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Die neue Welt · 1935-07-02 · Heft 476 (2.7.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 476 (2.7.1935)
Date
1935-07-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ify tfy «h. Preis 10 Groschen Jahrgang 9 Dienstag, den 2« Mr* 476 V* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp&üe pur lediteura REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig ö 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty Lob, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.--. vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vJertdjShri« Marls 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14+-$ Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion a. Verwaltung: IX, Universitätssir, 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Hetzt w de* ludettslaat Autk wk woMek Hm ' Listenführer: Oberbaurat Robert Stricker Wir alle wollen den Grundstein legen zu dem Haus, das dereinst die jüdische Nation beherbergen wird. Aus der I. "Kongreßrede. * Es genügt nicht, daß wir davon wissen, in weichem Umfange der zionistische Gedanke die Judenheit ergriffen hat; die Tatsache muß auch gezeigt werden. Der Wahlzettel ist dafür das geeignete, völlig einwandfreie Mittel. Aus der IL Kongreßrede. # Das Judentum ist eine Massenherberge des Elends mit Filialen in der ganzen Welt. Auch das soll man von der Tribüne ftören, wie es die traurige Wahrheit ist, Aus der DX Kongreßrede. mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmemmmmatammmmmpmmmmmmnmmmammmmm! ■ Der Ziotusmus ist nicht mehr eine Sache der Phantasie und Diskussion. Was Theodor Herzl vor vierzig Jahren vorausgesagt hat, ist Tatsache geworden: Die Hoffnung der Juden auf Lösung der Judenfrage durch Assimilation, Liberalismus und Sozialismus bat sich als' Trugbild erwiesen. Trotz der Fort- ' schritte der Zivilisation ist die moralische und materielle Judennot ins Ungeahnte gewachsen und unter ihrem Drucke streben Millionen nach Palästina als der einzigen Stätte, wo Aussicht auf friedliches Leben in Arbeit und Ehre ist. Kongreßwähler! Du selbst denkst daran,, nach Palästina zu gehen. Und wenn aus irgend welchen Gründen deine Person nicht in Betracht kommen kann, so strebst du gewiß danach, deine Kindern den Weg ins jüdische Land freizumachen. Heute ist dieser Weg aus Not und Bedrückung in Freiheit für dich und deine Kinder gesperrt, Palästina steht unter einer nicht jüdischen Verwaltung, welche das Tor geschlossen hält oder nur ganz wenig öffnet,, weil ihr andere Interessen mehr gelten als das Interesse des jüdischen Volkes. Millionen wollen hin und nur wenige Tausende läßt man ein. Um heute ins Judenland zu kommen, muß man reich sein oder ausgewähltes Protektionskind der Partei, welche gerade in der Zionistischen Organisation regiert und über die wenigen Zertifikate verfügt. Oder man muß Kerker und Deportation riskieren und sich einschleichen. Reich muß man sein! Parteigünstling muß man sein! Einschleichen muß man sich, Zuchthaus und Verbannung riskieren! Ist das die Lösung der Judenfrage? Ist das Lösung für dich, für deine Kinder, Kongreßwähler? Auch dieses Elend hat Herzl vorausgesehen. Er hat eine beschränkte, von fremdem Willen und fremder Gnade abhängige Judenkolonisation nie als Lösung angesehen und deshalb den Judenstaat gefordert. Freie Einwanderung und Sicherheit, daß nicht, das jüdische Werk über Nacht zusammenbricht, kann es nur in einem Lande geben, wo der Wille des jüdischen Volkes gilt — im Judenstaat. Ohne das Streben nach dem Judenstaate ver- Unsere nächste Ausgabe wird heitof, denS.päi utOtofs ferscheinen und die österreichischen Wahlresultate zum iäojüafcejikongreß enthalten. liert der Zionismus seinen Sinn, ' dann ' hört er' auf, Lösung der Judenfrage zu sein. - Der Weg zum Judenstaate ist schwer, voll gewaltiger Hindernisse. Das hat die Führer und Parteien im Zionismus, die nach Herzl kamen, verzagt. gemacht. Sie glaubten vom großen Zionismus abgehen zu müssen und fingen an, es billiger zu geben. Sie begannen von einem „geistigen Zentrum" zu schwärmen. Die „Allgemeinen Zionisten" von einer durch Spenden zu ermöglichenden Kleinkolonisation für „arme, verfolgte" Brüder. Die Zionisten-Soziajisten von einer sozialistischen Musterwirtschaft als Vorbild für die andere Menschheit. Sie wagten nicht mehr, an das große Ziel zu denken und streckten die Waffen vor fremdem Willen. Das Resultat: Der Jude darf nicht in das Land, welches ihm die Mächte der Welt feierlich zugesagt haben. Kongreßwähler! Lasse dir nicht einreden, daß Judenstaat nur ein großes Wort ist. Judenstaat ist die einzige j üd i sch e Reali t ät, Judenstaat, und n u r Judenstaat, ist freie Einwanderung für dich und deine Kinder. Nie wird das jüdische Volk nach Palästina gelangen und dort in Freiheit leben können, wenn Palästina nicht Judenstaat sein wird. Ein neues Ghetto wird es sein, in das sich ein kleiner Teil des Volkes eingeschlichen hat, um wieder unterdrückt und hinausgeworfen zu werden. Judenstaat! Alles andere ist vergänglich wie Schall und Rauch. Kongreßwähler! Lasse dir nicht einreden, daß wir Juden zu schwach und die anderen zu stark sind. Man hat auch Herzl zugerufen: „Was du willst, jst Wahnwitz, denn wir sind zu schwach und die anderen zu stark!" Weil Herzl dem Geschrei der Verzagten sein Ohr verschlossen hat, konnte er ein sterbendes Volk zu neuem Leben erwecken. Kongreßwähler! Denke an Theodor Herzl, den großen Führer mit dem unzerstörbaren Glauben an die jüdische Kraft! Gib deine Stimme denen, die glauben wie e r geglaubt hat, die um das Große kämpfen wollen, wie er gekämpft hat. Wähle am 4. Juli die Liste der Judenstaatspartei Liftenfüfirer t Robert Stridcer WM& JudenstaaisfUiHei! Listenführer: Oberbaurat Robert Stricker IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Unsere Rückkehr ist auch eine Sache von aktuellstem politischem Interesse für die Mächte, die in Asien etwas zu suchen haben. Aus der IV. Kongreßrede. * Sie meinten: im Anfang sei das Geld. Nein! Im Anfang ist die Idee. Für Geld bekommt man Mietlinge. Aus der V. Kongreßxede. Es verlieren sich die, an denen man nichts verliert . . . Die aber bleiben, denen wird die Sache durch jedes Opfer nur noch teurer. Aus der . VI. (letzten) Kongreßrede. Das schändliche Zertifikaten* System bleibt! Die Tatsache, daß in den zwei letzten Jahren die jüdische Einwanderung nach Palästina gegenüber der früheren Periode zugenommen hat, versetzte die meisten Zionisten in eine optimistische Stimmung. Die linken untf die Allgemeinen Zionisten brüsteten sich des großen Erfolges der gegenwärtigen Exekutive, auf deren Konto die „Prosperity" zu buchen sei. Als die Nachricht von der Ernennung Malcolm MacDonalds zum Kolonien« minister durch die Presse ging, kannte ihr Frohlocken keine Grenzen. Dieser neue Kolonienminister, der Sohn des'Premiers MacDonald, sei es gewesen, der seinerzeit nach Passfields berüchtigtem Weißbuch den Brief MacDonalds an Weizmann veranlaßt und das Wohlwollen der britischen Regierung für die zionistischen. Aspirationen gestärkt habe. .... Jetzt kommt die Ernüchterung, die Enttäuschung'. Der neue Kolonienminister ist nicht besser als seine Vorgänger. Das Infiltrationssystem, die alte Methode der gezählten Zertifikate, bleibt aufrecht. Die J. T. A. meldet nämlich unter dem. 30. Juni aus London: Am 27. Juni hat der neue Minister für die Kolonien, Malcolm MacDonald, die seit längerer Zeit angekündigte Anfrage des Abgeordneten Colonel Josiah Wedgwood betreffend die Zulassung freier jüdischer Einwände» rung nach Palästina, Transjordanien und Cypern schriftlich beantwortet. Die Hoffnungen, die in manchen jüdischen Kreisen an diese Interpellation geknüpft wurden, werden durch die Antwort des Ministers enttäuscht. Eine Aenderung des Einwanderungssystems: wird in ihr abermals mit derselben Motivierung, insbesondere Hervorhebung des Prinzips der „wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit", abgelehnt, die inder Beantwortung frühereif ähnlicher Anfragen gegeben wurde. Kolonienminister MacDonald erklärte in seiner Am> wort, die Einwanderimg nach Palästina müsse von dein Grundsatz der wirtschaftlichen Aufn ahm ef ähigk eit des Landes (!) beherrscht sein. Betreffend die Zulassung jüdischer Einwanderung nach Transjordanien verwies der Minister auf die Antwort seines Vorgängers am 26. März 1935. Damals hatte Sir Philip Cunlif f e - Li ster die Frage, ob er einen Bericht über Niederlassungsmöglicbkeiten von Juden in Transjordanien erhalten habe oder eine unabhängige Kommission zur Berichterstattung hierüber entsenden werde, verneint und erklärt, die Möglichkeit der Ansiedlung von Juden in Transjordanien hänge von den örtlichen Verhältnissen ab, bezüglich derer er sich von den Batschlägen des High Coramissioner leiten lassen müsse. Dieser sei unter den gegebenen Umständen nicht in der Lage, die Ermutigung jüdischer Niederlassung zu empfehlen. Was die freie Einwanderung nach Cypern betreffe, so würden durch eine solche die Interessen de* derzeitigen Bewohner der Insel beeinträchtigt werden,

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