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Die neue Welt · 1935-06-21 · Heft 473 (21.6.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 473 (21.6.1935)
Date
1935-06-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 473 DIE NEUE WELT Seite 5; Hinauf In die judischen Berge! Von Dr. J. Adler (Tel-Aviv) Wer auf den meisten Landkarten Palästinas die lieutigc Verteilung der jüdischen Siedlungspunkte aufmerksam betrachtet, erkennt die große Zukunftsaufgabe einer wahrhaft nationalen Kolonisation: die Wiedergewinnung der Gebirgszone! Aus den Ebenen als Pioniere neuer Produktivität in die heute noch so traurig verödete Bergwelt emporzusteigen, diese ,,Alijah" im reinsten Sinne des Wortes steht uns noch bevor. Im einzelnen gesehen, handelt es sich besonders auch darum, den jüdischen Charakter historischer Plätze, die dem Judentum seit ältesten Zeiten teuer und heilig sind, zu sichern oder wiederherzustellen: Jerusalem, Safed, Hebron. Heute ist das jüdische Jerusalem isoliert. Wäre es nicht ein hohes Ziel, einen blühenden Kranz jüdischer Dörfer um die Stadt Davids zu winden? Nicht nur ein politisches Problem ersten Ranges erblicken wir darin, sondern auch ein wirtschaftliches. Die nahezu 80.000 Juden Jerusalems stellen in unserer Zeit, je mehr ihre Wirtschaftslage und ihre Kaufkraft sich bessert, einen bedeutsamen Faktor dar. Wohin aber fließt ihr Geld, wenn wir beispielsweise einige so wichtige Bedarfsartikel, wie Milch und Milchprodukte, Eier und Geflügel, Obst und Gemüse, beachten? Bei einigen dieser Warengattungen großenteils, bei manchem sogar ausschließlich in nichtjüdische Hände! Wäre es nicht das Natürlichste auf der Welt, den jüdischen Bewohner Jerusalems in Güteraustausch mit jüdischen Gebirgsbauern in der näheren Umgebung zu bringen? Neu eröffnetHi JUsiautatd timfam III. Radeftzkyf traOe 21, Telephon B-59-0-45 Hochhonpchaftlich - jüdische KUohe Osteuropäische Spezialitaten am Rost und Spieß - Am H e r d: Frau Richtmann, ehemalige Küchenleiterin des Ungar. Klubs a. d. Bellaria - Das besagt alles! Es versteht sich von selbst, daß wir das Komplizierte der praktischen Lösung nicht unterschätzen. Es ist kein geringes Unternehmen, ein seit Jahrhunderten vernachlässigtes Bergland neu zu kultivieren. Viel gemeinsamer Wagemut und Weitblick von Arbeit und Kapital gehören dazu. Wir sind jedoch davon überzeugt, daß es auch heute in unserer Mitte Menschen von der Qualität jener Biluim, jener ersten Kolonisationspioniere gibt, die vor 53 Jahren Sichron- Jakob, vor 44 Jahren Chedera unter den schwersten physischen Bedingungen ins Leben riefen. Dabei sei bemerkt, daß die Kultivierung des Gebirges, so entbehrungsreich sie auch sein wird, doch — im Gegensatz zur Drainierung der Malariasümpfe der Ebenen — keinerlei gesundheitliche Gefahren für unsere Pioniere mit sich bringt. In der reinen Luft der Berge wird man auch ein hartes Tagewerk ohne Furcht vor heimtückischen Krankheiten verrichten können. Wie es im Gebirge Palästinas zur Zeit des Judenstaates aussah, das hat uns der Historiker des Zweiten Tempels, Professor Dr. Josef Klausner (Jerusalem), in seinen Werken lebendig beschrieben. Wh teilen hier das reizvolle Charakterbild des jüdischen Gebirgsbauern mit, das er in seinem Werk „Jesus von Nazareth" (2. Buch: „Die Epoche", 2. Kapitel: „Die wirtschaftlichen Verhältnisse") gezeichnet hat: „Es gab keinen tüchtigeren Bauern als den jüdischen. Er verstand es, den Boden zu ameliorieren, zu düngen, von Steinen und Unkraut zu reinigen. Er war gewohnt, auf Bergen und in Tälern Terrassen anzulegen, damit der so heftige „wegspülende Regen" der palästinensischen Regenzeit nicht die dünne Erdschicht von den Felsen entferne, und er verstand es, die Bewässerung der Felder mittels Zisternen, Brunnen und Kanälen durchzuführen ..." Mit Wehmut nehmen wir heute bei Fahrten und Wanderungen durch das Gebirge bald hier, bald dort die Spuren der einstigen Terrassen und der kunstvoll konstruierten Aquädukte wahr und hören von den Funden der Ruinen einstiger Dorf-Synagogen und beklagen die Einsamkeit der einst so volkreichen Heimat der davidischen Dynastie. Die „Berge Jehuda", warum noch nicht, warum nicht wieder jüdische Berge? Schon vor 16 Jahren hat sich über die objektiven Möglichkeiten eine Kapizität internationalen Ranges, Professor Dr. Carl Ballod, dahin ausgesprochen, daß mindestens die Hälfte der Gebirgszone Palästinas sich zur rentablen Erschließung für Baumkulturen eignet, woraus die Bevölkerung einen wesentlichen Teil ihres Konsums an Früchten, Oelen usw. decken könnte. Ein glänzender Palästina-Kenner, der uns un* MATURASCHULE „UMVERSUH" II IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A.20-4-48 g§ längst allzu früh durch den Tod entrissen wurde, Davis Trietsch s. A.. hat ebenfalls die Entwicklungsfähigkeit der Gebirgszone unter modernen Betriebsformen bejaht und dafür eine Menge praktischer Hinweise gegeben, beispielsweise auf die Anpflanzung von Parfüm- und Arzneikulturen, von mannigfachen Sorten der Beerensträucher und auf die damit verknüpften lokalen Verarbeitungsindustrien. Was in Gebirgslandschaften ähnlichen Charakters in anderen Teilen Vorderasiens erreicht worden ist, haben Naturforscher und Nationalökonomen verschiedenster Herkunft in ihren Werken ausführlich dargetan. Vor allem sind die Errungenschaften der Gebirgsagrikultur in Kaukasien, Persien und der Türkei zu nennen. Was in Palästina tatsächlich geleistet werden kann, haben uns in der Umgebung Jerusalems als erste Pionierleistungen in dieser Gegend bereits die Erfolge von Kirjath-Anawim und vieler Kolonisten in Motzah und Ataroh gezeigt. Auch das schwere technische und finanzielle Problem der Wasserversorgung ist heute nicht mehr unlösbar, seitdem der hydrographische Sachverständige der Regierung Jugoslawiens, Dr.-Ing. A. Werber (Belgrad), neuerdings seine fundamentalen Untersuchungen in Palästina angestellt hat. Dieser prominente jüdische Fachmann hat an die uralten Traditionen und Erfahrnugen der orientalischen Wasserwirtschaft planmäßig angeknüpft und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß für die Kultivierung der GebirgsbÖden neben der Brunnenbohrung im besonderen ein System von Staudämmen und Sammelteichen in Betracht kommt, welches die methodische Verwertung des heute ungenützt abfließenden oder versickernden Regenwassers gestattet. Vorhin haben wir die Besiedlung des Gebirges als eine Aufgabe der wahrhaft nationalen Kolonisation bezeichnet. Welche Kolonisation verdient diesen Ehrennamen? Sicherlich doch neben jener, die durch öffentliche Körperschaften administriert oder kontrolliert, finanziert oder subventioniert wird, zugleich auch die Kolonisation, die rein aus der privaten Initiative wirklich aufbauwilliger Menschen hervorgeht. Gerade der national wichtige Kampf gegen die frevelhafte Bodenspekulation fordert eine klare Abgrenzung der Begriffe und setzt zu seinem Gelingen voraus, daß der berechtigten Verdammung skrupelloser Spekulanten die unzweideutige Anerkennung solcher Persönlichkeiten gegenübertritt, die mit vollem Einsatz ihrer eigenen Mittel und ohne Rückendeckung.durch öffentliche Gelder als Pioniere der Gebirgssiedlung im Neuland vordringen, das in der Tat doch ältestes Judenland ist. Einer organisatorischen Initiative dieser Art ist es zu verdanken, daß gegenwärtig eine Gruppe von Söhnen jüdischer Handwerker aus Jerusalem den Versuch unternehmen kann, auf dem Ge- All werden und jung bleiben möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Massagen (Einreibungen) mit Diana-Franzbranntwein erfüllen mit verjüngender Kraft. Hbenso wertvoll zur Mund- und Maarpflege. Und dabei sehr billig. Nehmen Sie nur Diana und weisen Sie wertlose Nachahmungen energisch zurück. Ueberall erhältlich! ländc zwischen Bethlehem und Hebron eine neue Siedlung anzulegen, die sich dem Obstbau und der Milchwirtschaft zuwenden will. Freilich wird solch eine Okkupation bisherigen Oedlandes auf dem Kamm des Gebirges von manchen Schwierigkeiten und auch Enttäuschungen begleitet sein. Indessen, warum soll ein Anfang in unserem Lande nicht schwer sein? Lüften wir von den wahren Wirtschaftszusammenhängen Palästinas den Schleier augenblicklicher „Prosperity", der die Unerfahrenen täuscht und die Spekulanten begünstigt, so erkennen wir, daß überhaupt auf die Dauer nur chaluzische Tatkraft und zionistische Gesinnung Erez Israel wieder aufbauen kann — aufbauen nicht bloß dort, wo die städtische Konjunktur momentan bequemen Verdienst gewährt, sondern auch dort, wo» man dem Boden unverdrossen in harter Arbeit seinen Segen wird abringen müssen, dem Boden der Berge ebenso wie dem der Ebenen. Was aber winkt dem Siedler im Gebirge als Frucht harter Arbeits jähre? Ein freies Dasein auf freier Erde, die . gesunde Entwicklung seiner Kinder in einem kräftigen Klima, die sichere Basis seiner Existenz dank des regulären Absatzes seiner Produkte auf dem Inlandsmarkte. Gerade da die schwachen Orangenpreise in der kürzlich beendeten Exportsaison 1934/35 dem palästinensischen Pflanzer manchen Verlust gebracht haben, wird es gut sein, unsere Arbeit und unser Kapital nicht mehr so weitgehend wie; bisher auf die Karte der vom. Weltmarkt abhängigen Zitruskultur zu setzen, sondern in erster Linie der Selbstversorgung des einheimischen Ernährungsbedarfes zuzustreben. Dazu aber gehört in besonderem Grad die Kultivierung des Brachlands in der judäischen Bergwelt! Bei fahler, graugelbor Hautfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Gemütsstimmung, schweren Träumen ist es ratsam, einige Tage hindurch früh nüchtern; ein Glas natürliches „Franz- Josef"-Bitterwasser zu trinken. Handelskrieg Aegypten gegen Palästina Die Palästina-Regierung für Aegypten gegen die Palästina-Juden Im Programm der Judenstaatspartei wird darauf verwiesen, daß die Palästina-Regierung, dank der Passivität der derzeitigen zionistischen Leitung, ungehindert eine Handelspolitik betreibt, welche geradezu auf die Unterdrückung der jüdischen Wirtschaft in Palästina gerichtet ist. Die Judenstaatspartei fordert einen gegen diese ruinöse Handelspolitik gerichtete. Aktion der Zionistischen Organisation. Der Verlauf der jetzt geführten ägyptisch-palästinensischen Verhandlungen wegen Abschluß eines Handelsvertrages beweist, wie richtig und notwendig die Forderung der Judenstaatspartei ist. Der Führer der palästinensischen Delegation, der Regierungsbeamte Mister Johnson, kllmmert sich Uberhaupt nicht um die Interessen der jüdischen Industrie und Landwirtschaft (Orangen, Wein), die er preisgibt, und bemüht sich um Erleichterung der Einfuhr der Produkte der arabischen Fellachen nach Aegypten. Nachstehende Berichte illustrieren den unerhörten Zustand, daß ein palästinensischer Regierungsbeamter es wagt, die Interessen der von ihm vertretenen jüdischen Industrie und Landwirtschaft offensichtlich preiszugeben. Kairo (Palnews): Die ägyptische Zeltung „AI Balagh" kommentierte die pasästinensisch-ägyptischen Verhandlungen mit folgenden Ausführungen: Es bedarf keiner starken Einbildungskraft, um das Objekt der palästinensischen Wünsche zu erkennen. Der palästinensische Export nach Aegypten ist von ägypt. Pf. 293.000.-- im Jahre 1931 auf ägypt. Pf. 140.000.-- im Jahre 1934 gesunken, während der ägyptische Export nach Palästina in der gleichen Zeit von äpypt. Pf. 270.000.— auf ägypt. Pf. 420.000.— gestiegen ist und den palästinensischen Export um das Dreifache übersteigt. Der Grund dieser Entwicklung besteht in den Maßnahmen der Regierung Sidky Paschas vom Jahre 1931, die die Produkte gegen die palästinensische Konkurrenz schlitzen sollten. Vor 1931 wurde der ägyptische Bedarf an Orangen und Wassermelonen von Palästina gedeokt. Durch die Zölle Sidky Paschas ging der palästinensische Export bis auf den Nullpunkt zxirück. Niemand hat von Sidky Paschas Politik so glänzende'Erfolge in so kurzer Zeit' erwartet. Jerusalem (Palncws): In Anbetracht des starken Interesses, das die Ergebnisse der palästinensisch-ägyptischen Verhandlungen in den wirtschaftlichen Kreisen Palä-' stinaa hervorrufen, wandte sich die Paincws-Redaktion an eine an führender Stelle der Wirtschaft des Landes stehende Persönlichkeit. Diese äußerte sich wie folgt: Ich muß leider feststellen, daß die Ergebnisse der Verhandlungen für Palästinain keiner Weise befriedigend sind. Ich muß zunächst bemerken, daß der von der Regierung bestimmte palästinensische Delegationsführer Mr. Johnson sich einseitig für die arabische Fellachenproduktion (Melonen, Waschseife) interessiert zeigte. Diese Einstellung fand in der Ansprache Mr. Johnsons gelegentlich des Abendfestesscns im Continental- Savoy-Hotel, zu dem Mr. Johnson eingeladen hatte, deutlich Ausdruck, indem er betonte, daß das Fellachen- Problem wie in Aegypten auch in Palästina sehr wichtig sei und daß man allgemein von dem Bestreben durchdrungen sei, die Interessen der arabischen landwirtschaftlichen Bevölkerung zu fördern. Die Interessen der lokalen jüdischen Industrie wurden erst nachträglich in zweiter Linie kurz erwähnt. Der Note dieser Rede entsprach denn auch in den Verhandlungen, daß Mr. Johnson sich für die Interessen der jüdischen Industrio sehr wenig interessiert zeigte. Weiterhin ist einzuwenden, daß die palästinensische Delegation der Frage des palästinensischen Weines (jüdisch) keine Beachtung geschenkt hat, obwohl hier die Verhältnisse günstiger als bei den anderen Produkten ~. Polen und Czernowitz Abfahrten: 7., 14. und 28, Juli Mehrwöchiger Aufenthalt in Polen «FRANCOPOL* III, Renn weg f Telephon U-16-4-80

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