Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-06-21 · Heft 473 (21.6.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 473 (21.6.1935)
Date
1935-06-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712097--5140-2718717
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Preis 20 Groschen Jahrgang 9 freitags den *!« Jhmi 19$S Titl Vnive^tsbibliotl Nr« 413 V*b*b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par rediteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig B 4.—, ganzjährig S lß.—; Polen monatlich; Zloty L6& vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jngoslawien monatlich Dinar Hertel« jährig Dinar 40.—; Enmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—? DentscMsnd monatlich Mark 1.—, vierteUahrlg Mark 3.—: Bnlearlei» monaUich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lira U.-~i Schwein und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. j Mit El bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion U.Verwaltung: IX, Universitätsstr.8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstagu.Freitag Spaltung im „Allgemeinen" Zionismus Krakauer Konferenz — ein Debakel Schon seit längerer Zeit waren Bestrebungen im Zuge, alle „Allgemeinen" Zionisten in einem Weltyerband zu vereinigen. Die verschiedenen Schattierungen und Gruppierungen im Allgemeinen Zionismus brachten es mit sich, daß dieser an Halt, Einfluß und Prestige verlor und jenen Prozeß beschleunigen half, dessen Resultat in einem Uebergewicht des linken zionistischen Flügels bestand, beziehungsweise besteht. Allenthalben machten sich im Allgemeinen Zionismus zentrifugale Kräfte geltend und es kam schließlich so weit, daß man von einem Zerfall des Allgemeinen Zionismus, des „Zionismus der Mitte", sprechen konnte. Nach einem Jahr hoffnungsloser. Bemühungen kam nun endlich die Konferenz in Krakau (16. bis 18. Juni) zustande, welche die Aufgabe hatte, einen Weltverb and. der Allgemeinen Zionisten zu schaffen. Initiatoren dieser Konferenz waren die verschiedenen Fraktionen im Allgemeinen Zionismus einzelner Länder und die Radikalen Zionisten, mit dem Wunsch, sich in den bestehenden Verband der Allgemeinen Zionisten einzugliedern. Diese Eingliederung kam, wie Dr. Nahum Goldmann (der. .als.:Delegierter der Radikalen Zionisten der Krakauer Konferenz beiwohnte) in einem Referat im Wiener. C'ontinental-Saal ausführte, nicht, z u s ta n d e. Die einzelnen- Gruppen der Allgemeinen Zionisten waren bereit, die Organisationsform und die Statuten des Verbandes der Allgemeinen Zionisten anzunehmen, um die Gründung des geplanten Weltverbandes zu ermöglichen. Aber die Herren der Krakauer Konferenz, so berichtet Dr. Goldmann, stellten an die bereitwilligen Eintrittler Forderungen, die dahin gingen, daß die bisherigen Machtverhältnisse im Verband der Allgemeinen iZonisten auch nach dem Eintritt der neuen Gruppen unverändert bleiben müssen. Der Allgemeine Zionismus hat sich als unfähig erwiesen, die so notwendige Partei der Mitte zu schaffen. Die moralische Krise, in der sich der Allgemeine Zionismus befindet, wurde in Krakau mit erschreckender Deutlichkeit offenbar. Die Krakauer Konferenz war ein Debakel, ein tragisches Kapitel in der Geschichte des Zionismus. Die Gegensätze ließen sich nicht überbrücken und so geschieht es, daß nunmehr zwei Organisationen den Allgemeinen Zionismus vertreten werden. Damit ist die Spaltung , im Allgemeinen Zionismus vollzogen. ■anmaHBaBaBMBKMnDMBnBMMBMnnnMHi Gin 6Mammetlos setofmtt tum S 58ci ber'am'3)icnsiaa ftattgefunberien II. iU'ajfenlots tertC5ieT)unß entfiel, -ber erjie■ $auptttcffei oon S 40.000 abermals auf fcas nom 23anf* u. 2Ced)feIr)au6 S th e U f) a m nie: w. 6 d) a t * c x a, SBien I., Stefansplatj 11 in 8/s Anteilen oerfaufte 2os Kr.. 8050. Eine oftfzieile Darstellung Das Bureau der „WeltVereinigung Allgemeiner Zionisten" veröffentlicht eine Erklärung, iworin es heißt: „Nach Austritt aus dem Weltvcrband allgemeiner Zionisten haben die Landesgruppen der allgemeinen Zionisten aus Deutschland, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Lettland sowie die Gruppe der Mithkadmim aus Palästina gemeinsam mit den Landesgruppen von England, Kongreßpolen, Schweiz und der Gruppe „Kidmah" die „WeltVereinigung der Allgemeinen Zionisten" konstituiert, der sich noch folgende Gruppen bereits angeschlossen haben: die Progressiven und die Radikalen in Oesterreich, die Mithkadmim in Litauen, der Haschachar in Ostgalizien, der Hanoar Hazioni (Jugendorganisation in Polen) sowie der Hechaluz Haklall-Zioni (Allgemeine Zionistische Chaluz) in Kongreßpolen. Der Sitz der neuen Weltvereinigung ist L o n>d o n. Die provisorische Leitung liegt in den Händen der Herren Kev. I. K. Goldblum, Dr. Nahum Goldmann, Paul Goodmann, Rev. M. L. Perlzweig und Martin Roscnblüth. Die Leitung der Palästinagruppe besteht aus den Herren Kurt Blumenfeld, Dr. M. Glücksohn, I. Grünbaum, Dr. G. Krojanker, M. Komodny, N. Medzini und S» Suchovvitzki. Die Weltvereinigung wird für die Kongreß-Wahlen ©ine eigene Welt-Wahlli»te aufstellen. Kurz vor dem Kongreß findet eine Konferenz aller der Weltvereinigung angeschlossenen Gruppen in Luzern statt." Zur Motivierung dieses Schrittes wird ausgeführt: Die Gründe, die die oben erwähnten Gruppen Scur Gründung der Weltvereinigung genötigt haben, resultieren in erster Reihe aus der durch die Majorität des Weltverbandes allgemeiner Zionisten geschaffenen Situation. Die Krakauer Konferenz wurde nach langen und mühevollen Vorverhandlungen zwischen der Leitung des Weltverbandes und den anderen, ihm nicht ange. Bchlossenen Gruppen einberufen, um die Möglichkeit einer [Erweiterung des Weltverbandes durch den Eintritt dieser Gruppen zu schaffen. Die zur Konferenz erschienenen I^andesorganiwitionen und Gruppen, die dem Verband bisher noch nicht angehörten, erklären sich im vorhinein bereit, unter Annahme des Krakauer Programme» und der Statuten des Weltverbandes sich demselben anzu- Pension Irma Meister. Meran Ide.iler qanzjährlger Aulenthalt, letzter Komfort, Gerühmte Küch'i. herrl. l'-nk. mäßige Preise. Verlanuen Sie Prospekte ■WD Hots! Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Komiort. Elegant« Zimmer. Nahe am Meer und Kasino, Idealer AufenthaH, Komplette Pension; iPrcs.35,- schließen. Lediglich für die englischen Zionisten vyurde eine einzige Ausnahme von den Statuten des Verbandes verlangt, nämlich die Freigabe ihrer Abstimmung bei der Wahl der Exekutive. Dieses Verlangen wurde im Hinblick auf die spezifische Lage der englischen Zionisten als der Landesorganisatiou des Mandatarlandes gestellt und alle Gruppen des Weltverbandes erklärten, die Berechtigung dieser Forderung einzusehen. Statt jedoch die Voraussetzung für die Ausgestaltung des Weltverbandes zu einer einheitlichen Organisation aller allgemeinen Zionisten zu schaffen, erklärte die Majorität des Weltverbandes, daß sie die Aufnahme der neuen Gruppen an Bedingungen knüpfen müsse, insbesondere was deren Haltung in der Frage des in Widerspruch zu den Beschlüssen der vorjährigen Krakauer Konferenz geschaffenen Irgun der allgemeinen zionistischen Arbeiter in Palästina betrifft. Damit bewies die Majorität des Weltvcrbandes, daß sie nicht den guten Willen hatte, alle allgemeinzionistischen Gruppen, die bereit waren, bedingungslos das Krakauer Programm zu akzeptieren, zur Mitarbeit im Weltvcrband zuzulassen. Durch ihr Verhalten hat die Majorität des Weltvcrbandes bewiesen, daß ihr an der Sicherung ihrer Majorität mehr liegt als an der loyalen Zusammenarbeit mit'allen allgemeinzionistischen Gruppen im Rahmen eines Weltverbandes. Dadurch war die Gründung einer neuen Organisation der allgemeinen Zi'on l s t e n im Interesse der organisatorischen Zusammenfassung des allgemeinen Zionismus unvermeidlich geworden. Die neuo Weltvereinigung steht allen allgemeinzionistischen Gruppen offen. Der Allgemeine Zionismus ist nun neuerlich gespalten. Es gibt also keinen ,, Welt verband", sondern zwei sich heftig bekämpfende Organisationen, den „Verband" und die „Vereinigung". Die türkischen Juden können nidtl auswandern Nadfi der Sperre der lea Von unserem Istanbuler Korrespondenten Barzel Vor einigen Wochen gab es in der Türkei ein Ereignis, das Aufsehen und Bestürzung unter den Juden, hervorrief. Ganz unerwartet, auf Grund einer speziellen geheimen Order aus Ankara, veranlaßte die türkische geheime politische Polizei die Schließung des hiesigen Emigrationsbüros der Ica; der Leiter des Büros, der; Zionist Saadia Tcherniak, wurde in Haft genommen, das Dokumentenmaterial der Tca, sowie die Korrespondenz mit der Zionistischen Exekutive beschlagnahmt und das Büro versiegelt. Es gab hier keinen jüdischen Menschen, der von diesem Ereignis nicht tief berührt worden wäre. Jeder be* mühte sich, hinter das Geheimnis dieses unverständlichen Schrittes zu kommen; leider ist dies bisher nicht gelungen/ Wir wissen noch immer nicht, welche Faktoren hinter den Kulissen die traurige Rolle von Denunzianten gespielt haben. Eines aber gilt als sicher, daß der Schlag nicht gegen die Ica an sich gerichtet war, sondern gegen das ganze türkische Judentum. Die Ica war hier nicht bloß eine philanthropische Institution, die Hilfe für durchreisende Emigranten - leistete, sondern sie erfüllte gleichzeitig indirekt die Mission eines Palästina-Amtes für das türkische Judentum. Es galt der Palästina-Bewegung der_türJki« schen Juden einen Schlag ins Herz zu versetzen: an diesem Schritt läßt sich das wahre Gesicht der türkischen Regierung .ejpkennen. Es besteht kein Zweifel, daß der Umfang, de? Tätigkeit der Palästina-Aemter überall als Maßstab für die Lage der Juden in dem betreffenden Land dienen kann. Wenn ein Palästina-Amt von Petenten belagert wird, so liegt der Beweis vor, daß die Auswanderung als die einzige Rettung aus der Judennot betrachtet wird. Sbottler beooräugen al§ erfrifdjungSgeträn!;rebIouer Sauerhrunn Während viele Länder, welche die elementare Freiheit der Minoritäten als etwas Selbstverständliches be* trachten, den Vorzug genießen, eigene legale Palästina- Aemter zu besitzen, können sich die Juden unseres Landes nicht des bescheidensten Palästina-Amtes erfreuen. Es war bisher ein Glück, daß die Ica sich nebenbei mit der Auswanderung der Juden nach Palästina befaßte. Die Arbeit war ungeheuer groß. Denn die türkische Judenheit stellt heute relativ eine ungeheure Masse von „Exportjude n" dar, die nur auf ein Signal warten, um den Auswanderungsweg anzutreten. Sie ist in den letzten Jahren dermaßen pauperisiert worden, daß fast nur „Luftmensch en" geblieben sind, die ihr Leben in schrecklichem Elend verbringen. Die Ungewißheit der Zukunft, der Mangel an innerer und äußerer Hilfe, treiben tausende Menschen, die nach Luft und Brot schreien, zur Verzweiflung. Die schrecklichen Ereignisse des Vorjahrs in Thrazien haben eine Angstpsychose hervorgerufen. Die meisten jüdischen Gemeinden in Thrazien, mit Ausnahme von Adrianopel und Kiklareli, sind in Auflösung begriffen; die Geschichte dieser kleinen Gemeinden läuft unbemerkt ab,, die großen Gemeinden machen einen Aussterbeprozeß« mit. Ich verbrachte einen einzigen Tag in Adrianopel; das Elend der jüdischen Bewohner hier ist unbeschreiblich;. 80 Prozent der jüdischen Bevölkerung schreien um Ge- V0RANZEIQE JUDEN STAATSPARTEI ÖSTERREICH! . EMIL MARGULIES spricht in (Dien Im Verlaufe der nächsten Woche wird der langjährige Führer des Zionismus in der Tschechoslowakei aus Anlaß des kommenden Zionistenkongresses mehrere Vorträge „Probleme des Zionismus" in Wien abhalten. Dr. Emil Margulies zählt zu den glänzendsten Rednern der Zionistischen Weltorganisation. Art und Zeit der Vorträge werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.