seine Eindrücke von der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas: Einen starken Eindruck auf jeden Neuankommenden muß die Stadt Tel-Aviv machen, die zur Großstadt geworden ist, insbesondere die intensive B a u t ä t i g k cAi t. Diese Bautätigkeit hat auch auf alle anderen Plätze in Palästina übergegriffen, die von dem Strom der jüdischen Einwanderung ergriffen sind. Man braucht nur die hiesigen Wohnungspreise, die höher als die europäischen sind, in Betracht zu ziehen, daß die Bautätigkeit die Nachfrage nicht übersteigt, sondern eher hinter zurückbleibt. Die Bautätigkeit stellt zweifellos die Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes dar, da die meisten städtischen Arbeiter (die nicht weniger als in Westeuropa verdienen und nicht unter Arbeitslosigkeit leiden) direkt oder indirekt in der Bauwirtschaft tätig sind. Die Bautätigkeit ist die Folge der starken Menschen- und Kapitaleinwanderung. Ein Aufhören der Einwanderung ist nicht zu befürchten, es besteht 'jedoch keine Sicherheit, daß die Kapitalcin Wanderung dauernd anhält, und wenn der Kapitalzustrom aufhört, kann sich eine Kr i s e ergeben. In der Zeit der Prosperität müssen Industrie u n d Landwirtschaft entwickelt werden. Es ist richtig, daß die jüdischen Institutionen ihr Hauptaugenmerk auf die Entwicklung der Landwirtschaft richten, denn ohne das jüdische Dorf gibt es kein „Nationalheim". In Anbetracht der beschränkten Kolonisationsmöglichkeiten in Palästina ist es jedoch klar, daß nur dielndustrie die Basis für eine Masseneinwanderung bilden kann. Soweit ich sehe, hat die palästinensische Industrie beträchtliche Erfolge hinsichtlich der Deckung des lokalen Bedarfes, der sich ständig erweitert, erzielt. Die Industrie muß jedoch als Basis für eine Masseneinwanderung dienen und kann sich daher nicht auf den inneren Markt allein beschränken. Die Frage der Eroberung ausländischer Märkte ist noch weit von ihrer Lösung entfernt. Es ist in Palästina üblich, die städtische und die ländliche Entwicklung miteinander in Vergleich zu ziehen und man hört Klagen, daß die Stadt die Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft abzieht. Hierbei wird übersehen, daß die Entwicklung der städtischen Märkte die Grundlage für die außerordentliche Entwicklung der Landwirtschaft, die zurzeit stattfindet, bildet. Im Laufe der nächsten Jahre wird die Landwirtschaft in Anbetracht des großen inneren Bedarfes durch Marktprobleme noch nicht berührt werden. Wenn die Entwicklung aber in dem erwünschten Tempo weitergeht, so werden sowohl die Landwirtschaft als die Industrie mit den Problem ausländischer Absatzmärkte zu tun bekommen. In dieser Hinsicht hat Palästina mit den bekannten Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich aus dem Mandatsstatut ergeben. Meiner Meinung nach ist es notwendig, alle Anstrengungen darauf zu richten, daß Palästina das Recht erhält, seine Wirtschaftspolitik nach denselben Prinzipien zu handhaben, die jetzt in den Staaten der ganzen Welt üblich sind — dem Prinzip des „do ut des". Wenn das nicht ermöglicht wird,. bestehen enge Grenzen für die zukünftige Entwicklung der Industrie und Landirtschaft. (Palnews.) Anmerkung. Als Mandatsland des Völkerbundes ist Palästina verpflichtet, allen im Völkerbund vertretenen Ländern Zollbegünstigungen zu gewähren. Das Land, das nichts von Palästina kauft und nur nach Palästina liefert, muß genau so behandelt werden wie ein Land, das für Palästina als guter Abnehmer in Betracht kommt. Eine großzügige Entwicklung von Industrie und Landwirtschaft ist also im Zustande der Abhängigkeit nicht möglich. Nicht nur in politischer, auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Forderung nach einem selbständigen jüdischen Palästina, nach dem Judenstaate, die Voraussetzung für Entwicklung und Sicherheit des jüdischen Nationalheimes. ^.i. Bttchersciiuemme Sehuetfenbriicke Franz-JoseF-Kal 7. Neue Bücher bester Autoren zu 20, 30 und 50 Groschen. Reiche Auswahl. HH Arabien und da§ PaIä§fina*Mandat Von Dr. Erwin Hullen Land und Leute Der Europäer weiß im allgemeinen von Arabien und seinen Bewohnern ziemlich wenig und doch gibt es heute schon authentische, eingehende Werke über dieses bisher so wenig bekannte Land. Vor allem ist es der Orlentalist Alois Musil, Professor der Karls-Univeraität in Prag, dem wir eine Reihe von Originalstudien verdanken, die auch dem berühmten Philby zu seinem Buche „Arabia", London, 1930, wie er selbst zugibt, als wichtige Grundlage gedient haben. Bereits die klassischen Schriftsteller teilen Arabien in drei Teile: 1. Palmyrene, 2. das glückliche Arabien und 3. „Die Wüste". Uns interessiert am meisten der Nordwinkel Arabiens, Palmyrene, das heutige arabische Syrien und östliche Transjordanien, benannt nach der Stadt P a 1 m y r a, in der sich im zweiten und dritten Jahrhundert der Welthandel konzentrierte und dessen Königin Z e n o b i e damals die östliche Hälfte des Römischen Kaiserreiches für sich beanspruchte. Heute steht hier ein elendes Dorf aus Lehmziegeln, genannt Tudmor. In Palmyrene gibt es keine ständigen Bäche, aber Quellen und Brunnen sind hier in Menge. Es regnet hier regelmäßig und genügend und das ganze weite Land war frUher bebaut ud besiedelt. In den höheren Gebieten erkennt man noch Reste alter Wälder und bald wären die kahlen Hänge wieder bewaldet, wenn jemand den Hirten vorbieten würde im Herbst das trockene Gras anzuzünden, wobei auch joder Baum und Strauch vernichtet wird. Hier befindet sich das Tal Sirhan, noch zu Transjordanien gehörend, das ineiner Länge von 290 Kilometer eine Unmenge von Quellen und Teichen, voll mit Fischen aufweist, der beste Beweis, daß diese Teiche niemals austrocknen. Südöstlich vom Toten Meere stehen ausgedehnte und dichte Wälder und noch weiter nach Südosten sind ganze Landstriche mit Sträuchern bedeckt. Bald wären alle Hänge hier mit Wäldern bewachsen, wenn der junge Wald vor dem Feuer der Hirten geschützt wäre. Dieses Land wartet auf die Siedler. Es ist durchaus nicht wüst, denn sogar im Innern Arabiens sprießt nach dem Regen üppiges Grün und könnte vielen Tausenden von Herden Weide geben. Es ist schwer zu sagen, wieviel Einwohner Arabien hat, denn Volkszählungen gibt es hier nicht, doch übersteigt ihre Zahl in ganz Arabien nicht fünf Millionen, Musil schätzt noch weniger. Die Ansässigen und auch die umherziehenden Völker betrachten das Land, welches sie sich zu eigen gemacht t I GlMter* Restaurant Wien VI, Schmalihof gaste 12 M«nU A S1. -, 1.50,1.80,2.-, 2.50, ä 1a carte bllllgePretse Altbekannt«, gut« KttcH«. Oute Bedienung. Kein Trlnkawaag haben als ihre einzige Heimat. Einen weiteren. Begriff von Vaterland kennen sie nicht. In ihren Nachbarn sehen sie nicht Mitglieder desselben Volkes, sondern Angehörige eines Stammes, mit welchem sie entweder Krieg führen oder in Eintracht leben. Führen sie Krieg mit ihnen, hassen sie sie mehr als Fremde. Die Versprechungen Großbritanniens. — Th. E. Lawrenc Nach dem Sturz des „Roten Sultan" Abdul Hamid machten die Jungtürken ihren Anhänger Hussejn zum Statthalter im Hedschas. Sie irrten sich in Ihm. Im Weltkrieg wurde Hussejn durch englisches Geld gewonnen. Im Jahre 1915 trug er selbst der Entente Militärdienste unter der Bedingung an, daß die U n a b h ä n g i gkeit Arabiens bis Mersina und Taurus, d. i. bis zu 37 Grad nördl. Breite, gesichert werde. Sir Henry Mac Mahon antwortete ihm am 30. August 1915, daß Großbritannien gewillt ist, das ganze arabische Volk zu befreien und die Erneuerung des arabischen Kalifates zu unterstützen. Es scheint, daß Lord Allenby, der Nachfolger von Mac Mahon, einigen Söhnen Hussejns mündliche Versprechungen machte, nur um sie bei der Entente zu erhalten. Nach dem Vertragskonzept erklärte Großbritannien sein Einverständnis mit dem unabhängigen arabischen Staate, welcher aus den früheren türkisch-arabischen Provinzen außer Aden, der syrischen Küste, Alexandrette und Mersina bestehen sollte. Außerdem sollten dazu ganz Palästina, Mittel- und Ostsyrien, sowie Mesopotamien und Irak gehören. In der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 1916, gab Hussejn das Signal zur Empörung gegen seine Herren, die Türken, und rief die Unabhängigkeit von Hedschas aus. Hussejns Revolte wurde nicht nur in Arabien, sondern auch in anderen Islamstaaten verurteilt, besonders in Indien, wo die Vertreter aller Moslims am 27. Juli 1916 die arabischen Revolutionäre mit ihrem Haupte, dem Sherifen Hussejn, und ihre Förderer als Feinde des Islams erklärten. Kein einziger von den Häuptlingen der Arabischen Halbinsel schloß sich an Hussejn an. Einer seiner Söhne, F c j s a 1, kämpfte zusammen mit Colonel Thomas Edward Lawrenc in Transjordanien, konnte aber keinen besonderen Erfolg aufweisen. Den eigentlichen arabischen Boden betraten beide während des Weltkrieges überhaupt nicht. Hussejn wird unbequem Hussejn erhielt im ganzen 6,000.000 Pfund an Geld von Großbritannien, weiters Waffen, Kleidung, Lebensmittel, Arzneien und Autos. Sein Sohn Fejsai wurde König in Irak und sein anderer Sohn Abdallah Herrscher in Transjordanien. Nach dem Kriege wollte er die Beschuldigungen der Moslims, die ihn als Verräter des Islams hinstellten, ablenken, und lehnte sich zum Schein gegen die Balfour-Deklaration Über das Nationalheim der Juden in Palästina vom 2. November 1917 auf, er wollte den angeblich versprochenen Groß- ArAhhscfcea Staat, Srittftf «Botynenftciffee! Ccr iff unenfbef)rltcf). 3uHus SJlcinl 5affee»3mport ffitgr. 1862 ^m^*mmmmmmmBMmmmmmammmmmBmmmmummmnmm Auf Befehl des Lord Curzon wurde im April 1923 ein neuer Vertrag entworfen, welcher ein Kompromiß darstellen sollte und welchen Hussejn sicher unterschrieben hätte, wenn er sich nicht vor der Auflehnung der moslemitischen Volksstämme gefürchtet hätte. Die Bewohner von Irak kümmerten sich nicht mehr um ihn und die Bewohner von Syrien erkannten ihn zum großen Teile überhaupt nicht an. Sogar im Hedschas brach gegen ihn eine Empörung aus und er wurde abgesetzt. Nur die Araber von Palästina hielten zu ihm, da sie erhofften, daß er die Aufhebung der Balfour-Deklaration erwirken werde, was er ihnen öfters versprochen hatte. Den Vertrag, welchen Hussejn nicht unterschreiben wollte, hätte sein Sohn und Nachfolger im Hedschas Ali anfangs Oktober 1924 gerne angenommen; doch war es diesmal das Foreign Office, welches den Vertrag abschlug. Schon war es zu spät, denn die Wahabiten Eben Saüd's bedrängten Ali immer mehr und mehr im Hedschas. Daher ließ England die Familie Hussejn in Arabien fallen. Eben Saüd besetzte Hedschas. A 1 i floh zu seinem Bruder Feisal nach dem Irak und Hussejn nach Akaba in Palästina im nördlichen Zipfel des Roten Meeres. Von hier aus hörte Hussejn nicht auf, den Engländern Vertragsbruch vorzuwerfen. Doch eines schönen Tages erschienen englische Kriegsschiffe vor dem Hafen von Akaba, englische Marinesoldaten verhafteten Hussejn und brachten ihn am 28. März 1925 nach Cypern, wo ihm eine angemessene Wohnung zugewiesen wurde. Das Kapitel Hussejn war erledigt. Eben Saüd Abdalaziz Eben Saüd, der Herrscher des Nedschd, wurde nach dem Sturze der Familie Hussejn auch König des Hedschas und Nachbar des englischen Mandatsgebietes. Im Mai 1922 zeigten sich seine Wahabitenhorden in Transjordanien. Die Londoner Regierung erkannte die Gefahr, die ihrem Mandatsgebiet drohte und begann mit Eben Saüd zu verhandeln, der die ganze Ebene Sirhan beanspruchte und eine Verbindung mit dem französischen Mandatsgebiet Syrien anstrebte. Erst als ihm innere Schwierigkeiten in Hedschas erwuchsen, war er zu einem Vertrag bereit und am 2. November 1925 wurde der Vertrag in Haddy unterzeichnet. Eben Saüd verhandelte ausschließlich mit den Engländern, denn über den Emir Abdallah von Transjordanien, diesen von ihm gehaßten Sprößling Hussejns, weiß Eben Saüd, daß er ein Schwächling ist, ohne eigenen Willen und ohne jede Initiative. An seinem Gebiet ist ihm nicht gelegen, worum es ihm geht, ist die ungehinderte Verbindung mit Französisch- Syrien. Doch ist auch Eben Saüds großes Reich nicht fest gefügt und er bedarf dringend des englischen Wohlwollens. Bei Müdigkeit, Gereiztheit, Angstgefühl, Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Brustdruck regt das natürliche „Franz-Josef"-Bitterwasser sowohl die Darmtätigkeit, als auch . den Blutkreislauf im Unterleibe nachhaltig an und wirkt sehr beruhigend auf die Wallungen. Anteil Palästinas am Welthandel seit 1929 vervierfacht Aus Genf. (J. T. A.) Aus einem vom Völkerbund veröffentlichten „Allgemeinen Ueberblick über den Welthandel 1934" ergeben sich für Palästina folgende Ziffern, ausgedrückt in Golddollar: Wert der Einfuhr 1934: 45,000.000 Dollar, Wert der Ausfuhr 10,000.000 Dollar. Total: 55,000.000 Dollar. Vergleich mit den Vorjahren in Millionen Golddollar: Einfuhr 1932: 27; 1933: 37. Ausfuhr 1932: 8; 1933; 9.) Im Verhältnis zum Gesamtwert des Welthandels, ausgedrückt in Golddollar, stellte sich der prozentuale Anteil Palästinas am Welthandel folgendermaßen dar: Einfuhr: 0,37 Prozent (im Jahre 1929: 0,10; 1932: 0,19; 1933: 0,30). Ausfuhr: 0,09 Prozent (im Jahre 1929: 0,02; 1932: 0,06; 1933: 0,08). Totaler Anteil Palästinas am Welthandel (Ein- und Ausfuhrwerte) im Jahre 1934: 0,24 (im Jahre 1929: 0,06). Der prozentuale Anteil Palästinas am Welthandel hat sich daher seit dem Jahre 1929 in seinem Werte genau vervierfacht. Als Hausnäherin sucht Frau besseren Standes, Opfer der gegenwärtigen Verhältnisse, völlig mittellos, unterzukommen. Uebernimmt auch andere Arbeit. Untere „Darbende jüdische Familie" an die Administration der „Neuen Welt", 9. Bez., Universitätsstraße 8. Auskünfte übt Meisen notU P.atästika edeäi dt. 5. foultet Wl«n IX, UtchUnitelnjtr. j, Tel. A*14-S04

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