Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 476 (2.7.1935)
- Date
- 1935-07-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Salt« 2 DIE NEUE WEH Nr. Billige Ferienfahrten Polen und Czernowitz Meli Abfahrt«»; 7. Jali B.10 Uhr früh, mit Sondtr-D-Zu| Ntrdbahnhef, 14., 21., 21. TO, I. o. 29. TOI. Aufenthalt Rieh Mitten «FRANCOPOL* III, Rennweg 1 Telephon U-16-4-9 Weltpolitik der Woche Italiens Forderftngeri an Abessinien, die im wesentlichen auf ein Protektorat hinauslaufen, waren Stoff der Dikussion für die Westmächte in einem Ausmaß, das der Bedeutung dieses Falles entspricht. Mussolini bezeichnet die italienischen Aspirationen als legitim, zwangsläufig gerecht und mehr denn je aktuell. Die Gespräche mit den anderen Staatsmännern sind darum im italienischen Aspekt nichts anderes als Loyalitätsakte gegenüber den Staaten, mit denen Italien in Freundschaft zu verkehren gedenkt, gegenüber England und Frankreich, die beide ohne Rücksichtnahme auf Italien ihre Kolonialreiche begründet und ihre Mandatsgebiete übernommen haben. Die Souveränität des italienischen Imperialbewußteeins macht die Haltung Mussolinis erklärlich. Es ist notwendig, diese Betrachtung vorauszuschicken, wenn die erfolglose Aussprache zwischen dem englischen Außenminister Eden und dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini verstanden werden soll. Die beiden haben ihre Richtungslinien gegeneinander abgegrenzt und man weiß, daß die Gleichberechtigung der beiderseitigen Interessen die Voraussetzung aller Verhandlungen ist. Wie verschieden auch die Größen- und Machtverhältnisse der beiden Staaten zueinander sein mögen — sie reden miteinander als gleichwertige, gleichberechtigte, selbständige Willensfaktoren. Darum wird es schließlich auch zu einem Einvernehmen zwischen Italien und den anderen an Kolonial- und Mandatsfragen interessierten Mächten kommen. Dem zionistischen Leser wird diese politische Exkursion vielleicht abwegig erscheinen. Er wird, auf das enge Gebiet seiner zionistischen Tendenzen festgelegt, vielleicht der Meinung sein, daß wir — einige Wochen vor dem Luzerner Kongreß — andere Sorgen haben als Italiens Abessinien-Konflikt. Das ist aber eine oberflächliche und darum schädliche Betrachtungsweise. Sowohl geographisch als auch psychopolitisch ergibt sich für den Vorderen Orient eine Beeinflussung im Augenblick, wo Italiens abessinischer Einfluß wirksam wird. Der Machtzuwachs eines europäischen Staates vor den Toren Palästinas wird Englands palästinensische Mandatspolitik rela tiv beeinflussen und zu Maßnahmen veranlassen, die dem Jüdischen Nationalheim, dem jüdischen Jischuw in Palästina, der zionistischen Leitung eine Aenderung der bisherigen Strategie diktieren könnten. Unsere Stellung zu England ist durch die Man datsbestimmungen festgelegt. Damit kann aber nicht gesagt sein, daß wir ein für allemal, solang diese Mandatsform besteht, die Rolle eines Menschen zu spielen haben, der unter Vormundschaft steht und bei jedem Schritt den Vormund fragen muß, ob „es erlaubt ist oder nicht". Die Strukturveränderung, die sowohl Palästina als auch die Zionistische Organisation mitgemacht haben, müßte notwendigerweise auch die Anwendung der Mandatsbestimmungen modifizieren. Indessen stehen wir vor der Tatsache, daß seitens der britischen Mandatarmacht dieselben Methoden wie vor fünfzehn Jahren uns gegenüber angewendet werden, obwohl wir heute eben nicht dieselben sind, wie vor fünfzehn Jahren. Wir sind nämlich substanziell, moralisch und weltpolitisch gewachsen; wir stellen in Palästina heute einen Faktor dar, der wir bei Beginn des Mandats nicht waren. England, beziehungsweise der Völkerbund als Bewahrer der Mandatsverträge und als Kurator des Weltgewissens, müßte dieser Kräfteverschiebung Rechnung tragen, wenn er seine Aufgabe restlos erfüllen wollte. Die englische Regierung wird versuchen, solang es geht, auch weiterhin mit uns in der Weise umzugehen, Wie sie es bisher getan hat. Sie wird uns als die Bittenden jeweils anhören und ein paar Brocken hinwerfen. Dieser Zustand ist auf die Dauer untragbar; nicht allein, weil er ungerecht ist, sondern auch weil wir es heute nicht mehr notwendig haben, sozusagen als Almosenempfänger dazustehen. Wir dürfen die heutige Position England gegenüber nicht als etwas Definitives hinnehmen. Wir müssen uns bei unseren primären Forderungen und Bedürfnissen (wie Einwanderung und Bodenerwerb)' auf die Strukturveränderung berufen, die durch unsere Leistungen in Palästina entstanden ist. Nur dann werden wir Erfolg haben. Soll der L'uzerner Sinn haben, so muß fassen, die im Zeichen zu'wachses stehen. Kö ngreß einen er Beschlüsse unseres Machto. r. Melden Sie sich bestimmt noch heute zur billigen Ferienfahrt, nach Polen und Czernowitz am 7. Juli 8 Uhr 10 früh am Nordbahnhof bei Francopol, Wien, III., fcennweg 1. Tel. U-16-1-90. Aus aller Weif Zusammensetzung des Palästina-Parlamentes Aus Jerusalem: (J. T. A.>; Die arabische Zeitung „A Difa" ist, wie sie achreibt, dahin informiert worden daß sich der Legislative Council aus 14 Moslems vier Christen und vier Juden, ferner aus den Bürgermeistern von Jerusalem, Jaffa, Haifa und Nablus, dem Chefsekretär der Regierung, den Distriktskommissären und acht Departementchefs zu sammensetzen wird. Die gleiche Zeitung berichtet, daß in Palästina arabische Jugendtrupps mit Nazi-Charakter, die Uniformen tragen werden, in Bildung begriffen sind. Die Orient-Agentur bringt folgende Einzel heiten Uber die Zusammensetzung des geplanten Legislative Council,, die sich mit den Mitteilungen der ägyptischen Zeitung ,,A1 Balag" nicht decken: Danach stellt der Plan des Legislative Council eine Konzeption dar, in der das Hauptgewicht auf eine Repräsentanz der iWirtschafls gruppen und nicht auf die nationale oder konfessionelle [Verteilung der Bevölkerung gelegt wird. Der Council wird 50 Mitglieder zählen, von welchen 15 durch die (Regierung ernannt werden sollen. Das Zahlenver hältnis zwischen Moslems, Juden und Christen soll im Verlauf von Besprechungen mit den interessierten Parteien festgesetzt werden. Wo eine Uebereinstlmmung nicht erzielt werden kann, entscheidet die Regierung. Dem Legislative Council werden Vertreter der Landwirte, Industriellen, Handwerker, Arbeiter und. freien Berufe angehören. Zu seinen Agenden wird auch die Behandlung des Regierungsbudgets gehören. Der Council wird in der Hauptsache eine beratende Körperschaft sein, und als solche wird er sich mit allen wichtigen Angelegenheiten des Landes befassen. Die endgültige Entscheidung in allen Dingen bleibt aber dem High Conunissioner vorbehalten. KREUZ-KINO Wollzeile 17 * Tel. R-21-2-16 Der Boxer und die Dome Vorstellungen: *,%ft,Vi8, ftlO STAFA, VII. DCUC AI I J^iahilferatraBe J20^ Q £ £^ | Die Zahl der „dislozierten Araber" in Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): Auf Grund des Berichtes von Sir John Hope Simpson hat die Palästina- Regierung seinerzeit bekanntlich eine Registrierung der durch jüdische Bodenkäufe angeblich „dislozierten Araber" (durch jüdischen Bodenkauf verdrängte Araber) angeordnet. Im Zuge dieser Registrierung meldeten sich 3236 Araber als „Geschädigte". Jetzt wird offiziell bekanntgegeben, daß von diesen Beschwerden insgesamt nicht mehr als 650 als berechtigt anerkannt wurden. Palästina-Konferenz der Ägudas Jisroel abgebrochen Aus Jerusalem: Die Konferenz der palästinensischen Agudas Jisroel (Trennungs-Orthodoxie), die in Jerusalem, zusammengetreten war, um die Bedingungen des Eintretens der Aguda in die Kneaaeth Israel, der von der Regierung anerkannten jüdischen Gemeinschaft Palästinas, festzusetzen, mußte abgebrochen werden, da der extrem rechte Flügel sich jedem Plan einer Verhandlung mit den Führern der Knesseth Israel, unter denen sich ihrer Meinung nach „Atheisten" befinden, widersetzte. Zweites jüdisches Todesopfer der anfisenm Iisdien Unruhen in Orodno Aus Warschau: Die schweren antisemitischen Unruhen in Grodno am Abend des Sabbat, 7. Juni, haben nun ein zweites Todesopfer gefordert: Der bei den Unruhen schwer verletzte 50jährige G c d a 11 a Blecher ist soeben Im Hospital seinen Wunden erlegen. Das erste Todesopfer der Unruhen war der 21jährige Israel Bcrezowski, Sohn des Chormeisters der Grodnoer Synagoge, dessen Beisetzung damals sich trotz Gegenmaßnahmen der Behörden zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung der gesamten Grodnoer jüdischen Bevölkerung gestaltete. Die Juden und die neue polnische Wahlordnung — 1 Prozent statt 10 Prozent der Parlamentssitze Aus Warschau: In der Debatte über die neue Wahlordnung im Plenum des polnischen Sejm hielt ,der Führer der Nationaldemokraten» Professor Rybarski, eine Hetzrede gegen die Juden und sagte, das ausländische jüdische Kapital knechte Polen und beeinflusse seine innere Politik. Die Juden im Warschauer Nalewkl-Vicrtel hätten weit mehr Rechte als die polnischen Bauern. Ueberau in der Welt beseitige man den jüdischen Einfluß, nur in Polen gibt man den Juden Privilegien. Auch die neue Wahlordnung habe das jüdische Probleme in Polen nicht beseitigt, im Gegenteil, die Judenfrage wird immer akuter. Die Massen, riet er, sind gegen euch Judenl Im Vcrelauf der Debatte ergriff auch der Abgeordnete des Jüdischen Klubs, Dr. Rothenstreich, das Wort und wies nach, wie sehr die neue Wahlordnung die Juden zurücksetzt. Die Juden, die 10 Prozent der Bevölkerung Polens ausmachen, erhalten nur 1 Prozent der Mandate zu Sejm und Senat. Die jüdischen Deputierten werden darum gegen die neue Wahlordnung stimmen. < Henri Bergson nicht zum Katholizismus übergetreten Paris. (J. T. A.) Der berühmte französische Philo* «oph Henri B ergaon dementiert in einer der Jüdischen Telegraphen-Agentur übergebenen Erklärung kategorisch die von der Berliner „Germania" gebrachte und von vielen deutschen und außerhalb Deutschlands erscheinenden Zeitungen übernommene Mitteilung, daß er vom Judentum zum Katholi4 z IB m u s übergetreten sei. Der „Stürmer" in Amerika verboten Aus New York: In der letzten Zeit wurde der- Nürnberger „Stürme r" in den Straßen New Yorks un<fl anderer amerikanischer Städte verbreitet. Nunmehr haben die Behörden ein Verbot der Verbreitung des „Stürmer" in den U. S. A. ausgesprochen, Schutz des Asylrechts in Amerika Aus New York: Das Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses Marcantonio hat im Kongreß einen Gesetzentwurf zum Schutz des Asylrechtes eingebracht, der vorsieht, daß kein. Ausländer aus Amerika ausgewiesen werden kann, der sein Heimatland wegen seiner rassischen Zugehörigkeit oder seiner politischen und religiösen Ueberzeugung verlassen hat. Außerdem sollen alle diejenigen nicht ausgewiesen werden dürfen, die wegen ihrer Abstammung ia ihren Heimatläjidern sozialer oder wirtschaftlicher Diskriminierung unterworfen sein würden, Jüdische Gottesdienste in lettländischen Schulen Aus Riga: (J, T. A.)| Die Konferenz der Schulinspektoren Lettlands! ' beschloß, daß vom Beginn, des neuen Schuljahres an, die Schüler der jüdischem Volksschulen verpflichtet seien, am jüdischen Gemeindegottes* dienst teilzunehmen. Zu diesem Zweck werden vom Neuen, Jahr angefangen in den Aulen der Schulen regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Die Gottlosenbewe&ung flaut ab Aus Moskau. (J. T. A.) Der „Apikoircs", die einzige antireligiöse jüdische Zeitschrift Sowjetrußlands, hat ihr Erscheinen wegen mangels an Lesern einstellen müssen. Wegen Entfernung des deutschen Warenzeichens verurteilt Aus JäewYorkz Die Eisen warenfirma "Tbe Atlas Hardware Company" in New York wurde zu einer Geldstrafe von 750 Dollar verurt"ei 11, weil sie, um dem antideutschen Boykott entgegenzun wirken, -von deutschen Waren das Zeichen „Made im Germany" entfernt und durch ein anderes Zeichen ersetzt hat. Die Unparteiische Anti-Nazi-Liga hat mehrere solcher Fälle zur Kenntnis der Behörden gebracht, so daß eine Reihe weiterer solcher Prozesse und Urteile zu erwarten ist4 Eine Niederlage Goebbels* Aus London: Der Berliner „Angriff" brachte einen Bericht seines Londoner Korrespondenten» br, Thost, in welchem festgestellt wird, daß dio englischen und die deutschen Frontkämpfer, die sich in Brighton getroffen haben, „höchst entzückt" darüber waren, daß die englisch-jüdischen Frontkämpfer diesem Treffen ferngeblieben sind; im übrigen habe die „unfaire Haltung" der Juden einen sehr unangenehmen Eindruck in England gemacht. Dieser Bericht gibt die Stimmung in England durchaus falsctt wieder; hier bringt man der Haltung der jüdischen Frontkämpfer Verständnis entgegen, Dr. Thost, der von London aus den „Völkische^ Beobachter" und den „Angriff" bedient und sich hier als der Statthalter des Dr. Goebbels gebärdet, versucht es bei jeder Gelegenheit, die cnglischeon Juden herabzusetzen, So behauptete er in seinen Blättern, die Boykottbewegung sei von Moskau inspiriert und dio englischen Juden, die aus Rußland und Polen stammen, seien kommunistischer Propaganda leicht zugänglich, Vor kurzem wurde Dr. Thost vom hitlerfroundlichcn Parlamentsmitglied Edward Doran eingeladen, vor Parlamentariern im Unterhaus eine Ansprache zu halten. Nur etwa 15 Parlamentarier waren erschienen, Thost sprach 40 Minuten. Der Kern seiner Rede war, daß die Juden die Herrschaft in Deutschland an sich gerissen hätten und daß Hitler sich gegen diese Herrschaft erhoben habe. Die sogenannten Greuel passierten nur, sporadisch; der Vorfall, daß ein Jude mit einer Tafel an der Brust durch die Straßen Münchens geführt wurde, sei nicht anders zu werten, als ein Studentcnschcr? in Oxford, Die Zusammenkunft endete mit einem Mißerfolg für Doran und Thost. Das konservative Mitglied für Accrington, Major Procter, brachte, unterstützt vont J. P. Morris, den folgenden Antrag ein, der von der Mehrheit mit Beifall angenommen wurde: „Die in dieser Sitzung versammelten Parlamentarier bedauern tief die Haltung der deutschen Regierung gegenüber den Juden, eine Haltung, die dazu angetan Ist, den Geist des Wohlwollens, der zwischen dem deutschen und den» englischen Volke herrschen «oUU, zu acrstöreai"