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Die neue Welt · 1935-07-05 · Heft 477 (5.7.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 477 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sefte 1 DIE NEUE WELT Nr. 47T HAFNERMEISTER SCHONWETTER Spezialist in Holzdauerbrandöfen, übernimmt alle einschlägigen Hafnerarbeiten- Lieferant der Israelitischen Kultusgemeinde Wien v, Grongasse 13 Tel. A-35-9-30 RUNDSCHAU Traurige Konkurrenz In London fand dieser Tage die Sitzung einer Gesellschaft statt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Sammlungen für die unter ungeheurer materieller Not leidende Judenschaft Polens zu veranstalten. Von einigen Seiten wurde Klage darüber geführt, daß in vielen englisch-jüdischen leistungsfähigen Kreisen, welche für die deutsche Judenschaft viel aufgebracht haben, das Sammelwerk für Polen wenig Verständnis findet. Man verhält sich ablehnend und skeptisch. Unter Hinweis auf die Pflicht, in erster Linie deutsche Juden unterstützen zu müssen, glaubt man, die Sammelaktion für Polen ai" aussichtslose Angelegenheit hinstellen zu müssen. Der bei der Sitzung als Gast anwesende Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, trat in energischer Form gegen diese Stimmungsmacherei auf und bezeichnete sie als ungerecht und unjüdisch. Er sagte: „Ich habe den Eindruck, daß in der Haltung der anglo-jiidisehen Bevölkerung gegenüber der polnischen Judenheit etwas nicht stimmt. Wir alle wissen, daß die Anforderungen für Hilfe an die notleidenden Juden in der Welt zahlreich sind und vielleicht mehr fordern, als ein Maximum an gutem Willen leisten kann. Ieh weiß, daß nach dem Appell für die deutsche Judenheit und nachdem die jüdische Börse erschöpft ist, die polnischen Juden durunter werden leiden müssen. Jedoch wäre es ein Fehler, gleich beim Start des polnischen Appells zu sagen, ,der Feldzug ist ein Mißerfolg'. Auch in einem Kriege kann man nach der ersten Schlacht nie entscheiden, ob man den Krieg gewinnen wird. Ich kann es nicht glauben, daß die Haltung der guten Juden dieses Landes gegenüber der Katastrophe der Juden in Polen eine andere sein wird als gegenüber der deutschen. Es gibt keinen Vergleich zwischen den Leiden der Juden in einem Lande mit denen in einem anderen Lande. Die Juden in Polen sind zahlreicher als die Deutschlands. Das ist schon ein Grund, weshalb das Elend größer ist. Irgend ein Unterschied zwischen deutschen Juden und polnischen Juden existiert im Grunde genommen nicht. Die polnischen Juden sind Flüchtlinge aus Deutschland. Im zehnten, elften und zwölften Jahrhundert kamen sie aus Deutschland, aus einem Lande der Unterdrückung, in ein Land, das damals gastfreundlich war. Wenn man von Juden in den Vereinigten Staaten oder in S ü d af r i k a spricht, ist dies nur ein Pseudonym. Ich möchte nicht dem Ursprung der Juden in England und Frankreich nachforschen. Sie sind im allgemeinen polnische Juden. Es wäre ein Mangel an Selbstvertrauen, schon jetzt von einem .Mißerfolg' zu sprechen." Joseph Melier, der Führer der Aktion, führte aus: „Das größte Elend, von dem unsere Geschichte zu berichten weiß, erdulden jetzt die Juden in Polen. Die S'/. Millionen polnischen Juden müssen als ein Reservoir des Judentums in der Zukunft betrachtet werden; ist doch das Judentum in Rußland faktisch verschwunden, und Sie wissen ja, was den Juden in Deutschland geschieht. Die Lage in Polen ist ebenso schlecht wie in Deutschland, mit der Ausnahme, daß die Juden dort nicht in Konzentrationslagern sitzen. Jeder freie Beruf ist ihnen versperrt. 50 Prozent der Juden Polens sind arbeitslos. 7 5 Prozent der Kinder bekommen monatelang keine'Milch. Wir müssen den Juden zur Berufsumschichtung verhelfen. Wir müssen den Jeschiwoth helfen. Dt>r polnische Appell ist kein Mißerfolg. Wenn er das wäre, dann gäbe es kein Her z in der englischen Judenheit. Aeußerstc Opfer müssen gebracht werden, jeder muß das Herz der anderen zu gewinnen suchen." Prolest der Revisionisten In einem Schreiben an die britische Regierung protestieren die Zionisten-Revisionistcn gegen den Inhalt des Berichtes der Palästinaregierung an den' Völkerbund und behaupten, daß dieser Bericht die Revisionisten ins Unrecht setzt und verleumdet. Die Beschwerde bezieht sich hauptsächlich auf folgenden Passus im Berichte: „Die Spannung, die seit der Ermordung von Dr. Arlosoroff im Jahre 1933 die jüdischen Auslaugte ü&et Meisen muU Uatett. „teilt fo. 5. ladtet Wien IX, Liechtensteinsfr. 2, Tel. A-14-504 Arbeiterparteiler und die Revisionisten so merklich einander entfremdet hat, wurde noch verschärft durch die revisionistische Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt bei nichtgewerkschaftlichen Löhnen. Die Tatsache, daß der Verband Jüdischer Landwirte bei seiner Einstellung von Arbeitern zu erkennen gab, daß er sich die revisionistische Taktik zu eigen macht, hat die Dinge nicht besser gemacht, denn die Citnis-Hainc sind ein hoch bedeutsames Arbeitsfeld, das die Gewerkschaft nichtgewefkschaftlichen Arbeitern, ob jüdisch oder arabisch, auszuliefern nicht gewillt ist." Im revisionistischen Protest wird dazu gesagt: „Der in dieser Form gemachte Hinweis auf den Arlosoff-Mord kann als eine Anspielung aufgefaßt werden, die eine politische Partei mit einem abscheulichen Verbrechen in Verbindung bringt. Außerdem wird in dem Bericht nirgends die Tatsache erwähnt, daß alle drei im Zusammenhang mit dem Arloaoroff-Mord beschuldigten Revisionisten freigesprochen wurden. Eine solche Erwähnung in diesem Bericht einzufügen, wäre moralische Pflicht gewesen, weil der vorhergehende Bericht einen Hinweis auf dieses Verbrechen enthielt, in dem es heißt, daß das Verbrechen „revisionistischer Agitation zugeschrieben'- wurde." KREUZaKINO Wollzeile 17 - Tet. R-24-2-16 Die Königin der ünteroelt ^tS. Sturm Her Mexiko Dann wird noch die Behauptung, daß Revisionisten für niedrigere Löhne und unter schlechteren Bedingungen zu arbeiten bereit sind, zurückgewiesen. Der Bericht schließt: „Der Bericht scheint ein unleugbares Vorurteil gegen den Revisionismus zu verraten. In dem Bewußtsein, daß dies nicht die Haltung der Regierung Seiner Majestät sein kann, fühlen wir uns berechtigt, ehrfurchtsvoll ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, daß innerhalb des für ihre Herausgabe verantwortlichen Amtes irgendein Einfluß am Werke ist, der die Regierung in einen internen Parteistreit zu verwickeln sucht. Mit dem vollsten Vertrauen, daß die Regierung Seiner Majestät solche Uebungen, einmal zu ihrer Kenntnis gebracht, nicht dulden wird, wenden wir una respektvoll an Sie mit diesem Protest." Eiktif in Hie*! Herren-Hemd. „ rejne Seill 9.11 Alles für den Urlaub billigst b«l BERGMANN, I, Rabensfteig 3 Himmel pfortgasse 5 Köllnerhoffgasse 1 Bitte, berufen Sie sich bei jedem Einkauf auf unser Blatt Die Juden in Südamerika Der Direktor der großen Tageszeitung in Buenos Aires, „Die Jiddische Zeitung", M. S t o 1 i a r, ist als Beauftragter der argentinischen Regierung in New York eingetroffen, um die Frage der Immigrationsmethoden der Vereinigten Staaten zu studieren und seiner Regierung hierüber Bericht zu geben. In einem. Gespräch mit dem ITA-Vertreter rühmte Stoliar die Arbeit der judischen Kolonisten in Argentinien. In den argentinischen jüdischen Kolonien leben etwa 26.00C Seelen, die eng mit der Erde verbunden Sind und die aic'.J der Hochachtung seitens der Behörden unU der übrigen Bevölkerung erfreuen. Die Bevölkerung Argentiniens ist dem Antisemitismus abgeneigt, leider aber haben aith unter dem Einfluß der aus Deutsch* land herübergekommenen Agenten die 15 0.0 00 argentinischen Deutschen mit wenigen Ausnahmen ganz dem Nazitum verschrieben und versuchen, die Atmosphäre durch antisemitische Propaganda zu vergiften. Wir argentinischen Juden aber, sagte Stoliar, betrachten diese Vorgänge als zeitweilig. Das argentinische Volk kennt uns als gute Bauern, die ehemalige Wüsteneien in blühende Gärten umgewandelt haben, sowie als Industrielle und Arbeiter, die an der Entwicklung des Landes grofcen Antei1 haben. Es lebon in Argentinien heute eine halbe Million Juuen, davon 300.000 Aschkenaslm and 200.000 Sephardim. Die soziale Tätigkeit ist intensiver ala in anuexen Ländern) Auch besitzen wir hebräiacb« und jiddische Schulen, Talmud-Thorax und andere Kulturinstitutionen. Die zionistische Bewegung übt auf die jüdischen Massen den größten Einfluß aus. Auf dem Wege nach Nordamerika besuchte Stoliar alle am Pazifischen Meer liegenden süd- und zentralamerikanischen Länder und studierte das Lieben der jüdischen Gemeinschaften, die dort noch jung und klein an Zahl sind. Auch dort verbreiten die Nazi die ungeheuerlichsten antisemitischen Legenden, die leider von beträchtlichen Teilen der Bevölkerung geglaubt werden. Eine Ausnahme macht Chile, wo dank der planmäßigen Gegenaktion der jüdischen Führer der Nazismus trotz der großen Zahl landesansässiger Deutscher keine Erfolge zu verzeichnen hat. Aus Sao Paulo: Die Regierung des Staates Sao Paulo in Brasilien plant die Entsendung einer Abordnung ins Ausland zwecks Heranziehung von landwirtschaftlichen Arbeitern, an welchen es in diesem Staate fehlt. Im Zusammenhang damit wird die Frage einer dichteren jüdischen Kolonisation in Sao Paulo diskutiert. Maßgebende jüdische Kreise in Rio de Janeiro haben einen Plan der Landansiedlung von Juden, insbesondere von Flüchtlingen, unweit der brasilianischen Häuptstadt den maßgebenden Stellen überreicht. Die große brasilianische Zeitung „Folia Domania" bringt einen Artikel des gewesenen französischen Kolonienminister Grotjan Condance, der die Fähigkeiten der Juden in der Landwirtschaft rühmt und den Palästina-Aufbau als eine beispielgebende Tat hinstellt. Trenmiitgsf orthodoxes Judentum m Palästina Der trennungs-orthodoxe Oberrabbiner von Jerusalem, Rabbi Josef Zwi Duschinsky, hat sich auf der Durchreise nach Karlsbad in Wien .aufgehalten, wo er dem Vertreter der „Jüdischen Presse" über verschiedene Fragen ein Interview gab. Ueber die Frage der Verhandlungen mit dem Waad Lcumi äußerte Rabbi Duschinsky folgendes: Es muß vor allem richtiggestellt werden, daß Verhandlungen mit dem Waad Leumi (dem Jüdischen Nationalrat) nicht geführt wurden und nicht geführt werden. Die Beratungen, die derzeit stattfinden und über die die jüdische Presse spaltenlange Berichte veröffentlicht, sind lediglich als eine Enquete anzusehen, die die Regierung veranlaßt hat, um Klarheit in der Gemeindefrage zu schaffen. Wenn einige Rabbiner des Heiligen Landes unter dem Druck des dortigen Misrachi eine Erklärung gegenden Austritt aus dör Knesseth Israel (gesetzlich anerkannte Gesamtorganisation der palästinensischen Judenschaft) und gegen die Gründung selbständiger orthodoxer Gemeinden unterfertigt haben, so kann diese Erklärung uns vollkommen unberührt lassen. Für uns besteht seit mehr als einem Jahrhundert der uneingeschränkte Issur (Gebot) unserer Thorakapazitäten und religiösen Führer, der die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde, welche die unumschränkte Herrschaft der Thora und Ueberlieferung nicht in allen Zweigen ihrer Tätigkeit anerkennt, verbietet. Dieser Issur gilt für Erez Israel genau so wie für die Welt außerhalb Palästinas und wir werden nicht ruhen, so lange wir nicht die absolute Selbständigkeit erreicht haben. Ueber die Poale Agudas Jisroel (Arbeiterorganisation der Agudah) und ihren „Heskem" (Vereinbarung) mit der Histadruth äußerte sich Rabbi Josef Zwi Duschinsky: Die Poale Agudas Jisroel im Heiligen Lande entwickelt sich zusehends und ich muß betonen, daß mir die Führung der einzelnen Gruppen und die religiöse Lebensführung aller einzelnen Mitglieder außerordentlich imponiert. Unsere agudistischen Poalim kämpfen mit Mcssirath Hanefcsch für ihren Glauben und es steht außer Frage, daß sie alle — ausnahmslos — jederzeit bereit sein werden, zu gehorchen, wenn es sich darum handeln wird, den Anordnungen der religiösen Führer, den Anordnungen des Religionsgesetzes also, zu folgen. So gesehen, bildet die Frage des „Heskem", die übrigens derzeit gar nicht aktuell ist, kein Kardinalproblem und es ist schließlich und endlich nichts dagegen einzuwenden, wenn von Fall zu Fall eine gewisse Zusammenarbeit mit anderen Arbeiterorganisationen herbeigeführt wird. Prinzipiell, grundsätzlich muß selbstverständlich ein „Heskem" mit dem Histadruth entschieden abgelehnt werden. Darüber hinaus scheint mir aber da3 Problem dsr Poale Agudas Jisroel darin zu liegen, daß es noch immer anausgebildetcnreliglösenFacharbeitern im Heiligen Lande fehlt. Man kann es selbst den religiösen Bauherren nicht verargen, wenn sie die Arbeitsvermittlung der Histadruth in Anspruch nehmen, insolange sie von der Poale Agudas Jisroel nicht die nötige Anzahl ausgebildeter Arbeitskräfte zugewiesen bekommen können. JÜDISCHER REISEDIENST MAKARSKA AN OER ADRIA 2 Wochen............. s 130.— AKAD. SP. CL, „BRIUTH" Arrangements amlalalen und In V«ld«n Zlarln, die herrliche Adria-Inset 3 Wochen..............S 118.- Irib«f rlffen > Hin« und RiUkfahrt, Unterkunft, voll« Verpflegung, Kur« tut, lad. Abfahrt Jede Woche. Anmeldungen Im Sekretariat«! Moniafb.Preftaf.1l-M Uhrobd»., Wien II, Protentr.tt/IJ. R.4Q«M«*

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