Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 473 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 — Seit«- 7 JüdUcUt Tiqucetu Vor» Dr. I. Z. Kinner (Wien) Hof jtiden Der H o f j u d e war der jüdische Vermögensverwalter in adeligen Häusern, mitunter auch deren intimer Berater in Familienangelegenheiten. Beim Kleinadel hieß er Haus jude — hatte die gleiche wirtschaftliche Funktion, aber nicht die Gelegenheit zu intimer Berührung wie der Hofjude. Dieser war eine angesehene Persönlichkeit, weil er Bildung besaß, eine Voraussetzung für solch einen Beruf. Hausjude konnte bald einer werden. Der berühmteste Hofjude war Jud Süß. Maria Theresia wollte die Anzahl der Juden vermindern. Zu diesem Zweck erließ sie ein Gesetz, wonach nur der älteste Sohn einer Familie heiraten durfte. Solche Ottlckliche wurden Familiantcn genannt. In Rußland war den jüdischen Gemeinden die Stellung einer Pflichtzahl von Rekruten vorgeschrieben. Wurde der Termin versäumt, mußte man nach einem bestimmten Schlüssel eine Anzahl von Rekruten stellen, deren einzelne dann Stafnoi hießen (Strafsoldat). Eine ausgestorbene Figur ist der Chatfan (hebr. „Chapper", Schlepper). Dieser, ob Jud, ob Christ — ein Christ pflegte sich als Jude zu verkleiden —. raubte Chederjungen um einen Schundlohn direkt von der Straße weg und führte sie dem vorbereitenden Militärdienst zu. Durch verlockende Angaben verstanden sie, die Kinder zu überreden. Nur mit Mühe konnte man den Raub ihren Händen wieder entreißen. Die Frauen und Mütter stürzten sich auf solch einen Chatfan mit Stöcken und siedendem Wasser. (Siehe P. Smolenskin: „Der Späher und die Retter." J. Steinberg: „In jenen Tagen.") Baaltaxe hieß in Rußland derjenige, der von der Regierung die Fleischbänke pachtet und das Fleisch zu hohen Preisen (Taxen) verkauft. Ein solcher Mann ist bei der armen Bevölkerung sehr verhaßt. Rendar ist der jüdische Pächter, Milch- und Schaukwirt bei polnischen Gutsbesitzern (poln. arenda, Tacht). Die jüdischen Brennereibesitzer mit Propinationsberechtigung hielt man für Reiche; diese repräsentierten selbstverständlich die obere Schicht in der Judengemeinde. Majufis-Juden sind Kriecher und Speichellecker. Die betrunkenen Schlachzizen zwangen die Juden, ihnen den Gesang des Hoheliedes (ma jufis!) vorzusingen und dabei zu tanzen. Von daher stammt der Schmähname Majußs-Jude für solche Juden, die sich vor den polnischen Herreh demütigen. Po dp an (poln. Podpanek) wird verächtlich von einem Menschen in untergeordneter Stellung gesagt, der .nach außen den großen Herrn spielen will. In seinem unsterblichen „M auschel" (von Mosche, moschein, mauscheln, als verbreiteter Name für Juden von der Gasse) schildert Theodor Herzl dea Typus .jenes Juden, der sich unter fremdnationaler Maske überall dort eindrängt, wo er nicht hingehört, überall spricht, wo er schweigen sollte. Mauschel — eine infernalische Mischung von Feigheit und Vordringlichkeit; Mauschel, ein krankhaftes Mißgebildc am jüdischen Volkskörper. In Polen heißt er M o s c h k e h. Mauschel und Moschkeh sind Verkleinerungsformen des biblischen Namens Moses. Fromme und Gottlose Ein Ungebildeter heißt Am-Haarez (Heidebewohner). Der Am-Haarez wird auch Jeschuwnik genannt; einen unter Bauern lebenden Juden, einen Unwissenden, pflegt man „Grober Jing" zu nennen. Ein Halbgebildeter heißt Jodea Sefer (Buch-Kenner), ein L a m den hingegen ist jener, der Bildung besitzt. „Eine verschüttete Gewürzbüchse" nannte man einen Menschen, der in Kenntnis und Wissenschaft wohl manches genascht, al>er nirgends Gründliches gelernt hat, so wie die verschüttete Gewürzbüchsc nur eine Mischung von unbestimmten Gerüchen darstellt, aber von wirklichen Gewürzen entfernt ist. Ein bloß Vielbelesener, ohne tieferes Verständnis heißt bei den Talraudisten (Megilla 28 b) ein VERSICHERUNGS¬ BESTAND . . , 3.1 Milliarden i GARANTIEMITTll , 680 Midi«*«* »' VERSICHERTE VERSICHERUNCS. ZAHLUNGEN 1933 •77.10t 7t Mi««»«» PHÖNIX ICBENSVCRSICHERUNCS.CIf. „Korb voll Büche r", ein lebendiger Bücherschrank. Gottes Scham m es oder Gottes Polizejnik ist der Bigotte, der auf das religiöse Leben von Privatpersonen achtet und sie in ihrem Handeln rügt. Er ist Sachwalter des Ewigen auf Erden. Man nennt ihn auch Gottes Kosak (Gottes Leibgardist). Kümmert er sich aber nicht nur um religiöse, sondern auch um profane Angelegenheiten, ohne daß er dazu befugt wäre, heißt er Kuhls Versorger (von Kahal, Kehille, Gemeindeversorger) . Ein Heuchler, ein Frömmler, ein falscher Mensch heißt Zwiack (Zawua — gefärbt, Gefärbter). Man nennt ihn deshalb „gefärbt", weil er immer in günstigerem Lichte erscheinen will. Von den vielen Scheinheiligen, die der Talmud aufzählt, seien hervorgehoben: Der Schulter- Pharisäer, der gleichsam die von ihm verübten guten Handlungen auf seinen Schultern öffentlich zur Schau trägt, um damit zu prahlen (vielleicht auch: der gebückt erscheint, als ob die schwere Last der Tugenden seine Schultern niederdrückte). Der Sichem-Pharisäer, der aus unlauteren Motiven fromm lebt, um z. B. von den Menschen geehrt oder beschenkt zu werden, auf die Weise, wie Sichern (Gen. 34) sich beschneiden ließ, usw. Neu «rölfnet! Bücherschwemme SchwedenbrücKe Franz-JOS«f-Kaf 7. Neue Bücher bester Autoren hu 20, 30 und 50 Groschen. Reiche Auswahl. Hingegen ist jeder jüdische Ketzer ein A p i k o r e s (Epikuros) und jeder Täufling ein Meschummed (aus dem jüdischenVolkskörper Ausgeschalteter) oder S ch m adelnik (von Schamod Schmadt). Wer nicht rituelle kost genießt, heißt Trejfaak. Terach, der Vater des Patriarchen Abraham, ist der Prototyp aller alten eingefleischten Sünder („Alter Terach"). Doch ist niemand in der jüdischen Gasse so verachtet wie der Mosser (Denunziant) und niemand ist so beliebt wie der S c h' t a dlen (Fürsprecher, PI. Schtadlonim), der kraft seiner Persönlichkeit bei Fürsten und Behörden großen Einfluß hat. „Kaiserjuden" (nicht ironisch) werden diejenigen Männer von der jüdischen und nichtjüdischen Landbevölkerung (besonders im Burgenland —Mattersburg) genannt, deren Leben und Wirken wohltätig und segensreich war, wie das gütiger und tugendhafter Monarchen. Sie genossen eine Verehrung, wie sie sonst nur der Kaiser genoß.! Man soll den Tag: nicht vor dem Abend loben! Sind wir heute noch im glücklichen Besitz schöner und gesunder Zähne, so kann schon in kurzer Zeit die gefürchtete Zahnkaries ihr Vernichtungswerk beginnen. Darum heißt es rechtzeitig vorbeugen durch tagliche Mund- und Zahnpflege mit Odol-Mundwasser und Odol-Zahnpasta. Odol-Mundwasser dringt in die verborgensten Winkel der. Mundhöhle ein, desinfiziert diese und verschafft reinen Atem. Odol-Zahnpasta verhütet Zahnbelag und macht die Zähne blendend weiß. Jene Dame, welche glaubt, daß die verblüffend niedrigen Schiffmann-Preise, z. B. für moderne K.-Seiden-Imprime-Kleider, SchafwoÜr Badetrikots usw. auf Kosten der Qualität gehen... ist im Irrtum". Schon das reizende K.-S.-Imprime-Kleid mi.t Modemasche ist aus guter Waschseide, in Modedessins (Exklusiv-Dessins). Für den verwöhnten Geschmack bringt Schiffmann aparte K.-Crepe-de-Chine-Kleider (orig. franz. Tmprimes!), Mongol-Blusen, Sport.-Schoßen und viele andere aktuelle Schlager. Die Preise sind auch bei den besten Qualitäten so billig, als nur möglich. Ueberzeugen Sie sich von der besonderen Leistungsfähfgkt-'-t des „Warenhauses der Sparsamen", kommen Sie zu Schiffmann, Taborstraßc 48! Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. A. «arschnk, Tl., Große Schiffgasse 3. Streng -»r. Vorzügliche Küche. 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