Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 473 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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'Seite" 2 JMÖB MTOll WESJI meindehilfe; es ist eine Schnorre rgemeindc — dieses altbcrllhmte Adrianopel.* Thrazien, dieser Brückenkopf zwischen Europa und Asien, wird in einigen Jahren rein türkisch sein; außer den Juden, die heute kaum 7000 bla S000 Seelen zählen (vor dem Balkankrieg zählte Adrianopel allein über 30.000 Juden), sind weder Armenier noch Griechen hier zu treffen. Wenn die türkische Regierung beabsichtigt, Thrazien rein türkisch werden zu lassen, so trifft sie bereits alle Maßnahmen zur Durchführung dieses Tianes. Die erste Etappe der jüdischen Emigration aus Thrazien ist Istanbul. Kein Wunder, daß diese Stadt, die das Herz des türkischen Judentums heute beherbergt, voll ist von wandernden Juden; kein Wunder, daß diese ausgehungerte und verzweifelte Menge die BUroräume der Ica belagerte und stürmte, um ein Z e r t if ikat cu bekommen; kein Wunder, daß die sephardische Jugend, die hier verkommt, weil sie sich in ihrem Schicksal verlassen fühlt, rebellisch wird. Die Ausschaltung der Juden aus den öffentlichen Diensten, Banken, Fabriken und staatlichen Industrien ist ein Faktum, das mit keinem Worte dementiert werden kann; sie ist die Ursache der Belagerung der Ica-Räume. Die Ansammlungen vor den Lokalitäten der Ica, die öfteren Exzesse der Petenten wegen ungenügender Zertifikatenzuteilung usw. schufen eine heiße Atmosphäre in der Zurnbul Sokak, wo die Ica amtiert. Die Regierung beobachtete durch geheime Agenten das Treiben in dieser jüdischen Gasse und — schließlich hat die Polizei die Sperre der Ica-Lokalitäten veranlaßt. Die öffentliche Ruhe wurde niemals in dem Maße gestört, daß eine Schließung der Ica gerechtfertigt wäre. Aber das rege Leben in der Zumbul Sokak war zweifellos der Ausdruck eines zu kräftigen jüdischen Lebens. Eine Regierung, die keine Minorität duldet, kann auch kein öffentliches aktives Aufscheinen einer Minorität dulden! Die Zumbulstraße ist seit zwei Jahren eine ausgesprochen jüdische Straße geworden. Seitdem Palästina eine Lebensnotwendigkeit für das Judentum geworden ist, entdeckten auch die türkischen Juden (trotz der vielen Sünden der Vergangenheit) ihr jüdisches Herz für Palästina. Für sie ist heute Palästina ein Lebensprob l ern; dies fiihlt das ganze sephardische Volk hier. Dies fühlen auch die ersten „kj ugen" Notabein, die auf die Minoritätsrechte verzichtet haben, und diese Herren wagen jetzt nicht mehr, den Mund aufzumachen, weil ... es graust ihnen vor der bitteren Realität der Gleichberechtigung. Das Resultat dieser Gleichberechtigung ist nämlich eine ausgehungerte jüdische Jugend, die nirgends unterkommen kann. Bei der Schließung der Ica verhaftete die. Polizei einige Desperados der jüdischen Jugend und bekam beim Verhör die gebührende Antwort. Diese Desperados erklärten, aus einigen Städten aus Thrazien zu rstammen, wo fast keine' jüdischen Gemeinden mehr existieren. Wir wandern in Istanbul ziellos, ausgehungert, g*bt uns Arbeit oder lasset uns nach Palästina auswandern! Arbeit bekommen oder auswandern! Das ist das Lebensproblem unserer jüdischen Jugend. Und da nur türkische Muselmanen Aufnahme in die Betriebe bekommen, steht diese Jugend vor einem fürchterlichen Nichts. Keine Arbeit und keine — Auswanderung. Welch namenloses Unglück diese Gewaltmaßnahme der Ica-Sperre verursachte, ist leicht vorstellbar. Leute, die seit Jahren warteten und endlich reisebereit waren, sahen sich plötzlich verhindert, die Reise anzutreten, weil die Zertifikate von der Behörde beschlagnahmt wurden. Leute, die von der neuen Schpdule Zertifikate erwarteten, sahen sich in ihren Hoffnungen betrogen. Was bezweckte eigentlich die Regierung durch diese drakonische Maßnahme? Will sie die Auswanderung der Juden verhindern, so kann sie dies durch eine gute und gerechte Politik tun, kulturell und ökonomisch durch Oeffnen aller Türen zu den Aemtern, Fabriken und staatlichen Betrieben. In dieser Beziehung könnte die türkische Regierung von Jugoslawien lernen. Im gerechten Jugoslawien ist die Auswanderung der Spaniolen sehr gering, fast null. Wünscht die türkische Regierung die Auswanderung, so ist es ein Gebot der Humanität, sie durch polizeiliche Maßnahmen nicht zu hindern. Eine konsequente und gerechte Regierung würde zuerst die Existenz eines Palästina-Amtes legal gestatten; eine konsequente Regierung, Mitglied des Völkerbundes, der das Palästina-Mandat völkerrechtlich, anerkannte, würde die Auswanderung nicht hindern. Wochen sind verstrichen, seitdem die Ica ihre Palästina-Tätigkeit eingestellt hat; wir haben bis jetzt kein Regicrungskommunique" über diesen Vorfall gelesen; vielleicht betrachtet die Regierung die ganze Sache für ein einfaches „fait divers", eine Bagatelle, die keinen Kommentar benötigt! Und dennoch müssen wir wiederholen: Der Vorfall ist ein lebenswichtiges Problem des türkischen Judentums. Es ist im Interesse des Landes, ein offenes Wort über diese Angelegenheit auszusprechen. Die allgemeine türkische Presse veröffentlicht von Zelt zu Zeit Palästina-Berichte, die mit viel Interesse gelesen werden; die zionistische Auslandspresse wird zensurlo» eingeführt, auf den Straßen Peras Öffentlich zum Verkauf angeboten. Und dennoch hat die türkische Regierung ein offenes Wort in dieser Sache bis jetzt nicht ausgesprochen. So steht die jüdische Jugend, die Arbeit and Auswanderung will, vor einer tragisch*» Situation! Jüdische Arbeitslose in Wien Der Leiter des unentgeltlichen Arbeitsnachweises der Wiener Kultusgemeinde, Dr. A. Schmerler, machte dem J.-T.-A.-Vertreter Mitteilungen aur Frage der jüdtsehen Arbeitslosen: In den ersten .fünf Monaten dieses Jahres wurden im Büro für unentgeltlichen Arbeitsnachweis der Kultusgemeinde 1766 neue Arbeitslose angemeldet. Mit dem aus dem Vorjahre übernommenen Stand beträgt die Zahl der in dieser Stelle allein vorgemerkten jüdischen Arbeitslosen 402Q Personen. Der Arbeitslosenanstieg nimmt jedoch kein Ende. Infolge schlechten Geschäftsganges bauen jüdische Unternehmer ihre Angestellten und Arbeiter ab und lassen ihre Betriebe auf. Es erscheinen jedoch im Arbeitsnachweis nicht nur entlassene Angestellte, sondern auch Unternehmer mit ihren Familienangehörigen als Arbeitsuchende. Es ist symptomatisch, daß sehr viele Kaufleute und Gewerbetreibende im Alter von 40 bis 70 Jahren infolge der durch die Gewerbeordnung getroffenen Maßnahmen, die eine Umstellung auf irgend einen neuen Geschäftszweig unmöglich machen, als Arbeitsucher auftreten und ihre Arbeitskraft um jeden Preis anbieten. Unter diesen ehemaligen Angehörigen des jüdischen Mittelstandes sind Juristen, Bankbeamte, Geschäftsleiter und Buchhalter wie auch Schlosser, Spengler, Installateure, Elektriker, Automechaniker, Ledergalanterie-Erzeuger und nun auch Chauffeure zu finden, die vor dem Nichts stehen. Der Arbeitsnachweis hat wohl in der letzten Zeit etwa 80 bis 90 Stellen suchende monatlich untergebracht. Diese an und für sich nicht zu unterschätzenden Erfolge sind jedoch viel zu gering im Verhältnis zur Zahl der Arbeitsbedürftigen. Dr. Schmerler wendet sich an die jüdischen Unternehmer mit der Bitte, an ihre arbeitslosen Brüder nicht zu vergessen. Msto - 5#*tfH#*fcf Aus Polen 3,500.000 Juden — 5 Abgeordnet« Aus Warschau: Im Verfassungsausschuß des Sejm führte der Sprecher des Jüdischen Klubs, Deputierter Dr. Rothenstreich, aus: Die dreieinhalb Millionen Juden Polens fordern nicht allein eine entsprechende Vertreterschaft im Parlament, sondern auch eine solche Vertreterschaft, zu der sie Vertrauen haben. Laut dem zur Verhandlung stehenden Projekt haben die Juden bestenfalls in fünf Wahlkreisen Aussicht, je ein Mandat zu erringen, in den übrigen über 90 Wahlkreisen werden sie leer ausgehen. In Ostgalizien z. B. wird auf 650.000 jüdische Stimmen ein Mandat entfallen, in den Wojwodschaften Wilna, Lublin und Bialystok werden über 1,200.000 jüdische Stimmen ohne jedes Man da t ausgehen. In den Senat werden die Juden überhaupt keinen Vertreter entsenden können. Die jüdische Bevölkerung empfindet die ihr zugestandenen wenigen Sitze im Parlament als einen hingeworfenen Knochen; man will lediglich den Eindruck vermeiden, als hätte man die Juden ganz ihrer Repräsentanz beraubt. Polen 11 Czernocüitz Ferien-Sonderrelsen nadi Direkte Fahrt, Abfahrt: 7. u. 21. Juli; 11. u. 25. August. Rückfahrt: 4. August u. 15. September. Aufenthaltsdauer ganz Ihrem Urlaub angepaßt. Auskünfte, Prospekte „IRUT" I, 1, ü-44 5-79 Zum Pogrom in Grodno und Suwalky Aus Warschau: In Warschau sind Abordnungen der jüdischen Gemeinden in Grodno. und Suwalky eingetroffen, um beim Innenminister Klage über die blutigen Vorkommnisse in diesen Städten zu führen. Die Jüdische Gemeinde Grodno hat wegen der Unruhen, bei denen der 21jährige Israel Berezowski getötet wurde, eine Trauerwoche proklamiert. In seiner Grabrede für Berezowski sagte der Gemeindepräsident Trop-Krinski: „Was will man von uns? Tun wir nicht alles für das Wohl des Landes? Warum gibt man uns Steine statt Brot? Wir aber wollen nicht verzweifeln. Unser Blut und unsere Tränen werden die Welt erzittern machen. Hier am offenen Grabe im Angesichte des Opfers rufen wir unser altes „Höre Israel" in die Welt hinaus." Der Bürgermeister von Grodno, Viktor M i s k i, hat einen Aufruf an die Bevölkerung gerichtet, in dem er es beklagt, daß sich in der Stadt Szenen zugetragen haben, wie sie dieselbe niemals erlebt hat. Zu seinem Schmerze hätten auch zahlreiche Jugendliche an den Unruhen teilgenommen. Die Jugend hat sich in widerwärtige und unehrenhafte Angelegenheiten eingelassen, die von dunklen Elementen zwecks Raub und Plünderung inszeniert wurden. Ohne die Teilnahme Jugendlicher hätten die Ausschreitungen rasch unterdrückt werden können. Mögen die polnischen Mütter es nicht zulassen, daß ihre Kinder durch barbarische Taten sich besudeln! Nr. 473 ------- —.......-■- -• - ■ -------------------- Tollwutige Wis§en§diaft Juden und Bazillen Das Berliner „Deutsche Aerzteblatt", Heft Nr. 23, veröffentlicht einen Vortrag „Der Arzt »!« Führer und Erzieher", des Oberfeldarztes Doktor Pe 11re t bei der Eröffnung der Führerschule der Deutschen Aerzteschaft. Der gelehrte. Herr sagte: „Binzen e r und Menschen, die nicht zur Gemeinschaftsbildung geschritten sind, bewahren ihr Leben nur dadurch, daß sie sich als Parasiten vom Gemeinschaftswesen erhalten. Dies gilt von den Bakterien wie von den Juden« Nahe liegt ein Vergleich der Juden mit Tuberkel-, bazillen. Fast alle Menschen beherbergen Tuberkel« bazillen, fast alle Völker der Erde Juden; eine chronische, schwer heilbare Infektion. So wenig wie der menschliche Körper die Tuberkelbazillen in die Organisation seiner Gemeinschaft aufnimmt, so wenig nimmt eine natürliche, artgleiche Volksgemeinschaft Juden in ihren organischer* Verband auf; sie werden im besten Falle als Parasiten er« tragen. Uebcrall in der Natur ist der Wirt vom Parasiten scharf unterschieden. Der Wirt muß, damit er leben kann, der Stärkere sein. Ist der Parasit stärker, dann gehen oft beide, immer aber der Wirt, zugrunde. Der Tuberkulose erliegen schwache Menschen eher als kräftige, die jüdische Infektion befällt nur rassisch schwache Völker. Die Tuberkulose behandeln wir in erster Linie durch Stärkung der eigenen Kräfte des Körpers; die jüdische Infektion ist nur heilbar durch Stärkung der rassischen Kräfte eines Volkes ... Ein amerikanischer Professor Professor C. G. Campbell, Präsident der New* Yorker „Gesellschaft für eugenische Forschung", hat in einem Gespräch mit dem New-Yorker J.-T.-A.-Vertreter zugegeben, daß er der Verfasser einer Reihe von der deutschen Nazi-Presse abgedruckter Artikel über das Parasitentum der jüdischen Rasse ist. Er erklärte aber gleichzeitig, daß er nicht (!) Antisemit sei und dafc die Artikel das Ergebnis seiner „wissenschaftlichen" Arbeit darstellen. Schließlich gab Campbell zu, daß er im Sommer 1934 Deutschland besucht und ein persönlicheo Gespräch mit Julius Streicher geführt hat. CampbeH's Theorie über „Jüdisches Rassenparasitentum" lautet: „Warum trifft die allgemeine Rassenintoleranz nur? die Juden? Weil die Juden noch der primitiven Gewohnheit eines Nomadenstammes anhängen. Sogar eine Periode territorialer und nationaler Autonomie reichte nicht aus, diese nomadische Stammeseigentümlichkeit zu ändern. Die jüdische Rasse bleibt ein nom^a-lscher, Stamm mit seinem eigenen Gott, und sie ist über diesem Punkt nicht hinausgekommen." Campbell schildert sodann das nach seiner Ansicht bestehende jüdische „Parasit e n t u m", sagt, die Juden besitzen den wenigstem Mut und die geringste Moral, und fordert zum Schluß ein Verbot der Heirat zwischen Ariern und! Juden und die Strafe der Sterilisierung; gegen engere Beziehungen zwischen ihnen. Die deutsche Nazi-Presse gab die Ausführungen Campbeils, den sie' den „bedeutenden amerikanischen Anthropologen" nennt, in großer Aufmachung wieder. General Smufe warnt die Antisemiten Aus Johannisburg: Auf dorn in Johannisburg ab* gehaltenen 11. Kongreß des südafrikanischen Board ot Deputier wurde vom Vorsitzenden ein Schreiben de« Justizministers und ehemaligen Ministerpräsidenten General Smutn verlesen, in dem es heißt: „Zu meinem Bedauern stelle ich fest, daß trotz früherer Verwarnungen die verschiedenen Bewegungen antisemitischen Charakters ihre Tätigkeit nocll immer fortsetzen. Ich möchte die Gelegenheit benutzen, um eine bei einem früheren Anlaß abgegebene Erklärung zu wiederholen, Gesetz und Ordnung worden um jeden Preis gewahrt werden, und wenn diejenigen, die den Rassen, und Religionskampf zwischen den verschiedenen Teilen unserer Bevölkerung fordern, Unannehmlichkeiten haben werden, so worden sie dies nur sich selbst zuzuschreiben haben. Die Polizei und die übrigen mit der Handhabung des Gesetzes betrauten Behörden überwachen sorgsam diejenigen, die diese gefährliche Propaganda treiben. In einer Welt voll Schwierigkelten für unsall« hat der jüdische Teil unserer Bevölkerung einen mehr als angemessenen Anteil an Sorgen und Problemen. Es ist mein und meiner Kollegen in der Regierung aufrichtiger Wunsch, daß Ihr Kongreß zur Lösung dieser Probleme beitragen möge." Auf dem Kongreß wurdo eine Resolution gefaßt, in der auf die die Juden und dio südafrikanische) Nation schädigende Wirkung der im Lande getriebenen verleumderischen antljüdlschen Propaganda hingewiesen und gefordert wird, daß eine kraftvolle Kampagne zur Aufklärung und Erziehung der öffentlichen Meinung gegenüber dieser Propaganda eingeleitet werde. König-Georg-Wald in Palästina Aus London (J. T. A.): Aus dem großen Park in Windsor wurde ein „König-Georg-Baum" zur Verpflanzung in den König-Georg-V.-Jubiläums wald, der auf den Hügeln bei Nazareth auf Nationalfondskode n angelegt wird, ausgewählt. 222 Hotel Bellevue 222 Pörtsdiadh am Worthersee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. 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