Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 475 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712099--5158-2718737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
f Nr. 475 haben, nach dem Erfolg der „erweiterten" Jewi3h Agency. Sie schweigen. Und wo waren deine Führer, als die Gefahr des Ausscheidens des Revisionismus immer drohender wurde? Sind sie den Linken entgegengetreten? Nein, willenlos, als blinde Trabanten der Linken haben sie den Bruch der Organisation gefördert. Und jet2t, zwei Monate vor dem Kongreß. Da kamen deine Führer, allgemeiner Zionist, in Krakau zusammen und fügten der Tragödie der Spaltung des Zionismus die Tragikomödie ihrer eigenen Spaltung hinzu, in hundertprozentige Mitläufer der Marxisten (die A-Grupps) und in noch unentschlossenere fünfzigprozentige Nachläufer, ohne Mut zu schöpferischer Aktivität. Willst du in der Schicksalsstunde, wo es um Erhaltung des Zionismus seht, weiter dieser Führung folgen? Die Judcnstaatspartci will eine riesige Anstrengung unternehmen, die Herzische Organisa tion aus den Klammern der Parteiwirtschaft zu be freien, den politischen Zionismus zum Sieg zu führen und vor Spaltung bewahren. Hilf ihr! Folge ihr! Jüdische Arbeitgeber, fordert anläßlich der Ferien Urlaube den Bedarf an Angestellten und Arbeit:<*n beim Verein für unentgeltlich^ n Arbeitsnachweis, Wien, I., Kohlmesscrgasse 4, Tel. 27-0-56, an. Au§ alier Welt Zum Besuch deutscher Frontkämpfer in England Aus London (J. T. A.): Die Zeitung „Star" führt aus, daß die jüdische Bevölkerung Englands auf den Besuch deutscher Frontkämpfer mit einem stummen Protest reagiert. Nur die zahlreiche Judenschaft von Brighton hat offen ihr Mißfallen über die Einladung der Deutschen in ihren Bezirk geäußert, wobei darauf hingewiesen wurde, daß die deutschen Juden, die für ihr Vaterland geblutet hatten, in einer schimpflichen Form aus dem deutschen Volksheer ausgeschlossen wurden. Kein Jude nahm an dem vom Bürgermeister von Hove in der Stadthalle den Deutschen gegebenen Empfang teil. Der frühere Bürgemeister von Hove und jetzige Stadtältestc, Barnett Marks, selbst Jude, erklärte dem Vertreter des „Star", er sei Ehrenmitglied der British Legion und habe einen Sohn im Kriege verloren, aber als Jude habe er es nicht über sich bringen können, der Einladung des Bürgermeisters zur Teilnahme an dem Empfang der Deutschen Folge zu leisten. Er habe die an ihn ergangene Einladung mit den Wprten beantwortet, daß er so 1 che Besucher nicht bewirten möchte. Major Brunei Cohen, Schatzmeister der British Legion, der Jude ist, erklärte gegenüber einem Vertreter des „Jewi8h Chronicle", er habe zugestimmt, daß eine Abordnung der British Legion dem Vorschlag des Prince of Wales gemäß sich nach Deutschland begibt, um den früheren Feinden „die Freundschaftshand" entgegenzustrecken. Aber von den 4000 jüdischen Frontsoldaten, die der British Legion angehören, werde keiner nach Deutschland gehen. Er, Major Cohen, selbst begebe sich, nach Wien, um mit den dortigen Frontkämpfern in Kontakt zu kommen. Der geplante Deutschland-Besuch läge, im Interesse des Friedens, an dem Juden wie Nichtjuden gleich interessiert seien. (Major Brunei Cohen, Schwiegersohn eines Bruders von Sir Herbert Samuel, betätigt sich hervorragend in der Friedensbewegung, ist aber zugleich auch ein leidenschaftlicher Kritiker der antijüdischen Politik der Hitler-Regierung.) Professor Askenazy gestorben Aus Warschau: Hier starb im Alter von 69 Jahren der hervorragende polnische Historiker und Diplomat Professor Dr. Simon Askenazi. Er zählte zu den führenden polnischen Geschichtsschreibern. Seine Universitätslaufbahn begann er an der Lemberger Universität, wo er sich 1879 als Privatdozent habilitierte und 1907 Professor der Geschichte wurde. Im Jahre 1914 siedelte Prof. Askenazi nach der Schweiz über. Nach dem Weltkrieg verlegte er seinen Wohnsitz nach Warschau und nahm am politischen Leben maßgebenden Anteil. Die polnische Regierung sandte ihn 1920 als Ihren Vertreter in den Völkerbund mit dem Rang eines Ministers. Bis zum Jahre 1923 vertrat er. in Genf mit in Polen wie in der internationalen Welt anerkanntem Erfolg die polnischen Interessen. Während seiner Amtstätigkeit als Polens Vertreter beim Völkerbund erfolgte die definitive Anerkennung der Grenzen Polens durch die Großmächte sowie die günstige Entscheidung in der oberschlesischen Frage. Trotzdem wurde er auf Drängen der a n tisemitisch-nationalen Kreise, die es für untragbar hielten, daß ein Jude die Interessen Polens vor dem internationalen Forum vertrete, aus Genf abberufen. Als Prof. Askenazy an die Warschauer Universität berufen werden sollte, stimmte die Mehrheit der Professoren-, offenbar aus antisemitischen Gründen, gegen ihn. Er gehörte zu den geistigen Führern der polnisch-jüdischen Assimilation. Kluge Hausfrauen bevorzugen den delikaten, echten fechweizer-Käse, Marke „Berna". DIE NEUE WELT Seit« 5 Vier Juden unter fünfzig Amerikanern Aus New York (J. T. A.): Der Herausgeber der ..Amarillo Globe-News", Gene Howe, hat die Namen von 50 Amerikanern zusammengestellt, die die stärkste Wirkung auf die unmittelbare Zukunft des amerikanischen Volkes ausüben; unter ihnen befinden sich vier Juden: Die Richter am Obersten Gericht B r a n d c i s und C a r d o z a, der Leiter des Schatzamtes, Henry Morgcnthau jun., und der Präsident des Columbia Radio System, William S. P a 1 c y. Vertreter der italienischen Juden im Comite des Delegations Juives Aus Paris: Wie der J. T. A. vom Comitö des Delegations Juives mitgeteilt wird, hat der Jüdische Gemeindebund Italiens Herrn Dr. Angelo Orvieto zu seinem Vertreter in der Exekutive des Comitö des D616gations Juives und des Jüdischen Weltkongresses, an Stelle des verstorbenen Oberrabbiners S a c e r d o t i, ernannt. Herr Orvieto, ein bekannter italienischer Dichter, ist Mitglied des Vollzugsausschusses des Jüdischen Gemeindebundes Italiens. Antisemitische Demonstration in Zürich Aus Zürich: Anläßlich der Aufführung der „D r c i g r o s c h c no p c r" im Volksspielhaus in Zürich in tschechischer Sprache durch eine Prager Truppe kam es vor dem Theater zu Manifestationen der „Frontisten", wobei die intervenierende Polizei von den Exzedenten mit Steinen beworfen wurde. Die Demonstration hatte antisemitischen Charakter, weil der Autor Brecht und der Komponist Weil von Juden abstmmen sollen. Zwölf der Frontisten wurden verhaftet, aber nach Identifizierung freigelassen. MATURASCHULE „UNIUERSUIT II IX, GARNISON GASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 || Wiederum Bombenanschlag in Lemberg Aus Lemberg (J. T. A.): Die Serie der in Lemberg von unbekannter Hand geführten Anschläge gegen jüdische Institutionen hat sich nunmehr um einen weiteren, schwerwiegenden Anschlag vermehrt. Im Stiegenhaus des Gebäudes, in dem sich die Lokale des jüdischen Sportklubs Haschachar und der Vereinigung der Zionisten-Revisionisten K a d i m a h befinden, explodierte eine Höllenmaschine und richtete ungeheuren Schaden an. Der 13jährige Emanuel Webner und der 14jährige Ephraim Fortman wurden schwer verletzt, andere junge Leute kamen mit leichteren Verletzungen davon. Das Gebäude wurde so schwer be- In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd zu erhalten, gibt es nichts Besseres als ständige Körperpflege. Ein ideales Mittel dazu finden Sie in dein seit Jahrzehnten bewährten, in tausenden Familien beliebten DIANA- Franzbranntwein mitMenthol Erhält durch tägliche Massagen (Einreibungen) die Spannkraft, kräftigt Muskeln und Nerven, verleiht Ausdauer. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken. Das anerkannte Hausmittel. In jedem besseren Geschäfte erhältlich. Aber verlangen Sic ausdrücklich „DI AN A" und nehmen Sie nur „DI AN A". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. S p i t z; Beisitzer: Prof. Dr. Philipp Bock, Otto E i s n c r; Revisoren: Moritz P o 11 a k, Marek Schindnlmann; Schiedsrichter: Prof. Dr. Alfred Engel, Dr. Artur Feldmann, Egon .1 o k 1: Ersatzmänner: Josef Hochwald, cand. ehem. Rudolf T i c h o, Max Zwei« g e n t a 1. Anti-Hitler-Boykottkomitee in Polen aufgelös-, Aus Warschau: Die Polizei erschien überraschend im Warschauer Zentralbüro des polnisch-jüdischen Antihitler-Boykottkomitees, beschlagnahmte sämtliche Papiere, versiegelte die Räume und erklärte das Komitee für aufgelöst. Unter den Juden Polens hat diese Maßnahme einen sehr deprimierenden Eindruck gemacht. Das Komitee leitete bisher erfolgreich die Boykottbewegung gegen Hitler-Deutschland. Man nimmt an, daß das polizeiliche Vorgehen im Interesse der guten deutsch-polnischen Beziehungen erfolgt ist. Palästinensisches Parlament im Frühjahr 1936? Aus Kairo. (J. T. A.) Der gut informierten Zeitung ,,A 1 Balag" wird aus Jerusalem berichtet, daß mit der Einsetzung eines Legislative Council im Frühjahr 1936 zu rechnen sei. High Commissioner Sir Arthur Wauchope werde sich demnächst nach London begeben, um gemeinsam mit dem Colonial Office die Frage zu entscheiden, ob die Mitglieder des Council auf Grund allgemeiner offener Wahlen oder — wie dies bei Mitgliedern der Stadtvertretungen der Fall ist — auf Grund von Wahlen in national getrennten Wahlkörpern gewählt werden sollen. Die Araber treten für die Bildung nationaler Wahlkörper ein, um zu verhindern, daß mit Hilfe der jüdischen Stimmen Araber gewählt werden, die den Juden als Mitglieder des Council Hotel und orth. "i^d Restaurants DREIBAUM (Eisen) Modernst renoviert Mäßige Pieise — Erstklassige Pension In Wien Auskunft: Restaurant Eisen, I, Laurenzerberg schädigt, daß es fast unbewohnbar ist. Die Urheber konnten ebenso wenig wie in früheren ähnlichen Fällen ermittelt werden. Gefährliche antisemitische Hetze im Jemen (Südarabien) Aus Jerusalem (J. T. A.): Aus dem Jemen eintreffende zuverlässige Berichte lauten dahin, daß neuerdings dort ein systematischer antijüdischer F e 1 d z u g durchgeführt wird, der die jüdische Bevölkerung in Panik versetzt hat. Es zirkulieren im Jemen aus Palästina importierte Plakate, in denen behauptet wird, daß die Juden in Palästina, namentlich in Jerusalem, Moscheen zerstörten, darunter auch die Moschee „AI Buraq" an der Innenseite der Klagemauer. (Die Moschee „AI Buraq" ist eines der moslemitischen Heiligtümer; laut der Moslem-Tradition soll an dieser Stelle Mohammed auf dem Rücken seines magischen Rosses AI Buraq in den Himmel gefahren sein.) Die jemenitischen Moslems haben auf Grund dieäer lügenhaften Meldungen Fast e n proklamiert und Versammlungen in den Moscheen abgehalten. Die Verfolgung der Juden im Jemen wird in den letzten Jahren immer auf Umtriebe palästinensischarabischer Nationalisten zurückgeführt. Eine palästinensisch-arabische Delegation hat unlängst den Imam Yahiah des Jemen gebeten, nicht zuzulassen, daß jemenitische Juden nach Palästina kommen, wo sie sich der „jüdischen Front zur Ausrottung des arabischen Volkes" anschließen. Der Imam erließ daraufhin ein Verbot der jüdischen Auswanderung aus dem Jemen nach Palästina, auf dessen Uebertretung schwerste Strafen, oft auch der Tod, gesetzt werden. Wahlen zum XIX. Zionlstenkongreß in der Tschechoslowakei vom 21. bis 23. Juli Aus Prag (J. T. A.): Die Wahlen zum XIX. Zionistenkongreß in der Tschechoslowakei, die ursprünglich für den 28: Juli festgesetzt waren, wurden von der Hauptwahlkommission in Mähr.-Ostrau auf die Zeit vom 21. bis 23. Juli vorverlegt. Klub Politischer Zionisteu in Brünn. Die konstituierende Versammlung des „Klub Politischer Zionisten" in Brünn fand am 13. Juni d. J. statt. In den Ausschuß wurden gewählt: Obmann: Ing. Jofcef Sommer; Schriftiührer; 1hg. Rudolf FiacM; Kassier; Inf. Ludwig erwünscht sind. Der Legislative Council werde aus 13 Mohammedanern; 5 Christen und 6 Juden sowie aus 10 von der Regierung bestimmten Beamten — damit der Regierung ein entsprechender Einfluß im Council gesichert sei — bestehen. Wahlberechtigt sollen nur palästinensische Landesbürger sein. Die Exekutive des Council werde aus je einem Mohammedaner, Christen und Juden bestehen. In den arabischen Kreisen sei man eifrig bemüht, die innerarabischen Parteigegcnsätze zu überbrücken und sämtlichen Parteien Sitze im Council zu sichern. Ein Hitler-Emissär für Syrien und Palästina Aus Paris (J. T. A.): Einer der Hauptakteure bei dem vorjährigen Erwerb der Saarbrücker Wochenzeitung „Westland" durch das Reichspropagandaministerium war bekanntlich der Nazi-Agent Reinartz. Wie nun das „Pariser Tageblatt" aus Berlin erfährt, hält sich dieser Reinartz gegenwärtig zu neuem „Befehlsempfang" in Deutschland auf. Seine jetzige Mission wird darin bestehen, daß er mit einem „Sonderauftrag" nach Syrien und Palästina geht. Die Zeitung schreibt: „Es wird für die an diesen Gebieten interessierten Mächte zweifellos interessant sein, einen Agenten, der in dem Fingern dunkler Affären bereits seinen Befähigungsnachweis erbracht hat, in seinem neuen Tätigkeitsbereich zu wissen." Filme der Woche (Nach den Herstellungsländern geordnet) Palästina: Segen der Arbeit (Avodah). Amerika: B-in Herz zu verschenken. — Wir senden Sonne. — Spione im Panama-Kanal. — Zirkus Barnum. -— Die rote Spur. — Bengali. -- Viva Villa. England: Der Mann, der zu viel wußte. - Mein Herz der Königin. Deutschland (Arierparagraph): Haupttreffer eine Million. — Der Greifer. — Drei um ein« Frau. — Herz ist Trumpf. — Der alte und der junge König. Neue Direktion im „Stafa"-Kino. Wie wir erfahren, wird ab 1. Juli 1935 das „Stafa"-Kino in der Mariahilferstraße von der Direktion des Schäffer-Kinos übernommen. Die neue Leitung, die aus erfahrenen Fümfachleuten besteht, hat sich bereits für die kommende Saigon dle-U*stc i englischen und amerikanisch«» 0eUla§er gesickert.