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Die neue Welt · 1935-06-18 · Heft 472 (18.6.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 472 (18.6.1935)
Date
1935-06-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen lahrgang 9 Dienstag/ den 18« Inni 1935 185 Nr« 472 V*b» h* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par IMlteaz" IR! IE \f U IE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 140, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.80« vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jngoslawien monatlich Dinar ".-^vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bai Karlen monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung : IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Ersdieint Dienstag u, Freitag Nicht einmal reden dürfen sie... Maßregelung der deutsch-jüdischen Assimilation Das deutsche Hakenkreuz, bzw. der deutsche Nationalsozialismus hat, wie alle Welt weiß, die „Lösung <|er Judenfragc" mit seltener Energie begonnen und weitergeführt; in einer Art allerdings, die vom Standpunkt der Humanität, des Rechtes, der Gesittung und der völkerrechtlichen Moral ebenso weit entfernt ist wie von der praktischen Vernunft. Verfolgung, Entrechtung, Verfemung bis zur physischen Peinigung und bis zum Totschlagen — das sind die Stationen dieser von Amts wegen und von der nationalsozialistischen Partei aus geübten „Lösung". Vor kurzem wurden gegen eine Reihe bekannter jüdischer Persönlichkeiten Verbote erlassen, in Versammlungen und Zusammenkünften (!) zu sprechen. Bis in den privaten geistigen und kulturellen Bezirk hat die deutsche Behörde gegriffen. Die Juden in Deutschland dürfen also über ihre eigenen jüdischen Sorgen, Bedürfnisse und Ideale nicht mehr reden ... Wie die J. T. A. erfährt, sind generelle Redeverbote ergangen gegen den bekannten Berliner Rechtsanwalt, Politiken und Schriftsteller Di: Bruno Weil, Vizepräsidenten des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens; gegen den religiösliberalen Repräsentanten der Berliner Jüdischen Gemeinde Bruno Woyda; gegen den Schriftsteller und Begründer des Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt a. M. Professor Martin Bub er. Daneben wurde in Berlin und in der Provinz eine große Reihe Versammlungen verboten, baw. aufgelöst, in denen Sprecher des Zentralvereines und des-Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten für eine Lösung des deutschen Jude.nproblems auf deutschem Boden eintraten, bzw. eintreten wollten. Was das Verbot gegen Martin Buber betrifft, so fällt es aus diesem Rahmen heraus. Es richtete sich wohl gegen seine scharfe Formulierung der unzerstörbaren jüdischen Ewigkeitswerte. Interessant ist, daß, als Buber gegen das gegen ihn ergangene Redeverbot Einspruch erhob, dies zum Erfolg hatte, daß dann dieses Verbot auch auf seine Lehrtätigkeit ausgedehnt wurde. Hingegen aber sollte das Verbot gegen Bruno Weil eine ganze Richtung im deutschen Judentum •treffen; eben die hauptsächlich vom Zentralverein re-. präsentierte Richtung, die für ein Verbleiben der deutsche nJudeninihrerdeutschenHeimat, solange es irgend möglich ist, eintritt. Bruno Weil, die. jetzt aktivste Persönlichkeit im Zentralverein, hatte in allen größeren jüdischen Zentren Deutschlands in Versammlungen die Mahnung an die deutschen Juden ergehen lassen, unbeschadet all dessen, was geschehen, den Gedanken der Emanzipation nicht aufzugeben, sondern eine Lösung der deutschen Judenfrage in Deutschland und von Deutschland aus zu suchen. In seiner Veröffentlichung, die er nach der Abstimmung im Sa arge biet an die Juden richtete, und die ihm in einem Teil der jüdischen Presse im Ausland Angriffe einbrachten, sprach Weil die Hoffnung aus, daß die deutsche Regierung ihre auch den Saarjuden gegebenen Versprechungen halten werde, und er forderte die saarländischen Juden auf, sich in die Reihen der gesamten jüdischen Front in Deutschland einzureihen und mit ihr den Kampf um ihre Rechte gemeinsam zu führen. Es ist aber offenkundig, daß die Verschärfung des Kurses in der Judenfrage von der Erledigung der Saarfrage ihren Ausgang genommen hat. Sehr bald nach, der Saarabstimmung erging dann ein bisher nicht veröffentlichter Erlaß der Geheimen Staatspolizei, durch den jüdischen Rednern „jede Propaganda für das Verbleiben der Juden in Deutschland untersagt" wurde. Es ist klar, daß diese Redeverbote sich vornehmlich gegen jene jüdischen Politiker richten, welche eine neue Emanzipationsidee propagieren, bzw. ein unbedingtes „Verbleiben der Juden in der deutschen Heimat" befürworten. Das Debakel der ersten großen Emanzipation hat, wie man sieht, die Assimilanten nicht gehindert, neuerdings für ein Festhalten an der bisherigen Aiibiederungspolitik Stimmung zu machen. , Zum Redeverbot erfährt noch die J. T. A.: Reichainnenminister Dr. Frick hat gegen den Berliner Kultuspräsidenten Heinrich Stahl ein Redeverbot erlassen. Direktor Heinrich Stahl, der Nichtzionist ist, weilte vor einiger Zeit in Palästina und schilderte nach, seiner Rückkehr in einer Berliner Massenversammlung die Eindrücke, die er dort empfangen hatte: Er berichtete über das opferbereite Piopiertum der nach Palästina ausgewanderten jüdischen Jugend aus Deutschland und gab der Meinung Ausdruck, daß Palästina noch eine beträchtliche Zahl deutscher Juden, die in ihrer Heimat keine Existenz mehr haben, aufnehmen werde. Anderseits aber warnte er davor, daß Juden, die noch eine gesicherte Existenz in Deutschland haben, auswandern, ohne sich vorher die Möglichkeit einer neuen. Existenzgründung in Palästina oder in anderen Immi« grationsländern gesichert zu haben. Die //Allgemeinen Ziom§ten" unter Druck gesetzt Die Klassenkampf-Gewerkschaft stößt Drohungen aus Zur Zeit tagt in Krakau die Konferenz des Weltverbandes der „Allgemeinen Zionisteh". Auf dieser Tagung wird die Frage, ob die Jugend und die Arbeiterschaft der „Allgemeinen: Zionisteh" äüch weiterhin den linken Klassenkampf-Verbänden angehören sollen, den Hauptgegenstand bilden. Ein Teil der „Allgemeinen", insbesondere die West- und Ostgalizianer, fordern die Gründung selbständiger „allgemeiner" Jugend- und Arbeiterorganisationen. Die palästinensische linke Histadruth sieht ihr Monopol bedroht und setzt alles in Bewegung, um die Schaffung solcher nichtklassenkämpferischer Organisationen zu verhindern. Hiezu meldet die J. T. A. aus Jerusalem: Im Zusammenhang mit der Weltkonferenz der „Allgemeinen Zionisten" in Krakau hat die Leitung der „Histadruth Owdim" an den Weltverband der „Allgemeinen Zionisten" ein Telegramm geschickt, worin es heißt; „Jeder Versuch, eine Scheidewand im Arbeiterlager Palästinas durch die Aufstellung einer separaten Arbeitergewerkschaft von „Allgemeinen Zionisten" zu schaffen oder sie zu unterstützen, ist ein unverzeihlich es.zionistisches Verbrechen, ein Attentat auf die Lebensinteressen der Arbeiterbewegung, eine .Bedrohung des Friedens auf dem Arbeitsgebiet und eine Verletzung der Beschlüsse des Zionistcnkongresses. Alle Freunde der Arbeiterbewegung im Lande und alle ihre treuen Verbündeten in der zionistischen Bewegung werden kategorisch aufgefordert, diese Gründung nicht zuzulasse n." Die J..T. A. meldet ferner aus Krakau: Im Zusammenhang mit der obenstehenden Jerusalemer Meldung erklärte der Vorsitzende des Weltverbandes der „Allgemeinen Zionisten, Dr. Schwarzbarth: „Wir werden die Frage der Schaffung eines allgemein-zionistischen Arbeiterverbandes ruhig und sachlich prüfen und Entschlüsse nach unserem eigenen Gutdünken fassen. Keinesfalls werden wir uns in unseren Entschließungen durch einen Druck oder durch Drohungen beeinflussen lassen." ♦ Auf der gemeinsamen Sitzung der Weltleitung des „Hänoar Hazioni" und des „Hechaluz Haklal Zioni1' 'in Krakau wurde u. a. beschlossen, der Weltkonferenz in Krakau eine Organisationsform als verpflichtend für die ganze allgemein-zionistische Jugend vorzulegen und auf der Konferenz gegen die Anerkennung einer selbständigen all gemeinen Ar b e i t,e rorganisation in Palästina zu kämpfen. - Weltpolitik der Woche Inmitten der allgemeinen Drangsal hat das Judentum einen Erfolg, einen moralischen, zu verzeichnen. So klein er ist im Verhältnis zu den Bewegungen, die jetzt die Welt erschüttern, so gewissenhaft muß man ihn buchen. Auf der Konferenz der Völkerbundligen, die soeben in Brüssel tagte, wurde seitens der palästinensischen Delegation. (Dr. B. Mossinson und Dr. N. Goldmann) und des Vertreters der Jüdischen Völkerbundliga Oesterreichs (Dr. G. Weidenfeld) eine Resolution eingebracht, in . der es u. a. hieß: Die Konferenz des Weltverbandes der Völkerbundligen stellt fest, daß die durch die deutsche Reichsregierung getroffenen gesetzlichen und ad- V0RANZEIGE! JUDENSTAATSPARTEI ÖSTERREICHS Dr. EMIL HARGULIES spricht in (Dien Im Verlaufe der nächsten Woche wird der langjährige Führer des Zionismus in der Tschechoslowakei aus Anlaß des kommenden Zionistenkongresses mehrere Vorträge „Probleme des Zionismus" in Wien abhalten. Dr. Emil Margulies zählt zu den glänzendsten Rednern der Zionistischen Weltorganisation. Art und Zeit der Vorträge werden rechtzeitig bekanntgegeben. mimslrativen Maßnahmen gegen die jüdischen Bürger im letzten Jahr noch ganz bedeutend v-e rstärkt wurden, und protestiert gegen das Gesamtausmaß der Verfolgungen, denen die Juden in Deutschland ausgesetzt sind. Die Konferenz bittet den Völkerbund und alle Regierungen, wirkungsvoll zugunsten der Juden in Deutschland zu intervenieren und Mittel zu finden, um die bürgerliche und politische Gleichberechtigung der Juden in Deutschland wiederherzustellen und dem in dieser Hinsicht in Deutschland herrschenden, das Gewissen der ganzen zivilisierten Menschheit verletzenden Zustand ein Ende zu setzen. Diese ebenso eindeutige wie entschlossene Resolution wurde von der Konferenz angenommen. Die Mehrheit der Delegierten also verurteilte das Naziregime sowie seine Methoden gegenüber den jüdischen Staatsbürgern Deutschlands und gab damit zu verstehen, daß es die Pflicht zur Menschlichkeit höher stelle als partei- und staatspolitische Egoismen. Allerdings zeigte das Abstimmungsbild auch einige dunkle Flecken. Die tschechoslowakische Delegation unter Führung des gewesenen Innenministers Slavik enthielt sich der Abstimmung, und Ungarn, als einziges Land, sprach sich gegen die Annahme des Protestes aus. Was die beiden Delegatinoen durch ihre passive, bezw. ablehnende Haltung zum Ausdruck bringen wollten, ist nicht klar, zumal wenn man berücksichtigt, daß Polen .trotz seines zehnjährigen Freundschafts*

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