Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 473 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 473 DIE NEUE WELT Seite 3 J 15 Jahre Herrschaft der „Allgemeinen" und „Linken" Zionisten. Resultat: Zertrümmerung der Organisation - Gefahr eines jüdischen Ghettos in Asien Wer für Wiederaufrichtung der Herzischen Einheitsorganisation und den Judenstaat ist, steht zur Judenstaatspartei! Q\ Stimmen zur Judenstaatspartei „Sie verdient die vollste Seit einiger Zeit beginnt sich die amerikanische Presse mit der Judenstaatspartei und ihrem Programm zu beschäftigen. Die amerikanischen Zionisten bekunden reges Interesse für diese neue Partei, die nun auch in den Vereinigten Staaten Fuß faßt. In der New Yorker jiddischen Zeitung „Jcwish Morning Journal" führt der bekannte Wissenschaftler Prof. Chaim Tschernowitz aus, daß die Judenstaatspartei in U. S. A. bisher wenig bekannt war, weil ihre Anhänger sich nicht um eine lärmende Propaganda bemühten, sondern still und korrekt ihren Zionismus pflegten. „Die Wahrheit", schreibt Prof. Tschernowitz, „ist nicht immer bei denen, die den größten Lärm machen. Es wird vielleicht für viele eine Ueberraschimg sein, zu hören, daß die Judenstaatspartei in Europa und Palästina über 40.000 organisierte Mitglieder zählt, unter ihnen einen großen Prozentsatz der Edelsten von der zionistischen Jugend. Beim Studium der Grundprinzipien und Forderungen der Judenstaatspartei sowie ihrer Entwicklung fand ich, daß sie die vollste moralische Unterstützung jedes wirklichen Zionisten verdient." Prof. Tschernowitz machte in seinen weiteren moralische Unterstützung" j Ausführungen die Leser mit der Entstehung der Judenstaatspartei und ihrem Programm bekannt, das er als einzig unanfechtbare Herzl-Konzeption bezeichnet. Für die Unantastbarkeit der zionistischen Souveränität Das in Kaunas (Kovno, Litauen) erscheinende Organ „Unser Front" enthält ein Gespräch, das der berühmte jüdische Historiker und Autor der Geschichte des jüdischen Volkes, Prof. Simon D u bnow, mit dem Publizisten Dr. H. Rosenblum hatte. Kleine Tube S—.90 Quoöe Tube S 1.40 Empfindliche erlöst die blitzschnelle, glatte, scharf-scharfe swmc In diesem überaus bemerkenswerten Gespräch erklärt Prof. Dubnow, kein eingeschriebener Parteizionist zu sein, aber für alle zionistischen Fragen ein brennendes Interesse zu haben. „Niemals", äußert sich Dubnow, „war für das jüdische Volk Einheit und Geschlossenheit so notwendig, wie gerade heute. Man muß deshalb die Ganzheit der Zionistischen Weltorganisation wahren, die zurzeit einer der ernstesten Faktoren der jüdischen Volksorganisation ist. Darum ist es unbedingte Pflicht der Zionisten, Herzls Organisation zu festigen und zu stärken. Nur Menschen, denen es am elementarsten Verantwortungsgefühl für die jüdische Gesamtheit mangelt, können sich heute mit der Spaltung des Zionismus befassen. Deswegen bedaure ich tief den letzten Schritt Jabotinskys. Dieser Schritt ist von A bis Z unbegründet und gefährlich vom Standpunkt des jüdischen nationalen Interesses. Obwohl ich persönlich weder auf Seiten des Revisionismus, noch auf Seiten der Judenstaatspartei stehe, muß ich sagein, daß im Kampf für die Ganzheit und Unantastbarkeit der zionistischen Souveränität meine Sympathie ganz und gar der Judenstaatspartei gehört." Zum Schluß erklärt Dubnow, daß der Revisionismus, der bisher aktiv und positiv Wertvolles geleistet hat, durch seinen Austritt die zionistischen Interessen gefährdet. Der politische Irrweg des Zionisten*Sozialisten Die Zionistische Weltorganisation wird heute yon Sozialisten geleitet, welche der Internationale angeschlossen sind und sich zur Ideologie des Klassenkampfes bekennen. Bei der Etablierung dieses Systems haben die „allgemeinen" Zionisten und Gruppen des thoratreuen „Misrachi" teils aktiv, teils' passiv mitgeholfen. Gegen die Vorherrschaft der Linken machen sich jetzt bei einem Teile der „Allgemeinen", des „Misrachi" und seitens der palästinensischen Unternehmerschaft Widerstände geltend. Sie sind vorwiegend wirtschaftlicher Natur. Die Judenstaatspartei hat immer und grundsätzlich das Eindringen der Ideologie des Klassenkampfes und der Internationale in den Zionismus bekämpft. Aber es muß hervorgehoben werden, daß ihre Gegnerschaft wesentlich anderen Charakters ist, als diejenige der oben erwähnten Gruppen. Die Judenstaatspartei ist nicht gegen die Zionisten-Sozialisten, weil sie eine Aenderung aer bestehenden Gesellschaftsordnung anstreben. Als Anhänger des großen Sozialreformators Popper-Lynkeus erachten die Judenstaatszionisten jede Gesellschaftsordnung als nichtswürdig, in welcher auch nur e i n Mensch hungert oder in seiner Lebenshaltung nicht gesichert ist. Sie erstreben die „Nährpflicht" der Gesellschaft gegenüber jedem Menschen und die Dienstpflicht jedes Menschen in der „Nährarmee" des Staates, Sie wollen also eine tiefergehende Umwandlung der heutigen Gebellschaftsordnung als die Sozialisten, lehnen aber Hert Klassenkampf unbedingt ab, weil «r nicht den einzelnen Menschen vor Hunger und Mangel bewahrt, und so auch geistig frei macht, sondern nur an Stelle der Herrschaft einer Klasse und ihrer Bürokratie die Herrschaft einer anderen setzt. Vom zionistischen Standpunkt aus ist die Judenstaatspartei gegen die Zionisten-Sozialisten, v/eil die Idee vom Klassenkampfe mit der Idee von der nationalen Solidarität und der Dienst an der Internationale mit dem Dienste am Judenstaate unvereinbar ist. Die Zionisten-Sozialisten sind auf einen politischen Irrweg geraten, welcher vom Judenstaate wegführt. Wer Patriot der Internationale ist, kann nicht zionistischer Patriot sein. Er wird, vor Entscheidungen gestellt, die Interessen der Internationale höher werten, als die Interessen der jüdischen Nation. So haben es die Zionisten-Sozialisten immer gehalten und so halten sie es jetzt, mögen sie sich auch bei rethorischen Gelegenheiten eines hundeCprozentigen Zionismus rühmen. Sie haben ihn nicht. Auf Tagungen der Zionisten-Sozialisten ist das Bild von Karl Marx zu sehen, nicht das Bild Theodor Herzls, desgleichen in ihren Kolonien, Schulen und Klubs. Bei Festlichkeiten und Aufzügen erscheinen sie mit Fahnen der Internationale, nicht mit Fahnen und Schmuck in der blau-weißen Nationalfarbe. Ihr Gruß ist der Gruß der Internationale, ihr Lied die „Internationale" und nicht die zionistische Hymne. Man sage nicht, daß das weniger wichtige Aeußerlichkeiten seien. Die Wahl von Bildern und Emblemen ist •^mptomatisch und von eminenter erzieherischer Be- Hotk PMäsiina zu den besonders verbilligten So m in erp reisen i I. Kl. Hin- und Rückfahrt jetzt nur S $86aa! Die Palästina-Eillinie des »LLOYD TRIESTINO« ist seit einem J ahr^ehnt die Linie des jüdischen Einwanderers und Touristen! Touristenklasse einfache Fahrt nur S 246.50, Hinu. Rückfahrt nur S 493—, alles in zwei- und vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher und schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) 6 Abfahrten im Monat mit den großen Schiffen „GALILEA", „GER USALEMMJS«, „PALE¬ STINA" (je 12.500 Tonnen Depl.) auf der direkten Palästina-Linie, außerdem dichter Verkehr via Aegypten, Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer „LLOYD TRIESTINO" Wien I, Kärntnerring 6, Tel. U 47-5-60 Von der amerikanischen Judenstaatspartei Aus New-York: Die Judenstaatspartei Amerikas hielt dieser Tage in New York ihre erste Landeskonferenz ab und nahm folgende Entschließungen an: 1. Die britische Regierung als die Mandatarmacht Palästinas wird aufgefordert, Juden auf Kronländercien zu beiden Seiten des Jordans anzusiedeln. 2. Die Palästina-Regierung soll gemeinsam mit der Zionistischen Organisation die Garantie für eine öffentliche Anleihe übernehmen, deren Ertrag zur Absiedlung von 10 0.0 00 jüdischen Familien zu beiden Seiten des Jordans zu verwenden sei. Ferienfahrt der Czernowitzer Allgemeinen Zeitung mit SammelpaB nach Polen und Czernowitz am 7. und 28. Juli für 4 und 8 Wochen Technische Durchführung, Anmeldung und Auskunft: „Oesterr. VerkehrsbUro", Wien I, Friedrichstr. 7, Tel. B-27-500, „Oesterr. VerkehrsbUro", Wien I, Grcben 20, Tel. U-29-0-35, Polnisches Reisebüro „ORBIS", Wien I, Kfirntnerstr. 41, Tel. R-21-5-78. ReisebUro „MarienbrUeke", Wien I, Rotenturmstraße 26, Tel. R-24-2-86, R-24-2-87 Judenstaa(§pavlei Oesterreichs Montag, 2 4. Juni, punkt 1A2l Uhr: Parteiratssitzung im Heim, I., Werdertorgasse 14. — Bezirkssektion XX. Wichtige Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Mitglieder unbedingte Pflicht! Dienstag, 2 5. Juni: In allen Bezirksgruppen linden Plenarversammlungen der Jugendgruppen und d<» „Brith Hakanaim" statt. Wichtige Tagesordnung. Achtung/ ludenstaatler! Reklamationsfrist bis 3 0. Juni 193 5: Sichert euch das Wahlrecht! Nehmt Einblick in die Wählerliste! Die Wählerliste liegt auf im Zentralheim der Judenstaatspartei, I., Werdertorgasse 14 (täglich 19 bis 22 Uhr). Tel. Anfragen: A-20-2-78. * Freiwillige Mitarbeiter werden ersucht, ihr© Adressen sofort dem Sekretariat, I., Werdertorgasse 14, oder den Bezirksgruppen bekanntzugeben. Judenstaatler! Von eurer Mitarbeit hängt unser Erfolg ah. Meldet euch sofort. deutung. Die Jugend glaubt an Symbole. Unterm Bild von Karl Marx wachsen keine zionistischen Patrioten, und wem die Internationale Ideal ist, dem kann ein Judenstaat nur wenig oder nichts bedeuten. Aber man ist ja wirklich nicht darauf angewiesen, die Einstellung der Zionisten-Sozialisten nach Symbolen zu beurteilen. Ihre Handlungen decken sich mit den Symbolen. Nachstehend werden einige Fälle angeführt, in welchen die Zionisten-Sozialisten vor die Entscheidung gestellt waren, als zionistische Patrioten oder als Patrioten der Internationale zu handeln. Londoner Wahlen 193 0. Im Jahre 1930 gab die Regierung Mac Donald — damals noch reine sozialistische Arbeiterregierung — das berüchtigte Weißbuch über Palästina heraus, welches wohl die antizionistischeste Auslassung war, die je von englischer Seite gekommen ist. Das Weißbuch, in welchem das Recht der Juden auf Palästina fast zur Gänze bestritten und das Recht der Araber auf Palästina vorangestellt war, wurde von allen Zionisten als jüdisches Nationalunglück erachtet. Wenige Wochen später fand eine Parlamentswahl im jüdischen Londoner Stadtviertel Whitechaple statt. In ihrer Entrüstung beschlossen die Juden, als Antwort auf das Weißbuch, den jüdischen, das zionistische Programm vertretenden Gegner der Kandidaten der Arbeiterpartei zu wählen. Als die Kampagne für den zionistischen Juden in vollem Gange war, erschienen plötzlich die Zionisten-Sozialisten und begannen für den Kandidaten der antiäonigtißcheri Arbeiterregierung