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Die neue Welt · 1935-06-28 · Heft 475 (28.6.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 475 (28.6.1935)
Date
1935-06-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT ' .'rr>.- Nr. «TS Jle&täUcke Itow/e&saUoH mit gebildeter junger Dame gesucht. Fieundliche Zuschriften unter „Zeira weaüsa an die Annoncenexpedition E. Braun, Wien, I, Sirobelgasse 2 Ein solches Wahllockmittcl bedeutet die Aufstellung der Präsidentin der österreichischen Frauenorganisation „'Wizo" als Listenführerin der ,,Allgemeinen Zionisten". Die ,,Wizo", die immer mit ihrer ,,U cberpartcilichkeit" protzt, leistet jetzt durch die Kandidatur ihrer Präsidentin dem ,,Allgemeinen Zionismus" Helfcrsdienste. Die jüdische Frau muß vor der Vahlpropaganda dieser Frauenorganisation, die besonders in letzter Zeit stark nach links liebäugelt, gewarnt werder». Die Kandidatur einer Frau als Listenführerin einer zöger-nden. mutlosen, verzichtenden Partei ist gewiß keine Gewähr dafür, daß die Fraueninteressen gut vertreten sein werden. Es kommt vor allem auf das Programm an. Soll die jüdische Frau dem Allgemeinen Zionismus ihr Gehör schenken, der Partei, bei der eine unüberbrückbare Kluft zwischen Theorie und Praxis besteht? Die jüdische Frau darf eine Partei nicht nach ihren W orten, sie muß sie nach ihren Taten beurteilen. Die jüdische Frau als Mutter muß wissen, daß gerade von dieser Partei, welche die einseitige Partei wirt schaft der Linken stützt, ihren Kindern die Einwanderung nach Palästina unmöglich gemacht wird. Oder soll die jüdische Frau den Linken vertrauen? Einer der Führer der Linken sagte folgende bezeichnenden Worte: „Wir haben an Palästina ohne Sozialismus kein Interesse". Die Linken haben an einen Judenstaat kein Interesse. Ihrer Ideologie gemäß sind ihnen einige kleine sozialistische Kolonien wichtiger als der Judenstaat. Die jüdische Frau muß wissen, daß von dieser Seite ein Aufbau eines jüdischen Staats wesens für ihre Kinder nicht zu erwarten ist. Der alleinige Träger des Herzischen Judenstaatsgedankens ist die Judenstaatspartei. Sie vertritt ein klares, eindeutiges Programm. Gegenüber den engparteiischen egoistischen Interessen der anderen vertritt sie das nationale Interesse. Bei beginnender Verkalkung der Blutgefäße führt der Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef Bitterwassers zu regelmäßiger Stuhlentleerung sowie zur raschen Entgiftung des Magendarmkanals und Herabsetzung des hohen Blutdrucks. Der gesunde Instinkt der jüdischen Frau diktiert ihr, diejenigen Vertreter zum Kongreß zu entsenden, die Theodor Herzl treu geblieben sind. .. Die jüdische Frau muß als Pionierin des Herzischen Judenstaatsgedankens ihr Wahlrecht als Wahlpflicht betrachten. Sie muß dazu beitragen, daß zum Kongreß mutige, über. zeugungstreue, aufopferungsfähige Vertreter entsendet werden, für die kein Recht der Parteien, sondern nur das Recht des jüdischen Volkes gilt, das Recht auf den Juders taat. Dr. Rachel Offner. * Eine Irreführung. \.iv erhalten von einer Leserin folgende Zuschritt zu oben behandeltem Thema: „Die Allgemeinen Zionisten In Wien nehmen in den Wahlaufrufen Stellung gegen die sozialistischen Parteien und behaupten plötzlich, gegen den Klassenkampf zu sein. Dabei stellen sie die Präsidentin der „Wizo" auf ihre Liste, um damit die Stimmen der Frauen zu gewinnen. Ich war Mitglied der „Wizo" und bin ausgetreten, weil die Leitung der „Wizo" alles tut, was die Linken verlangen. Alle Einrichtungen der „Wizo" in Palästina stehen unter der Leitung von Poale- Zionisten und keine Frau kann dort angestellt werden, wenn sie nicht der „Histadruth" angehört. Die Jugendlichen der „Wizo" sind alle im sozialistischen „Hechaluz" und werden verpflichtet, wenn sie nach Palästina kommen, in die „Histadruth" einzutreten. Wegen dieser Haltung der Leitung bin ich ausgetreten, weil ich nicht mittun will, daß unsere jungen Mädchen zu den Linken getrieben werden. Jetzt lese ich auf einmal, daß die Präsidentin der „Wizo" auf der Allgemeinen-Zionisten- Liste kandidiert. Hier rechts, in Palästina links. Das ist eine Irreführung der Frauen." Ihre Sommerreise nach Czernowitz (Bukowina) machen Sie am besten durch das Reisebüro „Irut". Unsere Sonderfahrten (die erste am 7. Juli) sind fachmännisch organisiert und 3tehen unter bewährter Führung. Unser Büro mit speziellem Rumäniendienst erteilt bereitwilligst Auskunft über Paß- und Visafragen, über aufgelöste Rückfahrt. Reisebüro „Irut", I., Karlsplatz 1, U-44-5-79. Ref. S. Rosenkranz. JUDISCHER MAKARSKA REISEDIENST AN DER ADRIA 2 Wochen............. S 130.- AKAD. SP. CL. .BRIUTH" Arrangements am Balaton und In V 14 n Zlarin, die herrliche Adria-Insel 3 Wochen..............1 1S8.- Inbaarlflan: Hin« und Rückfahrt, Unterkunft, «all« V«rpt1aguni,Kur< tax«. Bad. Abfahrt |ed« Noch«. Anmeldungen im Sekretariate: Montagb.Freitag, II -SO Uhrabds., Wien II, »raterstr.15,11. R-AM-UB Die Spaltung des //Allgemeinen Zionismus" Nach der Krakauer Konferenz Von Krakau, wo ihre Konsolidierung als stärkste zionistische Organisation erfolgen sollte, sind die Allgemeinen Zionisten als Feinde vonelnandergegangen. Sie treten mit gegnerischen Listen in den Wahlkampf zum Zionistenkongreß. Als „Welt verband" und Als ,.W eltvereinigung" des Allgemeinen Zionismus. Daß es sich bei diesem Kampfe nicht um große programmatische Gegensätze handelt, kommt schon in den Bezeichnungen der Gruppen zum Ausdruck, die ja gleichbedeutend sind. Wie etwa konkurrierende Schuster, von denen sich der eine „Schuhfabrikant" und der andere „Schuherzeuger" nennt. Bei der Trennung Ist so recht klar geworden, daß der Allgemeine Zionismus längst kein Programm mehr hat. Deshalb mußte er an kleinlichen Differenzen persönlicher und klein-taktischer Natur scheitern. Auch in der jetzt einsetzenden Polemik der Brüder von gestern wird das ersichtlich. Die Leute vom „Weltverband" sprechen von Intrigen des deutschen Zinistenführers Blumenfeld, welcher sich mit dem Exekutive-Mitglied Berl Locker — einem extrem-linken Führer -■- in Krakau eingeschlichen hatte, um im Dienste der Linken den Weltverband (B-Zionisten) zu sprengen. Im österreichischen Organ der B-Zionisten heißt es: KREUZ-KINO Wollzeile 17 Tel. R-24-2-1Ö Der Boxer und die Dame „Der Allgemeine1 Zionismus stand in einer ewigen Auseinandersetzung mit jenen Elementen im eigenen Lager, die sich stets als Ex-offo-Verteidiger der Histadruth und der Arbeiterpartei fühlten, bewußt oder unbewußt ihre Direktiven aus dem linken Lager schöpften und so oft gegen das Interesse der Allgemeinen Zionisten handelten. Nur so i3t es verständlich, daß die Allgemeinen Zionisten in vielen Ländern ihre Jugend noch immer der Erziehungsarbeit der Schlichim der Histadruth anvertrauen und nicht sehen, wie ihre Jugend in Palästina unter dem schweren wirtschaftlichen Druck der Histadruth und Mapei ins marxistische Lager abschwimmt." Als Sprecher der „Weltvereinigung" stellt wieder Dr. Nahum G o 1 d m a n n, früher „Radikaler" und jetzt mit den A-Zionisten die B-Zionisten als mach thungrig und erzreaktinär dar. In einem Interview mit der J. T. A. sagt er: „Der wirkliche Grund der Haltung der Führer der B-Gruppe ist in der Furcht der extremen Rechten des Weltverbande3, daß sie durch den Eintritt der progressiven Gruppen majorisiert und dadurch der uneingeschränkten Führu hg verlustig werden könnten, zu suchen.: Ein weiterer Grund der Spaltung liegt darin, daß die heutige Mehrheit des Weltverbandes aus keinen wirklichen Allgemeinen Zionisten, sondern aus bürgerlichen Zionisten besteht. Ihre Führer sind Vertreter der bü gerlichen Klasseninteressen in Palästina und im Zionismus. Die Verteidigung dieser Interessen kann nicht mit dem identifiziert werden, was wir unter Allgemeinem Zionismus immer verstehen und weiter verstehen wollen." In Wirklichkeit sind diese gegenseitigen Anklagen, soweit sie programmatischer Natur sind, Schaumschlägerei. Die A-Zionisten, welche sich jetzt als „progressiv" und antireaktinär gebärden, haben vor den reichen Nichtzionisten Amerikas und Englands kapituliert und ihnen die Zionistische Organisation zu Füßen gelegt. Die B-Zionisten, welche jetzt so „antlmarxistisch" tun, haben jahrelang der linken Arbeiterpartei gedient und ihre Jugend ist noch heute linker Erziehungsarbeit preisgegeben, ihre Jugendorganisationen sind noch heute Vorbereitungsklassen für die Histadruth. Ueber den Zustand im allgemein-zionistischen Lager schreibt das „allgemeine" Lemberger Tagblatt, „Der naier Morgen": „Der Ausgang der Krakauer Konferenz hat in die Reihen des Allgemeinen Zionismus Desorganisation hineingetragen. Die einfachen Allgemeinen wissen nicht, was sie tun sollen. Sie können sich nicht entschließen, der einen oder anderen nach der Spaltung entstandenen .allgemeinen" Organisation beizutreten, weil das ja schon die Auflösung des Allgemeinen Zionismus bedeutet. Man hört unter den Führern der Allgemeinen immer häufiger davon sprechen, daß es besser wäre, sich mit der Judenstaatspartei zu vereinigen und so den Allgemeinen Zionismus zu liquidleren. In den Kreisen der älteren Allgemeinen wird wieder der Gedanke erwogen, aus dem „Weltverband" auszutreten und der „Weltvereinigung" (d. h. den A-Zionlsten) beizutreten." * In Oesterreich, wo die Kongreßwahlen früher als in allen anderen Ländern stattfinden, stehen bereits zwei Listen der „Allgemeinen" gegeneinander und befehden einander aufs heftigste. Die Situation ist dadurch noch verschärft, daß die Liste der „Weltvereinigung" (Dr. Plaschkes, Dr. Waldmann, Dr. Finkelstein) mit der Liste des „Arbeitenden Palästina" (Dr. Sokal) und der des „Starid-Klub" gekoppelt und so einen Block gefren die Liste des „Weltverbandes" (Dr. Grünbaum, Frau Löwenherz, Dr. Frey) geschaffen hat. Allgemeiner Ziomstl Der 19. Kongreß naht! Bin Kongreß der Entscheidung! Der erste Kongreß nach der Spaltungvder Zionistischen Organisation. Soll er eine groteske Tragödie werden? Verstehst du den grausamen Widerspruch zwischen den Chancen des Palästina-Aufbaus und der furchtbaren Zerklüftung der Bewegung? Hast du nach den Ursachen dieser Zerklüftung geforscht? Zwei Jahrtausende eine Nation ohne Hoffnung, ohne Ziel. Zwei Jahrtausende überall Minderheit. Zwei Jahrtausende Menschen in ewiger Flucht von Land zu Land, Flucht vor sich selbst, vor dem Judentum, in die Mystik, zerklüftet und gehetzt. Dann < . . ein 19. Jahrhundert, Ideen von Weltbürgertum, Träume einer Menschheitsverbrüderung, rechtliche Gleichstellung der Juden . . . und die Antwort des Juden: ekstatische Sehnsucht nach Ruhe und Frieden machte ihn zum Spielball dieser irrealen Träume. Nur einer sah die nahende Katastrophe der Galuth: H e r z 1. Er erkannte, daß die Ideen des 19. Jahrhunderts dem Judentum kein Heil bringen werden. Er sah: alle Qual des Judeseins begann mit dem Verlust der staatlichen Selbständigkeit, mit der Umwandlung eines Volkes in Haufen von Minoritäten. Er schuf den Zionismus, um der nahenden.' Katastrophe, die wir heute erleben, zu begegnen, um die Gefahr ewiger Zerrüttung zu bannen, um durch Wiederherstellung des jüdischen Staates der zerklüfteten Nation das Heim, dem leidzerfressenen Volk Macht über das jüdische Schicksal im jüdischen Lande zu geben. Gegen die geniale Klarheit standen zionistische Führer auf. Der Idee von der Lösung der Judennort. durch jüdische Mehrheit im souveränen jüdischen Land wurde die krankhafte Idee eines Kulturzentrums, eines „geistigen" Zionismus entgegen-, gesetzt, der Zweifel an der Verwirklichbarkeit. ja, an der Notwendigkeit eines Judenstaates. Von wem? Von jenen, denen du, allgemeiner Zionist, vertraust, von den allgemein-zionistischen Führern. Nicht krankhafte Träume von einem Kulturzentrum, das ohne Judenstaat unmöglich ist, können Geschichte werden. Herzls Utopie" wird Geschichte! Heute wird die prophetische Ahnung Herzls zur Wahrheit. Die jüdische Masse ist in Bewegung geraten, sie wandert, nach zwei Jahrtausenden nicht mehr ziellos, nach Palästina. Die ständig wachsende Not der Galuth wirft die Juden zu Zehntausenden nach Palästina. Wie herrlich wäre es, wenn diese Wanderung eines Volkes in seine Heimat von einer festgefügten Organisation wäre, wie Herzl sie geschaffen hat! Statt dessen? . . . der Zionismus zerklüftet, die Organisation Herzls in ein Rumpfparlament verwandelt, in den Händen einer Partei, die dem Irrwahn des Klassenkampfes den Gedanken des jüdischen Staates opfert, die den permanenten Kampf zwischen jüdischem Arbeiter und jüdischem Unternehmer schürt. Die jüdische Masse lechzt nach Palästina . . . und Palästina leidet unter dem Terror der Histadruth, einer Exekutive, deren Politik dahin zielt, dich, Juden der Gasse, von der Zuwanderung nach Palästina und gesicherter ökonomischer Existenz auszuschließen, wenn du dich der Arbeiterpartei nicht beugst. Schon werdet ihr, allgemeine Zionisten, verstört und sprechet davon, wie fürchterlich es ist, daß der 19. Kongreß von der Klassenkampfpartei beherrscht sein wird. Wer aber hat euch zu diesem Zustand geführt? Eure Führer! Von Schlappe zu Schlappe, von Mißerfolg zu Mißerfolg haben sie geführt. Sie opferten schon in London 1920 den Gedanken der Privatinitiative, opferten den Mittelstand, lehnten eine Massenkolonisation ab, lieferten die Organisation konsequent der Histadruth aus, züchteten die heutige Herrschaft der Linken. Deine Führer, allgemeiner Zionist, übernahmen 1920 eine souveräne, schlagkräftige Organisation. Sie opferten 1929, gegen den Widerstand der Opposition, die Souveränität der Organisation den Nichtzionisten, führten die „Erweiterung" der Jewish Agency durch und redeten dir ein, das sei dein Heil. Frage heute deine Führer, die wegen dieser Frage die Organisation in den Jahren 1921 bis 1929 in inneren Kampf gestürzt StundenbuchhaStung, Buchrevisionen, Bilanzen etc. zu billigsten Preisen. Gefl. Zuschriften unter „Erstklassige Referenzen" an die Administration dieses Blattes.

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