Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 471 (13.6.1935)
- Date
- 1935-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47. DIE NEUE WEL* Seite 5 1 West Palästina ist tu klein - OeffnetTran§jordanieii! Lord Melchett, der bereits vor einiger Zeit in einem Brief an die Londoner ,,T i m c s" die Frage der Oel'fnung Transjordaniens für jüdische Siedlung behandelt hat, kommt in einem zweiten Schreiben, das nun von der „Times" veröffentlicht wird, auf die Frage zurück und schreibt: Infolge der Zunahme der Einwanderung kapitalistischer Elemente nach Palästina erklimmen die Preise für Boden und Waren ein hohes Niveau. Das Steigen der Werte, begleitet von akutem Arbeitcrmangel, hat ein starkes Ansteigen der 1* 8 h n e im Gefolge gehabt. Dies wäre an sich nicht durchaus zu beklagen. Es besteht jedoch die Gefahr des Einströmens von Waren aus den an Palästina grenzenden Ländern. Die bei weitem niedrigeren Bodenpreise, Arbeitslöhne und Steuern in diesen Territorien werden die Unternehmungslust dort zum Schaden Palästinas steigern. Wüi*de Palästina zwecks Korrektur solcher Tendenz hohe Einfuhrzölle erheben, so würde dies eine weitere Steigerung des Preisniveaus in Palästina zur Folge haben, was für den Exporthandel katastrophal werden könnte. Auch eine erhöhte Einwandere rfI u o t c allein würde nicht Abhilfe schaffen, denn erhöhte Einwanderung hat erhöhten Verbrauch und damit weitere Arbeiterknappheit und ein weiteres Steigen der Werte im Gefolge. Dieses Problem des Circulus vitiosus ist nicht neu. In Palästina tritt es darum so stark akzentuiert auf, weil das einer so intensiven Entwicklung unterworfene Gebiet klein ist. Die einzige Lösung wäre, das Gebiet territorial zu vergrößern. Die Zahl der Juden vermindern, ist unmöglich. Der europäische und außereuropäische Antisemitismus intensiviert das Tempo und die Energie des Zionismus. Eine Vergrößerung des Gebietes ist für die ganze Zukunft des Zionismus von einer vitalen Bedeutung. Eine territoriale Ausdehnung nach Syrien hin wäre katastrophal. Denn da kämen die Juden in eine zwiefache U n t e r t a n s c h a f t, was ihnen ja Jahrhunderte lang in der Welt eine Quelle der Konflikte war. Die einzige Lösung besteht in der Angliederung Trans Jordaniens an das palästinensische Entwicklungsgebiet. Letzten Endes wird eine Der jüngste Zertifikaten? §kandal Die ,/AIIgememen" sehr spät empört Zur Frage der Zuweisung von Palästina-Zertifikaten für österreichische Bewerber schlägt das Organ der Allgemeinen Zionisten Oesterreichs, ,,Die Stimme", vom 7. Juni d. J. Alarm. Der betreffende Aufsatz nennt sich zur Ueberraschung aller Zionisten, die ihren Sinn für Wirklichkeit nicht verloren haben, „Skandal, i m Pa 1 ä s t i n a - A m t". Wirklich eine Ueberraschung! Viel eher wäre der Titel „Skandal im Jerusalemer Exekutivbüro" oder vielleicht gar „Skandal im Allgemeinen Zionismus" berechtigt. Denn nicht das Wiener Palästina-Amt ist schuld, sondern die von den Allgemeinen aller Länder verhätschelte Exekutive mitsamt ihrem Einwanderungsdepartement unter Führung des Radikalen Jizchak Grünbaum. Das Sprachrohr der österreichischen Allgemeinen Zionisten erzählt, Oesterreich bekomme 135 Zertifikate, aber auch die rftcht unversehrt, denn die Rechnung sehe folgendermaßen aus: 10 bereits als Vorschuß ausgegeben, 16 für die Agudas Jisroel in Oesterreich, 25 für Verwandte in Palästina, 49 für Chaluzim. Das macht zusammen 100, es verbleiben daher zur Verteilung 35 Zertifikate. Von diesen erhält der linke Handwerkerverband Haowed 33. Nach dieser Rechnung kommen ganze 2 Zertifikate zur — man beachte das Wort — Verteilung. Als seinerzeit die judenstaatlerischc Opposition Bich gegen die Monopolwirtschaft der Linken wandte und einen energischen Protest aller am Palästina- Aufbau interessierten Gruppen verlangte, als die Judenstaatler als einzige Möglichkeit einer Remcdur den Kampf gegen die Linken und ihre Nachbeter Verlangten, blieben die Anhänger der „Stimme" dieser Aktion fern. Sie schwiegen. Ja mehr noch. Sie lachten höhnisch über unseren patriotischen Eifer. Vielleicht erkennen sie heute, wras sie angerichtet haben. Jetzt schreien und drohen sie. Ja, sie drohen. Als wir vor den Folgen einer Kompromißpolitik warnten, taten die Allgemeinen, als wüßten sie nicht, was dieses Wort bedeutet. Heute drohen sie der Zionistischen Organisation und sprechen von „verhängnisvollen Folgen". Mit Ausnahme der Radikalen Endlich, endlich war die Stunde gekommen, wo u 11 e zionistischen Parteien Oesterreichs Protest fccgen die Willkürherrschaft auf dem Gebiet der Zcriifikatcnzutcilung erhoben; alle, bis auf die Radisolche Angliederung unvermeidbar sein. Der Jordan kann nicht immer die Grenze sein zwischen einem Lande überströmender Prosperität und einem Lande der Armut und der Entbehrung, wie es Transjordanien ist. Ich bin mir der politischen Schwierigkeiten einer solchen Lösung bewußt, aber ich bin überzeugt, daß die Politik der wirtschaftlichen Notwendigkeit wird weichen müssen. Wird diese Lösung verwirklicht, dann wird sich das ganze zionistische Bild ändern. Es werden sich die Vorteile eines völlig verschieden gearteten Einwanderungsgebietes einstellen; für die Millionen Pfunde, die noch der produktiven Investierung harren, bietet sich ein Abflußweg. Araber und Juden werden Ellbogenfreiheit gewinnen. Es eröffnet sich ein Areal zu fruchtbarer Kultivierung, das die Energie und das Kapital einer ganzen Generation, wenn nicht gar zweier Generationen, wird absorbieren können. Die politische Zukunft eines solchen Gebietes ist sowohl für das britische Volk, das Palästina und der Judenheit viel geboten hat, als auch für die arabische Bevölkerung Palästinas und Transjordaniens, die viel zu gewinnen hat, vor allem aber für die Juden, für die eine solche Lösung Freiheit und Erlösung aus Elend und Unterdrückung in ihren jetzigen Wohnländern bringt, von großer Bedeutung. Letzten Endes wird Transjordanien aus reiner wirtschaftlicher Notwendigkeit in das Gebiet einbegriffen werden müssen, das jetzt eine Neugeburt durchmacht, und das als eine sich selbst regierende Institution innerhalb des weiten und generösen British Empire frei und glücklich gemacht werden kann. Gegen einen solchen Plan, der mit Geist und System des Mandates voll übereinstimmt, könnte der Völkerbund nichts einwenden. Aeußerst unwahrscheinlich ist es auch, daß etwa ein anderes Volk eine so natürliche Entwicklung mit unfreundlichen Augen betrachten könnte. MATURASCHULE JHIIMSOM" II IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 || ■■■MM» . kalen Zionisten, die es sich versagen müssen, ihrem Führer Jizchak Grünbaum ein Mißtrauensvotum zu erteilen. _r „ . Dieser Protest des Wiener Palästina-Amtes ging nach Jerusalem. Er hat folgenden Wortlaut: 11. Juni 1935. An die Jewish Agency for Palestine, Immigration Department, Jerusalem. Sehr geehrte Herren! Die in der Palästina-Amts-Kommission anwesenden Vertreter sämtlicher zionistischen Parteien Oesterreichs haben, mit Ausnahme des Verbandes der Radikalen Zionisten, mit größter Bestürzung von der Zuteilung von Kaum 135 Zertifikaten für Oesterreich Kenntnis genommen. Diese Zuteilung ist ausschließlich dazu angetan, die große Kluft, die zwischen den einzelnen Parteien hier herrscht, bis zur Erbitterung zu vertiefen. Ganz besonders unverständlich ist es uns, daß die Exekutive der Agudah, dio hier immer als größter Feind des Palästina-Aufbaues auftritt, lß Zertifikate zugewiesen hat, während sämtliche zionistischen Parteien gänzlich ohne Zertifikate ausgehen müssen. Es berührt uns besonders peinlich, daß die Exekutive auf die Verhältnisse in der österreichischen Provinz keine wie immer geartet« Rücksicht nimmt. Die Leute in der Provinz gehen wirtschaftlich vollkommen zugrunde und wir können ihnen nicht einmal den Schein einer Hilfe angedeihen lassen. Wir erheben alle zusammen, mit Ausnahme des Verbandes der Radikalen Zionisten, ohne Unterschied der Partei feierlichsten Protest gegen die geringfügige Zuweisung von Zertifikaten und verlangen in letzter Stunde Abhilfe. Wir sind von unseren Organisationen beauftragt, Ihnen mitzuteilen, daß für den Fall der nicht sofortigen Gutmachung die größte Gefahr für den Erfolg der weiteren zionistischen Arbeit in Oesterreich besteht. Hochachtungsvoll mit Zionsgruß Für die Palästina-Amts-Kommission: Die Vertreter der einzelnen Gruppen. 148 STUNDEN ARBEIT : in welchem Beruf immer, das ist eine ganze : Woche einseitiger Betätigung. Diese einseitige : Betätigung führt zu erhöhter Ermüdung der bei : der Arbeit besonders beanspruchten Körperf partien, aber auch zur Erschlaffung der minder : beanspruchten. Sport und Natur sind der ge- : botene Ausgleich, aber auch der Gebrauch von I DIANA-Franzbranntwein mit Menthol, Tägliche i Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreis- : lauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll : zur Mund- und Haarpflege Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA". Weisen Sie : ■* minderwertige Nachahmungen zurück. "WD Hotel Bellevue "W3 Pörlsdhadi am Wörfhersee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. 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Ich wollte mich schließlich beschweren, wurde aber daran gehindert. Die jüdischen Hörer werden also nach wie vor um ihr Recht kommen, etwas aus dem großen Bereich der jüdischen Musik und Literatur vorgesetzt zu erhalten." Hochachtungsvoll S. K. Wien, XVII., Hernalscr Hauptstraße 103. Zwiefacher Ton Wir erhalten folgende Zuschrift: „Das revisionistische Organ .Der Judenstaat' beschäftigt sich in seiner Ausgabe vom 6. Juni 1935 im Leitartikel mit der Lage im Zionismus, wobei es auch die Judenstaatler erwähnt und nochmals die Legende vom Schmattes-Sammler (Lumpensammler) auftischt. Der Ton ist nicht sehr sanft, im Gegenteil. ,Der Mann', heißt es dort in bezug auf Mcir Großmanns Propagandareise, ,der im Hofe mit dem Sack geht und versucht, gewisse Dinge zu sammeln . . wahrlich, keine sehr appetitliche Sprache. Die gleiche Nummer bringt eine Ueberraschung. Vorn, auf der ersten Seite, ist das Blatt ein wenig rüde; weiter hinten überfließt es geradezu von höfischem Zeremoniell. Da heißt es z. B. auf Sietc. 7, Spalte 1: .Samstag vormittag empfing Jabotinsky Vertreter des Bundes jüdischer Frontsoldaten, des Bundes legitimistischer jüdischer Frontsoldaten und des Rings der Altherrenverbände, die um Audienzen angesucht hatten.' Und auf derselben Seite, Spalte 4: ,Der Präsident der Isr. Kultusgemeinde Wien, Dr. Desider Friedmann, machte Sonntag vormittags bei Jabotinsky in dem Hotel, wo er abgestiegen war, seine Aufwartung. Jabotinsky versprach, bei seinem nächsten Wiener Aufenthalt die Institutionen der Kultusgemeinde zu besuchen.' Diese beiden Stellen bezeugen ein großes Maß von Selbstbewußtsein und — Distanzvermögen. Man weiß nur nicht, ob man dies einem unbeholfenen Stil oder einem Vonobenherabsehen zuschreiben soll." Mit Zionsgruß Ing. Th. Gallia. Rambain und Wvitxi IMerley Unsere Redaktion erhielt nachstehendes Schreiben: „Das zionistische Landeskomitee und die Sektion Frater der Allgemeinen Zionisten fühlen sich bemüßigt, jetzt, nachdem der Tag des 800. Geburtstages Maimonides längst vorbei ist, noch rasch eine Feier zu veranstalten. Die Feier soll würdig sein. Der Vizepräsident der Kultusgemeinde wird sprechen. Seine Exzellenz, der spanis c'h e Gesandte, hat sein Erscheinen zugesagt. Josef Schmidt wird Arien oder „Schlager" (vielleicht beides) zum besten geben. Außerdem wird noch die Sängerin Fritzi M e r 1 e y den heiligen Moscheh ben Maimon besingen. Wie man sieht, eine großangelegte und würdige Feier. Es bleibt noch die Frage offen: will man Maimonides feiern oder Geld verdienen. Denn will man letzteres, dann ist allerdings das Auftreten von Künstlern, deren Anziehungskraft vielleicht auf anderem Gebiet liegt, wichtig. Sei es aber wie immer, die orthodoxeste Sektion der Allgem. Zionisten und das ist die Sektion Prater (?) hat sich selbst übertroffen. Sie hat Maimonides geehrt. Sie hat Geld verdient und „jüdischen" Künstlern ein Auftreten in einem würdigen Rahmen verschafft. Dort, wo Köpfe sind, gelingt eben alles." Hochachtend Abraham W., Wien, II., Engerthstraße. Filme der Wodie (Nach den Herstellungsländern zusammengestellt) Palästina: Segen der Arbeit (Avodah) Amerika: Sturm über Mexiko — Die rote Spur — Zirkus Barnum England: Frankensteins Rückkehr — Mein Herz der Königin Deutschland (Arierparagraph): Sehnsucht nach dem Glück — Jede Frau hat ein Geheimnis Frankreich: Hölzerne Kreuze Radiovortrag. Der Geschäftsführer der Oesterreichisch-palästinensischen Wirtschafts- und Handelskammer wird am 21. d. M. um 17 Uhr 15 Min. bei Radio Wien einen Vortrag über „Exportmöglichkeiten nach. Palästma" halten.