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Die neue Welt · 1935-06-25 · Heft 474 (25.6.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 474 (25.6.1935)
Date
1935-06-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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ffr. ff-f MB ItBUE WELT Seite 3 < Warum Judenslaal? Auch die Juden, welche nicht nach Palästina gaben, brauchen ihn! WWf^wWW m +WU1^mwWWWW0 xu den besonders verbilligten Sommerpreisen I. Kl. Hin- und Rückfahrt jetzt nur S 986ia! Die Palästina-Eillinie des »LLOYD TRIESTINO« ist seit einem J ahr^ehnt die Linie des mdisdien Einwanderers und Touristen! Touristenklasse einfache Fahrt nur S 24&50, Hinii. Rückfahrt nur S 493.—, alles in zwei- und vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher und schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) 6 Abfahrten im Monat mit den großen Schiffen „GAULEA", „GERUSALEMME", „PALE¬ STINA" (je 12.500 Tonnen Depl.) auf der direkten Palästina-Linie, außerdem dichter Verkehr via Aegypten, Gelegenheit su herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer „LLOYD TRIESTINO" Wien I, KSrntnerrlng 6. Tel. ü 47-5-60 lästina sei höchstes jüdisches Ziel; der Führer der palästinensischen Frontkämpfer, Dr. Kaganow, der die Erwartung aussprach, die jüdischen Frontkämpfer der ganzen Welt werden an der Schaffung des Judenstaates in Palästina mithelfen wollen. Der Feier bei der Einweihung des Denkmals für die an der französischen Front gefallenen 1200 orientalisch-sephardischen Juden wohnten neben dem Vertreter des Präsidenten der Republik zahlreiche hohe militärische Würdenträger, der Vizepräsident des Parlaments, Henri Pate\ mit zahlreichen Abgeordneten bei. Die Gedenkrede hielt der Pensionsminister Mapoll, der sagte: Die Tatsache, daß der Präsident der Republik Lebrun das Protektorat über die Feier übernommen hat, unterstreiche die Wichtigkeit des Augenblicks. Ich empfinde es als Auszeichnung, den jüdischen Helden von 1914 Ehre zu erweisen. Andere Länder verfolgen unbarmherzig die „Rassefremden" und schließen sie von der Mitarbeit aus. Wir Franzosen aber wissen, daß jede Rasse ihr Genie hat. Front*oldafeiuFcier in Graz Der Landesverband Steiermark des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs veranstaltete am 23. Juni in Graz eine imposante Feier, an die sich die Einweihung eines Gedenksteines für 49 gefallene jüdische Soldaten schloß. Der Feier wohnten Vertreter der Generalität, die offiziellen Stellen des Landes und der Stadt, eine Ehrenkompagnie des Bundesheeres sowie Landesverbände der jüdischen Frontsoldaten bei. Außer zahlreichen Ehrengästen waren der Grazer Kultuspräsident Dr. Sonnenwald und Vertretungen mehrerer Gemeinden und Vereine erschienen. Die Gedenkrede hielt Landesoberrabbincr Prof. Dr. Herzog, Oberleutnant S t i a ß n y betonte die jüdische Treue für das neue Oesterreich, Dr. Sonnenwald nahm das Denkmal in die Obhut der Grazer Kultusgemeinde. Der Landeslciter der Vaterländischen Front, Doktor Görbach, hielt eine patriotische Ansprache, worauf die jüdischen Frontsoldaten am Sockel des Denkmals Lorbeerkränze niederlegten. Die Frage JapanvPalästina akut Aus Genf: Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes hat soeben ihre XXVII. Tagung beendet. Wie der J.-T.-A.-Vertreter erfährt, hat die Kommission u. a. auch eine die Mandatsgebiete der Kategorie „A" und „B" und insbesondere Palästina sehr interessierende Frage diskutiert, ob Japan, dessen Austritt aus dem Völkerbund im März d. .T. rechtskräftig geworden ist, weiterhin das Recht behalten kann, den den Mitgliedern des Völkerbundes in den Mandatsgebieten der Kategorien „A" und „B" eingeräumten Vorzug der wirtschaftlichen Gleichberechtigung (economic equality) zu genießen. Die Bedeutung dieser Frage für Palästina ist leicht ersichtlich aus der Rolle, die der Import der japanischen Waren im Außenhandel Palästinas spielt. Während die Einfuhr japanischer Waren nach Palästina in fortwährendem Ansteigen begriffen ist, ist die Ausfuhr palästinensischer Waren nach Japan glcichNull. Im Jahre 1933 betrug der Wert der nach Palästina eingeführten japanischen Waren pal. Pf. 349.859, im Jahre 1934 führte Japan nach Palästina schon Waren im Werte von pal. Pf. 582.000 ein, was beinahe 4 Prozent der Gesamteinfuhr Palästinas in diesem Jahre ausmacht und Japan an die siebente Stelle der nach Palästina einführenden Länder stellt. Demgegenüber steht gar kein Posten einer Einfuhr palästinensischer Waren nach Japan. Die Bestimmungen des Palästina-Mandates sichern allen Mitgliedern des Völkerbundes die wirtschaftliche Gleichberechtigung, also Schutz vor hohen Zöllen. Nun ist aber Japan nicht mehr Mitglied des Völkerbundes und sollte hiemit logischerweise auch sein Recht auf wirtschaftliche Gleichberechtigung in diesen Mandatsgebieten verlieren. Die Kommission und einige Vertreter der Mandatarmächte haben diese Frage nunmehr zum .erstenmal aufgeworfen. Eine gründliche Prüfung dieser Frage und eine endgültige Stellungnahme zu ihr seitens des Völkerbundrates wird jedoch wahrscheinlich erst nach der Herbsttagung der Mandatskommission erfolgen. Die Wahlaufrufe der „Allgemeinen" Zionisten Oesterreichs gegen die Judenstaatspartei beschränken sich auf persönliche Beschimpfungen der Führer derselben. („Zerstörer", „Ehrgeizlinge", „Berufspolitiker", „Kaffeehauspolitiker" usw. lauten die ebenso geistreichen wie anständigen Auslassungen.) Nur ein „sachliches" Argument taucht aus der Flut von Schmähungen auf. Das Organ der „Allgemeinen", „Die Stimme", schreit in Laufstreifen über ganze Seiten: „15 Jahre »Gerede* um den Judenstaat! — Resultat: Zersplitterung der Zionistischen Organisation." Judenstaatspariei Oesterreichs Oberbaurat Robert Stricker, Dr. Jakob Weiner, Dr. Salomon Wolf halten folgende Vorträge: IV. und V. Bezirk Mittwoch, den 26. Juni, halb 9 Uhr abends, Gastwirtschaft Bednar, V., Margarethenplatz 7. Thema: „Das jüdische Volk und seine Erwartungen vom 19. Zionistenkongreß." XVin. und XIX. Bezirk Donnerstag, den 27. Juni, Caf6 Dank, XVHL, Währingerstraße 104a. Thema: „Soll der 19. Zionistenkongreß ein Judenstaatskongreß werden?" Xm. Bezirk Donnerstag, den 27. Juni, Cafe" Hietzingerhof, XIII., Hietzinger Hauptstraße 22. Thema: „Judennot — Judenstaat und 19. Zionistenkongreß." Nachdem auf diees Weise Theodor Herzls Idee als Ursache der Zersplitterung des Zionismus gebührend gebrandmarkt ist, folgt die Aufforderung, die Führer der „Allgemeinen", Dr. O. Grünbaum, Frau Sophie Löwenherz und Dr. Frey zu wählen. Offenbar darum, weil diese vom schädlichen Judenstaat nicht reden werden. * « Professor Chaim We i z m a n n, der langjährige berühmte Führer, kann von Glück reden, daß ihn die englischen Zionisten auf ihre Kandidatenliste zum Kongreß gesetzt haben und er nicht darauf angewiesen ist, sich bei den „Allgemeinen" Oesterreichs um ein Mandat zu bewerben. Er käme nicht in Betracht, auch nicht an vierter Stelle, denn er redet vom Judenstaat. Vor einigen Wochen hat Weizmann auf einer großen Versammlung in Palästina erklärt, daß der Aufbau des jüdischen Palästina scheitern muß, wenn die Juden nicht von judenstaat« lerischer Gesinnung beseelt sind. Und jetzt ist er noch weitergegangen und hat ein klares Wort ausgesprochen. In einem Interview, das in einer Wiener Tageszeitung veröffentlicht war, erklärt er: „Der Judenstaat' ist unser aller gemeinsames Ziel!" * * An Weizmann hat sich wieder einmal die zwingende Gewalt der Idee vom Judenstaat erwiesen. Auf der Höhe seiner Macht war Weizmann Gegner des Judenstaates, ja er war der Gegner des Herzischen Judenstaatszionismüs. Unvergessen sind seine, die Zionistische Weltorganisation erschütternden Worte geblieben, die er im Jahre 1930, als Präsident, in einer Diskussion dem Judenstaatler Robert Stricker zuschleuderte : „Ich glaube nicht an den Judenstaat. Ich halte ihn für unmöglich, und ich betrachte ihn auch nicht für wünschenswert. Wir brauchen kefinen Judenstaat." * Und jetzt hat Weizmann erkannt, daß ohne den Judenstaat als Ziel der Aufbau des Jüdischen Nationalheims unmöglich ist. Die Wucht der Tatsachen zwingt ihn jetzt, den Weg zu Herzl zurück zu gehen. Die Juden in Palästina brauchen den Judenstaat! Weizmann kann sich nicht länger dieser Erkenntnis verschließen. * Aber die Erkenntnis, daß nur ein Judenstaat die weitere Entwicklung des jüdischen Palästina ermöglicht und Garantien für die Zukunft bietet, umfaßt nicht die Judenstaatsidee in ihrer ganzen Bedeutung. Nicht nur die Juden, die in Palästina sind und die noch nach Palästina gehen werden, brauchen zu ihrer Sicherung den Judenstaat. Auch für die Juden, welche in der Zerstreuung verbleiben werden, bedeutet der Judenstaat die einzige weitgehende Sicherung vor VerfolgungundRuin. Der Judenstaat, wie ihn Herzl gesehen, bedeutet Lösung der Judenfrage in Palästina und in der Galuth. Man verfolgt die Juden in der ganzen Welt, weil keine Macht hinter ihnen steht. Die Nationen, große und auch kleinste, wagen es, an den Juden ihr Mütchen zu kühlen, weil niemand da ist, der ihnen mit Vergeltung drohen und in den Arm fallen kann. Fast alle Minoritäten der Welt können sich auf Mutterländer stützen, die bereit sind, den Volksgenossen in anderen Staaten in Stunden der Bedrängnis moralischen Beistand zu leisten. Das Schicksal der jüdischen Minderheiten nimmt niemand ernst, niemand ist bereit, für sie ein Opfer zu bringen, oder eine Tat zu setzen, weil es keinen jüdischen Staat gibt. Es gibt keinen jüdischen Staat, mit dem die Verfolger von Juden zu rechnen und den sie zu respektieren haben. Die Nichtcxistcnz des jüdischen Staates macht die Juden in der Diaspora mutlos und schwach und ihre Verfolger dreist und stark. So bedeutet Judenstaat die L ö su n g der ganzen Judenfrage. Er, und nur er, befreit die Juden in der Galuth von ewiger Verfolgung und ewiger Furcht vor Verfolgung. Zionismus ist Lösung der gesamten Judenfrage durch Errichtung des Judenstaates. Zionismus ohne Judenstaat ist sinnlos. Jüdische Menschen, die an den Judenstaat nicht glauben können und nicht von ihm reden wollen, mögen sich Zionisten nennen. Aber sie sind es nicht! Juden§taalsparlei Am Dienstag, den 25. Juni, wichtige Parteiratssitzung punkt halb 9 Uhr abends im Heim, I., Werdertorgasse 14. —Erscheinen Pflicht! Vortrag Strickers in Innsbruck Aus Innsbruck wird berichtett Die Zionistische Ortsgruppe Innsbruck veranstaltete am 12. Juni einen Vortragsabend, zu dem sie Herrn Oberbaurat Ing. Robert Stricker gewonnen hatte. Der Abend war die bestbesuchte Veranstaltung dieser Art, ein Zeichen des wachsenden Interesses der hiesigen Judenschaft an den zionistischen Problemen und der Beliebtheit, der sich der Vortragende seitens der österreichischen Judenschaft erfreut. Der Vorsitzende Herr Oberbaurat Ing. Berger begrüßte besonders Herrn Rabbiner Dr. E. S. R i m a 11* den Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn J. Pasch, die Vertreter der jüdischen Organisationen und alle Erschienenen und gab sodann seiner Freude Ausdruck, Robert Stricker endlich in Innsbruck begrüßen zu können. In mehr als einstündiger Rede besprach Stricket: alle die Fragen im Zionismus, welche zur Lösung drängen und Gegenstand des kommenden Kongresses bilden werden. Kern der Ausführungen war, daß der Zionismus nur dann Daseinsberechtigung habe, wenn er in der Lage sei, die Judenfrage wirklich, zu lösen. Zu diesem Zwecke muß er wieder auf Herzl zurückgehen und sich die Schaffung eines Judenstaates zum Zielet setzen. Nur, wenn in Palästina ein wirklicher Judenstaat entsteht, der die Judenmassen im Lande verwurzelt und den in der Diaspora Verbleibenden jenen Rückhalt verleiht, wie ihn die Staaten der anderen Völker ihren auswärts lebenden Volksgenossen geben, kann von einer Lösung der Judenfrage gesprochen werden. In diesem Zusammenhange zeigte der Vortragende an Hand von Ziffern aus dem Berichte der Jewish Agency die großen Gefahren auf, die in dem wachsenden Eindringen arabischer Arbeiter in jüdische Kolonien bestehen und durch die Drosselung der Chaluzeinwanderung durch die englische Mandatsmacht gefördert werden. Diese Gefahr wird npch durch die Landflucht des durch die besseren Löhne in die Städte gelockten jüdischen Arbeiters verschärft. Das Mittel zur Bekämpfung dieser Gefahr erblickt die Judenstaatspartei in der Einführung einer natio-* nalen Arbeitsdienstpflicht im Sinne der Lehren unseres großen Meisters Popper-Lynkeus. Jeder Einwanderer ist verpflichtet, eine gewisse Zeit der Gemeinschaft zu dienen, deren Pflicht hingegen es sodann ist, ihm ein auskömmliches Dasein zur Verwurzelung im Lande zu schaffen. Für dieses Programm wird die Judenstaatspartei auf dem Kongreß besonders eintreten. Der Vortragende besprach sodann die großen Gefahren, die aus der P a rteiung im Zionismus und insbesondere aus dem Machthunger der linken Arbeiterparteien resultieren. Als Angehörige der zweiten Internationale und als Vertreter des Klassenkampfes sind diese Gruppen nicht geeignet, das große Ideal des wirklichen Zionismus, den Judenstaat, aufzubauen. Er kritisierte auch die Haltung der Allgemeinen Zionisten, die dank ihrer schwankenden Haltung nicht in der Lage sind, der Arbeiterpartei entsprechend entgegenzutreten. Aufgabe einer wahrhaft zionistischenGruppe muß es sein, auf alle Fragen mit einem klaren „Ja" oder „Nein" zu antworten, was aich die Judenstaatspartei zur Aufgabe gemacht hat. Die überaus klaren und sachlichen Darlegungen des Vortragenden, der Idealismus des alt-erprobten Horzl-Zionisten, die Güte, die aus seinem ganzen Auftreten strömte und schließlich die überaus vornehme Art der Kritik, die er übte, lösten allgemeinen Beifall bei allen Zuhörern ohne Unterschied der Einstellung aus und hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Der Vortrag hat sicher außerordentlich viel dazu beigetragen, um den Zionismus in Innsbruck zu verbreiten und insbesondere der Judenstaatspartei Anhänger zu bringen. Die Bne-Beojamin kommen nicht zum Zionistenkongreß Aus Jerusalem (J. T. A.): Auf einer in Nathania abgehaltenen Konferenz der Organisation Bne Benjamin (Söhne alter Kolonisten) wurde beschlossen, in der Zionistischen Weltorganisation zu verbleiben, aber an dem 19. Zionistenkongreß in Luzcrn nicht teilzunehmen. In einer weiteren Resolution wurde eine Aenderung der Statuten der Knesseth Jisroel in dem Sinne gefordert, daß den Bne Benjamin ein Anteil an der Gemeindearbeit gesichert wiv4

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