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Die neue Welt · 1935-07-02 · Heft 476 (2.7.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 476 (2.7.1935)
Date
1935-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 476 Dpi NEUJJ WELT SeitffSv ftrfenfaltrt der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung" mit Sammetpafl nach POLEN und CERNAUTI am 7. Juli und 4. August. Rückfahrt 4. August, 1. September und 15. September. Technische Durchführung, Anmeldung und Auskunft: „Oesterr. VarkehrtbOro", Wien I, Frledrlchatr. 7, Tel. B-27-500; Wien lF Brabtn 20, Tel. U-29-0-3B; PoInliehM Reisebüro „ORBIS", Wien I, Klrntnerstr.41, Tel. R-26-1-43; RelsebOro „MarlenbrOcke", Wien I, ftotenturmstraAe 28, Tel. R-24-2-86, R-24-2-87 AUS PALÄSTINA Die Hitzewelle und die Ernte Jerusalem (Palnews). Wie der Ackerbau- Direktor der Regierung (Director of Agriculture and Forests), mitteilt, wurden in den Orangenpflanzungen durch den Hamsin starke Schäden angerichtet, so daß die nächste Ernte nur auf bis 8 Millionen Kisten geschätzt wird. Die Grapefruiternte hat nicht stark gelitten und wird auf lyt Millionen Kisten veranschlagt. Die niedrigen Preise, die in der* letzten Saison erzielt wurden, haben auch die Pflanzungstätigkeit eingeschränkt. Auch die jüngeren Banancnpflanzu'ngcn haben gelitten, ebenso vor allem Oliven, die starken Fruchtabfall zu verzeichnen hatten. Die Olivenernte wird sich nun auf 50 Prozent einer normalen belaufen. Ebenso ist bei den meisten anderen Sommerfrüchten mit größeren Erntevcrlusten zu rechnen, so daß der Fruchtimport wieder starken Umfang annimmt. * Die Hamsinschäden für die Landwirtschaft sind erheblich größer, als zuerst angenommen wurde, besonders in den Zitrus- und Olivenpflanzungen. Die Schäden der Pcldf rüchte sind im Norden größer als im Süden, wo die Ernten sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befanden. Im Norden wurde besonders die späte Aussaat betroffen. In den zentraleren Ebenen wurde Fcldgcmüsc sehr stark geschädigt, so daß mit einem Erntevcrlust von mindestens 40 Prozent zu rechnen ist. Bewässertes Gemüse hat ebenfalls — wenn auch weniger — gelitten. Im Norddistrikt wurde mit einer Getreide- und Hülsenfruchternte gerechnet, die 25 bis 30 Prozent über dem Durchschnitt liegt, sie wird aber nunmehr kaum überdurchschnittlich ausfallen, auch die Qualität der späten Weizenaussaat wird ungünstig sein. In Südpalästina hat die junge Ernte besonders gelitten. Im SUddistrikt ist auch die Sommeranbaufläche durch die kurze Pflugsaison beschränkt worden. Sesam,, Dura und Mais entwickeln sich sehr befriedigend. Spätgesäte Erbsen, Kcrsennah, Linsen haben durch den Hamsin ebenfalls empfindlich gelitten. Winterkartoffeln ergeben infolge Spätregenmangels im Ramleh-Bezirk Unterdurchschnittliche Ergebnisse, im Bezirk von Tulkarcm und Tiberias dagegen ausgezeichnete. Die Preise sind sehr befriedigend, für das nächste Jahr ist mit einer starken Ausdehnung des Anbaues zu rechnen. Tabak hat bei Akko und in Galiläa dem Hamsin widerstanden und zeigt gutes Wachstum. Der palästinensische Eisenbahnverkehr 1934 Jerusalem (Palnews): Die palästinensischen Eisenbahnen haben im Jahre 1934 eine wesentliche Verkehrssteigerung erfahren. Die Einnahmen haben sich gegenüber dem Vorjahr wie folgt entwickelt (in Pfund): 1934 1933 Palcatinc Railway . . , 516.489 391.874 Sinai Railway . . . , » 111.826 104.352 Hejaz Railway « . * . . 98.791 95.653 Insgesamt \ > . » . . 727.106 591.879 Die Zahl der beförderten Passagiere ist von 1,275.308 im Jahre 1933 auf 1,929.107 im Jahre 1934 gestiegen, die beförderte Gütermenge (einschließlich Steintransporte für den Haifaer Hafenbau in Klammern) von 722.624 (795.084) t auf 915.699 (942.731) Tonnen, die Zahl der Züge hat sich von 20.465 auf 25.171 erhöht, die Lokomotivenmcilcnziffer von 1,402.639 auf 1,544.470. Der Personalbestand hat sich dagegen von 3820 auf 3511 erniedrigt. Die Einnahmen aus dem Passagierverkehr haben »ich gegenüber dem Vorjahr um Pf. 50.500, diejenigen aus dem Frachtverkehr um Pf. 72.229 erhöht. Baumaterialien stellen also das bei weitem wichtigste Verkehrsgut der Bahn dar, auch der Drangcntransport erreichte einen Umfang von fast 100.000 t. Der Frachttransport wurde durch die Sperrung des Jaffaer Hafens für Schwergüter im Herbst 1934 (künstlich gesteigert. Keine jüdischen Arbeiter beim Eisenbahnbau in Jaffa Aua Jerusalem: Im Rahmen der Arbeiten zum Ausbau des Hafens von Jaffa wird die Bahnstrecke in d«ir gesamten Ausdehnung des erweiterten Anlegekais verlängert. Mit dem Bau wurde bereits begonnen. Jüdische Arbeiter sind dabei nicht beschäftigt. Billig« Sommerreisen nach Polen. Pullmanwagen, reservierte Plätze, verlängerter Aufenthalt möglich. Alle näheren Auskünfte Dr. S. Tocker, Wien, IX., Liechtenfiteinatraße 2, Tel. A-l^-SOl. Die -üttneMlhe" l/etwittuno w^r ||pr*jnjfnnjff»v|frrr|f w ifwww wwwfwwww^^ Von Tunkeier Die Konferenz der Allgemeinen Zionisten in Krakau endete mit heilloser Verwirrung. Das unvorstellbare [Wirrwarr hält Tunkelcr in einer Humoreske fest. Hier ist sie. Da hält mich einer auf der Straße an und fragt: „Können Sie mir nicht sagen, Panje, was eigentlich in Krakau vorgekommen ist?" „Was in Krakau los war? In Krakau war eine Konferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten." „Nun?" „Und sie ist aufgeflogen." „Weswegen?" „Wegen Irgun." „Irgun hat sie auffliegen gemacht? So ein verflixter Junge, der Irgun!" „Entschuldigen Sie, Irgun ist kein Junge.« Irgun ist eine Sache, über die sich die A-Gruppe und die B-Gruppe nicht einigen können." „Was zum Beispiel will die A-Gruppe?" „Die A-Gruppe will das, was die B-Gruppe bezüglich des Irgun nicht will." „Und die B-Gruppe?" „Die B-Gruppe will das nicht, was die A-Gruppe bezüglich des Irgun will." „Aha. Und was sagt der Irgun selbst dazu?" „Der Irgun selbst sagt gar nichts. Darüber sagt der Gentleman.'' „Welcher Gentleman?" „Gentleman agreement." „Was sagt der Gentleman — wie heißt er nur? — agreement?" „Er sagt dasselbe, was Kidmah." „Kidmah? Was ist das für ein Vogel?" „Kidmah ist so viel wie AI Hamischmar und doch nicht dasselbe." „Und der AI Hamischmar?" „Der AI Hamischmar ist das Gegenteil von Et Liwnoth." „Und der Et Liwnoth?" „Ist das Gegenteil von AI Hamischmar." „Aha . . . Und was machen sie?" „Sie machen gar nichts. Sie raufen sich wegen des Irgun, der die Konkurrenz von der marxistischen Histadruth sein will." „Was ist eigentlich Histadruth?" „Histadruth ist eine Sache, bei der Szmorok dagegen und Jizchok Grünbaum dafür ist." r6ü„e.i Bficherschuemme Schuedenbriicke ■Franz-Josef-Kal 7. Neue BUcher bester Autoren zu 20, ■■■ 30 und 50 Groschen. Reiche Auswahl. „Aha! * » . Und was hat darüber der Vorsteher Reb Akibah gesagt?" „Entschuldigen Sie, Akibah ist kein Vorsteher. Akibah ist eine Jugendorganisation. So ähnlich wie ,Hanoar hazioni', aber doch nicht dasselbe." „Und der Noar hazioni?" „Ist dasselbe, was die Zionim akadmaim, nur ein wenig anders." „Was machen sie?" „Sie machen gar nichts. Sie warten, was aus der A-Gruppen und aus der B-Gruppe wird. Wenn die beiden Gruppen sich zusammenschließen, werden sie eine allgemein-zionistische Jugendgruppe bleiben. Wenn die beiden Gruppen sich nicht zusammenschließen, werden sie ebenfalls eine selbständige allgemeine zionistische Jugendorganisation bleiben." „Und was sagt die Gruppe B-Locker?" „Entschuldigen Sie, B-Locker ist keine Gruppe, sondern Berl Locker." „Was macht er, dieser Berl Locker?" „Er macht gar nichts. Er ist ein exekutiver Be« obachter. Er beobachtet und wartet." „Auf was wartet er?" „Er wartet, daß die A-Gruppe die B-Gruppc verschlingt, die B-Gruppe die A-Gruppe verschlingt und daß beide sich mit dem Irgun erwürgen." „Und was macht Jordania/?" „Jordania hat nichts zu tun. Sehen Sic, Achwa hat hier j a etwas zu tun." „Was ist das, der Achwa?" „Achwa ist ein Geschöpf, das den Dr. Gottlieb' gern hat, aber sich mit Hartglas ins Bett legt." „Aha! . . „ Und wie steht die Sache jetzt?" „Jetzt ist gar nichts los. Die A-Gruppe ist dahin-, die B-Gruppe dorthingegangen. Da beide Gruppen nach verschiedenen Richtungen zogen, haben sie ihre Gruppen und Grüppchen genommen, ihre Fraktionen und Fraktionellen, Bruchteile und Bruchteilchen wie die Mitkadmim, Haschachar, Hanoan hazioni, Kidmah, Hechaluz haklali, Bne Brith und Bethlehem, und sind gegangen. Die einen sind eine allgemeinweit verbandelte A - zionistische Stamm - Vereinigung geworden, der die sozialistischen Misrachisten aus der Schule Supraskys herausnimmt, und die zweiten sind eine Vereinigung vom stamm-B-zionistischen allweltlichen Weltverband geworden, der alle Landesverbände der verschiedenen chassidischen Gruppen, und Bne Brak zusammenfaßt. Haben Sie verstanden?" „Verstanden habe ich jedes Wort. Aber wenn Sie zufällig ein Pulver gegen Kopfweh bei sich haben, wäre ich Ihnen sehr dankbar." Lehenslänglich für judischen ,Ra§scsdiänder' Vor dem Magdeburger Gericht wurde in den letzten Tagen eine Art „Schauprozeß" durchgeführt. Die Nazi-Presse berichtet über dessen Verlauf in großer Aufmachung und unterstreicht die antisemitischen Bemerkungen und Redewendungen des Prozeßleiters, Landgerichtsdirektors P i p p i g. Angeklagt war der Leiter einer Privatschule, Albert Hirschland, ein getaufter Jude, der sich in fünf Fällen gegen Magdeburger Frauen und Mädchen vergangen hat. Hirschland verantwortete 1 sich dahin, daß die Frauen und Mädchen freiwillig in seine Wohnung gekommen und ihm „entgegengekommen'* waren. Dies wurde von den Zeuginnen zu einem Teil zugegeben. Der Gerichtavorsitzende erging sich trotzdem während der ganzen Verhandlung in fortwährenden antisemitischen Beschimpfungen des Angeklagten, der, wie er sagte, „auch nach der Taufe durch Pfarrer Zuckschwert ein Jude geblieben" ist und auf „Rassenverderbung" ausging. Als Hirschland sich zu verteidigen wagte, schrie ihn der Vorsitzende an: „So kann nur ein Jude lügen!" Staatsanwalt Kurth bedauerte es, nach den bestehenden Gesetzen nicht den Antrag auf „Entmannung" Hirschlands stellen zu können, und erging sich auch seinerseits in antisemitischen Beschimpfungen des Angeklagten. Schließlich beantragte er Einzelstrafen in Höhe von 32 Jahren Zuchthaus, die er auf die höchstzulässige Gesamtstrafe von 15 Jahren Zuchthaus zurückzuführen ersuchte. Hirschland erklärte in seinem Schlußwort, er bedaure seines Taten, über deren Tragweite nach den heutigen Gesetzen er sich nicht klar war. Er bat das Gericht, zu berücksichtigen, daß er Kriegaverletzter sei. Unter Bravo-Rufen der großen Zuhörerschaft verkündete Landgerichtsdirektor Pippig den folgenden Spruch der Richter: Der jüdische Rassen- und Mädchenschänder Albert Hirschland wird wegen Sittlichkeits. Verbrechens in fünf Fällen zu einer Gesamtzuchthaus-sträfe von 10 Jahren verurteilt. Außerdem wurde lebenslange Sicherungsverwahrung über ihn ausgesprochen und diesem Verbrecher die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren aberkannt. Während der Beratungsstunde unternahm Hirschland in seiner Zelle einen Selbstmordversuch, indem er versuchte, sich an einer Kette zu erhängen. Er wurde noch rechtzeitig daran gehindert und fast besinnungslos in den Gerichtssaal zurückgebracht, wo er — wie die Magdeburger Nazi-Zeitungen mit Genugtuung feststellen —. „vor den empörten Volksgenossen sein Urteil hinnehmen mußte". Verzweifelte Müller — Zunehmende Oleich» gülligheif Aus London: „M anchester Guardian" teilt mit, daß christliche Mütter nichtarischer Kinder in Deutschland sich an den ökumenischen Kongreß in Stockholm mit der Bitte gewandt haben, Möglichkeiten für Auswanderung ihrer Kinder aus Deutschland zu schaffen. „Manchester Guardian" führt im Leitartikel aus, die Lage der deutschen Juden sei heute schimpflicher als die von Parias. Die Zeitung klagt über die zunehmende Gleichgültigkeit in der Welt gegenüber dieser Barbarei und fordert die Oeffentlichkeit auf, immer wieder gegen die Vorgänge in Deutschland zu protestieren. Seit Anfang Mai, berichtet die Zeitung weiter, bemühen sich die Nazi in Westdeutschland, die Bevölkerung direkt zu antijüdischen Exzessen aufzureizen; ein Naziführcr erklärte seinen Zuhörern in einer Versammlung: „Es kommt die Zeit, da ihr ungestraft die Juden ins Gesicht werdet schlagen können." Ausltäuii£ üAtiJt Jteisßu I W www^w^w^^w^^^wu ^wijwijuww WWVW HJ Uote*etitiUdt.S.Utttet I nur mehr Wien IX, üechtensteinstr. 8, Tel. A«14*90<i | ^: -V*.

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