Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 475 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIU NEUE WELT Nr. 475 »a<*i AMERIKA und KANADA mi* den populären ExpreB-Dampfern »Majestlf 56.598 Tonnen «Berengerla* 52.100 Tonnen «Aquttanla* 45.647 Tonnen Koschere NächiteAbfohrten:3.,10.,18. Juli KPClte CUNARD WHITE STAR REPR ÄS ENTANZ: WIEN, I. BEZIRK, KÄRNTNERRING 4 Telephon: U-46-2-48, U-42-0-43 Eine fromme Helz§dirift Im Katholischen Verlage der Abtei Seckau in Steiermark ist jefcst ein Buch „Im christlichen Orient" vom Pater Dr. Chrysostomus Baur erschienen, welches den Zweck verfolgt, die Judenpolitik Adolf Hitlers vom katholischen Standpunkte aus zu verteidigen. Es enthält unter wirklich ziemlich belanglosen Schilderungen orientalischer heiliger Stätten ein Kapitel „Die Jude n", welches ohne jede Beziehung zum Orient ist, dafür die wichtigsten nationalsozialistischen Verleumdungen gegen Juden wiederholt und verteidigt. Eine Probe aus dem umfangreichen Kapitel: „Darum bleibt auch in Zukunft die Judenfrage, was sie schon lange ist: Eine Weltfrage, die immer drückender und drohender auf der Welt lastet und vor allem auf der christlichen Welt. Es ist kein Zweifel, daß das Judentum heute relativ das kleinste Volk und die größte Weltmacht geworden ist. Ein auf wirtschaftlichem und religiösem Gebiet grundsatz- und charakterlos gewordener „Liberalismus" von Christenvölkern hat es den von Natur begabten und leichtbeweglichen Juden gestattet, einen so unverhältnismäßig hohen Prozentsatz des flüssigen Weltvermögens in ihre Hand zu bekommen, daß kein kleines oder großes Finanz- oder Industrieunternehmen es wagen darf, gegen ihr Diktat sich aufzulehnen, daß selbst ein Milliardär wie H. Ford vor ihnen kapitalieren mußte, daß sie durch Börsen- und Valuta-Manöver jede einzelne Regierung und jedes alleinstehende Volk in die Knie zwingen können, das es wagen sollte, gegen diese Weltherrschaft Front zu machen. Selbst ein Mussolini hat es im Interesse Italiens nicht gewagt, das Judenproblem zu berühren, und das dritte Deutschland mußte nach einem einzigen Tag seinen Judenboykott abblasen, mit Rücksicht auf die deutsche Valuta und den deutschen Außenhandel. Das vielgeschmähte, weil katholische, Mittelalter hatte wenigstens den Mut, die Juden ins Ghetto zu verweisen; die liberal gewordene Neuzeit hat ihnen alle Türen und Tore geöffnet, und die Folge ist die, daß wir nach kaum 150 Jahren alle ohne Ausnahme und auf allen Gebieten unter die Herrschaft und Kontrolle des Weltjudentums gekommen sind. Es ist ihnen (den Juden), dureh systematisches und planmäßiges Verdächtigen, Hetzen und Verleumden, durch raffinierte Schlagworte gelungen, die Christenvölker ihrer früheren christlichen Führung zu entwinden, ja in Gegensatz zu ihr zu bringen, sie wirtschaftlich, politisch, moralisch und religiös zu spalten und so zu beherrschen, daß heutzutage Christen auf jüdischen Logenbefehl über Christen herfallen, sie unterdrücken oder morden. Das haben wir in Frankreich erlebt, in Portugal und Ungarn und erleben es wieder in Mexiko, in Rußland, Spanien und anderswo. Ueber all diese Massenmorde hat die jüdische Weltpresse geschwiegen oder hat versteckt und offen für die Mörder und Verfolger Partei ergriffen. Ueber den eintägigen Judenboykott Deutschlands aber ließ sich die ganze außerdeutsche Christenwelt in einen Entrüstungstaumel hineinhetzen und mußte ein amerikanischer (jüdischer?) Parlamentarier erklären, daß die „Menschheit" über so viel Unrecht ,,'chokiert" sei. Es gibt aber leider genug Christen und auch Katholiken, die in unberechtigter- Einseitigkeit und vollständiger Unkenntnis jüdischer Taktik und überall für die Juden Partei ergreifen und sie mit dem Hinweis „entschuldigen", daß es ja „auch" schlechte Christen gebe! Diese Blindgänger merken es nie, wenn irgend eine Regierung den Katholiken nur deswegen den Krieg erklärt, weil sie „gegen gute Bedingungen" vom jüdischen Kapital Geld geborgt' hat; sie denken nie an das enorme sittliche und religiöse Unheil, das durch die jüdische und jüdisch beeinflußte Presse und ihre planmäßige Wühl- und Zersetzungsarbeit jahraus, jahrein unter den christlichen und katholischen Völkern angerichtet wird. Man braucht sie nicht totzuschlagen und nicht zu verfolgen; die Juden haben, wie alle Nationen, das Recht, zu leben; aber sie haben kein Recht, uns zu beherrschen und auszubeuten, die Christen moralisch zu verderben und gegeneinander zu hetzen." Die frommen Klosterherren von Seckau haben sich nicht damit begnügt, diese Verherrlichung der Juden- 222 Hotel Bellevue 222 Pörtsdiadi am Worthersee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Vor« und Nachsaison .... S 9.- Hauptsaison . . .... S 12. - Seebad und Garage frei. Geäffnet von Mai bis Oktober. — Verlangen Sie Prospekte! Politik Hitlers zu verlegen. Sic betreiben eine großzügige Propaganda. So haben sie an alle Aerzte Oesterreichs, auch an die jüdischen, die Aufforderung gerichtet, an Stelle abgegriffener und schmutziger Zeitschriften dieses „wertvolle" Werk in den Lesezimmern der Spitäler und den Wartezimmern der Privatordinationen zur Erbauung der Patienten aufzulegen. Beschlüsse der jüdischen front* kämpfer Der Bund jüdischer Frontkämpfer Oesterreichs Ubermittelt uns nachstehende, von der in Paris abgehaltenen W c 1 t k o n.f e r e n z jüdischer Frontkämpfer gefaßte Resolutionen und ersucht um deren Veröffentlichung: I. Auf Grund gesammelter geschichtlicher und statistischer Daten wird erneut festgestellt, daß die Juden in allen Staaten der Welt ihren staatsbürgerlichen Pflichten, insbesondere als Kriegsteilnehmer des Weltkrieges und in den Kriegsereignissen vom Jahre 1914 an, voll und ganz erfüllten. II. Die Weltkonferertz verlangt auf Grund dieser Erfüllung g 1 c i c h c r Pflichten die Aufrechterhaltung gleicher Rechte. Diese werden wir mit allen üns zu Gebote stehenden Kräften verteidigen. Die Weltkonferenz stellt fest, daß die rassistischen, nationalsozialistischen Methoden des Kampfes gegen Rasse und Glaubensbekenntnisse die Kultur und Zivilisation bedrohen und zur Katastrophe der' zivilisiertön Welt führen können. III. Um dieser Gefahr begegnen zu können, fordert die Weltkonferenz jüdischer Frontkämpfer: a) Die Einigung der Juden in jedem Lande; b) maßgebenden Einfluß der dortigen jüdischen Frontkämpferorganisationen auf das innerjüdische Leben; c) die Verschärfung der bisherigen Abwchrmittel insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiete. Die Weltkonferenz jüdischer Frontkämpfer ist überzeugt, daß die Juden in diesem Kampfe nicht allein stehen. Die ganze kulturelle Menschheit, insbesondere unsere gewesenen Kriegskameraden aller Lager, werden sich mit den jüdischen Frontkämpfern vereinigen, die Menschenrechte genau so zu verteidigen, wie sie einst gemeinsam im Kriege ihr Vaterland verteidigt haben. IV. Die Weltkonferenz erklärt schließlich, daß jüdische Frontkämpfer gemeinsam mit allen anderen Kriegskameraden für die Erhaltung des Weltfriedens arbeiten wollen. V. Die Balfour-Deklaration ist der Ausfluß des Weltkrieges, Die Weltkonferenz 'bittet daher die Regierung Seiner britischen Majestät und stellt das -Ersuchen an die entsprechenden Organisationen, denjenigen jüdischen Frontkämpfern aller Länder, die den Wunsch haben, nach Palästina auszuwandern und dort am Aufbauwerk aktiv teilzunehmen, Einwänderungsbewilligungen außerhalb der Sehed u 1 e zu erteilen. VI. Die Weltkonferenz jüdischer Frontkämpfer stellt fest, daß es eine Notwendigkeit ist, daß die Landesorganisationen jüdischer Frontkämpfer auf die E r- Ziehung der jüdischen Jugend den größten Einfluß ausüben. * Anm. der Red. Wir behalten uns vor, auf den Inhalt einiger dieser Resolutionen noch zurückzukommen. Somnee(uuoäies in Sauerlirunn, große, moderne Villa, ip Mitte eines auf einer Anhöhe gelegenen, ausgedehnten (12.000 m:), park- Khnlichen Gartens. Vorzügliche VcrpflcRiini» und Hebevollste Behandlung, ärztliche Aufsicht, Spiel und Sport. Badegelegenheit, eventuell Nachhilfeunterricht. Anfragen A-30-5-42- und A-37-1-63 ganztägig. Tod des ersten zionisto§dien Pioniers m Ungarn Redakteur Dr. Josel Schönfeld gestorben Das ungarische Judentum trauert. Der Führer und Vorkämpfer des in Ungarn vor kaum sechs Jahren noch illegalen Zionismus, der Redakteur des offiziellen zionistischen Organs in Ungarn, des „Z s i d o S z e m 1 e", hat unerwartet das Zeitliche gesegnet. Was heute in Ungarn die jüdischnationale Bewegung ist, hat man in erster Linie Dr. Schönfeld zu verdanken. Als Kind einer orthodoxen Familie kam Schönfeld nach Budapest, um dort Jus zu studieren, lernte Herzls Idee kennen und gründete im Jahre 1903 die zionistische Studentenverbindung „Makkabäa" in Budapest, deren erster Präsident er wurde. Die zionistische Bewegung kam auf unterirdischen Wegen in Ungarn langsam ins Rollen. Ludwig Bat o, Dr. D ömeny, Armin Bokor s. A. und Dr. Kahan-Nissen standen ihm zur Seite. Er spielte In der Bewegung von Anfang an als Publizist eine führende Rolle. Mit kleinen Unterbrechungen redigierte er ein Vierteljahrhundert hindurch das Presseogann des ungarischen Zionistenverbandes, dessen geschäftsführender Präsident er war. Seine Studien und Artikel sind in zwei Bänden erschienen: „Zurück ins Ghetto" und „Kampf fürs Judentum" (1918 und 1919). Er hat Herzls „J u d e n s t a a t" ins Ungarische Ubertragen. Sein Blatt, der „Zsido Szemle", ist heute das gediegenste und meistgelesene jüdische Blatt Ungarns. Vor acht Wochen feierte er zugleich mit dem dreißigjährigen Bestand des Blattes auch seinen 50. Geburtstag und sein fünfundzwanzigjähriges Schriftstellerjubiläum. Ein selbstbewußter Jude, ein ebenso hochbegabter wie gesinnürigs-. treuer Publizist ist mit ihm dahingegangen. Seinen Tod betrauern seine Gattin und seine neunzehnjährige Tochter, die sich ebenfalls journalistisch betätigt. Sein Begräbnis fand Mittwoch, den 19. Juni, unter Anteilnahme aller jüdischen Kreise und jüdiachoffiziellen Stellen der Hauptstadt und der Provinz in Budapest statt. — Ehre seinem Andenken! —Iß.— Judenstaatspartei Oeslerreichs Vorträge * Leoben, Heim der Judenstaatspartei: Am Sonn* tag, 30. Juni: Rabbiner Dr. J. Z. Kanner. Graz, Sitzungssaal der Kultusgemeindc. Montag, 1. Juli: Rabbiner Dr. J. Z. Kanner. Baden, Restaurant Schey. Mittwoch, 3. Juli: Oberbaurat Robert Stricker, Dr. S. Wolf. IN WIEN: Gambrinus-Sälc, XIV., Schanzstraße 31. Montag, 1. Juli, halb 0 Uhr abends: Kultusvorsteher Ing. Buchbinder, Fritz Richter, Oberbaurat Robert Stricker. Deutschmeister-Saal, VIII., Albertgassc Nr. 43. Dienstag, 2. Juli, halb 9 Uhr abends: Fritz Richter, Dr. Jakob Weiner, Oberbaurat Robert Stricker. Cafe Hietzingerhof, XIII., Hauptstraße 22. Dienstag, den 2. Juli, halb 9 Uhr abends: Dr. Jakob Weiner, Dr. S. Wolf, Oberbaurat Robert Stricker. Eine Ausgetretene singt für Maimonides auf einer Veranstaltung der „Allgemeinen Zionisten" Als Reaktion auf die vom Zionistischen Lande«« komitec und der Sektion Prater der Allgemeinen Zionisten veranstaltete Rambam-Feicr im Lustspiel-Kino erhielten wir eine Reihe von Zuschriften. Eine von diesen veröffentlichten wir unter der Spitzmarke „Rambain und Fritzi Merle y". Darin wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Art des Arrangements dieser Feier geradezu als blasphemisch bezeichnet werden könnte. Die Veranstalter haben scheinbar keinen großen Respekt vor dem großen Namen des Moscheh ben Maimon gehabt und nicht viel von seiner Zugkraft gehalten. Denn sonst hätten sie wohl, um Publikum und Entre"egeldcr hereinzubekommen, nicht erst sogenannte Stars herangezogen, zunächst Josef Schmidt, der mit dem Vortrag des Filmschlagers „Ein Stern fällt vom Himmel" keineswegs auf Maimonidcs anspielen wollte, ferner die Opernsängerin Fritzi (Friederike Merley), von der nur Gott weiß, wie sie in die Gesellschaft von Zionisten als Mitwirkende bei einer Maimonides-Feier gekommen ist. „Viele Wochen nach den erhabenen Feiern für den größten jüdischen Religionsphilosophen im Wurstelpratcr eine Akademie veranstalten", so schrieb einer der Einsender, „ist ein starkes Stück .. ." Wir veröffentlichten nur eine fast harmlos zu nennende Zuschrift. Diese nahmen einige Abonnenten zum Anlaß, uns ihre Freundschaft zu kündigen. Diese, zweifellos im Glauben, daß bei der Feier alles in Ordnung gewesen sei und nur eine private Animosität uns zum Abdruck der negativen Stellungnahme veranlaßt habe, betonten, sie verstünden nicht, was man denn an der Feier habe aussetzen können. Unter jenen, welche uns ihr Wohlwollen und Abonnement entzogen, befindet sich auch einer der Initiatoren der „Maimonides-Feier". Er könne nicht umhin, so schrieb er, ein Blatt abzubestellen, das eine derart despektierliche Zuschrift gegen die Veranstaltung der Allgemeinen Zionisten veröffentliche Insbesondere der Titel, in dem Frau Fritzi Merley ironischerweise mit Rambam verknüpft wurde, hat die braven, in bezug auf jüdische Würde empfindlichen „allgemeinen" Herren nervös gemacht. Deren .Anhänger,- werden aber noch nervöser werden, wenn sie durch uns erfahren, wen die Allgemeinen Zionisten, bzw. ihr Kandidat für den Zionistenk o n g r c ß, Herr Dr. Frey, der als Veranstalter der Feier zeichnete, für würdig befunden hat, Maimonidc3 zu besingen. Es ist Frau Fritzi (Friederike) Merley. In der Musikgeschichte ist ihr Name nicht verzeichnet, dafür aber im Matrikelamt der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Dort findet man: Nr. 25. Tag des Austrittes aus dem Judentum: 7. I. 1933. Friederike Merley, geb. 4. I. 1899, ger. gesch, Opern Sängerin, wohnhaft Wien, IV., Wey prasse 6. Geb. Friederike Taussky. Vater: Alois Taussky, Fruchthändler, III., Obere Weißgürberlände 8. Dieser Text des Matrikelamtcs sagt mehr als die Briefe der empörten Einsender: sowohl derjenigen, welche über die Feier, als auch derjenigen, welche über unsere Kritik empört waren. Baronin Edmond de Rothschild gestorben Aus Paris: Im Alter von 82 Jahren starb in Paris Baronin Adelaide de Rothschild, Witwe nach dem im vergangenen Jahre verstorbenen Baron Edmond, dem „V a t e r" der neuen jüdischen Kolonisation in Palästina. Baronin Adelaide wurde in Frankfurt am Main als Tochter von Wilhelm Karl Baron Rothschild geboren. 1877 heiratete sie ihren Cousin Baron Edmond. Der Ehe entsprossen drei Kinder: James, der jetzt in England lebt und das Werk seines Vaters im Aufbau Palästinas fortsetzt (er ist lebenslänglicher Präsident der Palestine Jewish Colonizatlon Association, Direktor der Palestine Electric Corporation, Governor der Hebräischen Universität, Vizepräsident des Economic Boad of Palestine, Ehrenpräsident der 'Tarbuth-Organisation, Präsident des Anglo-Palestine Club und tätiges Mitglied der Pro-Palästina-Gruppe im englischen Unterhaus. Im Weltkriege war er Major der Jüdischen Legion in Palästina), Maurice und Mirjam de Rothschild.