Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 474 (25.6.1935)
- Date
- 1935-06-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT « . j.uum mnuMiiiiuiin u « "* Nr. «54 lewummB N«v •rSffMt! BUcherschtuemme Stiiwedenbrilcke ■Fr»nx-Joser-Kai 7. Neue Bücher bester Autoren zu 20, mtm 30 und 50 Groschen. Reiche Auswahl. MB Rekord, denn noch nie war eine solche Quote bewilligt, und das war auch begreiflicherweise das Gefühl der Oeffcntlichkeit. „In Wirklichkeit ist aber trotz dieser scheinbaren Erweiterung sogar eine Einschränkung der Immigration erfolgt. Genau gerechnet, kamen in den drei Monaten Jänner bis März auf 7050 Zertifikate 16.837 Juden ins Land, davon 8876 auf Arbeiter- Zertifikate und hievon fast die Hälfte, nämlich 4338, als Angehörige der Zertifikatsinhaber. Von den 7600 Zertifikaten, die der Agency jetzt nach der Neuregelung gegeben wurden, sind 4560 nur für Einzelper sonen bestimmt, darauf können also nur genau 4560 Menschen ins Land kommen, und nur für die restlichen 3040 kann man wieder mit einer Durchschnittsziffer von zwei Leuten per Zertifikat rechnen. Es werden demnach also diesmal auf die Arbeiterzertifikate, die der Jewish Agency gegeben wurden, trotz ihrer Vermehrung nur 10.640 Einwanderer entfallen. So ergibt sich eine Beschränkung der Einwanderung jüdischer Arbeiter um schätzungsweise ein Drittel. „Vielleicht wichtiger als die Stärke der Restriktion Ist die Tatsache der Restriktion selbst. Sie zeigt, daß wieder Tendenzen wirksam sind, die sich gegen die jüdische R e p a t r i i e r u n g s b e w e g u n g richten. Die Regierung will die Wiederherstellung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina verhindern. Diese aber ist das Ziel der jüdischen Nationalbewegung und muß es begreiflicherweise bleiben, um die palästinensischen Juden aus der Lage einer ständigen Minderheit zu befreien. Da die neue Restriktion der jüdischen Einwanderung die Befriedigung des Arbeiterbedarfes noch erschweren dürfte, ist anzunehmen, daß die arabische Einwanderung, die dem Ausgleich dieser Diskrepanz dient, zunehmen wird. Die Zukunftsbesorgnisse der Juden dürften daher wachsen und wahrscheinlich auch ihr Wunsch, die Mandatsmacht zu einer grundsätzlichen Aenderung ihrer Politik zu bewegen." IRegierungsrat Guido Fudisgelb | nBaHHBHnHHsnm Sonntag, den 23. Juni, ist Regierungsrat Guido Fuchsgelb im Rothschild-Spital einem Herzleiden erlegen. Schon seit längerer Zeit kranklich, ließ G. Fuchsgelb, der Amtsdirektor und Erste Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, es sich nicht nehmen, seinen Dienst in vollem Umfang weiter zu versehen. Er starb sozusagen auf dem Arbeitsfeld. Die Wiener Judenheit, bei der Guido Fuchsgelb überaus populär war, betrauert in ihm einen treuen Sohn seines Volkes, die Kultusgemeinde ihren tüchtigsten und bewährtesten Beamten. * Als Sohn eines Zeitungsherausgebers in Wien 1876 geboren, trat G. Fuchsgelb 1897 in den Dienst der Gemeinde, wo er bald kraft seiner Organisationsgabe und seiner Kenntnisse des Verwaltungsdienstes eine leitende Stellung erlangte, die er in strengster Gewissenhaftigkeit ausfüllte. Einige Jahre nach dem Weltkrieg, aus dem er als Hauptmann d. R., vielfach ausgezeichnet, heimkehrte, wurde er zum Amtsdirektor und Ersten Sekretär ernannt, 1926 erhielt er den Titel Regierungsrat. G. Fuchsgelb war auch publizistisch (Fragen der Gemeinde) tätig. Der Verstorbene, der in glücklichster Ehe lebte, hinterläßt nach unermüdlicher Tätigkeit, die er in höchstem Pflichtbewußtsein ausübte, außer seiner Gattin Ernestine zwei Töchter und zwei Söhne, von denen Ferdinand Doktor der Pharmazie ist, Kurt sich als Musiker und Kapellmeister einen Namen gemacht hat. Den Hinterbliebenen wendet sich die Teilnahme der Wiener Judenheit zu. Ein HitleisOpfer in Brasilien Aus Sao Paulo schreibt uns ein Leser: „Die hiesige Zeitung ,0 Dice* veröffentlicht die Nachriebt über einen tragischen Fall, der sich in Sao Paulo abgespielt hat. Er betrifft den Dr. Erich Hahn, der bis zum Beginn des nationalsozialistischen Regimes Staatsanwalt in Mannheim war und plötzlich, selbstverständlich seines Judentums wegen, den Staatsdienst verlassen mußte. Dr. Hahn, ein hervorragend gebildeter Mann, versuchte sich in Sao Paulo eine neue Existenz zu gründen, konnte aber trotz langer Bemühungen nirgends festen Fuß fassen. Der aufreibende Kampf ums Brot trieb ihn schließlich in Verzweiflung und in tiefer seelischer Pein griff er zum Gift. Der Selbstmord dieses ausgezeichneten Menschen hat die ganze Emigrantenkolonie tief ergriffen. Unzählige Juden der Sao Pauloer jüdischen Gemeinschaft folgten dem Sarge des Hitler- Opfers." Der deutsche Konsul in Palästina warnt deutsche Juden vor Rückkehr nach Deutschland Aus Jerusalem: Seitens des deutschen Konsulats in Jerusalem werden Juden, die deutsche Pässe besitzen, davor gewarnt, nach Deutschland zurückzukehren, da sie damit rechnen müßten, in ein Schulungs- oder Konzentrationslager gebracht zu werden. In einer offiziellen Mitteilung des Konsulats heißt es, daß Juden, die auch nur zu einem kurzen Besuch nach Deutschland zurückkehren, in Konzentrationslager gebracht werden, wo sie so lange bleiben, bis klargestellt ist, ob sie zu vorübergehendem oder zu dauerndem Aufenthalt gekommen waren. Illegale Einwanderer mit Aeroplan gesucht Aus Tel-Aviv: Seit einigen Tagen suchen mit Scheinwerfern ausgestattete A eroplane in der Nacht das Küstengebiet bei Tel-Aviv ab. Man nimmt an, daß die Aeroplane im Auftrage der Polizei die Landung illegaler Einwanderer beobachten und melden sollen. Häßlich ge§(orben Das Ende der Illusion vom „Allgemeinen Zionismus" Das Organ der „Allgemeinen Zionisten" Oester rcichs schreibt am 21. Juni: „Wer den Frieden in der Zionistischen Or ganisation will, wählt die Liste des Weltverbandes .Allgemeiner Zionisten': Dr. O. Grünbaum — Sophie Löwenherz — Dr. Frey." Man traut den Augen nicht... Das schreiben die Führer der Allgemeinen" drei Tage nach dem fürch terlichen Debakel ihrer Weltkonferenz in Krakau, welche mit der Spaltung des Allgemeinen Zionismus geendet und der durch den Austritt der Revisionisten schwer erschütterten Zionistischen Weltorganisation einen neuen Schlag versetzt hat. Vom ,.Frieden" sprechen die Allgemeinen, nachdem sie in häßlichstem Streit auseinandergegangen sind. Was sich in Krakau abgespielt hat, erhellt am besten aus den Berichten der Allgemeinen-Organe und Aeußerungen ihrer Führer. Man braucht nichts hinzuzufügen. Zum Schluß der Konferenz, als die Nationalhymne gesungen wurde, schrie der Gründer und Präsi dent des zerschlagenen Weltverbandes, der Führer der B-Zionisten, Dr. Schwärzbart, den A-Zionisten zu: ,.Schädlinge! Schande über euch! Hinaus! Ihr habt nicht mehr das Recht, die .Tikwah' zu singen!" Dr. Nahum Goldmann, früher ,.Radikaler" und nunmehr Führer der A-Zionisten, sagte in einer Versammlung in Wien über die Konferenz in Krakau: „Zwei Tage und zwei Nächte ein Schauspiel fürchterlicher Depression und tiefer Schmach. Ich bin froh, der Stickluft dieser Gesellschaft entronnen zu sein." Das Organ der tschechoslowakischen „Allge meinen", die Prager „Selbstwehr", nimmt mit folgenden Worten von den bisherigen Weggenossen Abschied: „Die Krakauer Konferenz hat mit einem Mißerfolg geendet, was die Einheit betrifft, und mit einem Erfolg, was die Klarheit betrifft. Die Bemühungen, die Ehe zwischen den progressiven und reaktionären Allgemeinen Zionisten, die von Anbeginn keine harmonische war, zusammenzuhalten, sind gescheitert... Es hat sich in Krakau gezeigt, wie tief die Kluft ist, die A und B scheidet; es gab in dieser Tagung kaum eine gemeinsame Ansicht..." Die „Selbstwehr" schreibt, daß Klarheit geschaffen wurde. Das Gegenteil ist wahr. Jetzt, nach der mit so großen Hoffnungen begrüßten Konferenz, gibt es einen „W eltverband der Allgemeinen Zionisten" und eine „W elt Vereinigung der Allgemeinen Zionisten" und in diesen beiden gibt es A-Zionisten, B-Zionisten, Radikale, Progressive, Kidmah- Zionisten, Mitkadnim-Zionisten und wer weiß was noch. Jede dieser Gruppen sagt, daß sie nicht will, was die anderen wollen. Was sie selbst will, das sagt sie nicht. Ist das Klarheit? Das ist ein Chaos im Zionismus, der noch schwer darunter leiden wird. * Das allertraurigste Kapitel in diesem Debakel bildet aber das Kapitel der Allgemein-Zionistischen Jugend. An die iünfzigtausend Jugendliche, so berichten die Allgemeinen, haben ihre Vertreter zur Konferenz geschickt. Fünfzigtausend junge Menschen, denen man vorgetäuscht hatte, daß es eine große, starke Allgemein-Zionistische Partei gibt, welche sie führen und für sie sorgen wird. Angeekelt, haben diese Jugendlichen erklärt, daß sie dieses Treiben nicht mehr mitmachen wollen, und haben beiden Gruppen der Allgemeinen den Rücken gekehrt und sind weggegangen. Wohin? Das meldet niemand. Ins Extrem nach links oder rechts oder weg vom Zionismus. Die schwere Verantwortung für füni'/igtausend in die Irre geführten jungen Seelen lastet auf denen, die sich noch gestern als Führer einer großen Allgemein-Zionistischen Organisation gebürdeten und nichts anderes vermochten, als die Bezeichnung „allgemein-zionistisch" schwer zu kompromittieren. * Das Trauerspiel von Krakau muß jeden guten Zionisten tief ergreifen. Nicht um der Führer willen, die dort das Ende ihrer Rolle erlebt haben. Im allgemeinen. Zionismus waren Zehntausende treuer, opferwilliger, und immer hilfsbereiter Zionisten organisiert, die ehrlich daran glaubten, daß sie in der Partei der Allgemeinen dem Zionismus am besten dienen können. Sie haben jetzt eine erschütternde Enttäuschung erlebt. Hoffentlich werden sie in ihrem Schmerze und in ihrer Enttäuschung nicht an ihrem Eifer für die zionistische Sache erlahmen. Hoffentlich werden sie resolut der Illusion eines „allgemeinen Zionismus" ade sagen und den Weg zum Herzh-Zionisraus, zum Judenstaatszionismus gehen. Ende der allgemein-zionistischen Weltkonferenz Aus Krakau f.T. T. A.): Ueber die Schlußsitzung der Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten, die für vertraulich erklärt worden war, hat das Konferenzpräsidium folgendes offizielle Kommunique ausgegeben: Die zweite Plenarsitzung der Konferenz wurde um 4 Uhr morgens von Dr. Szpiorak eröffnet. Doktor Szmorak gab einen Ueberbllck über die von den Gruppen ttor Kealcrciuft und iaa Pcroancxu»ussehuli ffcführUa Vorhandlungen. Da diese Verhandlungen zu einem positiven Ergebnis nicht geführt haben und eine Einigung nicht erzielt werden konnte, hielt es das Präsidium für nötig, die Konferenz zu schließen. Gegen diesen Vorschlag wandte sich Dr. Franz Meyer, Deutschland, der verlangte, daß über die Aufnahme) der angemeldeten Gruppen sowie über das beantrage Verbot der Schaffung eines Irgun im Plenum verhandelt werde. Dr. Szmorak ordnete eine Abstimmung über diese Frage an, die eine überwiegende Mehrheit der Konferenz für den Beschluß des Präsidiums ergab. Dr. Szmorak schloß die Konferenz, woraufhin Dr. Meyer zum Zeichen des Protestes den Saal verließ. * Ueber die letzte Phase der Krakauer Konferenz ist noch folgendes zu berichten: In den letzten Stunden vor Abschluß der Konferenz herrschte eine gespannte Atmosphäre. Immer wieder wurden neue Vorschlägezur Frage des Irgun (Allgemeina Zionistische Arbeitergewerkschaft) gemacht. Um 4 Uhr morgens kam es in der Gruppe B zu einer erregten Aussprache, in deren Verlauf Dr. Schwarzbart den Vorsitz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten niederlegte. Hierauf wurde das Plenum der Konferenz einberufen. Die Sitzung wurde von Dr. Szmorak eröffnet* Dr. Meyer-Berlin nahm das Wort zur Geschäftsordnung und verlangte, daß die Schlußsitzung öffentlich abgehalten werde. Mit Stimmenmehrheit wurde dagegen beschlossen, die Oeffentlichkeit nicht zuzulassen. Dr. Szmorak schilderte sodann in längeren Ausführungen dia Schwierigkeiten der Verhandlungen zwischen den Gruppen A und B, hauptsächlich in der Frage des Irgun, und stellte fest, daß alle Vermittlungsvorschläge abgelehnt wurden. Er erklärte, die Gruppe B sei für die Entstehung des Irgun nicht verantwortlich. Mit seinem Bestehen müsse aber als mit einer Tatsache gerechnet werden. Wenn eine Gruppe allgemein-zionistischer Arbeiter beschlossen habe, auf alle Vorteile zu verzichten, die sie in der allgemeinen sozialdemokratischen Histadruth Haowdim genoß, um sich eine selbständige Organisation zu schaffen, dann müsse sie hierin von den Allgemeinen Zionisten unterstützt werden Da aber Permanen zkommission und Kommission für Arbeiterfragen eine einheitliche Stellungnahme nicht erzielt und der Konferenz keine Vorschläge gemacht hätten, schließe er die Konferenz. KREUZ-KINO Wollzeile 17 ~ Tel. R-24-2-16 SPIONE IN PANAMA-KANAL Vorstellungen: k. %5, Vs*. W Die Weltkonferenz jüdischer Kriegsteilnehmer Aus Paris: Am Donnerstag, den 20. Juni, ging die Weltkonferenz der Länderverbände jüdischer Kriegsteilnehmer zu Ende, nachdem sich vorher noch die Delegierten zu einem Abschiedsbankett versammelt hatten. Am Mittwoch, den 19. Juni, empfing der französische Kriegsminister Jean Fabry im Riesensaal der Sarbonne die Kongreßdelegierten, die dem Minister durch Hauptmann D r e y f u s, der zu dieser Feier von der Alliance Israelite beordert wurde, vorgestellt wurden. Die Feier galt dem Andenken der ehemaligen jüdischen Frontkämpf er, die an allen Fronten für ihre Vaterländer starben. Der Minister gab im Namen Frankreichs seiner Ehrfurcht für diese Kämpfer Ausdruck. Die Sprecher der ausländischen Delegationen sprachen den Dank des jüdischen Volkes: an Frankreich für seine stetige Gastfreundschaft gegenüber allen Opfern der Verfolgung, ohne Unterschied von Rasse und Religion, aus. Am Tage vorher hatten die Delegierten die Schlachtfelder bei Vcrdun besucht und dort Kränze auf die Gräber gefallener Soldaten der verschiedenen Nationen niedergelegt. Ueber den Verlauf der Sitzung ist noch zu berichten: Der Vorsitzende Varnikof führte aus, der Plan der Schaffung eines Kontakts zwischen den jüdischen Frontkämpfern der verschiedenen Länder sei auf dieser ersten Weltkonferenz jüdischer Frontkämpfer, an der Delegationen aus zwölf Ländern direkt teilnehmen und der Frontkämpferverbände aus anderen Ländern ihre Zustimmung gegeben haben, realisiert worden. Ziel der Konferenz sei, der Welt in Erinnerung zu bringen, daß Juden überall und mit allen zugleich ihre Pflicht als Soldaten erfüllt haben und daß die jüdischen Frontkämpfer zum Kampf um ihre Rechte und die Rechte ihrer bedrohten jüdischen Brüder, wo immer sie leben, bereit sind. Darüber hinaus solle diese Konferenz von Juden, die ihr Leben für ihre Vaterländer eingesetzt haben, eine Manifestation für Weltfrieden und Völkerverbrüderung sein. Nach einer Ansprache des Vertreters des internationalen Frontkämpferverbandes, des polnischen Generals, G u r e c k 1, überbrachte der Führer der österreichischeen Abordnung, Hauptmann von Friedmann, den Gruß von 22.000 organisierten jüdischen Kriegsteilnehmern in Oesterreich. Nach einer Ansprache des Führers der ägyptischen Delegation, Dr. Latis Bey, überbrachte der Führer der amerikanisch-jüdischen Kriegsteilnehmer, William Bcrman, die Grüße von 250.000 amerikanisch-jüdischen Kriegsteilnehmern und wagte: Wir amerikanischen Juden sind stets bereit, unseren jüdischen Brüdern zu helfen, wo Hilfe notwendig sei. Es sprachen dann der Führer der englischen Delegation (Jewish Ex-Serviencemen's Legion), Sarno; der Führer der lettländlschen Delegation, Sinakius, der betonte, <Ut Schaffung eines Jüdischen Staate» in P •»