Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 472 (18.6.1935)
- Date
- 1935-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sfelte 2 DIE NEUE WELT Nr. 432 Die Paläsrina#Regieruiig berichtet dem Völkerbund Wieder 2 Millionen Pfund Steuerüberschuß — Steigende Einfuhr und Ausfuhr — Kreditwürdigkeit des Landes — Kämpfe '/wischen Juden — Illegale Einwanderung Fßrtßnfahrt der Czernowltzer Allgemeinen Zeitung mK Umrmlprt am* Polen und Czernowitz am 7. und 28. Jiitf Mir 4 und 8 Wochtit T«hnisch« Ovr«kf0hrung, Anmaßung und Ankunft: „Owterr. VsrkihrtbOro", W»w i, FriNrMMtr. 7, Tel. 8-27-800, „0est«rr. ffrtahraMra", Wien I, Öriben M, Tel. U-29-0-3S, ftfirisches ReisebOrt „OMIS", Wim I, Kirntnerttr. 41, Tel. R-21-S-7«. ReliebBre JWtrt«flbrQeHe", Wien I, lUtenturmstraBe 2«, Tel. R-24-2-W, R-J4-2-I7 Paktes mit Hitler-Deutschland für die Annahme der Resolution stimmte. Wie dem auch sei — von einer öffentlichen Tribüne herab wurde für die deutschen Juden die Wiederherstellung ihrer Rechte in Deutschland verlangt # Die Presse meldet, daß Hitler den berüchtigten Theo Habicht, den gewesenen „Landesinspekteur" Oesterreichs, zu einer Aussprache empfangen habe. Habicht war nach dem Naziputsch und Kanzlermord vom 25. Juli 1934 bei der reichsdeutschen Hetzstello gegen Oesterreich in Ungnade gefallen, und man rechnete allgemein damit, daß er nicht mehr aus der Versenkung auftauchen werde. Sein jüngster Besuch bei Hitler läßt nichts Gutes ahnen. Immer behielten diejenigen recht, die behaupteten, daß die Friedensbeteuerungen der Naziführer nicht ernstgenommen werden können und daß die Versuche, Oesterreich gleichzuschalten, nicht aufgegeben seien. Der abgesägte Habicht, der immer für Teiroranwendung gegenüber Oesterreich wir, hat scheinbar wieder die Gunst der höchsten Führerstellen im Reich errungen. Das neue Mittel, für den Nationalsozifil.'smus und gegen Oesterreich im Ausland Stimmung zu machen, heißt — Volksabstimmung. Die im Ausland lebenden Oesterreicher werden gefragt, ob sie für ein Naziregime sind und das Resultat dieser Frage soll als Basis einer Aktion bei den europäischen Staaten und beim Volksbund dienen, denen vor Augen geführt werden soll, daß die Auslandsösterreicher — zufolge freier Abstimmung — sich zum Nationalsozialismus bekennen, während die Inlandsösterreicher unter Druck stehen und ihre Willensmeinung, die identisch ist mit ihren ausländischen Brüdern, nicht bekunden können. Das ist die neue Methode, der neue Agitationsplan. Daneben werden zweifellos wieder die alten terroristischen Mittel angewendet werden. Habicht in Gnade bedeutet Unruhestiftung. Aber Oesterreich ist gerüstet. Es kennt die Praktiken und Kniffe der Unentwegten. Der österreichische Bundeskanzler betonte in seiner Antwortrede an Hitler und an das Hakenkreuz, daß es in diesem Sommer bei uns Ruhe geben werde. Die Exekutive weiß, was sie zu tun hat. So oft irgend eine Regierung mit Hitler-Deutschland verhandelt, sehen die Gegner des Naziregimes darin eine Verletzung der demokratischen Prinzipien, beziehungsweise eine Stärkung des Hakenkreuzes. Sie vergessen, daß jedes Land — über Wohlwollen oder Antipathie für ein Regime hinaus — seine Interessen zu wahren hat und wahrt, mögen auch die politischen Dogmatiker mit solch einer Methode nicht zufrieden sein. Die letzten Strömungen in der i t alienischen Politik lösten vielfach Nervosiät aus, ebenso wie die deutsch-englischen Flottenverhandlungen, und man konnte da und dort die Vermutung aussprechen hören, daß der bisherige antinazistische Kurs einzelner Mächte einer hitlerfreundlichen Haltung Platz gemacht habe. Das ist nur scheinbar der Fall. Man darf sich durch äußere Zeichen nicht täuschen lassen. Im übrigen ist es absurd, zu glauben, daß irgendein Staat zugunsten jüdischer Interessen — mögen sie noch so berechtigt sein — auch nur auf ein Körnchen verzichten würde. Das jüdische Volk, seit fast 2000 Jahren in der Defensive, ist hier sehr empfindlich. Es sieht das Weltgeschehen, die Weltpoiitik, mit seinen Leidensaugen. Man wird nicht viel für uns tun. Eine Protestresolution (siehe Kongreß der Völkerbundligen in Brüssel!) ist bereits etwas. Zunächst müssen wir s e 1 b st uns helfen. Der juden staatliche Zionismus, und n u r er, hat uns den Weg gewiesen. Es gibt keinen anderen. o. r. Zum Tode Sdfimarja Levins An der Montag, den 10. Juni, stattgefundenen Bestattung Sch. Levins in Tel-Aviv nahmen viele Tausende teil. Reden wurden nicht gehalten. Der Oberkommissar ließ sich durch einen hohen Beamten vertreten. In Amerika blieb zum Zeichen der Trauer am Begräbnistag das Hauptbüro der Zionistischen Organisation geschlossen. Die amerikanische Presse veröffentlichte ausführliche iWürdigungsartikel, die zionistischen Kreise hielten Trauersitzungen ab. Jüdisches im Radio Mittwoch, den 19. Juni 17.30 Uhr: Brüssel (483,9 Meter), Jehudi VIenuhin (Schallplatten). Freitag, den 21. Juni 11.45 Uhr: Radio Paris f 1648 Meter), Aua- Sendung der Volx d'Iarae'l. 20.45 Uhr: Radio Paris (1648 Meter), Alte Musik für Cello, von Joseph Salmon. Samstag, den 22. Juni 13.05 Uhr bis 13.30 Uhr: Wilna (565 Meter), Jüdische Musik auf Schallplatten. In dem Jahresbericht, welchen die Palästina- Regierung jetzt der Mandatskommission vorgelegt hat, heißt es u. a.: Die optimistischen Erwartungen bezüglich der Einkünfte der Regierung im Jahre 1934 wurden durch die Tatsachen noch übertroffen. Nach revidierter Schätzung betragen die Einkünfte der Regierung vom 1. April 1934 bis zum 31. März 1935 5,3 5 0.0 0 0 Pfund gegenüber einem Voranschlag von 3,482.655 Pfund. Am stärksten ist die Erhöhung der Einkünfte bei den Zöllen, Hafen- und Schiffsgebühren, aber auch die Autolizenzen, Werk3- und Zehentsteuern haben, obwohl bei den letzteren wesentliche Nachlässe gewährt wurden, die veranschlagten Beträge überschritten; bedeutende Erhöhungen zeigten auch die Einkünfte aus Stempelgebühren, Streichhölzer- und Tabaksteuern, Gerichtsgebühren und Gebühren für die Registrierung von Gesellschaften sowie für die Registrierung von Einwanderern. Die größte Einzelerhöhung zeigten die Einkünfte aus Grundstückregistrierungen. Bei der Aufstellung der Schätzungen der Einkünfte für 1934/35 schien es zweifelhaft, ob die damals herrschende lebhafte Geschäftstätigkeit weiter anhalten würde. In Wirklichkeit wurden aber die Rekorde des Jahres 1933/34 im Jahre 1934'35 noch weit überschritten. Der Gesamtwert der Einfuhr stieg von 11,268.795 Pfund im Jahre 1933 auf etwa 15,420.000 Pfund im Jahre 1934, der der Ausfuhr von 3,435.495 auf etwa 4,420.000 Pfund. Etwa 156.000 Dunam Boden im Werte von 8,378.000 Pfund wurden 1934 verkauft gegenüber 149.899 Dunam im Werte von 5,266.092 Pfund im Jahre 1933. Rund 6 Mil- KREUZ-KINO Wollzeile 17 * Tel. R-24-2-16 Das Rfltscl der COlnston-Farm Honen Pfund Sterling wurden im Häuserbau investiert gegenüber 5,600.000 Pfund Sterling im vorangegangenen Jahr; die Vergrößerung der Zitruspfianzungen betraf rund 50.000 Dunam gegen 44.000 Dunam im Jahre 1933. 227 neue Gesellschaften mit einem Kapital von 2,180.000 Pfund wurden eingetragen (1933: 89 Gesellschaften mit einem eingetragenen Kapital von 540.000 Pfund), 35 Gesellschaften erhöhten ihr Kapital von 1,737.000 auf 4,141.000 Pfund. Die Einlagen bei den führenden Banken betrugen am 30. November 1934 ungefähr 1 4,00.0 00 Pfund, das heißt um 1,700.000 Pfund mehr als am 31. März 1934 und rund doppelt soviel wie vor einem Jahr. Der Bericht erwähnt die Anleihe der Stadt Tcl- Aviv bei der Prudential-Versicherungsgesellschaft in der Höhe von 350.000 Pfund (wurde inzwischen auf 1,000.000 Pfund erhöht), die 500.000-Pf und-Anleihe der Jewish Agency bei der Lloyds Bank und die Ausgabe neuer Aktien der Palestlne Electric Corporation im Betrage von 600.000 und der Palestine Potash Ltd. im Betrage von 350.000 Pfund. Diese Anleihen wurden langfristig gewährt; der Zinsfuß ist niedrig festgesetzt. Dies beweist, welch hohes Vertrauen man dem Land entgegenbringt. Der Bericht stellt, fest, daß es einen Nachteil darstellt, wenn die Möglichkeit des Exports von Zitrusfrüchten nach Deutschland davon abhängig gemacht wird, daß die Exporteure den Absatz deutscher Waren auf Märkten, die weit entfernt von Palästina sind, fördern. Die Spannung zwischen sozialistischer Arbeiterschaft und Revisionisten, wird in dem Bericht weiter ausgeführt, ist dadurch verschärft worden, daß die Revisionisten den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt durch Unterbietung des gewerkschaftlich festgelegten Arbeitstarifs aufgenommen hätten. Daß die Vereinigung der jüdischen Landwirte bei der Einstellung von Arbeitern eine Bevorzugung der Revisionisten erkennen ließen, ändere die Lage nicht, da die Gewerkschaft entschlossen ist, das wichtige Arbeitsfeld in den Orangenpflanzungen gewerkschaftlich unorganisierten Juden oder Arabern nicht zu überlassen. Die Gewerkschaf tmitglleder hätten ihren Kampf bis zu Ueberfällen auf Revisionisten und Störung ihrer Versammlungen getrieben; Schlägereien in den Straßen von Tel-Aviv seien keine Seltenheit gewesen. Der Bericht bemerkt weiter, daß die jüdische Arbeiterschaft vor Gewaltanwendung bei der Fernhaltung arabischer Arbeiter von jüdischen Unternehmungen besonders bei Bauarbeiten in den Städten nicht zurückschreckt. Das systematische Pos tonst c h e n habe wiederholt zu Gewalttätigkeiten und zur Verhaftung und Verurteilung jüdischer Posten geführt. Nach diesem Beispiel hätten um das Jahresende Araber begonnen, eine ähnliche Taktik zu befolgen, um nichtjüdische Arbeitgeber zu veranlassen, gelernte jüdische Arbeiter aus den Betrieben zu entfernen. Der Bericht stellt fest, daß die illegale Einwanderung nicht auf Juden beschränkt blieb. Es habe unter den illegalen Einwanderern auch viele Hauranier gegeben. Im letzten Jahr sind 2407 Personen, davon 722 Juden deportiert worden. Das Einschmuggeln von Einwanderern nach Palästina sei auf verschiedenen Wegen erfolgt. Die Mehrzahl der illegalen Einwanderer sei über die Nord- und Nordostgrenze gekommen, wo sich hauptsächlich aus Arabern bestehende Grenzbanden mit diesem illegalen, aber einträglichen Geschäft befassen« Außerdem hätten Segelboote aus Syrien und Aegypten an einsamen Stellen der Küste illegale Einwanderer an Land gebracht; von Stützpunkten auf griechischen Inseln aus hätten eigene Dampfer an der Beförderung illegaler Einwanderer teilgenommen. Auch Offiziere und Mannschaften von Dampfern, die den regulären Palästina-Verkehr besorgen, seien wegen Ermöglichung unerlaubter Landung verhaftet worden. Zum Schluß wird Klage darüber geführt, daß die Kontrolle der illegalen Einwanderung infolge der Weigerung der Oeffcntlichkeit, in dieser Frage mit den Behörden zusammenzuarbeiten, erschwert wurde. Es sei der Polizei unmöglich gewesen, vom Publikum Informationen über die Einschmuggelung und den Aufenthalt illegaler Einwanderer zu erhalten. * Bemerkenswert an dem Bericht ist, daß er der Klagen über Behinderung der jüdischen Einwanderung und Ausschaltung der Juden von Beteilung mit Rcgicrungsboden keine Erwähnung tut. Dafür geht er sehr ausführlich auf die innerjüdischen Kämpfe im Lande ein und spricht, entgegen den Erklärungen der Revisionisten, von einem Lohndruck seitens der Revisionisten. Der Bericht unterstreicht die jüdische Intoleranz und findet wenig Worte für die arabische. Das und manches andere in dem Bericht bedarf der Aufklärung und Entgegnung. KlaiseiikampfsSdiulen in Palästina Auf Kosten der jüdischen Steuerzahler Aus Jerusalem wird berichtet: Oer sozialdemokratische palästinensisch-jüdische Arbeiterverband „Histadruth Haowdim" und der W a a d L e u m i, die Exekutive der offiziell anerkannten Jüdischen Gemeinschaft Palästinas (Knesseth Jisrael), sind übereingekommen, daß das bisher von der Histadruth erhaltene Schulnetz für Arbeiterkinder in die Verwaltung des Waad Leumj übergeht. Der Waad Leumi, der schon bisher die Arbeiterschulen subventioniert hat, wird nunmehr die vollen Kosten derselben übernehmen, wobei die Unterrichtsautonomi« gewahrt bleibt. Das Schulnetz der Histadruth zählt 102 Schulen in 70 Siedlungen mit 200 Lehrern und über 4000 Schülern. Zur Aufklärung sei bemerkt: Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) ist eine staatlich anerkannte öffentliche Körperschaft, welche bei allen Juden Steuern einhebt. Die Histadruth- Schulen sind Anstalten einer politischen Partei, in welchen die Kinder vom zartesten Alter in klassenkämpferischer Ideologie erzogen werden. Die Lehrer werden von der Partei ernannt, die Schulbücher von der Partei herausgegeben. (Erst vor kurzem hat Professor Weizmann, sonst ei» unbedingter Freund der Linken, seiner Entrüstung über den Inhalt dieser „Schulbücher" Ausdruck gegeben.) Der Beschluß des Waad Leumi hat einen Zustand in Palästina geschaffen, welcher wohl einzig in der Welt ist: Steuerzahler müssen Partei- Schulen erhalten, in welchen die Kinder zur Feindschaft gegen sie erzogen werden. Linke Sozialisten und „Allgemeine Zionisten" bilden die Majorität im Waad Leumi. Sein Beschluß beweist, daß die Herrschsucht und der Uebermut der „Linken" und die verhängnisvolle Schwäche der „Allgemeinen Zionisten" maßlos geworden sind. Das kann kein gutes Ende nehmen. Judenreine Medizin und Kran« kenpflege Obersdhlesien ausgenommen Aus Berlin: Der Innenminister hat bestimmt, daß di'i Zulassung zu den Prüfungen als Wohlfahrtspfiegerin, Hebamme und technische Assistentin an medizinischen Instituten, Masseurin, Säuglings- und Kleinkinderpflegerin, Säuglings- und Kleinkinderschwcster, Kiüppelpflege- und Erziehungsschwester, sowie als Krankenpflegepereon vom Nachweis arischer Abstammung abhängig ist. Ausnahmen hievon können nur beim Vorliegen besonderer Gründe gestattet werden. Die Approbation als Arzt oder Zahnarzt wird Nichtariern bis auf weiteres versagt. Nur in Ausnahmefällen wird die Approbation erteilt. Die Einschränkungen ftir die Zulassung nichtarischer Kandidaten finden Ms auf weiteres keine Anwendung auf die der Minderheit angehörenden Einwohner des Abstimmungsgebiete« dier Provinz Obers c Ii 1 (' « 1 c ii. In trostlosem Dunkel ein schwacher Lichtschein: O b c r s c h 1 c s i c n. Es ist notwendig, daraa au er*