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Die neue Welt · 1935-06-28 · Heft 475 (28.6.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 475 (28.6.1935)
Date
1935-06-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Mugang^S fvettag* 4eiMNI« Inni WJ$ Nr« 475 V« b« b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par redlteur" Wien, j. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlieh 8 140, Vierteljährig S 4.—, ganzjährig 3 16.—f Polen monatlich Zloty 1.60. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—i Bumänlen monatlich Lei 40.—> vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—» vterteJ^hrig Lewa 8a—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca JUSO, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnet© Anzeigen 8*4*4 M*tg« 111 ich. Redaktion u. Verwaltung: IX, UniversUatsstr. 8, Tel A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag JUDENSTAATSPARTEI ÖSTERREICHS EHILHARQULIES spricht in (Dien Vom 29. J u n i bis 1. Juli wird der langjährige Führer des Zionismus in der Tschechoslowakei aus Anlaß des kommenden Zionistenkongresses mehrere Vorträge „Probleme des Zionismus" in Wien abhalten. Dr. Emil Margulies zählt zu den glänzendsten Rednern der Zionistischen Weltorganisation. Samstag, am 29. Juni, um %9 Uhr abends Festsaal des Hotel Continental IT., T/afoorstraße. Samstag, am 29. Juni, um %9 Uhr abends Mariensäfle XIV., Beindorfgasse 3. Sonntag, am 30. Juni, um y>9 Uhr abends Heim des B.J. F. ITC., JLandstraßer Hauptstraße 9. Es sprechen noch: Listenführer Robert Stricker, Dr. Dr. Salomon Wolf, Fritz Richter, Theodor Grubner. Montag, am 1. Juli, um Uhr abends Kadermann-Saal II., Prater 90. Montag, am 1. Juli, um %Q Uhr abends „Zum Auge Gottes" JX., Nußdorferstraße 75. Montag, am 1. Juli, um ^9 Uhr abends Saal Fron-Büssing XX., Wallensteinstraße 72. Jakob Weiner, Kultusvorsteher Ing. Eugen Buchbinder, Eintritt frei. Der //allgemeine" Regenbogen Von Dr. R. Rosenb 1 u m (Kaunas) W*\ So klar und deutlich, wie. die innerzionistische Situation heute ist, war sie noch nie im Verlauf der ganzen Nachkriegsepoche. Heute muß man kein weiser und führender Mahn sein, um die Wirklichkeit in ihrem wahren Licht zu sehen. Die Ursache ist sehr einfach: Wir sind während der 15 Jahre um viele zionistische und parteipolitische Erfahrungen bereichert worden, und das ist oft mehr wert als eine ganze Bibliothek mit „Theorien". Eine Menge innerzionistischer Differenzen und Kämpfe der fernen und nahen Vergangenheit sind bloß dadurch möglich gewesen, daß den Menschen diese Erfahrungen eben gefehlt haben. Da ist z. B. vor 15 Jahren vor den jüdischen Massen die zionistisch-sozialistische Bewegung mit dem Programm „Alles für mich" aufgetreten; ihre Argumente waren zu jener Zeit, d. h. in den Jahren 1920 bis 1925, ganz vage: In der ganzen Welt, so argumentierte diese Bewegung, erringt der Sozialismus gewaltige Erfolge. Er hat bereits die Regierungsgewalt in Rußland, Deutschland, Oesterreich, England wie auch in den baltischen und in den nordeuropäischen Staaten übernommen; an der Schwelle des Sozialismus stehen Italien, Belgien, Spanien. Deshalb muß der Zionist vorsichtig sein und darf sich nicht mit der sozialistischen Weltmacht zerschlagen. Er muß ebenfalls die Führung der zionistischen Organisation in die Hände der bei ihm beheimateten Sozialisten übargeben, in die Hände der „Mapaj" (der Partei der sozialdemokratischen jüdischen Arbeiter), damit diese ihm Protektion verschaffe beim sozialistischen Goj, der mit Riesenschritten der Weltherrschaft entgegeneilt. Das war das eine Argument, sozusagen das außenpolitische, womit unsere Poale Zion und ihre Freunde in der ersten Nachkriegsepoche operiert haben; damals, als Europa überschwemmt wurde mit Sozialismus und sozialistischen Revolutionen. Wir erinnern uns noch all der Unentwegtheit, mit der man die Nachricht von dem gewaltigen Einfluß weitergab, den die Poale-iZionisten (und gerade nur sie) bei ihren Freunden, der englischen Labour-Regierung, hätten. Der Jude, der naturgemäß etwas von „Protektion" hält, hatte für diese Argumentation der Poale Zion ein gewisses Verständnis. Und mit noch einem Argument sind die Linken damals herausgerückt: mit einem Inn er politischen: Die jüdische bürgerliche Klasse, haben sie argumentiert, wird nicht so rasch nach Palästina gehen, wall sie, seit Jahrzehnten eingelebt, Europa mit seinem Luxus und Wohlleben nicht verlassen will. Palästina Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Komtori. Elegant« Zimmer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthalt, Komplett« Pen«lonrfFrcs.35,— bauen wird vor Mallem eine Schicht: der zionistische Jugendliche, der Chaluz, und sagt man „Chaluz", so ist's einfach der — sozialistische Chaluz, weil es' andersartige Chaluzim nichtgibt und nicht geben wird. Wer daher den Palästina-Aufbau stützen will, muß nach Recht und Vernunft diesen sozialistischen Chaluz stützen, seine Partei und seine Gewerkschaft (Histadruth). Wir erinnern uns noch all der Worte des damaligen Protektors der Linken, Prof. Weizmann, wonach, wenn die Chaluzim nicht wären, die bereit seien, nach Palästina zu gehen, man dem Kolonialamt vielleicht sogar Zertifikate zurückgeben müßte, da außer den Chaluzim nicht genügend Anwärter auf Einwanderung vorhanden seien. Damit, erklärte damals Ch. Weizmann, retten die Chaluzim nicht nur unsere materielle Position in Palästina, sondern auch unsere Ehre gegenüber dem Kolonialamt ... Bester Weekend- und Tourenproviant BERNA-HÜCil u,d BEBNA-KÖSe 15 schwere Jahre gingen dahin, lehrreiche Jahre. Und das, was der Jude nicht sehen wollte, das mußte er sehen: daß der größte Pogrom auf den Zionismus und auf die jüdische Gemeinschaft in Palästina gerade damals vorgekommen ist, als die Zionistische Organisation von der Poale Zion und das englische Reich von ihren Kollegen, den Labouristen (Arbeiterparteilern), geführt wurde; daß die Geschichte vom sogenannten poale-zionistischen Einfluß auf den europäischen Sozialismus solcherart nicht mehr ist wie ein Schlag aufs Wasser. Demselben prosaischen Ziel diente auch die zweite Theorie bezüglich der „Auserwähltheit der chaluzischen Rasse". Ein Beweis: Sobald sich die ersten n i c h t sozialistischen Chaluzim zeigten, waren die Z. S. die ersten, die auf sie Steine warfen, d. h. der „Chaluzismus" war nur so lange gut, als er sich ins Schlepptau des Berl Locker nehmen ließ und die Parteikasse für das „Rote Haus" in Tel-Aviv auffüllen half. Eben diese jüdische Mittelklasse, die faktisch das „Rote Haus" (und Dutzende anderer Häuser) aufbaute, hat jetzt im Vorzimmer der Mapaj zu stehen und um Zertifikate zu betteln. Eben diese Politik und die Palästina-Wirtschaft sind ein Werkzeug des wohlbeleibten zionistischen Sozialismus geworden. * Das und noch etwas lehrt den Schekelzahler die Praxis: daß gleichzeitig mit den Zionisten-Sozialisten auf die Anklagebank sein Haupthelfer gehört —- 4er Di% Emil Margulies in Wien Ein Mann, der seit Beginn seiner politischen Tätig-: keit den Herzl-Zionismus propagiert und unermüdlich für ihn gekämpft hat, wird die nächsten Tage hindurch auf Wiener Vortragspodien zu sehen sein. Diese aktuelle Tätigkeit ist die Fortsetzung einer jahrelangen Arbeit für die Rechte der Juden in Palästina und in der Galuth« Die jüdische Welt hat vor zwei Jahren mit atemloser Spannung den Kampf verfolgt, den Dr. Emil Margulies für die oberschlesischen Juden durch die sogenannte Bernheim-Petition vor dem Völkerbund geführt und glücklich zu Ende gebracht hat. Dieser Kampf um die Ehre und Existenz der Juden in aller Welt ist nur möglich gewesen durch die großzügige Auffassung des Herzischen Zionismus, ist nur ein Stein im Mosaik des Judenstaats-Gedankens. Dr. Margulies, unbestrittener Führer des tschechoslowakischen Zionismus, seit jeher Verfechter des kompromißlosen Zionismus, hat den Weg zum gemeinsamen Kampf mit der Judenstaatspartei gefunden. Es ist dies) die natürlichste Konsequenz seiner Auffassung von Herzls zionistischer Idee. Als Judenstaatler wird er vor die Zionisten Wiens treten und ihnen die Gefahren vor Augen führen, die dem jüdischen Volk beim Abrücken vom Herzischen Judenstaatszionismus drohen. Der glänzende Redner Dr. Margulies wird zweifellos auch oratorisch seine Zuhörer fesseln. Wir grüßen den tapferen Kämpfer für die Zukunft des Judentums, für die Durchsetzung der zionistischen Aspirationen in Palästina. Sein Auftreten in der Herzl-Stadt Wien wird hoffentlich dem zionistischen Leben einen neuen Impuls verleihen. Allgemeine Zionismus, eben jene Partei, die 15 Jahre hindurch ununterbrochen den Linksfliigel im ZionismiW bedient Und ihn mit Geld, Stimmen und Pro» pagända gefüttert hat, Alan kann nicht vergessen, daß gerade sie 15 Jahre hindurch mit Leib, und Leben einen Präsidenten gestützt haben, der sich vom Herzischen Massenzionismus abgewendet und die Linken groß gemacht hat, Ihre Zeitungen haben den Teppich ausgebreitet, über den dann die königlichen Mapaj-Füße geschritten sind. Und die erweiterte Agency-Suppe konnten die Linken ebenfalls nur. dank der „allgemeinen" Kooperation kochen. An all diesen „Taten" haben bekanntlich alle allgemeinen Gruppen, Grüppchen, Fraktionen und Fraktionellen teilgenommen. Deswegen kann man ihnen heute plötzlich die Sanierungaarbeit im Zionismus nicht anvertrauen. Diejenigen» welche den Weizmannismus großgezogen haben, vermögen ihn nicht zu liquidieren; diejenigen, welche die Mapaj, die sozialistische Arbeiterpartei, groß gemacht haben, werden sie nicht an Ketten legen; diejenigen, welche die erweiterte Agency-Farce inszeniert haben, werden diese jetzt nicht demaskieren; diejenigen, welche jahrelang die Opposition geschmäht haben, werden jetzt nicht plötzlich zu Herolden der zionistischen Unzufriedenheit werden. Das werden die anderen auf sich nehmen müssen, jene, deren Hände rein aind, die an der Verkrüppelung des Zionismus keinen Anteü halben, * Und noch eins: Jene, die sich vor den Augen des geehrten Publikums zerfleischen, die ein Mischmasch sind von Meinungen, Tendenzen, Gruppen, Sekten, Fraktionen und Fraktiönchen —• sie werden überhaupt nicht imstande sein, die zionistische Bewegung in die Höhe zu bringen und zu konsolidieren. Ein neuer Faktor ist im Zionismus erschienen: die Judenstaatspartei. Ihr gehört die Zukunft Zum Trotz dem verkrüppelten politischen Regenbogen: den Roten, Schwarzen, Gelben und Braunen. Htafiift'.'ia LETZTE ANMELDEWOCHE iür die biil,Ke FERIEN - SONDERFAHRT NACH Polen und Czernowltz am 7. Juli, 8" Uhr Nordbahnhof. Im Sonderschnellzug 11 und III. Klasse mit Platzkarten u. Sammelpali. Rückfahrt: 4. Augun*, 1. und 15. September. Anmeldungen: Reisebüro „IRUT". Wien I, Karlsplatz \, Tetopiwn U-44-5-79» Ref. S. Ro«eakrsn*

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